Einige Wochen nach Intels Gulftown hat nun auch AMD einen Sechskern-Prozessor für Desktop-Rechner im Programm: "Thuban" soll zu Kampfpreisen verlorene Marktanteile im Oberklasse-Segment und damit auch bei Spielern zurückerobern. PC Games Hardware testet, ob dies gelingt.
Neue Phenom-Modelle Der neue Phenom wird zunächst in drei Varianten auf den Markt kommen: als Phenom II X6 1090T (3,2 GHz), als Phenom II X6 1055T (2,8 GHz) und als Phenom II X6 1035T (2,6 GHz). Das kleinste Modell 1035T ist nach Angaben von AMD allerdings nur für OEM-Produzenten gedacht und sollte damit - zumindest vorläufig - nicht auf dem Retailmarkt erhältlich sein.
Schon im Vorfeld waren die beiden Retail-CPUs im PCGH-Preisvergleich gelistet. So wird der
Phenom II X6 1055T ab 190 Euro geführt. Auch der
Phenom II X6 1090T ist schon länger im PCGH-Preisvergleich. Die Preise liegen bei rund 290 Euro.
Thuban ist Teil der Leo-Plattform, die neben dem Prozessor auch einen neuen Chipsatz enthält. Der Chipsatz der 800er-Serie ist vor allem wegen der neuen, SATA-III-tauglichen Southbridge interessant (mehr dazu in Ausgabe 06/2010, die außerdem eine Marktübersicht aktueller AM3-Mainboards enthält). Zudem greift Leo auf eine bzw. mehrere Grafikkarte(n) der aktuelle(n) HD-5800-Generation zurück.
| CPU |
Codename |
Frequency |
Turbo-Frequency |
Cores/L2-Cache |
L3-Cache |
TDP |
Price (USD) |
Date |
| Phenom II X6 1090T |
Thuban |
3,2 GHz |
3,6 GHz |
6 x 512 KiB |
6 MiB |
125 W |
289 |
Released |
| Phenom II X6 1075T |
Thuban |
3,0 GHz |
3,5 GHz |
6 x 512 KiB |
6 MiB |
125 W |
N.a. |
Q3 |
| Phenom II X6 1055T |
Thuban |
2,8 GHz |
3,3 GHz |
6 x 512 KiB |
6 MiB |
125 W/95 W |
199 |
Released |
| Phenom II X6 1035T |
Thuban |
2,6 GHz |
3,1 GHz |
6 x 512 KiB |
6 MiB |
95 W |
N.a. |
Released |
| Phenom II X4 960T |
Thuban |
3,0 GHz |
3,4 GHz |
4 x 512 KiB |
6 MiB |
95 W |
N.a. |
Q3 |
| Phenom II X4 965 BE |
Deneb |
3,4 GHz |
- |
4 x 512 KiB |
6 MiB |
125 W |
185 |
Released |
| Phenom II X4 945 |
Deneb |
3,0 GHz |
- |
4 x 512 KiB |
6 MiB |
125 W |
155 |
Released |
| Phenom X4 9950 BE |
Agena |
2,6 GHz |
- |
4 x 512 KiB |
2 MiB |
140 W |
N.a. |
Released |
| Phenom II X3 720 BE |
Heka |
2,8 GHz |
- |
3 x 512 KiB |
6 MiB |
95 W |
N.a. |
Released |
Thuban-Neuerungen
AMD Phenom II X6: "Turbocore" [Quelle: siehe Bildergalerie]
Neben den zwei zusätzlichen Kernen verfügen Thuban-Prozessoren erstmals über eine automatische, in den Chip integrierte Beschleunigungsfunktion. Der "Turbo Core"-Modus funktioniert betriebssystemunabhängig und übertaktet den Prozessor um bis zu 500 MHz. Bisher ließen sich AMD-Prozessoren im laufenden Betrieb nur per Software übertakten - AMD hatte dazu das Tool AMD Overdrive entwickelt. Dieses musste jedoch einigermaßen umständlich konfiguriert werden, ehe es stabil lief und funktionierte zudem nur unter Windows.
Der direkte Konkurrent des Phenom II X6 1090T, der Core i7-870, verfügt über die höchste Turbo-Ausbaustufe aller Intel-CPUs. So legt der Quadcore bei Belastung eines Kernes satte 666 MHz zu, bei zwei ausgelasteten Kernen immerhin noch 533 MHz. Der 1090T legt bei Belastung von bis zu drei Kernen 400 MHz drauf, der 1075T und 1055T gar 500 MHz.
Die Taktsprünge der Lynnfield-CPUs sehen nicht nur auf dem Papier besser aus, unseren Praxistests zufolge erkaufen sich die Intel-Prozessoren dies jedoch auf Kosten der Leistungsaufnahme. Der Phenom II X6 1090T dagegen zeigt sich unbeeindruckt - ob mit oder ohne "Turbocore", die Leistungsaufnahme des Systems bleibt praktisch gleich, dafür beschleunigen aber auch "nur" drei Kerne. Es werden immer alle drei Kerne übertaktet und es müssen immer drei Kerne im Leerlauf sein. Cool‘n‘quiet arbeitet parallel zum Turbo-Core-Modus, die "schlafenden" Kerne werden nicht nur auf bis zu 800 MHz heruntergetaktet, zusätzlich wird auch noch die Spannung gesenkt. Im Gegensatz zu Intels Turbo-Mode werden die Kerne aber nicht komplett abgeschaltet.
