PCGH-Plus Label [PLUS] Zwölf 120-mm-Lüfter für Spiele-PCs im Test - mit Überraschungen

PCGH Plus: Sommerliche Temperaturen können dem heimischen Rechner ordentlich zu schaffen machen. Bedarf für ein Lüfter-Upgrade? Was aktuelle 120-mm-Lüfter leisten, zeigen wir in unserem großen Test. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 10/2023.

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 Zwölf 120-mm-Lüfter für Spiele-PCs im Test - mit Überraschungen
Quelle: PC Games Hardware

Jetzt wird gelüftet

Bei all den Kühlungskomponenten, von Tower-Kühlern über Kompakt-, bis zur modularen Wasserkühlung: Die wichtigste Komponente wird häufig übersehen. Denn obwohl die Auswahl an kostspieligen Kühlsystemen groß ist, kommt praktisch keine Kühlung (passiv mal außen vor) ohne einen Lüfter aus. Wer diese als Nebensache abschreibt, könnte sich kaum mehr irren, denn trotz der optischen Ähnlichkeiten (es handelt sich schließlich immer um einen Rahmen und einen Rotor) könnten die Differenzen im Lüftersegment kaum größer sein. Die richtige Wahl bringt ungeahnte Vorteile, was sich auch in unserem Test eindrucksvoll zeigt, doch dazu später mehr. Seit dem letzten Lüfter-Test ist einiges an Zeit vergangen und somit wurde auch die Testmethodik erneuert.

Methodik

Für die richtige Wahl eines Lüfters ist vor allem das Einsatzszenario wichtig. Denn ein Lüfter wird meist für zwei verschiedene Zwecke genutzt: als Gehäuse- und als Kühlungslüfter. Der Gehäuselüfter soll für Airflow im System sorgen und die Wärme der Komponenten aus dem Gehäuse bewegen. Es geht hier vor allem um einen hohen Luftdurchsatz, Druck muss hier nicht erzeugt werden. Anders sieht das beim Einsatz als Kühlungslüfter aus. Auf einem Radiator oder Luftkühler montiert, drückt der Lüfter Frischluft durch die Lamellen des Wärmetauschers und senkt somit die Temperatur der Heatpipe-/Kühlflüssigkeit, die wiederum genutzt wird, um die CPU oder GPU zu kühlen. Die Dichte der Lamellen sorgt dabei für einen gewissen Luftwiderstand und der Lüfter muss gegen den Druck der angestauten Luft ankämpfen. Die Geometrie und Physik eines Lüfters können auf eine der beiden Eigenschaften optimiert werden. Zwar geben einige Hersteller ihre Produkte als Allrounder an, andere weisen ihren Lüftern aber spezifische Spezialgebiete aus. Ob es sich dabei um reine Marketingversprechen handelt, soll unser Test ebenfalls zeigen.

Relevant ist somit eine Bewertung beider Spezialgebiete. In unserem Lüftertest werden beide Eigenschaften in Leistungsmessungen erfasst, um eine Aussage darüber treffen zu können, für welchen Bereich sich ein Lüfter besser eignet. Dafür wurde der Lüfter-Parkours neu aufgebaut. Nicht nur wurde das Testsystem erneuert und mit aktuellen Komponenten versehen, auch die Testmethodik wurde von Grund auf neu aufgesetzt. Die Leistungsbewertung der Lüfter wird nun nicht mehr auf Basis von prozentual eingestellten Lüfterdrehzahlen, sondern mithilfe einer Lautheitsnormierung erfasst. Dafür kommt ein Labornetzteil zum Einsatz, das sich bis auf ein Hundertstel Volt einstellen lässt. Die Leistung sowie die Drehzahl eines Lüfters lassen sich somit sehr präzise steuern. Und das ist auch notwendig, denn mithilfe unseres Neutrik-NC10-Messgerätes können Sone-Werte bis 0,1 erfasst werden. Bei unserer Lautheitsnormierung werden vorerst Daten wie Spannung, Last und Drehzahl eines Lüfters erfasst, bevor es an den Praxistest und die Erfassung der eigentlichen Kühlleistung geht.

