Intel bringt Hyper-Threading 2028 zurück: Coral Rapids erhält wieder SMT

6
News Andreas Link Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Intel bringt Hyper-Threading 2028 zurück: Coral Rapids erhält wieder SMT
Quelle: Intel

Intel bestätigt die Rückkehr von Simultaneous Multithreading: Die für 2028 geplanten Xeon-Prozessoren Coral Rapids sollen wieder zwei Threads pro Kern bearbeiten können.

Intel kehrt bei seiner CPU-Strategie um: Mit der für 2028 vorgesehenen Xeon-Generation Coral Rapids soll Simultaneous Multithreading, kurz SMT, in Intels Rechenzentrums-Roadmap zurückkehren. Damit können einzelne Prozessorkerne wieder zwei Threads parallel bearbeiten. Intel hatte die Technik unter dem Markennamen Hyper-Threading über viele Jahre eingesetzt, bei jüngeren Architekturen jedoch gestrichen.

Die Rückkehr ist keine unbestätigte Information aus der Gerüchteküche. Intel-CEO Lip-Bu Tan kündigte bereits während der Bilanzkonferenz zum vierten Quartal 2025 offiziell an: "With Coral Rapids, we will also re-introduce multi-threading back into our datacenter roadmap." Zugleich erklärte Intel, die Server-Roadmap vereinfachen und Ressourcen auf Diamond Rapids mit 16 Speicherkanälen sowie eine möglichst frühe Einführung von Coral Rapids konzentrieren zu wollen.

Coral Rapids ist damit voraussichtlich die erste neue Intel-Generation nach der SMT-Pause, die wieder zwei logische Threads pro physischem Kern anbietet. Das Unternehmen nennt bislang allerdings weder konkrete Kernzahlen noch Taktraten oder den durch SMT erwarteten Leistungsgewinn. Auch die genaue Kernarchitektur und die Fertigung sind noch nicht offiziell spezifiziert.

Mehr Durchsatz, aber nicht automatisch mehr Spieleleistung

SMT verbessert vor allem den Durchsatz bei stark parallelisierten Aufgaben. Ein zweiter Thread kann Ausführungseinheiten nutzen, die der erste Thread gerade nicht vollständig auslastet. Davon können unter anderem Rendering, Kompilierung, Virtualisierung und Server-Anwendungen profitieren. Die Leistung verdoppelt sich dadurch jedoch nicht; der konkrete Zugewinn hängt stark von Anwendung, Architektur und Speicheranbindung ab.

Im Rechenzentrum ist dieser zusätzliche Durchsatz besonders relevant, weil dort viele unabhängige Aufgaben gleichzeitig verarbeitet werden. Intel begründet seine Server-Strategie zudem mit der wachsenden Bedeutung klassischer CPUs innerhalb von KI-Infrastrukturen. Coral Rapids soll neben der SMT-Rückkehr Teil einer Plattformstrategie werden, die CPUs, Beschleuniger und spezialisierte Chips enger verzahnt. Intel arbeitet außerdem an einem angepassten Xeon mit direkter Nvidia-NVLink-Anbindung für KI-Hostsysteme.

Bei Desktop-Prozessoren bleibt die Lage dagegen offen. Arrow Lake verzichtet auf Hyper-Threading, und auch die bislang bekannten Planungen zu Nova Lake sehen keine gesicherte Rückkehr vor. PCGH hatte bereits 2025 über Intels grundsätzliche Kehrtwende bei SMT berichtet; damals galten Coral Rapids beziehungsweise die mutmaßlichen Xeon 8 als erste Kandidaten.

Was ist Simultaneous Multithreading und wie unterscheidet es sich von Hyper-Threading?

Simultaneous Multithreading (SMT) erlaubt es einem physischen Prozessorkern, zwei Threads gleichzeitig zu bearbeiten. Dadurch lassen sich ungenutzte Ausführungseinheiten innerhalb des Kerns besser auslasten.

Hyper-Threading (HT) ist Intels Markenname für SMT. Technisch handelt es sich also nicht um eine eigene Grundidee, sondern um Intels Umsetzung des Verfahrens.

Zwei Threads pro Kern entsprechen nicht zwei vollwertigen Prozessorkernen. Beide Threads teilen sich Teile der Recheneinheiten, Caches und Speicheranbindung. Der Leistungsgewinn hängt deshalb stark von der jeweiligen Anwendung ab. Besonders profitieren können stark parallelisierte Aufgaben wie Rendering, Kompilierung, Virtualisierung und Server-Workloads. In Spielen fällt der Vorteil je nach Engine deutlich kleiner aus oder bleibt ganz aus. In einzelnen Szenarien kann SMT durch zusätzliche Verwaltungsarbeit sogar Nachteile verursachen.

