Anmerkung: Passend zum gestrigen Release von Windows 1 vor 26 Jahren veröffentlichen wir den Artikel heute erneut für Sie.
Zeitstrahl 25 Jahre Windows [Quelle: siehe Bildergalerie]
Am 20. November 1985, vier Monate nach dem legendären Wimbledon-Sieg von Boris Becker, präsentierte Microsoft die erste Version seines Betriebssystems Windows. Was vor 25 Jahren noch eine Software für eine ganz spezielle Zielgruppe war, hat sich im Laufe der Jahre zum weltweit verbreitetsten Betriebssystem entwickelt. So nutzen bereits ein Jahr nach Markteinführung laut Microsoft über 240 Millionen Anwender das neue Windows 7. Anno 1985 mit Windows 1 lösten die grafische Benutzeroberfläche und das für damalige Verhältnisse umfangreiche Softwarepaket eine kleine Revolution aus.
Betriebssysteme vor WindowsVor der Erfindung des Transistors (1947) benötigten die großen Rechenmaschinen keine Software im heutigen Sinne. Operationen waren meist als Hardware fest vorgegeben. Eine Programmierung, wie wir sie heute kennen, war nur sehr eingeschränkt möglich, etwa über Lochkarten. Erst 1964 führte IBM mit /360 eine Software ein, die auf einer ganzen Modellreihe genutzt werden konnte. 1969 schließlich begann die Entwicklung des Betriebssystems Unix (hauptsächlich für Server-Systeme). Allerdings war erst CP/M von 1974 die erste Systemsoftware, die auch für Heimrechner entwickelte wurde und tatsächlich weitgehend plattformunabhängig war.
Die Vorbereitungen für WindowsMit dem Aufkommen der Heimcomputer Anfang der Achtzigerjahre wurde der Markt der Betriebssysteme deutlich belebt. Allerdings waren nach wie vor die meisten Systemprogramme auf das jeweilige Produkt zugeschnitten und - mit Ausnahme von CP/M - nicht plattformunabhängig. 1981 kam es zum wohl größten Coup der Softwaregeschichte: Microsoft kaufte der kleinen Firma Seattle Computer Products für 50.000 US-Dollar sämtliche Rechte am Betriebssystem 86-DOS ab, auch QDOS genannt - einen CP/M-Klon. Zuvor hatte Microsoft dem Computerriesen IBM versprochen, ein Betriebssystem für deren kommenden Personal Computer zu liefern, aber selbst keines im Angebot. Mit minimalen Änderungen lieferte Microsoft das Betriebssystem später an IBM, wo es als PC-DOS verkauft und bald zu einem gigantischen Erfolg wurde. Doch Microsoft durfte das System als MS-DOS auch selbst anbieten und verkaufte es bald an die zahllosen Hersteller von PC-Nachbauten. DOS begründete auf diese Weise Microsofts Position als größten Anbieter für Betriebssysteme. Zwar wurde bald auch Digital Researchs CP/M auf dem IBM-PC angeboten - doch zu einem Vielfachen des Preises, der für DOS fällig war, weshalb es bald in der Versenkung verschwand.
Windows 1.0 wird Realität
Das erste Windows von Microsoft kam 1985 in den Handel. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Dabei war DOS mit seiner schmucklosen Kommandozeile schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Apple erkannte schnell (vor allem inspiriert durch Xerox), dass Anwender keine Befehle auswendig lernen wollten und entwickelte eine grafische Benutzeroberfläche zur Steuerung des Computers. Dabei war es nicht der Mac, der dieses moderne Interface marktfähig machte: Schon 1983 brachte Apple den (oder die?) Lisa auf den Markt, nach dem eher unbekannten Xerox Star der zweite kaufbare Computer mit Maussteuerung und grafischer Oberfläche. Doch Lisa, Gerüchten zufolge benannt nach der Tochter des Apple-Mitgründers Steve Jobs, erwies sich als Flop, ebenso wie das leicht verbesserte Modell Lisa 2. Erst mit dem Macintosh, eingeführt 1984, wurde die grafische Oberfläche samt Mausbedienung zum Erfolg, der durch GEM auf dem Atari ST und die Workbench des Amigas auch auf die unteren Preisklassen durchschlug.
