[26/11/2021] Sollte Intel Arc einstampfen? Arc ist hier ja noch nicht einmal richtig gestartet. In unseren Sphären muss Intel die Grafikkarten erst einmal an den Start rollen – das peinliche Geholper und die offenbar notdürftig zusammengeschusterten Treiber um die zuvor in China hastig auf den Markt geworfenen GPUs hätte es meines Erachtens allerdings auch nicht wirklich gebraucht. War die Nachfrage in Asien so hoch, dass es sich lohnen würde, sich dort den Ruf zu ruinieren? Vielleicht sind die Ansprüche etwas anders, aber die haben ja vorher auch schon Grafikkarten genutzt und dürften eine bestimmte Vorstellung davon haben, wie so eine GPU, deren Treiber und die so betriebene Software funktionieren sollte. Klar, das sind neue Grafikkarten und neue Treiber – aber Intel hat ja schon seit geraumer Zeit IGPs. Da haben die Treiber am Anfang auch so manchen Ärger gemacht. Aber muss das jetzt für die dedizierten GPUs wiederholt werden? Hat Intel die damaligen Treiberentwickler, die ja aus Fehlern hätten lernen können, zwischenzeitlich alle entlassen – oder sind die nach Verkündung Intels, eine eigene, dedizierte Grafikkarte zu entwickeln, alle panisch geflohen? Warum gibt es schon wieder Treiber-Probleme?
Selbst wenn wir eine wahrscheinlich existierende Menge von vielleicht nicht so begeisterten Jetzt-schon-Kunden auf dem asiatischen Kontinent außer Acht lassen: Intel muss doch außerdem damit gerechnet haben, dass einige besonders engagierte Interessenten sich nicht davon abhalten lassen, sich eine solche, in hiesigen Kreisen obendrein mit einiger Spannung erwartete GPU zu organisieren – trotz gewisser Hindernisse oder Mauern, physischen wie vielleicht auch im eher übertragenden Sinne. Jedenfalls scheint mir der frühe, überhastet wirkende und nicht wirklich kompetent-grazile Asien-Start von Intels Arc nicht besonders geschickt gewesen zu sein. Aber vielleicht war die potenzielle Nachfrage auch einfach so hoch, dass sich einige wichtige Entscheidungsträger einfach nicht länger beherrschen konnten.
Wie auch immer, ich harre trotz des etwas peinlichen Schauspiels um Intels ersten Startversuch weiterhin mit einiger Erwartung auf kommende Intel-Grafikkarten. Nicht wirklich mit Kaufabsicht oder allzu hohen Ansprüchen, wie ich zumindest finde, sondern eher mit der Hoffnung, dass Intel zumindest in der Mittelklasse eine brauchbare Alternative zu AMD und Nvidia bieten werden kann. Dass gleich der erste Vorstoß die Konkurrenz vollkommen überrumpeln und vernichtend schlagen wird, erwarte ich ja gar nicht. Im Gegenteil, ich wäre schon in gewisser Weise beeindruckt, wenn Intel in die Nähe käme. Was ich allerdings erhoffe, ist ein sauberer und Start und ein ernstgemeinter, als solcher identifizierbarer Versuch, eine ähnliche Qualität wie Nvidia und AMD zu liefern. Es muss nicht gleich beim ersten Anlauf gelingen, die etablierten GPU-Hersteller zu schlagen – aber es sollte erkennbar sein, dass Intel sich zumindest bemüht. Das sollten wir erwarten dürfen. Und funktionierende Treiber. (Philipp Reuther)