[26/11/2021] Intel Raptor Lake … hat mich sehr überrascht. Es gab es keine Anzeichen, dass Cache-Größe und Ring-Bus-Geschwindigkeit bei Alder Lake überhaupt ein Flaschenhals sind, die E-Core-Menge schien bereits die Grenze des Nützlichen erreicht zu haben und von der vierten Optimierungsrunde des 10-nm-Prozesses (inkl. Cannon Lake, den Intel außerhalb von Börsenberichten immer unterschlägt) habe ich gar nichts erwartet. Aber dann kam aus dem Nichts diese Links-rechts-Combo mit 5 Prozent mehr IPC und 12 Prozent mehr Spiele-Takt bei vergleichbarer MTP. Ryzen 7000 guckt genauso verdattert wie ich, der 5800X3D findet sich auf dem Boden wieder. Zugegeben: Die Leistungsaufnahme im bislang taktlimitierten Spiele-Einsatz ist genauso gestiegen; die Effizienz ist wegen der Intel-typischen Brechstangen-Spezifikationen erst nach händischem Eingriff gut und absolut betrachtet sind 18 Prozent Vorsprung im Leistungsindex gegenüber dem Vorgänger zwar ziemlich gut, aber für ein als neue Generation verkauftes Produkt noch nicht sensationell.
Nur gemessen an der Null-Erwartungshaltung haut Raptor Lake vom Hocker und da Ryzen 7000 seinerseits auch etwas mehr an der Verlust- denn an der Spieleleistung geschraubt hat, liegt Intel auch mal wieder vor der versammelten Konkurrenz. Rückblickend kein Wunder, dass diese schon so früh und offen über V-Cache-Zen-4s geredet hat – sowas braucht es jetzt auch. Intel dagegen sollte sich endlich Gedanken über Plattform-Support machen: Mit der schnellsten Gaming-CPU und gegenüber AM5 teils mehrere 100 Euro günstigeren Mainboards könnte man unter PCGH-Lesern offene Türen einrennen, stünde da nicht der Wechsel auf LGA1800 am Horizont. Wie wäre es an dieser Stelle offiziell "Core Overdrive"-Modelle von Meteor Lake zuzusagen, welche die Lebensspanne heute gekaufter Systeme deutlich bis auf [AMD-Zitat] "2025+" verlängern? Technisch würden die Intel-Ingenieure so etwas sicher hinbekommen, wenn man sie nur mal lassen würde. An dieser Stelle der Hinweis, dass mir 2015 eine 10-nm-Hexacore-Aufrüstoption für LGA1151 suggeriert wurde. "13500KX Overdrive", wie wär's, Intel? Bei so viel Kundenfreundlichkeit würde AMD die viel zu spät (und weiterhin nur einseitig) freigegebene AM4-Kompatibilität im Halse steckenbleiben. (Torsten Vogel)