AMD Ryzen Threadripper 3000: Der neue Sockel TRX4 im Detail

Zusammen mit der dritten Generation der Threadripper-CPUs enthüllt AMD auch einen neuen, inkompatiblen Sockel namens sTR4. Wir erklären, welche Features die TR4-Nachfolgeplattform bietet.

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AMD Ryzen Threadripper 3000: Der neue Sockel TRX4 im Detail
Quelle: PC Games Hardware


Korrektur 03.12.2019: Versehentlich schrieben wir den Threadripper-3000-CPUs in der ursprünglichen Fassung acht USB-Ports und die Fähigkeit zu viermal SATA zu, was zahlenmäßig der Ausstattung von Threadripper 1000 und 2000 entsprach. Tatsächlich verhält es sich bei der TRX4-Plattform umgekehrt, die CPUs steuern nur vier USB-3.1-Ports zur Gesamtausstattung bei, können aber bis zu acht SATA-Geräte ansteuern.

AMD Ryzen Threadripper 3000: Neuer CPU-Sockel definiert neue Plattform

Wie bereits in unserem Threadripper-3000-Test angedeutet, führt AMD zusammen mit den neuen CPUs auch einen neuen Sockel ein. Der (s)TRX4 erinnert dabei in Namen und Aussehen an den der Threadripper-1000- und -2000-Generation; tatsächlich nutzt AMD das gleiche mechanische Format. Die Pinbelegung von TRX4 wurde aber geändert, sodass alte Threadripper-CPUs zu neuen Platinen inkompatibel sind und umgekehrt. Welche elektrischen Änderungen AMD genau vorgenommen hat, wird nicht verraten, wir gehen aber von eher wenig Detailanpassungen aus.

AMD Ryzen Threadripper 3000: Ursprung des und Gründe für den TRX4

Sowohl TR4 als auch TRX4 sind beschnittene Ausgaben des Server-Sockels SP3, welcher Epyc-CPUs aller drei Zen-Generationen aufnimmt und in Kombination mit der aktuellen "Rome"-CPU-Generation auch alle Schnittstellen eines Threadripper 3000 in doppelter Ausführung (!) nach außen leitet. Das einzige Alleinstellungsmerkmal des TRX4 innerhalb der Sockelfamilie ist der maximale Energieumsatz der zugehörigen CPUs: Während TR4 ursprünglich für 180 W TDP veröffentlicht und später auf 250 W erweitert wurde und SP3 maximal 225-W-Prozessoren aufnimmt (bis einschließlich Zen+-Generation: 200 W), werden die Threadripper-3000-Modelle mit 280 W spezifiziert. Ähnlich wie Intels Sockel 1151 (CFL) gegenüber seinem Vorgänger 1151 (SKL) könnte der TRX4 gegenüber dem TR4 also ein paar zusätzliche, bislang reservierte Kontakte für eine stärkere Stromversorgung umwidmen und die beidseitige Inkompatibilität wird möglicherweise künstlich herbeigeführt, um in Einzelfällen denkbare Mainboard-Schäden auszuschließen.
Asus setzt beim Zenith II Extreme auf zwei Miniatur-Lüfter, um die Spannungswandler für 280-W-TDP-CPUs fit zu machen. Quelle: PC Games Hardware Asus setzt beim Zenith II Extreme auf zwei Miniatur-Lüfter, um die Spannungswandler für 280-W-TDP-CPUs fit zu machen. "Riskant hohe Stromaufnahme" tauch in AMDs PR-Materialien natürlich nicht als Argument für einen Sockelwechsel auf (auch Intel machte bei den Sockeln 1151 nie öffentliche Angaben), stattdessen wird die neue I/O-Hub-Anbindung der Plattform betont: Während TR4-Mainboards ihren X399-Hub und die CPU mit PCI-Express 3.0 ×4 verbinden, nutzt TRX4 für den "TRX40"-I/O-Hub viermal schnelleres PCI-Express 4.0 ×8. CPU-seitig beschränken sich die hierfür nötigen Änderungen aber auf die 4.0-Unterstützung. Bot Threadripper 2000 im Sockel TR4 noch 64 PCI-Express-3.0-Lanes, sind es bei Threadripper 3000 im Sockel TR4X 64 PCI-Express-4.0-Lanes. Genau wie beim Wechsel von Zen+ auf Zen2 im Sockel AM4 verdoppelt sich also die Geschwindigkeit der Datenleitungen, ihre Anzahl bleibt aber unverändert. Und ×8 gegenüber ×4 für den I/O-Hub? Da alle Zen-Prozessoren vollwertige System-on-a-Chips sind, die auch ganz ohne "Chipsatz" lauffähig sind (und als Epyc auch typischerweise so genutzt werden), steht es den Mainboard-Hersteller prinzipiell frei, wie sie diese Lanes nutzen. Für TR4 waren ein ×4-Link zum I/O-Hub und 60 Lanes für andere Zwecke üblich, bei TRX4 eben eine 8:56-Aufteilung.

