Dirk Meyer, ehemaliger CEO von AMD [Quelle: siehe Bildergalerie]
Thomas Seifert, CFO und Interims-CEO bei AMD [Quelle: siehe Bildergalerie]
Überraschend verteilte AMD gestern Abend nach Börsenschluss die Pressemitteilung, dass der CEO Dirk Meyer das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlässt. Nachfolger wird der bisherige CFO Thomas Seifert, der die Geschicke übergangsweise übernimmt. Angesichts der aktuellen Entwicklung bei AMD, die wieder nach oben zeigt, dürfte die Trennung kaum an etwaigen Misserfolgen von Meyer liegen. Man trenne sich in beidseitigem Einvernehmen, heißt es bei AMD. Über die Gründe kann derweil nur spekuliert werden. Dirk Meyer rückte auf, nachdem Hector Ruiz im Juli 2008 sein Amt niederlegte.
Während seiner Amtszeit hatte Meyer einige erfolgreiche, wenn auch manchmal unpopuläre Entscheidungen getroffen. So einigte man sich im Patentstreit mit Intel, lagerte die Fertigung in ein externes Unternehmen aus und fand den Weg aus der Wirtschaftskrise. Aktuelle Radeon-Karten sind derzeit ebenso zu empfehlen wie die Prozessoren, wenn der Kunde preisbewusst kauft. Zudem stehen mit Fusion und Bulldozer bereits die nächsten großen Themen vor der Tür.
Bruce Claflin, Aufsichtsratsvorsitzender bei AMD, bescheinigt Dirk Meyer sogar die Stabilisierung des Unternehmens. Man sei sich aber trotz der Verdienste Meyers darüber einig, dass es bei AMD einen Führungswechsel brauche, um das Unternehmen weiter voran zu treiben. So sollen Marktstellung und Finanzen verbessert werden. Hier könnte auch der Ansatzpunkt sein, warum AMD und Meyer nun getrennte Wege gehen: Die CPU-Preispolitik bei den Texanern war in den vergangenen Tagen eher im Bereich Dumping angesiedelt.
Bruce Claflin, Aufsichtsratvorsitzer bei AMD: "Dirk became CEO during difficult times. He successfully stabilized AMD while simultaneously concluding strategic initiatives including the launch of Global Foundires, the successful settlement of our litigation with Intel and delivering Fusion APUs to the market. However, the Board believes we have the opportunity to create increased shareholder value over time. This will require the company to have significant growth, establish market leadership and generate superior financial returns. We believe a change in leadership at this time will accelerate the company's ability to accomplish these objectives."
AMD wird nun die Suche nach einem neuen CEO beginnen. In der Zwischenzeit wird Finanzchef Thomas Seifert den Posten übernehmen, aber weiterhin als CFO tätig sein. Der 47-jährige ist seit 2009 bei AMD und kann auf 20 Jahre Managementerfahrung bei Elektronik- und Chipherstellern zurückblicken. Unter Bruce Claflin wurde ein Komitee eingerichtet, welches sich um diese Aufgabe kümmern wird.
Thomas Seifert, AMD-Finanzvorstand:AMD enters 2011 with considerable product and financial momentum. Our roadmap for the year, including our 'Llano' APU and 32nm 'Bulldozer' based processors remain on track. I believe we have significant opportunities to cement our leadership positions in several key market segments based on the strength of our upcoming products."
Zur Randnotiz verkommen bei diesen Meldungen die vorläufigen Quartalszahlen, die AMD ebenfalls im gleichen Atemzug bekanntgegeben hat. Der Umsatz steigt um rund zwei Prozent auf 1,65 Milliarden US-Dollar. So soll eine Bruttomarge von 45 Prozent erreicht worden sein. Damit liegt man auf Vorjahresniveau. Die finalen Zahlen werden am 20. Januar 2011 erwartet.
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Freizeitschrauber
11.01.2011 19:28
Nur dass die Ausrichtung auf Shareholder Value eben nicht kurz-, sondern langfristig ist und im Endeffekt zum Wohl der Firma und den Mitarbeitern ist.
Und die Lehre besagt erst recht nicht, dass Shareholder Value um jeden Preis geschaffen werden muss. Ausserdem ist das beileibe nicht der einzige Managementansatz, der gelehrt wird. Nur weil sich gewisse Manager dafür entscheiden, heisst das nicht, dass die BWL einzig und alleine diesem Ansatz dient. Das am Rande.
Zudem: Wenn 70% der Pleite gegangenen Firmen von BWL-Leuten geführt wurden, ist es relativ naheliegend, dass "genug BWLer den Karren an die Wand gefahren haben".
