Aufstieg und Fall des 3D-Pioniers 3dfx

Die wichtigsten 3dfx-Grafikkarten: Vom Voodoo Graphics bis zur Voodoo5 6000

Happy Birthday Voodoo Graphics! Die erste 3D-Grafikkarte des Pioniers und Voodoo-Erfinders 3Dfx wurde heute vor 14 Jahren vorgestellt. Wir werfen einen Blick zurück auf die Erfolgsmodelle aus dem Hause 3Dfx - des Herstellers mit dem meisten 3D-Mojo, um es einmal mit Austin Powers zu sagen. (Carsten Spille, 06.11.2009)
 
Anlässlich des heutigen Geburtstages der 3Dfx-Dynastie mit der Einführung der Voodoo Graphics vor 14 Jahren stellen wir Ihnen heute die gwichtigsten Grafikkarten des 3D-Pioniers 3Dfx (später mit kleinem "d": 3dfx) vor, die für den Entwickler selbst, für die Entwicklung der Grafikkarte an sich und für Sie als Kunden die größte Bedeutung gehabt haben - inklusive Erkläuterung, warum dies so ist.

Ähnliche Artikel für Radeon- und Geforce-Grafikkarten haben wir bereits veröffentlicht.

Das VSA-100 Familientreffen. Von Voodoo4 4500 und Voodoo5 5500 gab es jeweils eine PCI- und eine AGP-Version. Die Voodoo5 6000 erschien zwar nie, war aber ausschließlich für den AGP geplant.
 
Das VSA-100 Familientreffen. Von Voodoo4 4500 und Voodoo5 5500 gab es jeweils eine PCI- und eine AGP-Version. Die Voodoo5 6000 erschien zwar nie, war aber ausschließlich für den AGP geplant. [Quelle: siehe Bildergalerie]
3Dfx Voodoo Graphics
 
3Dfx Voodoo Graphics [Quelle: siehe Bildergalerie]
Mit dem 3Dfx Voodoo Graphics (Codename SST-1) hat 3Dfx ab Herbst 1996 für Furore gesorgt. Mit für die damalige Zeit gigantischen technischen Daten, wie einer Pixel-/Texel-Füllrate von 50 Millionen Operationen pro Sekunde und 4 MiByte eigenem Speicher (EDO-RAM) sowie dem bis dato umfassendstem 3D-Featureset ließ man nicht nur die Konkurrenz in Sachen Fps-Leistung sondern auch bei der Bildqualität zum Teil weit hinter sich. Dabei war der Erfolg hauptsächlich drei Dingen zu verdanken: Erstens dem kurz zuvor eingebrochenen RAM-Preis für EDO-Chips, der den Voodoo-Einstiegspreis Massenmarkt-kompatibel machte. Zweitens: Der vollbusigen Lara Croft und einer 3Dfx-Version des Action Adventures Tomb Raider und drittens der GL-Version eines ebenso bekannten wie indizierten Ego-Shooters, der die Spiele-Welt erbeben ließ.

Hierzulande am bekanntesten war die im Bild zu sehende Diamond Monster 3D, gefolgt von der Orchid Righteous 3D (sagen Sie das dreimal schnell hintereinander...) mit ihrem charakteristischen Knack-Geräusch beim Umschalten in den 3D-Modus und der Miro HiScore, welche als so ziemlich einzige frei verfügbare Karte über die vollen 6 MiByte VRAM-Ausbau verfügte, was dem Texturspeicher zugute kam. Der Framebuffer blieb bei statischen 2 MiByte wie deri aller anderen Voodoo-Graphics-Karten, welche dadurch auf (Z-gebufferte) 640x480 oder 800x600 Pixel in damals noch fortschrittlichen 16 Bit Farbtiefe beschränkt blieben. SLI war technisch bereits möglich, hielt bei den Endkunden aber noch keinen verbreiteten Einzug.

Voodoo Rush:
Eines der Probleme der originalen Voodoo Graphics war die Notwendigkeit einer separaten 2D-Karten, deren Signal durch die 3Dfx-Karte zum Monitor durchgeschleift wurde. Diesem Problem wollte man mit der Integration eines 2D-Teils entgegenwirken. Zur Wahl standen Chips von Alliance und (seltener) Macronix. Es existieren Boards mit einfacher und auch doppelstöckiger Platine. Sowohl Probleme mit dem Treiber als auch der Performance des 2D-Teils, welche auf den Framebuffer zugreifen musste, anstatt nur durchzuschleifen, verhinderten einen großen Erfolg und entsprechende Beliebtheit der Karten.


