Elex-Vorschau: Das muss man zum Open-World Rollenspiel der Gothic- und Risen-Macher wissen
Fantasy ist tot, es lebe Science-Fantasy: Nach Gothic und Risen zieht es das deutsche Studio Piranha Bytes ins die Zukunft. Auf dem Planeten Magalan streiten vier Fraktionen um das seltene Material Elex - und wir müssen uns im gleichnamigen Open-World-Rollenspiel entscheiden, auf wessen Seite wir stehen wollen.
Eigentlich hätte Elex einmal vor der E3 2017 in Los Angeles veröffentlicht werden sollen - doch das Open-World-Rollenspiel aus dem Hause Piranha Bytes (Gothic, Risen) bekommt noch ein paar Monate mehr Zeit für die Endabnahme: Am 17. Oktober dieses Jahres dürfen wir den Planeten Magalan betreten. Dort erwarten uns, aufmerksame Leser erinnern sich, vier Fraktionen, die alle mit den Auswirkungen eines Meteoritenabsturzes auf ihre Welt zu kämpfen haben. Obendrein hatte der Felsbrocken ein außerirdisches Metall "an Bord", das von Magalans Bewohnern als Energiequelle oder gar als Droge eingesetzt wird.
Ein Planet, vier Fraktionen
Unser Held gehörte bis vor Kurzem der Fraktion der Albs an, die Elex bevorzugt zur persönlichen Leistungssteigerung konsumieren - auch, wenn dabei als Nebenwirkung ihre Emotionen ausgeschaltet werden. Die Berserker nutzen Elex stattdessen, um es in Mana umzuwandeln und so den vom Meteor aus der Bahn geworfenen Magalan wieder mit grünen Wäldern zu überziehen.
Die Kleriker setzen Elex hingegen für Forschung und Technik ein: Sie konstruieren damit Waffen, Roboter und allerlei Maschinen. Bleiben die Outlaws: Dieser Fraktion ist es herzlich egal, dass die Welt nach der Katastrophe in Schutt und Asche liegt. Elex verwenden sie bestenfalls, um sich aufzuputschen, ansonsten leben sie in aus den Überresten besserer Zeiten zusammengebauten Behausungen.
Offene Spielwelt mit Hindernissen
"Wir sind inzwischen Content Complete", freut sich Producer Michael Paeck von THQ Nordic, den wir zusammen mit den Piranha-Byte-Designern Harald Iken und Amadeus Weidmann am letzten Tag der E3 treffen. Zu gut Deutsch: Alle Inhalte sind im Spiel, von jetzt an werden alle Gebiete auf Hochglanz poliert - sofern dies in einer postnuklearen Welt überhaupt möglich ist. Oh, und Bugs sollen selbstverständlich auch noch reihenweise entfernt werden.
Nach wie vor steht uns der gesamte Planet von Anfang an offen - das gilt auch für die Quests, die wir in beliebiger Reihenfolge angehen können sollen. Natürlich mit Einschränkungen, denn die härtesten Monster können wir in der ersten Spielminute natürlich noch nicht erledigen. Immerhin steigen die Gegner nicht mit uns die Stufenleiter empor - gemeine Strauchdiebe in Plattenrüstungen wie noch in Oblivion bleiben uns in Elex erspart.
Allerdings ist es noch immer möglich, so gut wie jeden Bewohner Magalans umzulegen - auch wenn uns das spielerische Probleme bereiten dürfte, denn ein toter Questgeber gibt uns beispielsweise weder Aufgaben noch Belohnungen. Das muss nicht einmal absichtlich passieren: Wir können Tiere und Mutanten in Siedlungen locken, um von deren Bewohnern Unterstützung zu bekommen - aber unsterblich sind unsere Helfershelfer nicht.
Ein Held mit sieben Begleitern
Ganz allein müssen wir uns generell nicht durchschlagen: "Es gibt sieben Begleiter, die euch zur Seite stehen", erklärt Michael Paeck. Und die teilweise auch einer der drei Fraktionen angehören - sogar eine Roboter-Drohne soll dabei sein. Einmal ausgewählt, handeln unsere Helfer autark: Manche mögen Experten im Nahkampf, andere im Fernkampf sein, wieder andere heilen uns, wenn wir zu viel einstecken mussten. Außerdem mischen sie sich durchaus auch in unsere Quest-Aktivitäten ein. "Wenn ihr wiederholt etwas macht, womit euer Begleiter nicht einverstanden ist, kann es sogar passieren, dass er das Weite sucht", sagt Harald Iken.
