Die Verzögerung von AMDs Bulldozer zugunsten von Llano - Redaktions-Kolumne KW22
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben: In der KW22 berichtet Marc Sauter über die Verzögerung des Bulldozers zugunsten von Llano und glorreiche Hammer-Zeiten.
In der KW22 berichtet Marc Sauter über die Verzögerung des Bulldozers zugunsten von Llano und glorreiche Hammer-Zeiten.
"Eine Handvoll B0- und B1-Stepping-ES, manche sogar ohne L3-Cache: Viel mehr gab es vom Bulldozer in den vergangenen Wochen und Monaten abgesehen von gefühlten 317 Leaks seitens Donanim Haber nicht zu sehen. Bis heute haben wir kein NDA für Test-Samples des Bulldozers unterschrieben, geschweige denn ein solches erhalten. Auf der Computex gab AMD schließlich das bekannt, was die Gerüchteküche schon längst als Quasi-Fakt etabliert hatte: Der Desktop-Bulldozer "Zambezi" in Form der FX-Serie komme in 60 bis 90 Tagen, Stichdatum war der 01. Juni. Somit wird es Juli bis September, eine breite Verfügbarkeit kann sich sogar noch später einstellen - Rick Bergman verwies vielleicht nicht umsonst scherzhaft auf die Bottom-Line ("Roadmaps are subject to change without notice"). AMDs PR Manager Northern Europe kommentierte die Verzögerung indes wie folgt:
Die Reihenfolge, in der wir die Produkte auf den Markt bringen, ist rein strategischer Natur. Der sehr erfreuliche Erfolg der C- und E-Serie-APUs hat zu der Entscheidung geführt, zunächst auch im Desktop-Bereich mit APUs weiterzumachen und erst danach den Bulldozer folgen zu lassen. Probleme mit dem Bulldozer gibt es allen Gerüchten zum Trotz nicht.
Während sich Intel die Hände reibt, weil die hauseigenen "Sandy Bridge"-CPUs ein paar weitere Monate praktisch keine Konkurrenz fürchten müssen (die EN-Modelle sowieso nicht) , möchte AMD also weiterhin das Einsteiger- und Mittelklasse-Segment bedienen - den Sektor, in dem die Margen gering und das Preis-Dumping an der Tagesordnung sind. "Ivy Bridge" ist passend dazu angeblich auch ein paar Monate entfernt, Intel scheffelt derweil munter Gewinne. Natürlich hat AMD recht, dass die C- und E-APUs gut ankommen - wenig verwunderlich, stoßen diese wirklich gelungenen Produkte doch wunderbar in die Lücke zwischen den lahmen Atoms und den kürzlich erst veröffentlichten Celeron- und Pentium-CPUs auf "Sandy Bridge"-Basis samt HD-Grafik.
Die "Lynx"-Plattform mit den "Llano"-APUs soll es also richten - anstatt des Bulldozers. AMD wirft hier die Kombination aus einem leicht aufgemotzen Athlon II X2/X4 mit einer DX11-Grafikeinheit mit 160 bis 400 ALUs in die Waagschale gegen die bereits erwähnten Celeron- und Pentium-CPUs auf "Sandy Bridge"-Basis sowie die Core i3-Modelle. Die sind CPU-seitig im Zweifel wohl flotter, dafür ist die HD-Grafik mit Sicherheit unterlegen. Das mag für OEMs schmackhaft sein, denn so spart sich der Fertiger eine dedizierte Grafikkarte und auch die CPU-Leistung ist völlig ausreichend. AMD aber legt den Fokus mehr auf die Grafik denn auf die CPU und ich frage mich, was das dem "Otto-Normal-Kunde" bringt? HD-Filme, Browser und einfache bis aktuelle Spiele schultern die Intel-IGPs der "Sandy Bridge"-Generation ebenfalls - und viel mehr ist meiner Ansicht nach nicht nötig, denn alles, was darüber hinaus geht, ist in der Regel so rechenaufwendig, dass eine dedizierte Grafikkarte oder eine wirklich potente CPU erforderlich ist.
Hier ist AMD mit der HD-69x0-Serie zwar super aufgestellt, das Topmodell Phenom II X6 1100T aber schiebt sich mit viel Mühe mit vor Intels Core i7-2500K - und auch nur bei massivem Multithreading. Ist mehr die Leistung pro Kern und Takt gefragt, fällt der X6 gar fast auf das Niveau der Core-2-Generation zurück, das Mittelklasse-Flaggschiff Core i7-2600K ist locker anderthalb Mal so flott unterwegs (von Spielen ganz zu schweigen). Kein Wunder, dass der 1100T schon für rund 160 Euro verkauft wird - AMD senkte Anfang Mai die Preise. Was der Hersteller benötigt, ist ein zweiter "Hammer" - dies war der Codename für die K8-Architektur, die ihrer Zeit Intels Pentium 4 in die Schranken wies und vor allem bei Spielern aufgrund der hohen Leistung beliebt war. "Bulldozer" klingt ähnlich martialisch und seit Monaten nun schon scherze ich, ich möchte in der Meinungsfresse des FX-Tests schreiben, die CPU würde Intels Prozessoren platt machen. Bis es aber soweit ist, hat der Chipriese vermutlich schon die EN-Modelle mit sechs bis acht Kernen vom Stapel gelassen - und damit den Server-Bereich fokussiert, wo von Bulldozer besonders viel erwartet wird. Mit "Interlagos" könnte AMD hier die Konkurrenz klar in die Schranken weisen; das obere Desktop-Segment aber scheint ein irgendwie aufgegeben worden zu sein - die Zeiten in denen eine FX-CPU aufgrund ihrer Leistung bald 1.000 Euro kostete, sind wohl Geschichte. Schade.
Ich nehme es AMD einfach nicht ab, dass man den Bulldozer bewusst verschiebt, weil die bisherigen APUs so toll angekommen sind. Viel eher erreichen wohl die bisherigen Steppings nicht den Takt oder die TDP (daher wird derzeit für's Release offenbar am B2-Stepping gearbeitet), die sich der Hersteller erhofft hat oder aber Global Foundries haben einfach zu viel versprochen und die 32-Nanometer-Kapazitäten reichen nicht für Bulldozer und Llano. Da letzterer einfach zu fertigen sein sollte, könnte AMD hier einen früheren Launch forcieren. Auch hier tröpfeln die Produkte jedoch nur langsam in den Markt, denn die ersten Boards sind im Umlauf, an APUs mangelt es - bis entsprechende Plattformen am Markt sind, wird es wohl Juli und nennenswerte Leistungssprünge sind bei "Lynx" fehl am Platz (und waren auch nie zu erwarten). Derweil zeigt AMD schon fleißig "Trinity" in die Kamera, eine APU auf Basis von Next-Gen-Bulldozer-Kernen, dabei hat es der Urvater noch nicht mal auf den Markt geschafft und schon gar nicht Intels sandige Brücke knirschend hinter sich gelassen.
Eine "Sandy" will ich allerdings ohnehin nicht (einmal Mitteklasse-Plattform hat mir gereicht) und mehr Power als die (m)eines Lynnfields ist auch nicht wirklich nötig - daher könnte sich AMD ja aus meiner Perspektive eigentlich Zeit lassen. Neukäufern bleibt zumindest die Option, einen Phenom II mit einer AM3+/900er-Platine zu kreuzen und später einen "Bully" einzubauen - wer aber schon jetzt Power will, greift zur "Sandy". Und diese Käufer wird AMD auf absehbare Zeit nicht ins eigene Lager zurück holen. Dafür wird Llano mobilen Bereich sicherlich Marktanteile holen, hier ist Intel noch mächtiger als im Desktop-Segment. Und geht AMDs Strategie für Spätsommer bis Herbst auf, wird der Bulldozer seinem Namen gerecht: Langsam mag er rollen, aber dafür über Stock und Sand - und Brücken.
An dieser Stelle im Übrigen noch einen Gruß an Alex: Der Schrein staubt - denn er wirkt irgendwie sandig."
Redaktions-Kolumne
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Meiner Meinung nach ist die Verschiebung durch Llano schlüssig.Aber wen es interessiert wann Bulldozer kommt.heise online - AMD demonstriert Notebook mit Trinity-Prozessorund INFOS über die Gamingleistung sollten früher bekannt werden.AMD ardOCP GamExperience - July 16 - ard|Forum
Unter einfachen Menschen heißt so etwas dann aber nicht Strategie, sondern schlicht Notlösung.
Eine bessere Infopolitik seitens AMD tut hier echt Not; denn passieren kann so etwas auch den oberdollsten Firmen egal welcher Branche und ist keiner Firma zu wünschen.
Schlechte PR-Arbeit und Info-Politik verschlimmert leider alles und die Spekulationen schießen ins Kraut; und somit zu sehr auch ins "Unkraut".
Das AMD Bulldozer nur aus strategischen Gruenden verschoben hat glaube ich auch nicht. Ist doch klar das die sich irgendwie rausreden wollen.
Soviel zum Thema günstiger werden, wenn das Nachfolgeprodukt verfügbar ist.
Wird ja keiner zu gezwungen den zu kaufen.