3Dfx Voodoo 2
 
3Dfx Voodoo 2 [Quelle: siehe Bildergalerie]
Mit der Voodoo 2 besann sich 3Dfx auf alte Tugenden und führte gleichzeitig SLI im Mainstream-Markt ein. Zum Pixel-FX gesellten sich nun gleich zwei Texel-FX-Prozessoren, die zusammen mit der auf 90 MHz gesteigerten Taktfrequenz und dem auf 4 MiByte vergrößerten Framebuffer geradezu eine Leistungsexplosion versprachen. Auch der Texturspeicher wurde - je nach Modell - auf vier bis acht MiByte aufgestockt, sodass insgesamt 8 bzw. 12 MiByte pro Voodoo 2 vorhanden waren. Featureseitig änderte man nichts wesentliches am bewährten Prinzip.

Durch den größeren RAM konnten nun Auflösungen von 800 x 600 Pixel für eine Einzelkarte und sogar 1.024 x 768 für ein SLI-Pärchen realisiert werden - damals stand SLI noch für Scan Line Interleave und bezeichnete die Möglichkeit, die Bildberechnung zwischen mehreren Karten auf Zeilenbasis aufzuteilen. Auch die Fps-Leistung war gigantisch - die versammelte Konkurrenz konnte froh sein, wenn die Topmodelle noch in der Nähe einer einzelnen Voodoo 2 lagen.

3Dfx Voodoo Banshee (AGP- und PCI-Version):
Rückschritt und Fortschritt in einem repräsentierte der/die Banshee. 3Dfx integrierte eine Top-2D-Engine und sowohl Pixel- als auch Texel-FX. Das ganze taktete man sogar auf 100 MHz und verpasste dem Werk einen Schnittstelle, die auch mit dem AGP kompatibel war. Der Rückschritt war, dass nur eine Textur pro Takt und Durchgang verarbeitet werden konnte und der Banshee so trotz höheren Taktes deutlich langsamer als die Voodoo2 war. Aufgrund der 8-16 MiByte vereinheitlichten RAMs konnte er jedoch bei weniger anspruchsvollen Spielen in höheren Auflösungen eingesetzt werden.

Voodoo 3:
Best of both worlds - mit dem Voodoo3 brachte man die Vorteile von Banshee (hohe Integration) und Voodoo2 (Rohleistung) zusammen und taktete das Ganze auch gleich mal bis zu doppelt so hoch (bis 183 MHz für die Voodoo 3 3500): Voodoo2-SLI-on-a-stick war geboren. Während die Performance den aufholenden Konkurrenten wieder einmal Knüppel zwischen die Beine warf, blieb 3dfx (inzwischen mit kleinem "d") in Sachen Featureset sparsam. Weiterhin waren Voodoo-Kultisten auf 16-Bit-Rendering und verhältnismäßig kleine Texturen (256²) beschränkt - zudem gab es keine Option auf mehr als 16 MiByte VRAM . Ein weiteres Novum: Um sich einen Teil der Wertschöpfungskette einzuverleiben, hatte 3dfx zwischenzeitlich die Fabrik des Herstellers STB aufgekauft und beschlossen, die Voodoo3-Reihe zunächst komplett selbst zu produzieren und zu verkaufen. Erst als diese Fehlkalkulation offensichtlich wurde, änderte man die Strategie um die aufgrund des mangelnden Konkurrenzkampfes hohen Preise senken zu können.

Bemerkenswert in vielerlei Hinsicht ist die passive Kühlung der hoch taktenden Voodoo-3-Chips: Die Rechner blieben so zwar leiser, allerdings erhitzten sich die "Bratpfannen" wie einige Kollegen die Voodoo 3 bezeichnen, sich sehr stark und blockierten so das durchaus vorhandene OC-Potenzial der Chips.

3Dfx Voodoo 3 3500
 
3Dfx Voodoo 3 3500 [Quelle: siehe Bildergalerie]
Voodoo 3 3500
Das Topmodell der Voodoo-3-Reihe bot mit 183 MHz synchron für Chip und Speicher nicht nur die höchsten Taktfrequenzen sondern zudem noch einen TV-Tuner für den Fernsehgenuss am PC. Wie alle Karten der Voodoo-3-Serie verfügte auch die 3500 über ein sehr sauberes 2D-Bild, was insbesondere bei der dem Preisdruck unterliegenden Konkurrenz keine Selbstverständlichkeit bei den damals analog angesteuerten Monitoren war.