AMD Ryzen Threadripper 3000: Neue I/O-Hub erweitert Anschlüsse

Trotzdem gibt es keinen Rückschritt in der Plattformausstattung, denn der TRX40 ist ungleich mächtiger als der alte X399. Ersterer basiert auf dem gleichen Silizium wie der X570 und geht somit auf das I/O-Chip-Design der "Matisse"-AM4-CPUs zurück. Genau wie der X570 bietet er vier reine SATA-Ports, acht reine PCI-Express-4.0-Lanes und acht flexible I/O-Ports, die wahlweise eine von beiden Funktionen realisieren können. Wer mitgezählt hat, kommt auf maximal 16-I/O-PCI-Express-Lanes und somit 72 nutzbare 4.0-Datenleitungen für die Plattform insgesamt. Möchte der Mainboard-Hersteller acht SATA-Ports bieten, wie bei X399 üblich, bleiben 68 Lanes - genauso viele bot auch der TR4, nur waren es damals 60 mal 3.0 von der CPU und 8 2.0er vom I/O-Hub, die für moderne High-End-Peripherie schlicht zu langsam waren. Die 68 mal 4.0 der TRX4-Plattform stellen somit einen deutlichen Fortschritt dar, auch wenn nun insgesamt weniger direkte CPU-Lanes zur Verfügung stehen. Interessantes Detail am Rande: Gerüchten und der Controller-Konfiguration der Epyc-I/O-Chips zu Folge müssten auch die vier beim TRX40 als reine SATA-Anschlüsse vermarkteten I/O-Ports PCI-Express tauglich sein. Zusammen mit dem ×8-Uplink zur CPU verfügt das TRX40- und damit auch das X570-Silizium also mindestens über einen 28-Port--Controller. Da dies eine äußert ungewöhnliche Anzahl wäre und Die-Shots des AM4-I/O-Chips mit gleichem Bauplan 16 regelmäßige, paarige Strukturen zeigen, tippen wir sogar auf ein natives 32-Lane-Design. AMD hätte also noch reichlich Reserven für einen "TRX60", einen "X590" oder AM4-inkompatible CPUs mit mehr als 24 Lanes.
TRX4 bietet insgesamt nicht mehr, aber im Schnitt wesentlich schnellere Schnittsteleln als TR4. Der Sockel 2066 kann letzteren in Sachen PCI-Express knapp schlagen, hinkt aber bei der USB-Ausstattung hinterher. Über die fehlenden Möglichkeiten von Mainstream-Sockeln schweigen wir in diesem Enthusiast-Vergleich höflich. Quelle: PC Games Hardware TRX4 bietet insgesamt nicht mehr, aber im Schnitt wesentlich schnellere Schnittsteleln als TR4. Der Sockel 2066 kann letzteren in Sachen PCI-Express knapp schlagen, hinkt aber bei der USB-Ausstattung hinterher. Über die fehlenden Möglichkeiten von Mainstream-Sockeln schweigen wir in diesem Enthusiast-Vergleich höflich.

