Ubisoft durchgeschüttelt: Fragezeichen bei Anno, "Kursmassaker" an der Börse [Update]
Am gestrigen Abend hat Ubisoft weitreichende Änderungen am Konzern verkündet. Bei den deutschen Studios bleiben Fragezeichen offen, die Börse reagiert verschnupft.
Originalartikel vom 22.01.2026: Ubisoft bleibt weiter in unruhigem Fahrwasser. Erst Ende November wurde der Börsenhandel vorübergehend ausgesetzt und nach Wiederaufnahme ein bereits angekündigter Milliarden-Deal mit Großaktionär Tencent umgesetzt. Für 1,16 Milliarden Euro flossen Rechte der wichtigsten Ubisoft-Titel Assassin's Creed, Rainbow Six und Far Cry in das neu gegründete Joint-Venture Vantage Studios, ein erstes "Creative House". Den Kurs setzt man nun mit Nachdruck fort.
Die neuen Creative Houses
In einer Eilmeldung präzisierte Ubisoft seine Pläne, die Studioschließungen, Verschiebungen und Einstellungen von Spielen vorsehen. Zuerst zur neuen Organisation: Es gibt künftig insgesamt fünf sogenannte Creative Houses, die unterschiedliche Marken und Genres betreuen. Vantage Studios (CH1) kennt man bereits, die anderen stehen ebenfalls fest:
- CH1 (Vantage Studios): Skalierung und Erweiterung der größten und etabliertesten Franchises von Ubisoft wie Assassin's Creed, Far Cry, Rainbow Six
- CH2: Kompetitive und kooperative Shooter wie The Division, Ghost Recon, Splinter Cell
- CH3: Live-Service-Spiele wie For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla, Skull & Bones
- CH4: Immersive Fantasiewelten und narrative Universen wie Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia, Beyond Good & Evil
- CH5: Casual- und Familien-Spiele wie Just Dance, Idle Miner Tycoon, Ketchapp, Hungry Shark, Invincible: Guarding the Globe, Uno, Hasbro
Quelle: Ubisoft
Die neue Struktur bei Ubisoft
Zu diesen Creative Houses gesellen sich mit dem Creative Network ein Zusammenschluss von Partnerstudios, die bei Projekten aushelfen, und zentrale Services wie die Entwicklung von Spiele-Engines, Onlinedienste, Lokalisierung, Playtests, oder Qualitätssicherung/Qualitätskontrolle. Vier Marken, darunter March of Giants, das zusammen mit Amazon entsteht, haben noch kein Zuhause.
Rotstifte überall, Börse bestraft die Pläne
Ubisoft setzt auch den Rotstift an, wie PCGH bereits berichtet hat. Sechs Spiele, darunter das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, entsprechen nicht den neuen Qualitätskriterien. Gleich vier nicht einmal angekündigte Spiele und drei neue Marken werden damit eingestampft. Außerdem erhalten sieben Spiele noch einmal eine Chance, indem sie zusätzliche Entwicklungszeit erhalten, um die höheren Qualitätsstandards zu erreichen. Das hat natürlich messbare Folgen für das eigentlich geplante Geschäftsjahr. Auch wenn Ubisoft in den kommenden zwei Jahren weitere 200 Mio. Euro an Fixkosten einsparen möchte, belastet die korrigierte Roadmap die Umsatz- und Gewinnerwartungen erheblich. So rechnet man in diesem Fiskaljahr nur noch mit 1,5 Mrd. Euro Umsatz und einem durch Abschreibungen von 650 Mio. Euro belasteten negativen Ergebnis. Das zeigt Wirkung an der Börse: Die Aktie notiert aktuell bei einem Minus von über 25 Prozent und damit bei einem 10-Jahres-Tief.
Im Lichte der Neuigkeiten erklärt sich auch, warum der Producer von The Division 3 innerhalb kürzester Zeit zuerst das Spiel lobt und dann zum Konkurrenten DICE und Battlefield 6 wechselt. Offenbar trug nicht jeder die weitreichenden Entscheidungen mit. Und es stellt sich die bange Frage, was mit den deutschen Spielestudios wie Ubisoft Mainz passiert. Die Branchenwebseite Gameswirtschaft konstatiert, dass man noch keine Auswirkungen für die insgesamt 800 Angestellten an den vier deutschen Standorten prognostizieren kann.