Die Voodoo4 4500 ist das kleinste Modell, welches auf 3dfx‘ letztem Chip, dem VSA-100 basiert. Mit diesem Grafikchip lieferte 3dfx (bis auf Hardware-TnL) alle Features nach, deren Fehlen Kritiker bemängelt hatten. Hochauflösende Texturen waren nun ebenso möglich wie 32-Bit-Rendering. Und mehr: Jeder VSA-100-Chip konnte 2x RGSSAA (Super-Sampling-FSAA mit gedrehtem Raster) berechnen und erreichte so eine hervorragende Bildqualität bei der Kantenglättung. Außerdem konnten mehrere Chips per SLI gekoppelt werden und auch die Anzahl der FSAA-Samples erhöhte sich mit jedem Chip um 2.

Voodoo5 5500
Der VSA-100-Doppeldecker verfügte über zwei Chips und insgesamt 64 MiByte VRAM - dank der Speicherverwaltung mit gemeinsamem Framebuffer standen jedem Einzelchip so etwas mehr als die damals üblichen 32 MiByte zur Verfügung. Zudem verdoppelte sich die Fps-Leistung im Vergleich zur V4 4500 dank SLI und das maximale FSAA-Level stieg auf 4x. Die Voodoo5 5500 war die schnellste jemals verkaufte Endkunden-Karte von 3dfx und war eigentlich als Konkurrenz zur ersten Geforce gedacht. Aufgrund der langen Verspätung musste sie dann jedoch bereits gegen die Geforce 2 antreten und unterlag in Sachen purer Fps-Leistung meistens. Mit aktivierter Kantenglättung und 32-Bit-Rendering konnte sie jedoch ihre Stärken ausspielen und den Abstand deutlich verringern, teilweise sogar ausgleichen. Die Karte geniesst in Fankreisen auch heute noch einen ausgezeichneten Ruf. Neben komplett von Fans neugeschriebenen Treibern gibt es etliche Anlaufstellen, um auch moderne Spiele mit der V5 5500 noch zum Laufen zu bewegen.

Voodoo5 6000
 
Voodoo5 6000 [Quelle: siehe Bildergalerie]
Voodoo5 6000
Auch bekannt als "die Göttin" ist diemit vier VSA-100-Chips und 128 MiByte ausgestattete Voodoo5 6000 aufgrund mannigfaltiger Kompatibilitätsprobleme leider nie auf den Markt gekommen. Wenn es doch geklappt hätte, wäre sie wahrscheinlich einer Geforce 2 in Summe überlegen gewesen und hätte zusätzlich noch das 8x SGSSAA in die Waagschale geworfen.
Fans behaupten gar, die Bildqualität sei ungeschlagen. Mittels des sogenannten T-Buffers (das T steht angeblich für den Erfinder des Buffers, Gary Tarolli) über den auch Anti-Aliasing realisiert wurde, waren noch eine Reihe anderer Effekte wie Motion Blur oder Tiefenschärfe/Kamerafokussierung möglich. Bis auf den Einsatz in den 3dfx-Techdemos Kitty Hawk, Rocket Burger, Museum und der inoffziellen Q3-Motion-Blur. Weitere Fotos der Göttin finden Sie unter anderem in 3dfx Voodoo5 6000: High-Res-Bilder aller Revisionen.
(Ansicht vergrößern für Quellenangaben)
     
 
 
Alle Artikel zu Grafikkarten von Nvidia und AMD/Ati finden Sie auf der Grafik-Themenseite. Eine aktuelle Grafikkarten-Kaufberatung finden Sie im Artikel Ati- und Nvidia-Grafikkarten: Test-Übersicht und aktuelle Kauf-Tipps. Mehr zum Geforce-Entwickler Nvidia und Radeon-Entwickler AMD erfahren Sie in unseren Themen-Specials.
 
 
 
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Aktuelle Kommentare
Michael2812
Kabelverknoter
07.11.2009 21:11
AW: PCGH.de: Die wichtigsten 3dfx-Grafikkarten: Von Voodoo Graphics bis zur Voodoo5 6000

Ich hab meine Voodoo Karten auch geliebt, man war der King mit so einer Karte ^^, hab letztens noch ne Voodoo 3 3000 im Keller gefunden beim stöbern, war schön nostalgisch der Moment, muss mal gucken wo die restlichen so rumfliegen

RC-X
PC-Selbstbauer
07.11.2009 18:12
AW: PCGH.de: Die wichtigsten 3dfx-Grafikkarten: Von Voodoo Graphics bis zur Voodoo5 6000

die putzigen Lüfterchen^^

dagegen hab ich ja ne richtige Turbine in meinem PCI-Express Slot hängen^^

OsFrontale
Software-Overclocker
06.11.2009 23:11
AW: PCGH.de: Die wichtigsten 3dfx-Grafikkarten: Von Voodoo Graphics bis zur Voodoo5 6000

Ich bin von einer Voodoo 3 2000 auf einer Geforce 3 Ti 200 umgestiegen und dann auf ATI (9800pro) und bin seitdem ATI treu geblieben

 
 
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