Um die Plattform-Konkurrenz zu schlagen, reicht aber auch Threadripper 3000 locker aus. Bereits die 2000er Generation war Intel in Sachen PCI-Express-Ausstattung praktisch ebenbürtig, jetzt ist man haushoch überlegen: Bisherige Sockel-2066-CPUs boten maximal 44 PCI-E-3.0-Lanes. Mit der kommenden Cascade-Lake-Generation (und passenden Mainboards) rüstet Intel auf deren 48 auf und kann zusätzlich 24 Stück vom X299-I/O-Hub anbieten. In der Summe ergeben sich dann 72 Lanes insgesamt - genauso viel wie beim TRX4-Vollausbau. Nur dass AMD 4.0-Geschwindigkeit beherrscht, während Intel bei 3.0 hängenbleibt und dass AMD zusätzlich noch reine SATA- und reichlich USB-Controller bietet. Sockel-2066-Platinen müssen dagegen wegen Doppelbelegungen meist acht bis zwölf Lanes für diese I/O-Zwecke abstellen, sodass AMDs typischem 68×-4.0-Lane-Budget nur 60× 3.0 gegenübersteht. Noch klarer geht der USB-Vergleich aus: Intels X299 basiert auf Anfang 2017 als "Z270" gestartetem Silizium und bietet maximal zehn USB-3.0-Ports, von denen vier auch noch PCI-E-Ressourcen teilen. 10 Gigabit pro Sekunde gemäß USB 3.1 gibt es hier, auch in der Cascade-Lake-Generation, nur mit (Onboard-)Zusatz-Controller via PCI-Express. AMDs X570 und TRX40 haben dagegen acht reine USB-3.1-Ports integriert und zusätzlich bringen die Threadripper-CPUs noch einmal vier weitere nativ mit. Genau wie bei PCI-Express gilt also: AMD ist doppelt so schnell unterwegs und bietet auch noch mehr.

AMD Ryzen Threadripper 3000: Vorschau auf die Mainboards

Gigabytes TRX40 Aorus Xtreme kommt im proprietären XL-ATX-Format daher, bietet auf seinem erweiterten Layout (Gehäuse mit 8 Slot-Öffnungen zwingend, besser aber mit 9 oder 10 erforderlich) aber als einziges TRX4-Mainboard genug Platz für vier Doppel-Slot-Karten oder für zwei Triple-Slot-Grafikkarten mit einem Slot Abstand für die Frischluftzufuhr. Quelle: Gigabyte Gigabytes TRX40 Aorus Xtreme kommt im proprietären XL-ATX-Format daher, bietet auf seinem erweiterten Layout (Gehäuse mit 8 Slot-Öffnungen zwingend, besser aber mit 9 oder 10 erforderlich) aber als einziges TRX4-Mainboard genug Platz für vier Doppel-Slot-Karten oder für zwei Triple-Slot-Grafikkarten mit einem Slot Abstand für die Frischluftzufuhr.

In der Desktop-Praxis hat freilich schon der Sockel TR4 bewiesen, dass so viele Ressourcen im ATX-Format kaum genutzt werden können. Statt zusätzlicher Anschlussmöglichkeiten bieten sie aufgrund von Platzmangel meist nur weniger Sharing. Mit Threadripper 3000 wird sich dies noch verschärfen, denn alle bislang gezeigten Platinen reservieren besonders viel Platz für mächtige Spannungswandler und deren Kühlung, um die 280-W-CPUs bei Laune zu halten. Der für Erweiterungen verbleibende Raum ist typischerweise sogar kleiner als in der AM4-Mittelklasse. Unklar sind zum Testzeitpunkt die Preise der neuen Platinen. Bereits AM4-Mainbaords wurden mit der X570-Generation deutlich teurer, laut Mainboard-Herstellern wegen erweiterter Stromversorgung und vor allem der aufwendigen Integration von PCI-Express 4.0. Dies ist auch für TRX4 gegenüber TR4 zu befürchten, wobei die Spitzenmodelle für letzteren schon in der ersten Generation für 180-W-CPUs bei deutlich über 500 Euro lagen. Vorbestellerpreise einiger internationaler Shops lassen bei den TRX40-Flaggschiffen somit vierstellige Preisschilder erwarten. Zusätzliche Kosten entstehen durch eine passende Kühlung für die High-End-CPUs. Zwar passen alle bisherigen TR4-Kühler mechanische, bereits bei den 250-W-Modellen der Threadripper-2000-Generation mussten wir jedoch dringend zu einer Wasserkühlung raten, um die entstehende Abwärme auch unter Volllast zu bewältigen. Trotz hoher Effizienz gilt dies in noch schärferem Maße für die neuen Zen2-Modelle, wie wir in unserem Threadripper-3000-Test zeigen.

