Arcania - Gothic 4 (2010) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Das Insolvenzverfahren von Jowood ist nach übereinstimmenden Medienberichten gescheitert. Verhandlungen mit möglichen Investoren konnten nicht erfolgreich zum Abschluss gebracht werden, obwohl Jowood zu Beginn des Verfahrens noch recht optimistisch klang. Damit ist die Operation Sanierung gescheitert, das Insolvenzverfahren wird nun als Konkursverfahren weiter geführt, Jowood und seine Unternehmensteile werden "verwertet". Was das im Detail bedeutet, kann heute nicht eingeschätzt werden. Die Info, dass ein mögliches
Gothic 5 nur mit Entwickler Piranha Bytes möglich ist, hat bestimmt nicht dazu beigetragen, die Verhandlungssituation zu verbessern. Ob das Add-on für Gothic 4, The Fall of Setariff, und Spellforce Faith in Destiny noch erscheinen, ist ebenfalls ungewiss.
Im Folgenden finden Sie die Spielegeschichte von Jowood mit allen wichtigen Tops und Flops des Publishers.
Die Höhen und Tiefen von Jowood: Ein guter Start und erste ErfolgeAber der Reihe nach: Jowood gibt es seit rund 15 Jahren, diese sind von Höhen und Tiefen, vor allem aber von Kritik geprägt. 1995 als JoWooD Productions Software AG gegründet, konnte der Publisher durch das selbst programmierte Industriegigant im Jahr 1997 einen Erfolg verbuchen - der Titel verkauft sich über 800.000 Mal und stellte den ersten Meilenstein dar. 2001 erschien der erste Teil von Aquanox, damals noch unter dem Publisher Fishtank Interacitve. Jowood übernahm im Dezember 2000 die Entwickler von Massive Development und publishte ab 2002 den Titel selbst. Im November desselben Jahres erschien Aquanox 2: Revelation, das wie sein Vorgänger hohe Wertungen erhielt. Seit 2000 an der Börse notiert, konnte Jowood trotz beider Aquanox-Teile eine Insolvenz 2002 gerade noch abwenden. Für Massive Development aber war 2005 Schluss, der Entwickler musste dicht machen. Zusammen mit Aquanox 2 erschien Ende 2002 Gothic 2, Teil eins hatte Piranha Bytes über Shoebox vertrieben. Gothic 2 kam mit allerhand Bugs auf den Markt, Piranha Bytes musste mehrere Patches nachliefern, bis der Titel richtig rund lief - sehr hohe Wertungen gab es dennoch und die Community liebte das Spiel bis heute. 2003 lieferte Jowood mit Phenomics Spellforce: The Order of Dawn ebenfalls einen sehr guten Titel ab, es folgen zwei Add-ons. Im Herbst des gleichen Jahres erhielt auch Gothic 2 mit Die Nacht des Raben eine knüppelharte Erweiterung, die ebenfalls Bug-behaftet war und mit samtdem Hauptspiel mehrere Patches benötigte; selbst die Community half mit.
Die Höhen und Tiefen von Jowood: Gilden-Probleme und Söldner-DesasterAuch die beiden Teil von Die Gilde, welche 2002 und 2006 veröffentlicht wurden (Entwickler: 4Head Studios), strotzten vor Programmfehlern - sei es der Multiplayer, Abstürze oder kaputte Spielstände. Erst die Gold-Versionen mit allen Patches machten die Titel Monate bis Jahre später wirklich wie vom Entwickler gedacht spielbar. Ebenfalls 2006 ging das grafisch sehr gelungene Spellforce 2: Shadow Wars an den Start; ein gutes Spiel und ohne große Bugs. Phenomic hatte sich mittlerweile von Jowood getrennt und seinen aktuellen Titel Battleforge unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts in die Läden gebracht. Arx Fatalis war anno 2002 ein überzeugendes Spiel, den Nachfolger Dark Messiah brachten die Arkane Studios jedoch mithilfe von Ubisoft an den Mann/Frau.
Ein eigenes Kapitel ist dagegen Söldner - Secret Wars, welches Mai 2004 erschien; Entwickler Wings Simulations musste Anfang 2005 trotz fünfstelliger Verkaufszahlen die Segel streichen. Söldner war sehr ambitioniert, hatte gute Ideen und war grafisch damals eine Wucht (die Sichtweite!) - extrem viele Bugs aber verhinderten einen brauchbaren Spielfluss. Erst Patch v33628 aus dem Frühling 2005 ließ das Spiel zu dem werden, was es einmal werden sollte. Jowood lieferte im selben Jahr den Quellcode an Project Zero, welche Söldner weiter verbesserten - das aber ist ein anderes Kapitel. Wohl mit bedingt durch die Probleme mit Söldner meldete Jowood 2005 nach einer Kapitalerhöhung 2004 erneut Insolvenz an, konnte sich dank des US-Unternehmens Fluent aber retten, um 2005 wieder zu wackeln und 2006 festen Stand zu erlangen. Ende 2005 zerstritt sich der Publisher übrigens mit Perception Pty hinsichtlich Stargate SG-1, auch das hat Jowood vermutlich Geld gekostet.
Die Höhen und Tiefen von Jowood: Die Akte Gothic 3Im Oktober 2006 kam Gothic 3 und damit der wohl populärste Titel, den Piranha Bytes und Jowood jemals veröffentlichten. Über den dritten Teil alleine könnten wir tagelang schreiben, daher die Zusammenfassung: Auch Gothic 3 erschien verbuggt (ub0r-Wildscheine!), voller sogenannter Plot-Stopper, durchsetzt mit Abstürzen ("Where is the guru?") und so weiter und so fort. Die an die Spiele-Presse ausgelieferte Goldmaster-Version war massiv fehlerbehaftet, PB-Gründer Mike Hoge gab dies auch zerknirscht zu. Jowood dagegen freute sich über das sich exzellent verkaufende Gothic 3 und ging
via Drohanrufen und dem Versuch einer einstweiligen Verfügung gar gegen die PC Power Play aufgrund deren Test vor.