Jeder Lüfter wird einmal frei stehend und einmal montiert auf einem Radiator so lange mithilfe des Labornetzteils eingestellt, bis ein genauer Lautheitswert erreicht wird. Dieser wird mithilfe unseres Messgerätes in einem Abstand von 50 cm über der Lüfternabe gemessen. Wir haben uns für jeweils fünf verschiedene Werte entschieden, die unterschiedliche Anwendungsszenarien repräsentieren sollen.

  • 0,2 Sone: Ultra-Silent
  • 0,3 Sone: Kaum zu hören
  • 0,5 Sone: Normaler Betrieb
  • 1,0 Sone: Last
  • 2,0 Sone: Hohe Last
  • Volllast: Maximale Kühlleistung

Dank des Labornetzteils können Spannung und Last, mithilfe des Lautheitsmessgerät die Geräuschemission und mit einem Lasermessgerät die Drehzahl erfasst werden. Die Werte unterscheiden sich dabei je nachdem, ob der Lüfter auf einem Radiator montiert ist oder frei steht. Beide Szenarien sind somit wichtig.

Zwei Testsysteme

Der Leistungstest soll so praxisnah wie möglich sein und wird mithilfe der vorher erfassten Daten durchgeführt. Eine gleichzeitige Erfassung wäre schon aufgrund von Spulenfiepen des eingeschalteten Systems nicht möglich, stattdessen werden die Drehzahlen aus den Lautheits-Szenarien nachgestellt.

Ein Core i9-12900K, gedrosselt auf 200 Watt, auf einem Gigabyte-Tachyon-Mainboard: genügend Leistung, um die Custom-Wasserkühlung ordentlich aufzuheizen. Ein Core i9-12900K, gedrosselt auf 200 Watt, auf einem Gigabyte-Tachyon-Mainboard: genügend Leistung, um die Custom-Wasserkühlung ordentlich aufzuheizen.

Da sich der Test als Kühlungslüfter von dem als Gehäuselüfter grundlegend unterscheidet, kommen bei uns zwei unterschiedliche Testsysteme zum Einsatz. Das System zur Erfassung der Leistung als Kühlungslüfter ist auf einem offenen Jonsbo TB-01 Bench­table verbaut. Beim Mainboard handelt es sich um ein Gigabyte Tachyon mit Intel-Z790-Chipsatz, das sich optimal für Testanwendung eignet. Mit allen notwendigen Knöpfen auf der Platine, massig Platz um den CPU-Sockel und guten Spannungswandler-Kühlern hat sich das Board für unser System angeboten. Im Sockel sitzt wiederum ein Intel Core i9-12900K, dessen Powerlimit im BIOS auf 200 Watt fixiert wurde. Die Abwärme wird genutzt, um eine Custom-Wasserkühlung von Alphacool konstant aufzuheizen. Die Fixierung auf 200 Watt wurde gewählt, damit jeder Lüfter in jeder Einstellung korrekt gemessen werden konnte, ohne dass das System in ein Temperaturlimit läuft. Neben Pumpe, CPU-Kühler und zwei Temperatursensoren ist im Loop ein einzelner 120-mm-Radiator verbaut, auf dem der zu testende Lüfter verschraubt wird. Mit einer Aquaero-Kühlungs-Überwachung, an der neben zwei Wasser-Temperatur-Sensoren vier weitere Sensoren zur Erfassung der Umgebungs-Lufttemperatur montiert sind, wird das Temperatur-Delta zwischen Wasser und Umgebungsluft in jedem der sechs Testszenarien erfasst. Je kleiner dieses ausfällt, umso besser die Kühlleistung. Drei der vier Umgebungsluft-Sensoren wurden dabei an festgelegten Punkten im Testraum befestigt, einer wurde direkt im Ansaugbereich des Lüfters montiert.

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