Threadripper-Platinen: Vergleichstest von vier TR4-Mainboards
AMD hat 2017 nicht nur im Mainstream-Bereich vorgelegt, die TR4-CPUs mit 8 bis 16 Kernen stehlen auch dem enttäuschenden Skylake X die Show. Aber was bieten die zugehörigen X399-Mainboards von Asus, Asrock, Gigabyte und MSI? Dieser Artikel stammt aus PC Games Hardware 02/2018.
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Eigentlich wollten wir die X399-Mainboards nicht so lange reifen lassen, sondern kurz nach dem Threadripper-Launch testen. Ehe aber alle Muster eingetroffen waren, zog Coffee Lake mit seiner hohen Spieleleistung die Aufmerksamkeit auf sich. Threadripper dagegen bescheinigten wir im CPU-Test (PCGH 10/2017) zwar eine enorme Anwendungsleistung zu vergleichsweise günstigen Preisen, in Spielen konnten sich die Prozessoren aber nicht von der hauseigenen AM4-Ryzen-Konkurrenz absetzen - zu wenige Titel skalieren mit mehr als acht physischen Kernen (einige bereiten sogar Probleme) und für CPU-Limitierungen ist fast immer eine besonders schlechte Multithread-Tauglichkeit verantwortlich. Die Singlethread-Leistung der AMD-Prozessoren unterscheidet sich aber kaum voneinander, mit der TR4-Plattform möchte AMD dagegen vor allem eins bieten: Mehr.
Ausstattungs-Overkill
"Mehr von allem" ist das Grundkonzept der Threadripper-CPUs. Diese nutzen das gleiche Silizium wie ihre kleinen Ryzen-Desktop-Brüder, aber in zweifacher Ausführung. Daraus ergeben sich nicht nur doppelt so viele Kerne (8 bis 16 statt 4 bis 8, jeweils zuzüglich SMT), sondern auch doppelt so viele integrierte USB-3.0-Ports (8 statt 4) und vor allem doppelt so viele PCI-Express-3.0- und Speicher-Controller. Die Zahl der RAM-Kanäle und -Module steigt auf vier respektive acht (Quad-Channel), der Zugewinn bei PCI-Express fällt gegenüber Ryzen sogar noch größer aus: Im bisherigen Sockel-AM4-Format konnten nur 24 der physisch vorhandenen 32 Lanes genutzt werden. Der Threadripper-Sockel TR4 ist dagegen von AMDs Epyc-Server-CPU-Fassung SP3 abgeleitet, die für vier aktive Silizium-Chips mit acht Speicherkanälen und 128 Lanes entwickelt wurde. Dementsprechend hat Threadripper keine Probleme, alle seine 64 PCI-Express-3.0-Lanes nach außen zu führen.
Zum Vergleich: Intels Sockel-2066-Plattform kommt auf maximal 44 3.0-Lanes von der CPU zuzüglich "bis zu" 24 vom X299-PCH. Typischerweise bleiben auf X299-Mainboards aber nur 10 bis 12 der PCH-Lanes nutzbar, die anderen werden für USB und SATA benötigt. Der X399-I/O-Hub auf TR4-Mainboards kostet hingegen vier CPU-3.0-Lanes und stellt seinerseits nur acht 2.0-Leitungen, zusätzlich aber auch reine SATA- und USB-(3.1-)Anschlüsse bereit. Damit geht das PCI-3.0-Express-Duell mit 60 zu 54 Lanes dennoch knapp zu AMDs Gunsten aus - und die Threadripper-Plattform hat noch ein Ass im Ärmel: Obige Ausstattungsangaben gelten für alle CPUs bis runter zum 1900X für knapp über 500 Euro. Intel dagegen verlangt über 900 Euro für die kleinste CPU mit vollen 44 Lanes und bietet darunter abgespeckte Prozessoren mit 28 oder gar nur 16 Lanes an - was auf X299-Mainboards für extremen Aufwand und zahlreiche Kompromisse sorgt, während sich Threadripper erfreulich einfach gibt.
PCI-Express-3.0-Verteilung
Tatsächlich ist der Einsatz der CPU- und damit aller PCI-Express-3.0-Lanes nicht nur auf einzelnen TR4-Mainboards, sondern im gesamten Testfeld sehr übersichtlich. Asrock, Asus, Gigabyte und MSI setzen einheitlich auf vier mechanische PCI-Express-×16-Slots (PEG) an den ATX-Slot-Positionen 1, 3, 5 und 7, die mit ×16/×8/×16/×8-Lanes beschaltet werden - wohlgemerkt ohne Ressourcen zu teilen: Während auf den meisten Plattformen Lane-Sharing herrscht und die Kombination aus "×16- und ×8-Slot" fast immer für ×16/×0 oder ×8/×8 steht, sind bei TR4-Mainboards insgesamt 48 Lanes für besagte vier Erweiterungsslots verfügbar. Wer zwei Dual-Slot-Grafikkarten mit je 16 Lanes betreibt, kann also noch zwei andere Erweiterungskarten mit je (bis zu) 8 Lanes dazustecken. Triple-Slot-Grafikkarten blockieren diese ×8-Slots allerdings. Nur Asus' Zenith Extreme reicht vier Leitungen des untersten PEG optional an einen U.2-Anschluss für 2,5-Zoll-NVME-Laufwerke weiter.
