Radeon R9 285 im Test: Spiele-Benchmarks, Tessellation & Overclocking
Radeon R9 285 mit Tonga-GPU im Test: Die neueste Grafikkarte aus den AMD-Laboren schickt sich an, Nvidias Geforce GTX 760 das Fürchten zu lehren und tritt gleichzeitig das Erbe der beliebten Radeon R9 280 an. PC Games Hardware prüft, ob die dritte Iteration der GCN-Architektur (Graphics Core Next) das Zeug zum Kassenschlager hat.
In diesem Artikel
- Seite 1 Radeon R9 285 im Test: Einleitung, Spezifikation und Positionierung
- Seite 2 Radeon R9 285 im Test: Das neue PCGH-Testsystem 2014/2015
- Seite 3 Radeon R9 285 im Test: Kühlung, Lautheit, Leistungsaufnahme
- Seite 4 Radeon R9 285 im Test: Spiele-Benchmarks, Tessellation & Overclocking
- Seite 5 Radeon R9 285 im Test: Fazit
- Seite 6 Radeon R9 285 im Test: PCGH-Benchmarkszenen als Videos
- Seite 7 Bildergalerie
Radeon R9 285 im Test: Spiele-Benchmarks
Tonga wurden im Vorfeld der Veröffentlichung wahre Wunderdinge nachgesagt, einige Spekulanten hofften auf deutlich erhöhte Energieeffizienz analog zu Nvidias Maxwell-Pionier GM107 und einige sogar darauf, dass die Radeon R9 285 an der R9 280X vorbeiziehen kann. Wie realistisch diese Vorstellungen sind, klären wir anhand unseres neuen Grafikkarten-Parcours. Zur Erinnerung. Die Radeon R9 285 arbeitet mit der gleichen Anzahl Recheneinheiten wie die Radeon R9 280, muss dabei jedoch mit 918 MHz Boosttakt auskommen, während die 280 mit bis zu 933 MHz arbeitet und daher über eine (theoretisch) etwas höhere Arithmetikleistung verfügt. Auch bei der (Brutto-)Speichertransferrate steht die R9 285 der R9 280 deutlich nach, wobei hier die erwähnten Effizienzverbesserungen helfen. Große Vorteile hat Tonga gegen Tahiti nur bei der Geometrieverarbeitung (Faktor 1,97).
Da unser MSI-Sample über eine werkseitige Übertaktung verfügt, takten wir die Grafikkarte für die Benchmarks von 973 auf 918 MHz herunter. Dieser Eingriff erfolgt mithilfe von Bordmitteln, im Overdrive-Menü des Catalyst Control Centers senken wir einfach die Frequenz um 5,6 Prozent. Das Powertune-Limit bleibt wie bei den Leistungsaufnahmetests unangetastet (100 %). Unsere Messprotokolle belegen, dass die Grafikkarte während aller Tests ihr Taktniveau zwischen 910 und 920 MHz mit 918 MHz als Mittel halten kann.
Leistung in 1.920 × 1.080 (1080p)
Full HD alias 1080p ist mit Abstand die verbreitetste Auflösung unter den PCGH-Lesern und wird entsprechend stark im neuen PCGH-Index gewichtet. Ob sich die Neuerungen der Radeon R9 285 hier positiv auswirken? Definitiv, die R9 285 macht in Full HD eine gute Figur gegenüber der R9 270X und R9 280. Wer jedoch erwartete, dass der Neuling an der 280X vorbeizieht, wird enttäuscht. Lediglich zwei Achtungserfolge kann die R9 285 für sich verbuchen: In Bioshock Infinite und Skyrim (nun mit MSAA!) erreicht sie tatsächlich 280X-Niveau, liegt in den anderen Tests aber klar hinter dem Abverkaufsschlager. Besonders deutlich wird das in Watch Dogs, ein Spiel, das 3 GiByte (und mehr) Grafikspeicher dankend annimmt.
Leistung in 2.560 × 1.440 (1440p)
Farbkompression hin oder her, in hohen Auflösungen wie 2.560 × 1.440 kann sich die Radeon R9 285 nicht mehr so gut in Szene setzen wie noch in Full HD - obwohl AMD die neue Grafikkarte als gute 1440p-Lösung bewirbt. Hier limitiert offenbar die Shader-Leistung, bei der die R9 285 wie eingangs erwähnt etwas hinter der R9 280 liegt (3,29 ggü 3,48 TFLOPS). Das Problem, nur über 2 GiByte Speicher zu verfügen, verschärft sich in 1440p weiter, sodass die R9 280 bis zum Erscheinen von R9-285/4G-Karten die bessere Wahl ist.