Weil wir immer nur einen Begleiter mitnehmen können, warten die anderen artig in unserer Basis auf ihren Einsatz. In diese Basis, die wir im Laufe des Spiels weiter ausbauen können, kehren wir immer wieder zurück. Denn neben einer Schatztruhe und unserem Bett befinden sich dort auch Hilfsmittel wie Werkbänke und Alchemietische, die uns bei der Herstellung hilfreicher Gegenstände helfen. Per Schnellreise kehren wir nach Hause zurück, um den Begleiter auszutauschen, wenn wir beispielsweise einen mit mehr Feuerkraft benötigen.
Schlagen und Schießen
Nahkämpfer sollten beim Kampf ihre Ausdauer im Auge behalten, die für Schläge und Blocken wie Eis in der Sonne schmilzt. Fernkämpfer haben diese Sorgen nicht, dafür schwindet ihr Munitionsvorrat. Und Magier, nun, unsere Elex-Vorräte sind ebenfalls nicht unendlich. Treffen unsere Angriffe ins Schwarze, füllt sich ein Balken, der jeder Waffe einen verheerenden Spezialangriff ermöglicht.
Leider konnten wir auf der E3 nicht selbst Maus und Tastatur in die Hand nehmen, deshalb können wir noch kein Urteil darüber abgeben, wie flüssig beziehungsweise strategisch die Kämpfe ablaufen. Immerhin: Wir dürfen überall speichern, ein verlorenes Gefecht ist also kein allzu großer Beinbruch. "Das Spiel speichert außerdem alle drei Minuten automatisch", sagt Michael Paeck.
"Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung war: Wie bleibt der Nahkampf bedeutsam, wenn es Tricks wie Suggestion oder gar Schusswaffen gibt?" sagt Paeck. Die Entwickler lösten das Problem mit einer Munitionsknappheit, die uns von allzu wildem Umhergeballere abhält - und uns zwingt, bei den Outlaws vorbeizuschauen, weil diese die einzigen sind, die Munition herstellen können. Natürlich erst, wenn wir uns mit ihnen angefreundet haben: Selbst Schrottsammler sind nicht besonders spendierfreudig.
Fraktionen und Quests
Im letzten Jahr hieß es noch, dass wir uns durch die Story mogeln können, ohne uns einer der drei Fraktionen anzuschließen. Das ist nicht mehr der Fall: "Ab einem gewissen Punkt müsst ihr einer der drei Gruppen beitreten", sagt Michael Paeck. Die Wahl will gut überlegt sein, denn wir machen uns damit natürlich bei den jeweils anderen zwei Gruppen unbeliebt - und ein erneutes Wechseln unserer Fraktion ist nicht möglich. "Ob ihr euch aber in Stunde zwei oder 20 entscheidet, bleibt euch überlassen", sagt Paeck.
"Ihr könnt euch aber nicht nur mit Nebenquests durchmogeln", ergänzt Harald Iken. "Manche davon finden auf den Gebieten der Fraktionen statt, und wer der Hauptquest folgt, wird von ihr sanft auf die Fraktionswahl gestoßen. Wer stattdessen lieber die Welt erforscht - und da gibt es sehr viel zu erforschen -, kann das aber viele Stunden lang tun, ohne die Hauptquest anzurühren." Auf gelbe Fragezeichen über den Köpfen von potenziellen Quest-Gebern haben die Entwickler verzichtet. "Wir machen das wie in unseren früheren Spielen", sagt Iken. "Wenn eine Person einen Namen hat, dann lohnt es sich, mit ihr zu sprechen."
Verdeckte Sympathien
Auch ohne Fraktionszugehörigkeit dürfen wir die Basisvarianten aller Waffen nutzen, doch wenn wir beispielsweise einen verzauberten Bogen einsetzen wollen, führt kein Weg am Lager der Berserker vorbei. Einmal deren Freund, lernen wir deren Tricks, um unsere Bogen etwa mit Feuereffekten zu verbessern, um beim Beispiel zu bleiben.
Partielle Entwarnung für entscheidungsunfreudige Spieler: Nur, weil wir neue Freunde haben, sind deren Feinde auch automatisch unsere Feinde. "Wenn ihr als Kleriker die Outlaws besucht, heißt das nicht, dass sie euch auf der Stelle umbringen werden", sagt Harald Iken. "Sie behandeln euch allerdings nicht so freundlich wie einen Verbündeten. Andererseits gibt es möglicherweise auch Outlaws, die insgeheim mit den Klerikern sympathisieren und euch dann unterstützen." Grund genug, Magalan und seine Bewohner wirklich ausgiebig unter die Lupe zu nehmen.