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Kleine Korrektur am Artikel:
        Die Angaben zu USB- und SATA-Fähigkeiten der Threadripper 3000 waren bislang vertauscht. Es sind nicht acht native USB 3.1 und bis zu vier SATA, sondern vier USB 3.1 und bis zu acht SATA-Ports. Auf die Ausstattung der Mainboards hat dies wenig Auswirkungen, denn SATA-Anschlüsse teilen sich ihre I/O-Ressourcen ohnehin mit PCI-Express-Lanes und werden deswegen nicht genutzt und die USB-Ausstattung wird in dieser Preisklasse meist mit USB 3.2 via Zusatz-Controller ergänzt, die verbleibende I/O-Panelfläche kann auch mit 4 + 8 (CPU + I/O-Hub) gefüllt werden. Netto bietet TRX4 damit aber vier flinke(re) Schnittstellen weniger als TR4.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Kleine Korrektur am Artikel:
        Die Angaben zu USB- und SATA-Fähigkeiten der Threadripper 3000 waren bislang vertauscht. Es sind nicht acht native USB 3.1 und bis zu vier SATA, sondern vier USB 3.1 und bis zu acht SATA-Ports. Auf die Ausstattung der Mainboards hat dies wenig Auswirkungen, denn SATA-Anschlüsse teilen sich ihre I/O-Ressourcen ohnehin mit PCI-Express-Lanes und werden deswegen nicht genutzt und die USB-Ausstattung wird in dieser Preisklasse meist mit USB 3.2 via Zusatz-Controller ergänzt, die verbleibende I/O-Panelfläche kann auch mit 4 + 8 (CPU + I/O-Hub) gefüllt werden. Netto bietet TRX4 damit aber vier flinke(re) Schnittstellen weniger als TR4.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Spannungswandler für das Übertakten von 280-W-CPUs gab es früher nicht, da es gar keine 280-W-CPUs gab. Auf der Höhe des Ivy-Bridge-Phasen-Wahns wurden zwar schon einmal ähnlich viele Bauteile verlötet, aber nicht unbedingt in dieser Qualität und mit dieser Leistungsfähigkeit und vor allem nur auf extremem OC-Designs. Die waren dann alles andere als billig, obwohl sie kein Quad Channel DDR4 und 56 Lanes PCI-E 4.0 im Sockelumfeld unterbringen mussten und auch beim I/O-Hub weitaus weniger boten.
      • Von Kotzi01 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        stört sich denn keiner an dem Preis? Gute Spannungsversorgung hin oder her aber ich finde die langen einfach zu viel zu! Was soll denn das?!! Solche aufwändigen Spannungsversorgungen gab es auch schon früher.... nun tun die wie wenn das alles neu und extrem teuer ist....
      • Von takan BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von BojackHorseman
        Hab gehört Rezo arbeitet grad am neuen Video:

        Die Zerstörung von Core X.
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        linus hat in seinem video auch bissel gerantet und war sauer. in vielen benchmark steht cascade lake nach und einzig ein upgrade auf der x299 plattform würde sinn machen (4 oder 6 kerner) als neuanschaffung ist HEDP so ziemlich eine schlechte investition.
      • Von BojackHorseman Freizeitschrauber(in)
        Hab gehört Rezo arbeitet grad am neuen Video:

        Die Zerstörung von Core X.
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