Ich streite ja nicht ab, dass es in der BWL schwarze Schafe gibt. Das ist aber leider nunmal der menschlichen Gier zu "verdanken" und nicht den BWL-Absolventen. Ebensowenig komme ich auf die Idee, Informatiker für Cyberterrorismus oder Systemelektroniker für Kriege (Waffensysteme) zu beschuldigen.
Bezüglich Nachfolgersuche: gut möglich, dass das seine Zeit dauert. 7upMan, ist das Indiz für dich, dass AMD untergeht, nur weil ein studierter BWL-Mann Interims-CEO (und selbst wenn es länger sein sollte) ist? Wenn das wirklich deine Aussage sein soll - und ich interpretiere deine Postings so - bin ich da wirklich nicht deiner Meinung.
Allerdings muss ich - wenn auch ungern
Du kannst mir aber glauben, dass diese Berichterstattung auch bei einem Wirtschaftsinformatik-Studenten kein gutes Gefühl weckt.
Grüsse,
Deimos
Freizeitschrauber
11.01.2011 19:23
So wie ich das gelesen habe hat Seifert ein mehrköpfiges Team um sich die Ihm zuarbeiten, da dürften sicher auch ein Paar Ing. dabei sein.
Schwarzmalern wollten wir nicht und in die Zukunft wollen wir ja auch nicht schauen, meine Glaskugel zeigt zumindest nicht die Zukunft voraus.
Erst mal ist es nicht langfristig angedacht...
Zu Meyer sollte man auch mal die Möglichkeit von persönlichen Gründen nicht außer Acht lassen. Vielleicht hat er gesundheitliche Probleme und möchte sich auf seine Genesung konzentrieren...
So wie alle hier (zumindest scheint das so) meine ich hat Meyer einen guten Job gemacht, weshalb sollte AMD also einen Schnellschuß abfeuern und als Resultat ohne CEO dastehen?
Komplett-PC-Aufrüster
11.01.2011 17:29
btw: Gibt genug BWLer die den Karren an die Wand gefahren haben...
Und Heuschrecken dürften auch in der Mehrheit BWLer sein...
Schwarze Schafe findest du überall, in manchen Bereichen aber eben mehr.
Kann mich dem nur anschließen. Ich finde es faszinierend, dass jetzt wieder die ganzen Alles-Versteher aus ihren Löchern gekrochen kommen.
Zur Sache: Ich habe idT ein Stück weit ein BWLer-Trauma, seit einer von denen das Unternehmen, bei dem ich gearbeitet habe, aufgekauft hat und dann ausgepresst hat, um den Kaufpreis schnell wieder reinzuholen und Rendite zu erwirtschaften. Überflüssig zu erwähnen, dass das Unternehmen, das etwa 10 Jahre gut am Markt dabei war (logisch, sonst hätte es auch keinen Grund gegeben, es aufzukaufen), innerhalb eines Jahres Pleite gagangen ist. Ich stand also dank eines BWLers auf der Straße.
Ich habe durchaus Ahnung von Rendite, Shareholder Value, Wachstum um jeden Preis und Gewinn vs. Umsatz usw., ich habe das auf die harte Tour lernen müssen. Und ich habe parallel dazu gesehen, wie das auch im Großen (wie eben bei HP) sich wiederholt, nur dass da eben nicht wie in meinem Fall 10 Leute auf der Straße stehen, sondern mal eben 15.000!!!
Ich würde gern Unrecht haben und in 5 Jahren zugeben, dass es AMDs bester Zug war, Meyer zu gehen und den Seifert ranzuholen. Hier hängen sich einige auf, weil die Pressemeldung von Interim spricht, aber ob es dabei bleibt, wissen wir nicht. Meine Meinung ist genauso unbewiesen wie Eure. Was Ihr unterschlagt: Was bedeutet Interim in diesem Fall? Gibt es einen festen Zeitplan? Bis jetzt wird erstmal der Kommitee aufgstellt, das einen Nachfolger sucht, und bis der gefunden ist und seinen Arbeitsvertrag unterschreibt, können schnell mal Jahre ins Land gehen. Ich darf daran erinnern, dass das alles andere als selten ist. Steve Jobs selbst war 4 Jahre lang Interims-CEO.
P.S.: Bevor ich mir sowas wieder anhören darf: Nein, ich betreibe kein sinnloses BWLer-Bashing, aber die aktuellen Ereignisse geben mir recht. Die kranke Fixierung auf Shareholder Value, Wachstum und Rendite ist typische BWLer-Denke und langfristig für niemanden gut, erst recht nicht für die Mitarbeiter.