Aber auch bei Asrock, Gigabyte und MSI gibt es keinen Mangel an schnellen Laufwerkanschlüssen, denn die zwölf PCI-Express-3.0-Lanes, die nach Versorgung der vier Haupterweiterungsslots noch verbleiben, werden einheitlich in drei M.2-m-Key-Slots mit vollen 32 GBit/s investiert. Dank der direkten Anbindung an die CPU kann man den Datendurchsatz für logische Laufwerke prinzipiell sogar noch steigern und mehrere PCI-Express-SSDs zu einem RAID-0-Verbund zusammenschalten - mit Adapterkarten für die ×8- und ×16-Slots sogar deutlich mehr als drei M.2-Module. Ein Szenario mit Praxisvorteilen für eine derartig teure Konfiguration sucht PCGH aber bis auf Weiteres vergeblich.
PCI-Express 2.0 und (W)LAN
Beim X399-I/O-Hub handelt es sich um einen umgelabelten Z370, wie er bereits von AM4-Mainboards bekannt ist. Dementsprechend stehen TR4-Mainboards neben den umfangreichen PCI-Express-3.0-Ressourcen für Grafikkarten, NVME-Laufwerken und schnellen Erweiterungskarten noch acht PCI-Express-2.0-Lanes zur Verfügung. Während diese auf AM4-Mainboards dringend für Erweiterungsslots benötigt werden, können X399-Platinen sie für diverse Onboard-Controller nutzen - Platz für zusätzliche Steckkarten wäre ohnehin nicht vorhanden.
Sehr deutlich wird dies bei MSIs X399 Gaming Pro Carbon: Von den drei noch freien ATX-Slotpositionen 2, 4 und 6 wird die mittlere einer symmetrischen Anordnung der verschieden langen M.2-Slots geopfert, so dass die zwei ×1-2.0-Slots unmittelbar unter den ×16-Grafikkartensteckplätzen landen. Hier werden sie bereits beim Einbau einer respektive zweier Dual-Slot-Grafikarten blockiert und sind damit für Spieler nahezu nutzlos - was besonders in Anbetracht von MSIs WLAN-Lösung stört. Als einziger Testteilnehmer verzichtet das X399 Gaming Pro Carbon AC auf einen platzsparenden M.2-e-Key-Slot am I/O-Panel und platziert das namensgebende AC-WLAN-Modul auf einer ×1-2.0-Erweiterungskarte. Diese kann im Dual-GPU-Betrieb dann nur noch verschwenderisch in einem der ×8-3.0-Slots genutzt werden und passt beim Einsatz von zwei Triple-Slot-Grafikkarten gar nicht mehr in das System.
Asus versieht den zweiten Kühlkörper mit feinen Lamellen sowie einem temperaturgeregelten Lüfter (in unserem Test aus) – und versteckt das Ganze dann unter Plastik.
Auch Asus legt eine Netzwerkkarte bei. Allerdings nicht für WLAN - das ist am I/O-Panel verbaut und bietet im Gegensatz zur Konkurrenz nicht nur 802.11ac-Unterstützung, sondern auch mit eine getrennte Antenne für WiGig im neuen 802.11ad-60-GHz-Band. Asus möchte aber auch beim kabelgebundenen LAN mehr als den onboard verlöteten 1-Gigabit-Controller bieten und legt deswegen eine hauseigene 10-GBit-Lösung als ×4-Steckkarte bei. Da Asus einen zugehörigen ×4-2.0-Slot an ATX-Slotposition 4 platziert, lässt sich diese Netwerkkarte auch in Kombination mit zwei Triple-Slot-Grafikkarten nutzen - trotzdem fragt man sich, warum die Technik nicht einfach kostengünstig verlötet wurde?
Dann wäre Asus nicht gezwungen gewesen, den zusätzlich vorhandenen ×1-Slot unter einer etwaigen zweiten Grafikkarte zu verstecken, sondern hätte ihn wie Asrock in der Boardmitte platzieren können. Die PCI-Express-2.0-Implementierung des X399 Taichi wirft aber auch Fragen auf. Obwohl zusätzlich zu W- und Dual-Gigabit-LAN am I/O-Panel noch vier PCI-E-2.0-Lanes frei sein sollten, belässt es Asrock nämlich bei dem einen Erweiterungssteckplatz. Da hätte es zumindest ein ×4-Slot werden können - wie bei Gigabytes X399 Gaming 7.
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