PCGH-Plus Label 50 Jahre Computermaus: Vom Holzklotz zum bunt beleuchteten Tausendsassa

PCGH Plus: Seit es GUIs gibt, ist die Maus, die ihren 50. Geburtstag feiert, eine der wichtigsten Mensch-Maschine-Schnittstellen am PC. Grund genug für uns, auf ein halbes Jahrhundert Mausgeschichte zurückzublicken. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 06/2018.

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50 Jahre Computermaus: Vom Holzklotz zum bunt beleuchteten Tausendsassa
Quelle: Marcin Wichary

Geschichte mit der Maus

Die offizielle Bezeichnung der von Rainer Mallebrein erfundenen, jedoch nie patentierten „deutschen Maus“ – so hieß sie allerdings nie – war „Rollkugel-Steuerung RKS 100-86“. Sie wurde 1968 mit dem Großrechner Telefunken TR 440 angeboten und hing an einem als „Sichtgerät“ bezeichneten Monitor.  Quelle: Marcin Wichary Die offizielle Bezeichnung der von Rainer Mallebrein erfundenen, jedoch nie patentierten „deutschen Maus“ – so hieß sie allerdings nie – war „Rollkugel-Steuerung RKS 100-86“. Sie wurde 1968 mit dem Großrechner Telefunken TR 440 angeboten und hing an einem als „Sichtgerät“ bezeichneten Monitor.  Da es kaum ein modernes Betriebssystem ohne grafische Benutzeroberfläche (GUI) gibt, ist die Maus zusammen mit dem Monitor und der Tastatur am Computer die wichtigste Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Was 1968 mit der Urmaus - einem viereckigen, mit einer Taste ausgestatteten und als "X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem" patentierten Holzklotz - startete, hat sich dank technischer Entwicklungen wie optischer Abtastung per IR-LED, Laser oder Funkübertragung und der Anpassung der Anschlussmöglichkeiten an moderne Systeme (RS232, PS/2, USB) zu einem hochpräzisen Steuergerät für Anwendungen und Spiele entwickelt.

Im Artikel bekommen Sie auf über 21.000 Zeichen Text einen Eindruck von 50 Jahren Mausgeschichte - mit großem Zeitstrahl mit 30 legendären Mäusen im Zeitstrahl.

Die Erfolgsgeschichte der über die Jahre mit unterschiedlichen, teils äußerst gewagten Designs versehenen Computermaus begann um 1980: Mit der Macintosh-GUI machte Apple den Nager 1984 populär, Microsofts erstes Modell erschien 1983, 1985 stellte Logitech die erste Drei-Tasten-Maus vor und 1991 fand das erste drahtlose Modell den Weg an die Computer. Seit dem Debüt der Genius Easy-Scroll 1995 gehört das Scrollrad zum Ausstattungspaket, das bis heute mit Features wie Dpi-Schaltern, bis zu 15 programmierbaren Zusatztasten, einer Gewichtsanpassung, einem internen Speicher für die Makrofunktion und Profilverwaltung, einer ARM-CPU zur Abtastmodifizierung sowie seit neuestem einer RGB-Beleuchtung stetig aufgestockt wurde.

Urväter der Computermaus

Der im Juli 2013 im Alter von 88 Jahren verstorbene Douglas C. Engelbart gilt als Erfinder der Computermaus. 1963 entwickelte Engelbart zusammen mit William English das Eingabegerät, das erst 1970 als „X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem“ patentiert wurde.  Quelle: Douglas Engelbart Institute/www.flickr.com/flickr John Chang Der im Juli 2013 im Alter von 88 Jahren verstorbene Douglas C. Engelbart gilt als Erfinder der Computermaus. 1963 entwickelte Engelbart zusammen mit William English das Eingabegerät, das erst 1970 als „X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem“ patentiert wurde.  Die allererste Maus wurde im Jahre 1963 am Augmentation Research Center (ARC) des Stanford Research Institute (SRI) von Douglas C. Engelbart und William English entwickelt. Der viereckige Holzklotz verfügte über eine kleine Taste und erregte bei seiner offiziellen Vorstellung anno 1968 mangels grafischer Benutzeroberflächen noch kaum Aufmerksamkeit. Das Patent seiner Erfindung, die damals als "X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem" bezeichnet wurde, erhielt Engelbart erst am 17. November 1970, gut 2 Jahre nach der Vorstellung seiner Urmaus 1968.

