Larrabee vereint vermeintliche Konkurrenten
Auf TG Daily setzt sich der Marktanalyst Rob Enderle differenziert mit den aktuellen Positionen der drei "Großen" auseinander.
Intel Larrabee: Das Raytracing-Projekt sorgt für Spannungen (Bild: Intel)
Im einleitenden Absatz macht Rob klar, dass eine solche Konstellation sich gegenseitig anfeindender Firmen diesen nur schadet und der Kunde der Leidtragende ist. So verpassen die Konzerne vor lauter "bashen" nicht nur große Chancen, sondern es fallen auch schon mal Aussagen, die später eventuell bereut werden oder schlicht unnötig sind - wie beispielsweise das von Nvidias CEO Jen-Hsun Huang Richtung Intel abgefeuerte "Wir werden ihnen in den Arsch treten"-Statement (Nvidia gegen Intel: Der Tonfall verschärft sich). Ebenso hält es der Analyst für deutlich sinnvoller, dass sich alle drei Streithähne lieber auf ihre in letzter Zeit eher uninspirierten Produkte konzentrieren und dem Kunden endlich wieder etwas Neues, Vernünftiges vorsetzen.
Die landläufige Meinung, dass Nvidias größter Gegner die von AMD geschluckte Grafikschmiede Ati sei, musste in den letzten Wochen mehr oder weniger revidiert werden. Schießen die Kalifornier doch bereits seit geraumer Zeit massiv gegen Intel und stellen sich somit Schulter an Schulter mit dem vermeintlichen Konkurrenten. Der Grund hierfür ist Intels angekündigtes Raytracing-Projekt Larrabee. Ob Nvidia nun schlicht Angst haben oder doch nur auf PR aus sind, sei einmal dahin gestellt.
Intel besitzen mit den Core 2 zwar eindeutig die schnellsten Prozessoren und halten durch ihre Onboard-GPUs einen Großteil des Grafikkarten-Segments in der Hand, zum Spielen sind diese Chips aber überhaupt nicht geeignet. Somit ist Intel in Sachen CPUs kaum zu schlagen, bei den GPUs aber hat der Halbleiterhersteller (bei Spielern) nichts zu melden.
Nvidia dagegen produzieren zwar Chipsätze, prinzipiell sind die Kalifornier jedoch für ihre Grafikprozessoren bekannt, gegen die aktuell weder AMD und Intel sowieso nicht ankommen. Mit CUDA versuchen die auch im Workstation-Markt sehr erfolgreichen Mannen um Jen-Hsun Huang aktuell sich ihr Stück vom Physik-Kuchen zu schnappen und drängen damit ins Hoheitsgebiet von Intel, welche natürlich ihre Core 2 als ideale Physik-Beschleuniger bewerben.
AMD wiederum sitzen zwischen den Stühlen. Mit der Spider-Plattform, welche neben einer CPU und dem Chipsatz auch High-End-Grafikkarten zu bieten hat, verfügen sie zwar über das ein Komplettpaket, doch die Phenoms sehen ebenso wenig Land gegen die Core 2 wie die Radeon HD 3800 gegen Nvidias Geforce 8/9. Durch das Fusion-Konzept wird zwar eine Konfrontation mit Nvidia vermieden, dummerweise bugsiert sich der Konzern hiermit jedoch direkt in Intels Interessenfeld (Intel Havendale/Auburndale: Neue Konkurrenz für AMD Fusion?).
Die Geforce-Macher hingegen dürften einen "Krieg" am ehesten unbeschadet überleben. Die Vorraussetzung hierfür ist, dass der Markt weiterhin nach starken Grafikprozessoren verlangt und es Intel nicht gelingt, auf diesem Sektor ein konkurrenzfähiges Produkt zu positionieren. Gelingt es dem CPU-Hersteller aber, mit dem Larrabee Raytracing auf dem Markt zu etablieren, gerät Nvidia langfristig gesehen in Bedrängnis.
Sollte es Intel gelingen, Raytracing salonfähig zu machen, so stünden AMD wie Nvidia schlecht da. Doch aufgrund der bisherigen Probleme mit Microsoft und den eigenen Grafikbeschleunigern muss es dem CPU-Gigant erst einmal gelingen seine Kompetenz in diesem Bereich unter Beweis zu stellen.
AMD sind durch die Übernahme von Ati finanziell in arge Bedrängnis geraten. Doch da die eigenen Produkte aktuell nur die zweite Geige spielen, fehlt das Geld, um diesen Misstand zu beheben. Eine Koexistenz mit Nvidia ist - wie die letzten Jahre zeigen - problemlos möglich und Intel müsste sich weiterhin mit einem dritten Platz gegnügen.
Schlussendlich sind es die Entwickler, die bestimmen, welcher Technologie die Zukunft gehört und ob es Intel gelingen wird, trotz Nvidias und AMDs Gegensteuern eine potente Grafiklösung zu präsentieren.
Es bleibt also spannend.