Endzeitbewohner mit Eigenleben
Wie es sich für einen ordentlichen Planeten gehört, besitzt Magalan einen Tag-Nacht-Zyklus, nach dem sich auch seine Bewohner richten. Sie ziehen morgens los, um zu arbeiten, kehren abends nach Hause zurück und trinken dann mit ein paar Freunden ein postnukleares Bierchen.
Deshalb ist es ratsam, Diebestouren im Schatten der Nacht durchzuführen, denn wenn uns mutige Leute sehen, greifen sie uns auf der Stelle an. Ängstlichere Naturen rufen die Wachen - wenn die uns in die Finger kriegen, müssen wir eine Strafe zahlen. Können wir entkommen, heuern sie möglicherweise einen Kopfgeldjäger an, der sich auf unsere Fährte setzt.
Die Bewohner Magalans reagieren auch auf Gegenstände, die wir ganz legal dabeihaben. "Besucht ihr die Berserkerstadt Gollet, habt aber unterwegs Hightech-Waffen gefunden, beeinflusst das den Verlauf der Quests, die euch dort offenstehen", sagt Michael Paeck. "Nehmt ihr einen anderen Weg nach Gollet und jemand anderes findet die Waffen, ändern sich die Reaktionen der Einwohner und damit die Quests, die sie für euch bereithalten."
Bildergalerie
Keine Pausen, nirgendwo
Im Vergleich zum letzten Jahr sieht Elex dramatisch besser aus. Als Grafik-Engine kommt einmal mehr Piranha Bytes interne Engine zum Einsatz, die einmal mehr aufgebohrt und verbessert wurde. So beherrscht sie neben den schon angekündigten Features Global Illumination und Volumetric Lighting jetzt auch HDR-Effekte. Neben den Tag-Nacht-Wechseln weht, regnet und schneit es je nach Umgebung, was aber keine spielerischen Auswirkungen hat.
Harald Ikan freut sich besonders darüber, dass unsere Abenteuer komplett ohne Ladebildschirme ablaufen, die es etwa in Risen 3 noch gab: "Wüsten, Wälder, Lava- und Eislandschaften gehen fließend ineinander über." Gleichermaßen sollen auch unsere Gegner für Abwechslung sorgen: "Ihr kämpft gegen große Roboter, aber auch gegen Trolle - wir wollen unserem Grundgedanken des Science-Fantasy treu bleiben."
Fließend ist übrigens auch der Übergang zwischen Spielgeschehen und Inventar aus: Das Spiel pausiert nicht, wenn wir unsere Habschaften sortieren oder das Quest-Log beziehungsweise die Karte studieren. "Am besten fliegt ihr mit eurem Jet-Pack vorher an einen sicheren Punkt", empfiehlt Michael Paeck. Erwähnten wir, dass dieser Raketenrucksack ebenfalls Elex benötigt, um zu funktionieren?
Fazit: Elex
Eine Tasse Fallout, ein Pfund Mad Max, ein halber Liter Gothic und eine Messerspitze Risen - fertig ist die Welt von Elex. Vor einem Jahr klang das Spiel ambitionierter, als es aussah. Doch in den letzten zwölf Monaten hat sich auf Magalan einiges getan. Die Piranha-Bytes-Designer haben die Welt des Open-World-Rollenspiels deutlich schicker gemacht, die Kämpfe laufen geschmeidiger ab und die drei Fraktionen versprechen Spieltiefe und einen hohen Wiederspielwert.
Dass Elex noch vier Monate mehr Zeit bis zur Veröffentlichung verordnet bekommen hat, passt - wer sitzt schon im Hochsommer vor dem PC, wenn im Herbst die Sonne viel früher untergeht? Mögen die Entwickler bis dahin so viele Bugs wie nur möglich finden und fixen. Und möge Elex den Umfang von Gothic und die Story von Risen in sich vereinigen.

Elex wenn sofern es etwas "anderes" ist als das was sie vorher gebracht hatten würde ich ihn evtl. reduziert hoen.
Generell finde ich heutzutate jetzt keinen Titel (egal welches Genre) der mich bei Veröffentlichung so von die Socken hauen würde ihn dann ernsthaft zu kaufen und (zeitverschwendend) spielen...