Das Kostensparprogramm verschonte bisher offenbar die deutschen Studios; geschlossen wurden zuletzt ein Studio in Halifax und eines in Stockholm, dazu kamen bestätigte Entlassungen bei Ubisoft Abu Dhabi, Redlynx und Massive. Bei Ubisoft Deutschland gab es erst vor wenigen Tagen eine Zäsur, als Branchenveteran Ralf Wirsing, auch tätig als Development Director für Ubisoft Blue Byte, nach 30 Jahren seine Position als Managing Director Europe aufgab. Dieser zeitliche Zusammenhang dürfte kein Zufall sein. Und der organisatorische Umbau dürfte von allen Beteiligten viel Geduld und Willen voraussetzen. Jedes Creative House bekommt zum Beispiel eine eigene Leitung, die "die volle finanzielle Verantwortung trägt und für die wirtschaftliche Leistung Rechenschaft ablegt". Sollte eines der fünf Häuser hier nicht liefern, hätte Ubisoft mit dem dezentralen Modell auf jeden Fall ein einfaches Spiel.
Ubisoft schockt Anleger und Spieler - Ihre Meinung? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Zum Kommentieren müssten Sie eingeloggt sein. Sollten Sie noch keinen Account haben, könnten Sie über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Beachten Sie beim Kommentieren bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie uns außerdem für Neuigkeiten in der Hardware-Welt oder unsere exklusiven Inhalte gern auf Whatsapp und X. Unsere Video-Inhalte (oftmals gewürzt mit einer Prise Humor) finden Sie bei Youtube, Instagram und Tiktok.
"Kursmassaker" und generative KI
Aktualisierung vom 23.01.2026: Erst am Tag nach der Ankündigung lässt sich das ganze Ausmaß dessen abschätzen, wie die tiefgreifenden Änderungen bei Ubisoft an der Börse ankommen. Letztlich war das Minus im Tagesverlauf noch gravierender und pendelte sich bei minus 40 Prozent ein. Die Finanzberichterstatter überschlugen sich in ihren Einschätzungen, von "Kursmassaker" und "totalem Absturz" war die Rede. Wie stark Ubisoft mittlerweile an wirtschaftlicher Bedeutung verloren hat, zeigt auch der Börsenwert. Lag dieser vor fünf Jahren noch bei mehr als zehn Milliarden Euro, sind es aktuell nur noch 600 Mio. Auch bei den stark gesunkenen Mitarbeiterzahlen erkennt man die Talfahrt. Innerhalb von gut drei Jahren sank die Zahl von über 20.000 auf nur noch 17.000. Spieler kritisieren die künftige Ausrichtung auf "Open World Adventures" und "Games as a Service-native Erlebnisse". Darin sind "beschleunigte Investitionen in generative KI" enthalten, die sich an den Spielern orientieren sollen.

Verstehe ich immer irgendwie nicht...alles nur virtuelle scheiße!
EA oder MS? Auf keinen Fall! THQ Nordic aka Embracer ist wohl zu beschäftigt.
Von daher sollen die einfach so weitermachen, wie bisher. Hoffentlich klappt es mit den Einnahmen bei Anno 117, sonst sieht es übel aus.
AAAAAAA Titel. Schön Bunt und divers.
Das kann nur gut gehen... Bei der Konkurrenz haben die Spiele doch auch alle funktioniert.
Wieso auch auf die Spieler hören, die wissen eh nicht was gut ist.
Ein Prince of Persia remake hätte ich gerne gespielt.
AC Shadows auch, bis ich gesehen habe was die gemacht haben.
Assasinen und Japan. Das ist doch eine Kombination, da kann man nicht viel falsch machen. Ubisoft schon, die sind Profis...
Das AC, welches nach dem Bürgerkrieg spielen sollte, wurde abgesetzt. Teilweise auch wegen der Kritik an Yasuke aus AC Shadows... Wenn man nicht versteht weshalb das kritisiert wurde, kann man das gerne machen.
Von mir aus können die gerne pleite gehen. Mir würde dadurch nichts fehlen.