PCGH-Plus Label [PLUS] AMD-Mainboards mit AM4 im Test: 5× X470 und 1× X370 zum Vergleich

PCGH Plus: Nicht nur das Ryzen-CPU-Portfolio hat dieses Frühjahr eine Frischzellenkur erhalten, auch die Mainboards wurden runderneuert. Wir vergleichen fünf X470-Vertreter mit einer X370-Platine von 2017. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 07/2018.

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 AMD-Mainboards mit AM4 im Test: 5× X470 und 1× X370 zum Vergleich
Quelle: PC Games Hardware

AM4-Mainboards, Gen 2

Als AMD im vergangenen Jahr die Zen-Architektur in den Massenmarkt einführte, waren die Urteile einheitlich gespalten: Für die Ryzen-CPUs gab und gibt es allerorten großes Lob, die zugehörige AM4-Plattform trübte aber gleich mit mehreren Schwachstellen den Gesamteindruck. Das Durcheinander bei der Kühlerkompatibilität konnte einige Monate und diverse Nachrüstkits später zu den Akten gelegt werden und die anfangs sehr problematische Speicherkompatibilität und -Übertaktbarkeit wurde nach und nach mit UEFI-Updates verbessert. Das Fragezeichen hinter der Mainboard-Produktpalette als solcher blieb aber bestehen.

AMD-Fans beschweren sich über "Zu wenig Auswahl und keine High-End-Platinen" bei den Mainboard-Herstellern; wer Intels Sockel-1151-Niveau gewohnt ist, beklagt "maximal Mittelklasse-Ausstattung" bei den X370-Mainboards und zum Teil deutliche Abstriche bei den B350-Modellen. Mit der Ryzen-2000-Generation alias Pinnacle Ridge hat AMD im April die Qualitäten der CPUs weiter ausgebaut und das Niveau von Intels bislang besten Coffee-Lake-Prozessoren gekontert (siehe PCGH 06/2018). Zeit zu prüfen, ob der 2018er Mainboard-Jahrgang diesem Anspruch gerecht werden kann.

Gereifte UEFIs

Bezüglich der Stabilität können wir an dieser Stelle bereits Entwarnung geben: AMD hat die neuen Ryzen-CPUs zwar an entscheidenden Stellen beschleunigt, aber keine prinzipiellen Änderungen am ehemals problematischen Speichercontroller vorgenommen. Die Entwickler können ihre gesammelte Erfahrung aus dem letzten Jahr also 1:1 übertragen und wir hatten mit keinem Testkandidaten Probleme. Auch unvollständige Menüs und andere UEFI-Baustellen, welche bei der X370-Generation den Eindruck einer unfertigen, überhastet veröffentlichten Plattform erweckten, sucht man diesmal vergebens.

Leider gilt dies weiterhin auch für einige Optionen, die andernorts zwar weder selbstverständlich noch unverzichtbar sind, sich aber im Alltag als hilfreich erwiesen haben. So bietet beispielsweise kein Testkandidat eine adaptive Vcore-Regelung, die die Kernspannung nur bei tatsächlich erhöhten Taktraten beeinflusst, und auch einzeln abschaltbare SATA-Ports sucht man vergebens, obwohl diese Nettigkeiten für einige Hersteller zur Standard-Ausstattung auf Intel-Mainboards gehören. Wir gehen davon aus, dass der von AMD stammenden UEFI-Basis schlicht entsprechende Möglichkeiten fehlen, denn den Herstellern ist der Mangel durchaus bekannt. MSI verweist beispielsweise als Ersatz für adaptive Vcore-Einstellungen auf eine aggressive Load-Line-Calibration. Von 0 Prozent (Mode1) über die Standardeinstellung von 20 Prozent (Mode3) bis zu 70 Prozent (Mode8) Aufschlag bei der angestrebten Kernspannung erlaubt beispielsweise das X470 Gaming M7 AC unter Volllast - zum Übertakten genügt das. Aber auf Zehntel Millivolt exakt einstellbare Kombinationen aus Idle+Load-Offset und adaptivem Volllast-Spannungsboost, wie ihn einige Core-i7-Übertakter nutzen können, wären auch bei AMD-Besitzern willkommen.

Neue "Features"

Abseits der Mainboard-spezifischen UEFI-Fähigkeiten bewirbt AMD den X470 mit zwei neuen Eigenschaften. Zum einen wurde die Fertigung optimiert und so die TDP von 6,8 auf 4,8 Watt reduziert - maximal zwei Watt Unterschied, bei geringer Auslastung entsprechend weniger, sind tyischen Desktop-Anwendern allerdings egal.

Zum anderen gibt es mit SenseMI eine Caching-Lösung, die zwar allein vom Treiber bereitgestellt wird, über die Lizenzverwaltung aber auf X470-Systeme beschränkt ist. Deren Eigentümer erhalten hier ein ungewöhnlich intelligentes System, das nicht nur SSDs als schnellen Zwischenspeicher für Zugriffe auf Festplatten respektive RAM als Cache für SSD-Zugriffe nutzen kann, sondern erstmals im Desktop beide Ansätze zu einem dreistufigen Speicher-Subsystem kombiniert. So sollen die Größen- respektive Geschwindigkeitsvorteile aller drei Speichertypen optimal zu "einem" günstigen und schnellen logischen Laufwerk kombiniert werden. In der Praxis dürfte SenseMI aber vor dem gleichen Nachfrage-Problem stehen wie alle anderen Caching-Lösungen für Heimanwender: SSDs sind mittlerweile so günstig, dass in neuen Rechnern sowieso nur noch performance-unkritische Daten auf Festplatten gespeichert werden. Programme ihrerseits sind nur selten vom Datendurchsatz der SSDs limitiert.

Ausstattung unverändert

Andere Verbesserungen gegenüber dem X370 sucht man beim X470 dagegen vergeblich - und damit wären wir beim Hauptproblem, das sich durch diesen Test zieht: Schon im letzten Jahr bescheinigten wir dem X370 eine Ausstattung, die hinter dem Niveau von Intels Z170 aus dem Jahre 2015 zurückbleibt. Das Gebotene reicht zwar für die Bedürfnisse der meisten Anwender mehr als aus, jenseits von "ausreichend" haben Intels 200er und jüngst die ersten echten 300er PCHs (siehe PCGH 06/2018) die Messlatte für "gut" aber deutlich angehoben. Und der X470 unternimmt keinen Versuch, diesen Rückstand zu verkleinern.

Unproblematisch ist dabei weiterhin die USB-Ausstattung: Als erster I/O-Hub überhaupt bot der X370 einen internen USB-3.1-Controller. Auch wenn Intels HB360 und H370 mittlerweile über vier native Ports verfügen, liegt der X470 mit deren zweien noch ganz gut im Rennen, denn bei AMD bekommt man zusätzlich USB 3.0 en masse. Sechs Ports bieten die X370-/X470-I/O-Hubs, dazu kommen noch einmal vier weitere von der Ryzen-CPU selbst. Acht- (MSI) oder gar zehnmal USB 3.0 (Asrock, Asus, Gigabyte) zusätzlich zu den USB-3.1-Anschlüssen bieten unsere Testkandidaten intern und extern - da kann kein Intel-Mainboard mithalten. Allerdings hat auch kaum ein Anwender so viele Peripheriegeräte, die mehr als USB 2.0 benötigen.

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