GTC 2010: Fünf Minuten in die Zukunft - GPU-Power für Fotografie und robotergestützte Operationen
Gegen Ende der Eröffnungsveranstaltung wagte Nvidia-CEO und -Mitbegründer Jen-Hsen Huang einen Blick in die Zukunft und holte sich dazu Unterstützung in Form von Abgesandten eines großen Software- und eines bekannten Krankenhauses.
Quelle: PC Games Hardware
GTC 2010: Adobe zeigt GPU-gestützte Berechnungen (4)
Unscharf? Kein Problem!
Mit Senior Principal Scientist David Salesin und Senior Research Scientist Todor Georgiev betraten zwei Adobe-Mitarbeiter die Bühne, die nicht nur beeindruckende Titel, sondern auch beeindruckende Technik mitbrachten. Wer kennt das nicht: Die Digitalkamera hat nicht das anvisierte Ziel, sondern den Hintergrund oder den Baum im Vordergrund scharf gestellt. Mit sogenannten planoptischen Linsen könnte der Kummer darüber bald der Vergangenheit angehören. Die Linsen bestehen aus vielen kleinen Einzellinsen (siehe Bild), die alle einen individuellen Teil der Szene einfangen und speichern.
"Wir nehmen damit quasi vier Dimensionen auf", sagte David Salesin. "Zwei Dimensionen der Objekte und zwei Dimensionen des Lichts." Die etwas verschwurbelte Erklärung ist schnell vergessen, als Todor Georgiev das Ergebnis zeigt: Die unscharfe Aufnahme von Salesins Tochter wird nachträglich geschärft, als sei sie nie verwaschen gewesen. Auf Wunsch kann auch der Hintergrund oder das Laubwerk des Baumes über dem Mädchen geschärft werden. "Das ginge natürlich auch mit einer normalen CPU, aber mit der GPU und ihrem Texture Mapping beschleunigt sich der Vorgang um den Faktor 500", frohlockt David Salesin. Weitere Anwendungsmöglichkeiten: Bewegungsunschärfen des Motivs eliminieren oder gar eine verwackelte Kamera nachträglich still halten. "Bis heute emuliert die digitale Fotografie nur den analogen Prozess, aber wenn wir viel mehr aufnehmen, können wir etwa in Photoshop viel mehr damit machen", spekuliert Jen-Hsen Huang. Eine coole Sache auf alle Fälle - auch, wenn wir zu gerne wissen würden, wann ein Objektiv mit einer planoptischen Linse erstmals auf dem Massenmarkt erhältlich ist - und zu welchem Preis.
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Es operiert Dr. Roboter
Minimal-invasive Chirurgie gibt es schon seit ein paar Jahren. Wenn ein Arzt mit Kamera und Instrumenten durch kleinere Schnitte in den Körper vordringt und dort für Ordnung sorgt, freut sich der Patient über kleinere Narben und ein geringeres Risiko für Komplikationen. Auftritt Dr. Michael Black, Chefarzt für Herzkrankheiten bei ungeborenen Kindern am California Pacific Medical Center. Er operiert mithilfe von Robotern und minimalintensiv Babys, die noch im Mutterleib auf ihre Geburt warten. "Das jüngste Baby war bei der Operation gerade einmal 22 Wochen alt und so groß wie eine Maus", erzählt Black dem staunenden Publikum und zeigt ihm einen kurzen Film, in dem ein Kollege seine Arbeitsweise erklärt.
Ein Roboter beobachtet das schlagende Herz und bewegt die Instrumente und Kameras im gleichen Rhythmus - so scheint es für den Chirurgen, als würde er eine komplett ruhige Operation vornehmen. Natürlich muss dafür ein gewaltiger Datenberg bearbeitet werden, damit nichts schief geht. "Bis vor kurzem war das noch nicht möglich", sagt Michael Black, "doch mit der heute verfügbaren GPU-Power fühlen wir uns zu noch kühneren Methoden herausgefordert, die derzeit noch gar nicht existieren." Neben Herzoperationen, nach denen die Patienten noch am gleichen Tag nach Hause gehen können, denkt Black an Astronauten, die möglicherweise auf dem Weg zum Mars eine Operation benötigen. "Man kann da unmöglich 20 Spezialisten an Bord mitfliegen lassen - doch mit entsprechenden robotischen Instrumenten könnten die von der Erde aus arbeiten." Von der Zeit, die ein Funksignal von der Erde zum Mars und wieder zurück benötigt, einmal abgesehen - der "Blue Screen of Death" bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung.