Schon vor der offiziellen Vorstellung des Macs wusste Microsoft von Apples Plänen, schließlich lieferte Microsoft Software für den geplanten Rechner. Bill Gates erkannte, dass bald alle Rechner auf diese Weise gesteuert würden, der grafischen Benutzeroberfläche und der Computermaus gehörten die Zukunft. Microsoft, dank DOS führender Anbieter von Betriebssystemen, musste sicherstellen, dass die altmodische Kommandozeile nicht von Apples Fenstersystem verdrängt wurde - also kündigte Bill Gates am 10. November 1983, kurz vor dem Start des Macs, eine eigene grafische Oberfläche für DOS an: Windows. Noch existierte kaum Code, erst zwei Jahre später war die Software marktreif - und hinkte dem längst etablierten Mac-System weit hinterher. Zudem sah sich Microsoft bald mit einer Klage von Apple konfrontiert; Windows, hieß es darin, sei nichts als eine Kopie von Mac OS. Dennoch erwies sich Gates' Strategie als richtig: Windows gehörte die Zukunft.
1985 kommt Windows 1.0 auf den Markt
Windows 1.0: Es gab schon eine Kalender-Software. [Quelle: siehe Bildergalerie]
1985 war nicht nur das Jahr von Boris Becker: Michael Gorbatschow kam an die Macht und das Schengener Abkommen wurde unterzeichnet. Zeitgleich kam nun endlich Microsoft Windows 1.0 auf den Markt und machte als sogenannter "grafischer Aufsatz" die Bedienung des damals beherrschenden Betriebssystem MS-DOS bedeutend einfacher. Zu dieser Zeit gab es rund sechs Millionen PCs weltweit. Das mitgelieferte Programmpaket enthielt neue Anwendungen zur Dateiverwaltung, Textverarbeitung und zum Zeichnen sowie einen Karteikasten, einen Kalender, eine Uhr und einige Service-Programme. Das System war zwar schon bedingt Multitasking fähig und es gab Fenster, aber die konnte man noch nicht verschieben. Alles wirkte sehr statisch und dennoch war klar, dass die Zukunft fortan in Icons und Piktogrammen, Pull-Down-Menüs und Fenstern lag.
Windows festigt seine VormachtstellungWindows 1 und 2 blieben allerdings weitgehend erfolglos, auch Version 3.0 schaffte den Durchbruch nicht. Noch immer wurden die meisten PCs über die altertümliche DOS-Kommandozeile bedient, während Apples Macintosh-Linie längst per Maus und grafischer Oberfläche gesteuert wurde. Das sollte sich ändern am 6. April 1992: An diesem Tag lieferte Microsoft die neue Windows-Version 3.1 aus, erstmals auch als Update-Version. Auch wenn der Versionssprung gegenüber Windows 3.0 nicht sonderlich groß ausfiel, waren die Änderungen folgenreich: Erstmals enthielt Windows skalierbare True-Type-Schriftarten, die Windows schlagartig tauglich fürs Desktop-Publishing machten - bislang eine Apple-Domäne. "Drag and Drop" mit der Maus wurde eingeführt, was den Komfort erhöhte; außerdem verstand sich Windows nun auf schnellere Modems und höhere Bildschirmauflösungen. 3.1 wurde die erste wirklich erfolgreiche Windows-Version und legt den Grundstein für die spätere Dominanz dieses Systems.
Windows 95 kommt
Windows 95: Das 32-Bit-Betriebssystem legte auch die Grundlagen für aktuelle Systeme. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Windows 1 blieb eine Kuriosität, Windows 2 war eine Seltenheit - und erst Windows 3.1 wurde zum Erfolg. Dieser blieb jedoch weitgehend beschränkt auf die Geschäftswelt, private Schreibtische eroberte Microsoft damit noch nicht. Ganz anders Windows 95: Innerhalb weniger Tage nach Einführung des neuen Betriebssystems am 24. August 1995 wurde weltweit eine Million Exemplare verkauft - und zwar nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Menschen, die damit ihre ersten Heim-PCs ausstatteten. Windows 95 war ein riesiger Erfolg, der den Aufstieg Microsofts beschleunigte und zugleich - gemeinsam mit stark fallenden Hardware-Preisen und dem Boom des Spielemarktes - den Computer zum Massenprodukt machte.
Windows 95 versteckte erstmals seine DOS-Wurzeln, sollte nicht mehr wie ein bunter Aufsatz, sondern wie ein eigenes Betriebssystem wirken. Außerdem wurde kurz nach dem Start des neuen Systems der erste Internet Explorer ausgeliefert, Microsofts folgenschwerer Einstieg in den Browsermarkt. Doch auch unter der runderneuerten Oberfläche, die etwa den Start-Button und die Taskleiste sowie den Windows Explorer einführte, und den modernen Anwendungen steckte nach wie vor der 16-Bit-Kernel des alten DOS.
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on Windows 98 über Me zu 2000
Windows 98 Desktop [Quelle: siehe Bildergalerie]
Windows 95 war also noch immer DOS-basiert, obwohl mit Windows NT längst eine moderne 32-Bit-Plattform zur Verfügung stand. Doch den endgültigen Wechsel zu dieser Technik sollte Microsoft erst mit Windows XP wagen - zuvor stand mit Windows 98 von 1998 noch eine weitere Neuauflage der alten Codebasis an. Windows 98 - Codename: Memphis - basierte weitgehend auf Windows 95 C, verlangte aber nach etwas mehr Festplattenplatz und schnellerer Hardware; ein 486DX mit 66 MHz und 16 MiByte RAM waren die Voraussetzungen. Dafür brachte Windows 98 einige neue Funktionen mit, etwa die endlich einigermaßen funktionierende Unterstützung von USB samt Plug & Play, den Internet Explorer 5, Active Desktop und ein neues Treibermodell. Die Zuverlässigkeit eines NT-Systems war damit jedoch nicht zu erreichen - das bewies auch eine "Plug & Play"-Demonstration durch Bill Gates auf der Computermesse Comdex im April vor dem Launch, die zur hämischen Freude des Publikums in einem Bluescreen endete.
Windows 98 (samt der "Second Edition") sollte das letzte DOS-basierte System sein, danach der Umstieg auf die NT-Basis folgen. Doch kurzfristig entschied sich Microsoft um - und schob Windows Me nach, auch bekannt als Millennium Edition, das unter anderem einige zusätzliche Multimedia-Funktionen und verbessertes Plug & Play mitbrachte. Seinen Ruf als halbgare Zwischenlösung wurde das ungeliebte Windows Me jedoch nie los, mit dem Aufkommen von XP geriet "Millennium" schnell in Vergessenheit.
Windows 2000 kam am 17. Februar 2000 auf den Markt. Das System mit der internen Bezeichnung NT 5.0 richtete sich eigentlich an professionelle Anwender, für den Heimgebrauch war Windows Me gedacht - dennoch fand 2000 wegen seines modernen Kernels auch unter Heimanwendern viele Freunde. Neu in Windows 2000 waren etwa volle USB-Unterstützung, NTFS 3 und das WDM-Treibermodell.
Der fast unglaubliche Erfolg von Windows XP
Windows XP Pro (Desktop) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die ersten Windows-Generationen trugen einfache Nummern, wie sie in der Softwarewelt üblich sind, vom 1985er Windows 1.0 bis hin zur erfolgreichen Version 3.11. Dann waren Jahreszahlen en vogue, den Beginn machte Windows 95, es folgten 98 und 2000. Nach Windows 2000 jedoch brachte Microsoft die Version "Millennium Edition" alias "Me" heraus - und ein Buchstabenkürzel zierte nun auch die nächste Windows-Inkarnation mit Codenamen Whistler, deren Verkaufsnamen Microsoft im Februar 2001 offiziell bekanntgab: Windows XP. Das sollte die Kurzform sein von "Experience", was sich mit "Erfahrung" oder "Erlebnis" übersetzen lässt. Windows XP brachte die NT-Architektur im Oktober 2001 endlich auf den Endkundenmarkt. Windows XP setzte sich langsam durch und war spätestens seit Service Pack 2 (Mitte 2004) das meistverbreitete Betriebssystem Microsofts - daran änderte auch der Nachfolger nichts.
Der Erfolg von Windows Vista bleibt aus
Windows Vista: Die Oberfläche wirkt gegenüber XP deutlich frischer. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Im Januar 2007 lieferte Microsoft ein neues Betriebssystem an Endkunden aus - mehr als fünf Jahre nach der letzten Version: Windows Vista sollte das alternde XP ablösen und bot neben einer aufgehübschten Oberfläche samt 3D-Effekten ein geändertes Treibermodell, Direct X 10, eine Benutzerkontensteuerung und diverse interne Verbesserungen. Allerdings steckte Microsoft auch viel Kritik ein: Das neue System verschlang viel Platz auf der Festplatte, brauchte große Mengen Arbeitsspeicher und bereitete vielen Anwendungen Probleme. Die geplante Einstellung von Windows XP wurde auf vielfachen Kundenwunsch daher gleich mehrfach verschoben. Immerhin war die 64-Bit-Variante deutlich brauchbarer als jene von Windows XP, Windows Vista x64 wurde daher von vielen Spielern als Betriebssystem eingesetzt.
Vergleich zwischen Windows 3.0 und 7
Windows 7: Microsofts großer Comeback
Windows 7: Spezielle Länderthemen (im Bild Deutschland) sind neu. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Am 22. Oktober 2009 wird Vista nun durch Windows 7 abgelöst. Microsoft vermied die Fehler, die bei Vista gemacht wurden, und zeigte mit einer Beta und einem RC bereits vor der Veröffentlichung ein bereits sehr ausgereiftes, schnelles Betriebssystem. Dabei ist Windows 7 eigentlich nur eine Weiterentwicklung von Windows Vista SP2. Unter anderem wurde der Kernel massiv überarbeitet (Stichwort: Scheduler) und soll nun Multicore-Systeme besser unterstützen. Das Grafiktreibermodell WDDM wurde auf Version 1.1 aktualisiert, wodurch Grafikkartentreiber für Vista nicht Windows-7-kompatibel sind. Der darauf zugreifende "Desktop Window Manager", der unter anderem für die Aero-Oberfläche zuständig ist, unterstützt nun auch optional Direct X 10.1, wodurch laut Microsoft der Speicherbedarf pro Fenster um bis zu 50 Prozent gesenkt werden konnte. Für Spieler bringt 7 aber auch die neue Schnittstelle Direct X 11 mit.
Schon jetzt steht fest: Windows 7 ist nach nur einem Jahr das bestverkaufte Betriebssystem mit den höchsten Verkaufszahlen in vergleichbaren Zeiträumen. Die Akzeptanz ist bei privaten Anwendern hoch.
Wie geht es weiter? Windows 8?Als Erscheinungsjahr wird angeblich der Oktober 2012 angestrebt. Die Ausrichtung auf Tablet-PCs bzw. Touchsteuerung scheint von vielen Anwendern bisher skeptisch beurteilt zu werden.
Weitere Informationen und Bilder zu Windows und DOS finden Sie auf Winhistory.de.
Volt-Modder
25.01.2012 13:00
Das war damals Microsoft um Jahre vorraus.
Na, wenn wir schon Threads exhumieren
Jetzt rate mal, wer an OS/2 zuerst kräftig mitentwickelt und auch eigene Entwicklungssysteme dafür angeboten hat?
Genau - Microsoft.
Software-Overclocker
22.01.2012 15:48
Ja und Apple hat es wiederum von Xerox kopiert.
Software-Overclocker
22.11.2011 08:47
7 ist eindeutig das beste, hatte damit am wenigsten Probleme.