Thuban: Was ebenfalls wichtig ist Thuban wird wie der aktuelle Phenom II mit Deneb-Kern im 45-Nanometer-Verfahren bei Globalfoundries in Dresden gefertigt. Der L3-Cache wurde nicht angetastet und ist nach wie vor 6 MiByte groß; er wird von allen Kernen gemeinsam genutzt. Dennoch steigt der Gesamtcache, da jedem Kern 512 KiByte L2-Cache zur Verfügung stehen. Theoretisch kommt ein Thuban also auf 9 MiByte Cache, streng genommen sogar auf knapp 10 MiByte (inklusive 128 KiByte L1-Cache pro Kern). Als Verbindung zwischen Prozessor und Infrastruktur dient Hyper-Transport in der aktuellen Version 3.0. Die Sechskern-Prozessoren unterstützen zudem Cool‘n‘quiet 3.0 und diverse Funktionen wie "Dynamic Power Management", "Multi-Point Thermal Control" oder "Coolcore Technology", die im Prinzip alle Teilmengen von Cool‘n‘quiet sind.
AMD Phenom II X6 1090T: CPU-Z [Quelle: siehe Bildergalerie]
X6-Prozessoren unterstützen wie die aktuellen Phenom-II-Modelle die sogenannten "Black Edition Memory Profiles" (BEMP). Genau genommen hat der Prozessor selbst wenig damit zu tun - wichtigste Voraussetzung ist, dass das Mainboard-BIOS mit AMDs Software Overdrive in der Version 3 zurechtkommt und in den Speichermodulen entsprechende Profile hinterlegt sind. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, lässt sich der Speicher komfortabel per Mausklick übertakten. Das Besondere: Es werden automatisch die besten, garantiert stabilen Einstellungen übernommen. Das Tool greift dazu auf eine Online-Datenbank zurück, in der die optimalen Settings hinterlegt sind. Leider sind dort erst wenige Module zu finden, unter anderem einige Speicher von Kingston, Corsair und Mushkin.
Thuban-Testsystem Für unsere Tests stellte uns AMD einen Phenom II X6 1090T, also das Top-Modell mit 3,2 GHz (ohne "Turbocore"), zur Verfügung. Mit im Paket der Sechskern-CPU lag ein MSI 890FXA-GD70 bei, allerdings erwies sich die Platine mit dem zum Testzeitpunkt aktuellen Beta-BIOS als etwas zickig (ein neues BIOS stand zu spät für den Test bereit) - daher nutzten wir stattdessen ein Asus Crosshair IV Formula, den Testsieger unserer Marktübersicht in der kommenden Ausgabe PCGH 06/2010. Die Asus-Platine war nicht nur einen Tick flotter, sondern bot beispielsweise auch die Option, "Turbocore" zu deaktivieren.
Da der X6 1090T mit rund 300 Euro nicht jedem Geldbeutel schmeckt, simulierten wir zusätzlich den X6 1055T mit 2,8 GHz Standardtakt für rund 200 Euro. Zwar funktionierte "Turbocore" auch mit der niedrigeren Taktfrequenz, allerdings legte die CPU ab und zu 3,6 GHz an - statt "nur" 3,5 GHz. Aus diesem Grund finden Sie nur 1055T-Werte ohne "Turbocore" in den Benchmarkdiagrammen auf der folgenden Seite.
Freizeitschrauber
19.06.2010 11:52
Und für Amd,s Sechskerner muss ich mir nicht mal ein neues Board kaufen.
hmm in anno führt der I7 und truecrypt ist amd lastig, ich könnte auch sagen der I7 860 ist in cinebench schneller. das mit 2 kerenen weniger und niedrigerem stromverbrauch.
weiters kann der 1090T nicht mal mit 4.1 ghz mit dem 980x @ stock mithalten, den preis mal außer acht gelassen
Humanoider BenchMarc
02.05.2010 14:40
Truecrypt ist eine AMD-Domäne, so wie Cinebench eine Intel-Domäne ist. Ergo sollte man sich imo auf keines von beiden stützen. In Anno hast du bedingt Recht - der i7-860 mag langsamer sein, ist aber auch gut 30€ günstiger [237 zu 270]. Und nicht wie du behauptest 50€ teurer
Komplett-PC-Aufrüster
02.05.2010 14:05
Den i7/ 860 lässt der AMD T1055 als beispiel in Anno und True Crypt schon mal weit hinter sich und das für rund 50 Eur weniger als der i7 und der preis wird sicherlich noch fallen.
Und für Amd,s Sechskerner muss ich mir nicht mal ein neues Board kaufen.