Radeon R9 285 im Test: Tessellation
Tessellierung, die Zerlegung einzelner Dreiecke in viele weitere, ist bei vielen modernen Spielen angekommen. Während die Radeon R9 285 in Metro Last Light (Benchmarks nicht veröffentlicht) keine Vorteile gegenüber der 270X und 280(X) besitzt, sehen wir uns nun einen Fall an, bei dem sich Tonga deutlich von Tahiti absetzen kann: Sniper Elite 3. Der neue Chip bricht beim Wechsel von "Tessellation aus" auf "Tessellation an" dank interner Verbesserungen deutlich geringer ein als der alte.
Doch mit dieser oberflächlichen Betrachtung wollten wir uns nicht zufriedengeben und haben uns noch einmal genauer auf die Spurensuche begeben. Mithilfe unseres Tessellation-Tests aus dem DirectX-SDK (erweitert auf Tessellationsfaktoren bis 64) haben wir uns die Performance der R9 285 und der R9 280 noch einmal genauer angesehen.
Insbesondere hat uns der von Spielen und normalen Benchmarks häufig genutzte Bereich zwischen Tessellationsstufe 5 und 20 interessiert - das Ausschnitts-Diagramm läuft der Vollständigkeit halber bis 30. Hier sieht man die stärksten Zugewinne der R9 285 gegenüber der R9 280, sofern man den aktuellen Treiber, in AMD-Dokumenten auch als 14.8 RC bezeichnet, nutzt. Ältere Ergebnisse machten uns jedoch stutzig, denn schon in der Vergangenheit fiel auf, dass die Tessellationsleistung bei AMD stark vom Treiber beeinflusst werden kann.
Unstrittig ist die höhere Dreiecksleistung von Tonga gegenüber Tahiti - und auch Hawaii kann in einigen Tessellationssettings nicht mithalten. Doch der enorme Vorsprung von zum Teil mehr als 200 Prozent, den Tonga im Bereich der Tessellationsfaktoren 10, 11 und 12 innehat, bricht mit älteren Treibern für Tahiti deutlich zusammen. Der 13.5 Beta 1 etwa, aus der Zeit, als die R9 280 noch HD 7950 Boost hieß, verhilft dem Tahiti-Chip im fraglichen Tessellationsbereich zu einem Leistungssprung von 2x, sodass Tonga hier nur noch rund 48 Prozent flotter unterwegs ist. Dafür verliert Tahiti mit diesem Treiber wiederum im "hinteren" Bereich, also extrem hohen Tessellationsfaktoren, deutlich und hinkt wiederum Tonga stark hinterer.
Was wir mit diesem Abschnitt sagen wollen? Genießen sie Performancenangaben, die zu schön klingen um wahr zu sein, stets mit einer Prise Salz - und sei es nur dem Bewusstsein, dass der Treiber eine große Rolle spielen kann.
Radeon R9 285 im Test: Overclocking
Unser Sample aus dem Hause MSI arbeitet ab Werk mit 973/2.750 MHz, einer sechsprozentigen Kernübertaktung. Im Overclocking-Test offenbart die Karte ein ansehnliches Potenzial, wir erreichen ohne Spannungserhöhung stabile 1.100/3.100 MHz (+20/+13 % ggü. Referenz). Das im Overdrive-Menü angebotene Maximum, 1.150 MHz, läuft zwar in 3D Mark & Co., nicht aber in unserem OC-Test Crysis 3 durch. Jenseits von 3.100 MHz Speichertakt kommt es zu Bildflackern und -ausetzern ähnlich wie bei Hawaii. Spannungserhöhung haben wir auf die Schnelle nicht ausprobiert, sind aber sicher, dass erhöhte Kernspannung wie bei Hawaii zu höheren RAM-Frequenzen verhilft, da der Controller innerhalb der GPU sitzt.
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Der Chip kommt viel zu spät, und ist keine wirkliche Alternative zu den neuen Maxwell Karten.
Schade AMD, zusammen mit Hawaii hättet ihr damit einen kompletten Produktwechsel gehabt.
Aber warum sollte man sich jetzt eine Karte mit diesen Chips holen?
Da fällt mir als Argument eigentlich nur noch die Game-Bundles ein.
Und ehrlich geschrieben finde ich die Nvidia Bundles seit einiger Zeit besser.
Wenn Tonga bzw. die R9 285 es beherrschte, hätte AMD das irgendwo genannt. Doch davon ist keine Rede, Displayport 1.2a soll's richten. Was Nvidia von HDMI 2.0 hält (und DP 1.2a), werden wir schon bald wissen.
MfG,
Raff