Bereits am 26. August 1966 reichte Telefunken eine Erfindung von Rainer Mallebrein beim Deutschen Patentamt ein. Dabei handelte es sich um ein offiziell als "Rollkugel-Steuerung RKS 100-86" bezeichnetes Eingabegerät, das zur Identifizierung von Objekten in einer 3D-Darstellung auf einem Bildschirm verwendet wurde. Ein Patent gab es für diese Erfindung allerdings nicht und am 2. Oktober 1968 veröffentlichte Telefunken das als "Rollkugel" für ihren TR-440-Rechner bezeichnete Steuergerät. Die Engelbart'sche Maus wurde in den 1970er Jahren am Palo Alto Research Center (PARC) der Firma Xerox weiterentwickelt. Das Ergebnis war eine Kugelmaus, die 1973 zum ersten Mal beim Xerox-Alto-Computer eingesetzt wurde, da dieser erstmals auch über eine grafische Benutzeroberfläche verfügte. Doch bis zum Durchbruch für das neue Gerät dauerte es noch viele Jahre. Erst Apple gelang es 1984, die Maus, für die Steve Jobs die Rechte von Xerox für 1.000 USD erwarb, salonfähig zu machen. Sie wurde zum Hauteingabegerät am Apple Macintosh, der ein GUI mitbrachte und, anders als Apples Lisa-PC, bezahlbar war.
50 Jahre Computermaus: Vom Holzklotz zum bunt beleuchteten Tausendsassa (1) Quelle: Roccat 50 Jahre Computermaus: Vom Holzklotz zum bunt beleuchteten Tausendsassa (1)

Wenig Änderungen beim Funktionsprinzip

Das grundlegende Anwendungsprinzip der Maus ist seit der Vorstellung des ersten Geräts im Jahr 1968, annähernd gleich geblieben. Die Bewegung wird über einen Sensor im Inneren aufgenommen, digitalisiert und dann über eine Schnittstelle an den PC übertragen. Mithilfe von Betriebssystemfunktionen wird die zweidimensionale Bewegungsinformation in eine äquivalente Bewegung des Mauszeigers auf dem Bildschirm umgesetzt. Durch Betätigung der Maustasten führt der Nutzer verschiedene Aktionen im Betriebssystem oder im Anwendungsprogramm durch. Dabei hat sich vor allem an der zum Einsatz kommenden Technik innerhalb der letzten 50 Jahre einiges geändert. Dank immer genauerer Abtasttechniken (Mechanik/IR-LED/Laser) und der Anpassung an die ständig weiterentwickelten PC-Schnittstellen (RS232, PS/2, USB) ist die Maus mittlerweile ein hochpräzises Eingabe- und Steuergerät für das Arbeiten und Spielen am Rechner.

Achtziger und Neunziger: Dekaden der Optomechanik

Wie der Name andeutet, machte Logitechs optische ifeel Mouse dank integrierter Force-Feedback-Technik Spiele spürbar. Quelle: Logitech Wie der Name andeutet, machte Logitechs optische ifeel Mouse dank integrierter Force-Feedback-Technik Spiele spürbar. Mit dem Trackman Marble debütierte eine neue Technik, die Logitech als Marble Sensing bezeichnet. Sie basierte auf einer Kugel mit einer eingebetteten Matrix von lichtempfindlichen Punkten. Quelle: Logitech Mit dem Trackman Marble debütierte eine neue Technik, die Logitech als Marble Sensing bezeichnet. Sie basierte auf einer Kugel mit einer eingebetteten Matrix von lichtempfindlichen Punkten. Zwischen 1980 und 1999 beherrschte die Generation der Kugelmäuse den Markt. Bei den auch als optomechanische Mäuse bezeichneten Geräten werden die Mausbewegungen über eine Rollkugel und zwei mit einer schmalen Walze zur Aufnahme der Kugelbewegungen verbundenen Lochscheiben sowie zugehörige Lichtschranken in elektrische Signale umgewandelt. Zu den Anbietern von Kugelnagern zählten damals bekannte Hersteller wie Logitech, Microsoft, Compaq, Escom, Fujitsu Siemens, Genius, Highscreen, A4Tech oder IBM. Als Schnittstelle setzte sich 1987 bei IBM-kompatiblen PCs mit dem breiten Aufkommen mausgesteuerter Betriebssysteme der PS/2-Anschluss durch, der seit 1999 durch den Universal Serial Bus, kurz USB, ersetzt wurde.

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