Jowood spielte die Probleme herunter (Community-Manager Johann Ertl lud gar beim Entdecken eines gravierenden A-Bugs ins Schaukampflager ein, denn Gothic 3 wäre ein "herausragendes und stabiles Game"), die erste Goldmaster ging gar nicht erst ins Presswerk; die Wertung für Gothic 3 schwankten zwischen himmelhochjauchzend und sehr ernüchternd. Der letzte offizielle Patch v1.12 entfernt längst nicht alle Bugs, die Community musste also (mal wieder) einspringen. Mit dem fast 1 GiB schweren
Community-Patch v1.74 läuft Gothic 3 rund und sieht bombastisch aus, wie unsere Screenshot belegen. Entwickler Piranha Bytes trennte sich indes von Jowood und lieferte mit Risen unter der Regie von Deep Silver ein fehlerarmes und sehr gutes Rollenspiel ab. Jowood spannte für das Gothic-3-Add-on Götterdämmerung das indische Entwicklerstudio Trine Games ein, viel mehr als ein verbuggtes Machwerk aber kam am Ende nicht bei rum - einzig die Quests und die Handlungen taugten.
Gothic 3 mit Community-Patch v1.74 (2006) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die Höhen und Tiefen von Jowood: Arcania - Gothic 4Die Namensrechte für Gothic blieben nach einigen Streitigkeiten bei Jowood, Teil vier wurde angekündigt und in die Hände von Spellbound gegeben. Dieser vierte Abstecher des namenlosen Helden hieß erst "Gothic 4: Genesis", dann "Gothic 4: Arcania", zwischen drin mal "Arcania: A Gothic Tale" und gelangte vorgestern schließlich offiziell als "Arcania: Gothic 4" in den Handel. Aus technischer Perspektive zeigten wir, die PC Games Hardware, uns von Anfang an interessiert an Arcania und standen sowie stehen hinsichtlich der Engine mit Jowood in Kontakt. Im
Juli überzeugte Arcania optisch und lief anständig, eigentlich ein gutes Zeichen. Damals kritisierten wir bereits das gelegentlich auftretende Flimmern des Bodens, auf der
Gamescom im August erneut - die finale Version zeigt es immer noch.
Während wir hinter den Kulissen mit einer Preview-Version hohe Performance-Gewinne durch Multicore-CPUs messen konnten, schickte Jowood die
Demo von Arcania ins Rennen. Die
Stimmung nach der Demo war gut, Jowood ließ die Aktivierungsserver gar schon am letzten Samstag anlaufen. Ein Fehler? Der Release-Patch erschien erst am Dienstag gegen 21 Uhr, bis dahin mussten sich die Frühkäufer mit einem ruckelnden Fps-Desaster abgeben - der Patch
hievte die Performance drastisch nach oben. Uns war bekannt, dass die Multicore-Optimierungen erst mit dem Software-Flicken Einzug halten werden; Jowood aber wollte das Spiel den Käufern bereits zugänglich machen - prinzipiell die richtige Idee. Dennoch dürften viele Zocker sehr enttäuscht gewesen sein, nicht alle erwarteten gigantische Leistungssprünge mit einem Release-Patch; folglich schäumen die Foren über vor Ärger über den Publisher.
Zwar präsentiert sich Arcania abseits der anfänglichen Performance-Probleme als fast Bug-freies Spiel, dafür ist die oft gezeigte Stadt Setarrif beispielsweise nicht betretbar und das Spiel ist kein Open-World-Titel im eigentlich Sinne mehr. Entschlackt und vereinfacht trifft es am ehesten, die
Arcania-Wertungen reichen von knappen 80ern (u.a. PC Games) bis zu knallharten 46 (Gamona) oder gar 40 Prozent (4Players).
Die Höhen und Tiefen von Jowood: Ein (vorläufiges) ResümeeUnter Jowoods Fittichen sind viele gute Spiele erschienen, auf der anderen Seite aber wurde durch frühe Veröffentlichungen, daraus resultierende Bugs und mögliche Fehlentscheidungen so manche Serien bis ins Grabe (oder Wertungstiefen) getragen - oder ihre Entwickler. Abgesehen von den im Fließtext aufgezählten Titeln publishte Jowood weitere Spiele und Serien: Beispielsweise Chaser, Cultures, Die Völker, Panzer Elite Action, Rally Trophy, Silent Storm, Wildlife Park sowie die Giganten-Serie. Letztere umfasst Hotelgigant, Industriegigant, Industriegigant 2, Transportgigant samt Add-on und Verkehrsgigant.
Schraubenverwechsler
25.04.2011 22:11
Arcania war leider tatsächlich verlorene Zeit. Naja, Gothic 3 direkt davor mit CP gespielt hat wohl auch zu der geringen Freude beim spielen von Arcania beigetragen. Auch wenn's übel ist für Leute, die jetzt keine Arbeit mehr haben aber miese Spieleentwicklung muss einfach auch mal bestraft werden.
PC-Selbstbauer
24.04.2011 20:58
Naja schade..das wars dann wohl,keine Kohle nix mehr. Eine neue Gothic oder Spellforce Fortsetzung,hätte ich gerne gesehen.
Sysprofile-User
24.04.2011 15:52
Die einen verschwinden von der Bildfläche und neue kommen dazu. So ist das nun mal auch, in der Spiele Welt.