Im Desktop-Bereich führte Intel Hyper-Threading am 14. November 2002 mit dem Pentium 4 3,06 GHz ein. Zuvor war die Technik bereits bei Xeon-Serverprozessoren verfügbar. Für das Betriebssystem erschien ein physischer Kern dadurch wie zwei logische Prozessoren, sofern Chipsatz, BIOS und Betriebssystem HT unterstützten. Später übernahm Intel die Technik unter anderem in die Core-i-Serie, wo sie über viele Generationen vor allem bei Core-i7- und Core-i9-Modellen zum Einsatz kam. Mit neueren Architekturen wie Arrow Lake strich Intel SMT im Client-Bereich wieder. Die für Coral Rapids angekündigte Rückkehr knüpft damit an eine mehr als 25 Jahre alte Technikgeschichte an, ist bislang aber ausdrücklich nur für Intels Rechenzentrums-Roadmap bestätigt.

Comeback zunächst nur für Xeon bestätigt

Aus der Ankündigung lässt sich daher nicht ableiten, dass Hyper-Threading automatisch auch in künftige Core-Ultra-Prozessoren zurückkehrt. Server- und Client-CPUs werden für unterschiedliche Lastprofile entwickelt, und Intel spricht ausdrücklich von seiner "Datacenter-Roadmap". Eine Übertragung auf Gaming-CPUs wäre zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation.

Für Coral Rapids ist die Richtung dagegen klar: Intel hält eine größere Zahl physischer Kerne allein offenbar nicht bei allen Server-Workloads für die optimale Lösung. Mit SMT erhält die Architektur eine zusätzliche Möglichkeit, den Durchsatz pro Kern und damit die Auslastung der verfügbaren Chipfläche zu steigern. Ob diese Strategie gegenüber künftigen AMD-Epyc-Prozessoren aufgeht, werden erst unabhängige Tests nach dem für 2028 vorgesehenen Marktstart zeigen.

Warum diese Meldung wichtig ist:
  • Betreiber von Rechenzentren, Entwickler und Virtualisierungsnutzer könnten mit Coral Rapids ab 2028 mehr Durchsatz pro Kern erhalten, wobei der tatsächliche Leistungsgewinn stark von der jeweiligen Software abhängt.
  • Für PC-Spieler und Käufer künftiger Core-Ultra-CPUs bedeutet die Ankündigung vorerst nichts, da Intel die SMT-Rückkehr ausdrücklich nur für seine Xeon-Roadmap bestätigt hat.
  • Entscheidend werden unabhängige Tests zeigen, ob SMT Intels Server-CPUs bei Leistung, Effizienz und Konkurrenzfähigkeit gegenüber AMD Epyc spürbar voranbringt.

Mitmachen und kommentieren

Halten Sie die Rückkehr von Hyper Threading auch im Desktop-Bereich für sinnvoll? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.

6
    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Rollo3647 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        sind wohl die kleinen Xeons gemeint, nicht die großen Server.
        aktuell hat (xeon) Granite Rapids LGA4710/7529 noch SMT.
        nachfolger Diamond Rapids mit P cores wird wohl auch SMT haben.
      • Von Rollo3647 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        sind wohl die kleinen Xeons gemeint, nicht die großen Server.
        aktuell hat (xeon) Granite Rapids LGA4710/7529 noch SMT.
        nachfolger Diamond Rapids mit P cores wird wohl auch SMT haben.
      • Von Atma Lötkolbengott/-göttin
        Spätestens mit Nova Lake sehe ich den Bedarf von SMT nicht mehr im Desktop. 52C/52T wollen als Privatanwender erst mal ausgelastet werden, dazu hat Intel schon jetzt eine brutal hohe Performance/Kern - siehe Arrow Lake. Der ist zwar kein Sprinter beim Gaming, in Anwendungen zeigen die 24C/24T jedoch eindrucksvoll was sie können. Und mit Nova Lake werden die Kerne noch mal stärker ...
      • Von T-MAXX Volt-Modder(in)
        Alte Technik bewährt sich oft immer...
      • Von DevouringKing Software-Overclocker(in)
        Zitat von Registrierzwang
        Die E-Cores helfen halt, beim Idle Strom zu sparen
        Nicht nur im Idle.
        SMT kostet ca 5% mehr Energie, und bringt dafür ca 15% mehr Leistung.
        Also ein CPU Kern wird durch die Bank ca 10% Effizienter mit SMT.
      • Von EM_EN Software-Overclocker(in)
        Für Spieler nicht so interessant, eher für Server und da ist es wieder ...

        "Intel begründet seine Server-Strategie zudem mit der wachsenden" Bedeutung klassischer CPUs innerhalb von KI-Infrastrukturen
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk