Ein Deal? Amazons Taschenlampen Bestseller angeblich heller als Stadionslichtmast
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Von Shadohawk stammt eine der meistverkauften Taschenlampen bei Amazon für Camper, Gassigeher und PC-Schrauber. Der Hersteller warb letztes Jahr noch mit 10.000 Lumen, jetzt soll die LED-Lampe mit 450.000 Lumen leuchten. Das wird garantiert nicht stimmen. Trotzdem kaufen Tausende die Lampe.
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Taschenlampen kommen nicht nur beim Campen, beim abendlichen Spazieren oder in dunklen Gassen zum Einsatz. Auch als PC-Schrauber sollte man eine im Sortiment haben. Schließlich sind nicht alle Ecken und Winkel im PC gut ausgeleuchtet, gerade wenn man nicht die Lust verspürt, alles abzubauen, um unter der großen Tischlampe zu schrauben. Mit Licht lassen sich Fehler sehr viel einfacher ausmachen. Auch kleine Mainboard -Schrauben gewinnen deutlich an Sichtbarkeit. Ebenso Jumper und die winzigen Pins, an den man Lüfter oder die Anschlüsse des Gehäuses befestigt.
Im LED-Zeithalter kostet eine Taschenlampe keine Unsummen. Und es gibt dank der hohen Lichtausbeute auch ordentlich Helligkeit, anders als bei den alten Glühlampen, die selbst bessere Taschenlampen zur Funzel werden ließen. Allerdings treiben beim Thema Helligkeit viele Hersteller Schindluder.
Ausgerechnet bei einer der meistverkauften Taschenlampen
Ein prominentes Beispiel ist die Shadowhawk-Taschenlampe. Sie steht immer mal wieder auf Platz 1 der einschlägigen Bestsellerstatistik bei Amazon. Bei Verkaufsevents wie dem Prime Day oder auch am Black Friday zählt sie mit zu den meistverkauften Produkten unserer Leser. Schlecht scheint die LED-Lampe nach Nutzerbewertungen auch nicht zu sein, aber es ist schon dreist, zu welchen Tricks der Hersteller inzwischen greift. Die Helligkeitsangaben liegen mittlerweile so fernab der Wirklichkeit, dass man sich selbst als Laie über das Selbstbewusstsein wundert. Dabei fing es noch relativ moderat an.
Im Mai 2023 hatte Shadowhawk, welcher die Lampe auch als Drittanbieter bei Amazon einstellt, noch mit einer Helligkeit von 10.000 Lumen geworben. Das liegt bereits an der oberen Schwelle dessen, was gängige Taschenlampen überhaupt leisten können. Und die liegen preislich nicht zwischen 20 und 30 Euro. Einige Monate später behauptete der Hersteller, seine LED-Taschenlampe würde 20.000 Lumen erreichen. Mittlerweile hat er sämtliche Hemmungen fallen lassen. Denn: Angeblich leuchtet die Shadowhawk-Taschenlampe mit einem Lichtstrom von 450.000 Lumen. Würde man die Akkutaschenlampe mit ihrer angeblich langen Laufzeit jetzt noch an ein Balkonkraftwerk halten - wir hätten ein Perpetuum Mobile.
Helligkeitsangaben sind eigentlich genormt
Quelle: Shadowhawk/Amazon
Erst 10.000, dann 20.000 und jetzt fast eine halbe Million Lumen ... nichts davon ist unserer Meinung nach realistisch.
Lumen-Angaben sind genormt, denn sie basieren auf dem physikalischen Maß für den Lichtstrom. Das kann ein Billiganbieter aus China nicht so mir nichts, dir nichts umdeuten. Das Problem: Es gibt keine zwingend vorgeschriebene Testmethode. Namhafte Anbieter haben sich auf den ANSI FL1-Standard geeinigt. Diese Norm gibt den unter festgelegten Testbedingungen gemessenen Lichtstrom wieder.
Manche Hersteller setzen auf theoretische Berechnungen, etwa auf Grundlage der maximalen Leistungsaufnahme der LEDs, beziehen andere Faktoren wie die Temperatur mit ein - oder sie schwindeln völlig ungehemmt. Letztlich kann eine LED auch auf dem Papier eine hohe Lichtleistung aufbieten, aber durch ineffiziente Optiken oder einer schlechten Wärmeabfuhr wenig davon auf die Straße bringen.
So oder so: 450.000 Lumen sind völlig aus der Luft gegriffen. Selbst Hochleistungsbaustrahler, die über das Stromnetz wesentlich mehr Energie zur Verfügung haben, erreichen maximal 100.000 Lumen. Professionelle Flutlichtanlagen, wie sie in Stadien verwendet werden, erreichen je nach Größe grob 100.000 bis 200.000 Lumen pro Lichtmast. Anschaulicher ist sicherlich die klassische 100-Watt-Glühbirne. Sie erzeugte typischerweise etwa 1.300 bis 1.600 Lumen. Moderne LED-Lampen erreichen diese Helligkeit mit etwa 10 bis 15 Watt.
Olight, übrigens auch ein chinesischer Anbieter, zählt zu den bekannteren Taschenlampenherstellern. Unseres Wissens nach hält sich dieser an die ANSI-Norm. Mit der X7R Marauder 2 hat der Hersteller eine Lampe im Sortiment, die im Flutlichtmodus 14.000 Lumen erreichen soll. Besagte Lampe kostet aktuell fast 400 Euro. Auch verfügt sie über ein ganzes Arsenal an LEDs und Sensoren. Dergestalt drosselt sie die Helligkeit bei Annäherung weißer Hindernisse auf einen Meter, um Eigenblendung zu verhindern (und vermutlich um Menschen vor Verletzungen an den Augen zu schützen). Bei dunklen Hindernissen mäßigt sie ihren Output bei fünf Zentimetern. Das hat mit der Hitzeentwicklung und der damit einhergehenden Verletzungs- und Brandgefahr zu tun.
Dauerrabattiert, top bewertet und extrem viel gekauft - warum also der Schwindel?
Demgegenüber steht die aktuell rund 24 Euro teure Shadowhak-Taschenlampe mit ihrer fast schon popeligen XHP70.2-.LED. Wobei die Lampe für den Preis nicht mal schlecht sein muss. Amazon-Kunden vergeben vermutlich nicht grundlos 4,6 von 5 Sternen nach über 20.000 Bewertungen.
Sie erhalten neben der Lampe die passende Box, einen Akku, Batterien als Reserve, einen Schlüsselanhänger, ein Holster und ein USB-Kabel. Man kann die Lampe zudem zur Powerbank umfunktionieren. Und das kommt an: Über 2.000-mal soll sich der Topseller, der aktuell auf Platz 2 der Taschenlampencharts steht, allein im letzten Monat verkauft haben.
Wir hatten sie der Neugierde halber selbst vor einigen Monaten angeschafft und sind ganz zufrieden. Ja, sie ist ziemlich hell für eine günstige Taschenlampe. Aber warum muss man dermaßen bei der Helligkeitsangabe übertreiben? Uns erschließt es sich nicht. Die Shadowhawk hat sich ja auch mit schlechteren (und vermutlich damals schon maßlos übertriebenen) Angaben gut verkauft.
Sie zahlen aktuell 23,99 Euro nach 19 Prozent Rabatt auf die UVP plus einem bis zum Sonntag gültigen 20-Prozent-Coupon zum Abhaken auf der Produktseite. Ab Montag befindet sich die Taschenlampe vermutlich im "befristeten Angebot": Erfahrungsgemäß ist der Billigheimer immer auf die eine oder andere Art reduziert. Ob man den Hersteller, der auch als Händler bei Amazon fungiert, für seinen Schwindel und den Dauerrabatt noch unterstützen soll, ist ganz Ihnen überlassen. Es gibt im Handel schließlich noch viele andere LED- und Akku-Taschenlampen. Längst nicht überall wird so augenfällig übertrieben.
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