Anfang Juni 2000 entschloss sich AMD, dem eigenen Programm eine neue Attraktion zu verordnen und die alternden Clowns der ersten Generation in Rente zu schicken. Hier kommt der Originaltext aus dem Jahre 2000 von Armin Lenz. Sie erschien in der Nullnummer, der legendären Testausgabe von PC Games Hardware.
AMD Athlon Thunderbird: Bilder-Special (3) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Hatte sich der klassische Athlon noch erfolgreich mit dem Pentium III messen können, so war spätestens mit dem Erreichen der Gigahertz-Grenze abzusehen, dass Intel mit dem Coppermine wieder eine erstklassige Zugnummer im Programm hatte. AMD entschied sich also, den "Athlon mit leistungssteigerndem Cache-Speicher", Codename Thunderbird, aus dem Käfig zu lassen. Er wird jedoch weiterhin einfach unter dem Namen Athlon verkauft. Das Erkennungsmerkmal war ein gelber, gezackter Aufkleber auf Komplettsystemen, bei Einzelprozessoren die neue gesockelte Bauform.
Des Pudels Kern ist schnell beschrieben. An die Stelle von 512 KiByte L2-Cache, der beim alten Athlon in externen Bausteinen mit dem Prozessor zusammen auf eine Slot-A-Platine gelötet wurde, treten jetzt 256 KiByte L2-Cache, die direkt mit auf den Prozessor gepackt sind. Dieses Verfahren machte bereits den AMD K6-III dem K6-2 überlegen. Die Vorteile sind vielfältig: Auf dem Chip lässt sich der Zwischenspeicher mit vollem Prozessortakt und breiterem Datenpfad betreiben, anstatt an handelsübliche Cache-Bausteine mit maximal 340 MHz Takt gefesselt zu sein.
Durch die Verkürzung der Leitungen werden Zugriffe auf die Informationen schneller. Statt 21 Takten Wartezeit (Latenz) auf Anfragen sind es jetzt nur noch elf. Das beschleunigt kleine Datentransfers wie etwa Dreiecks-Koordinaten für Spiele-Engines ungemein. Um die geringere Menge an Speicher auszugleichen, stellt AMD sicher, dass der L1- und L2-Cache keine Kopien derselben Informationen speichern.
Der reale Leistungszuwachs liegt je nach Taktfrequenz bei etwa einer bis zwei Taktstufen (50 bis 100 MHz) über dem Athlon Classic und damit gleichauf mit einem optimal kon-figurierten Coppermine. Das hängt aber individuell vom jeweils getesteten Spiel und der Systemkonfiguration ab, insbesondere vom verwendeten Speicher. Können die kritischen Teile der Spiele-Engine im Cache gehalten werden, dann drehen sie ihre Runden extrem schnell. Müssen die Daten dagegen durch das gesamte Speichersystem pilgern, werden sie vom RAM mehr oder weniger stark ausgebremst.
Durch die Verlegung des Cache in den Prozessor wird die Slot-Platine überflüssig und damit zum unnötigen Kostenfaktor. Konsequent wird es den euen Athlon für den Endkunden nur als Sockel-A-Version geben. Innerhalb von drei Monaten soll der Slot nicht mehr in neuen Computern zu finden sein. Nur wenige Exemplare eines geslotteten Thunderbird gehen exklusiv an Computerhersteller, um noch alte Motherboard-Bestände zu beglücken. Für den Endhandel sind davon keine vorgesehen - eine ärgerliche Sackgasse für hoffnungsfrohe Aufrüster. Nachdem VIA den KX133 ohnehin durch eine Inkompatibilität mit dem "Thunderbird" aus dem Rennen gekegelt hat, werden AMDs bewährter AMD750 "Irongate" und der VIA KT133 (ehemals KZ133) die Sockel-A-Manege aufbauen.
Die Stärke des KT133 ist der PC133-Speicher, der im direkten Vergleich mehr RAM-Bandbreite für die CPU sowie AGP4X bereitstellt. Mittel-fristig haben sich aber auch noch an-dere Chipsatz-Hersteller, z. B. Ali mit DDR-RAM-Unterstützung und SiS mit dem integrierten 730S-Chipsatz für den Sockel-A angemeldet. Erste Hauptplatinen werden von MSI, QDI und Epox erwartet. Im knallharten Spiele-Vergleich mit Intels Paradepferd, dem Gigahertz-Coppermine, muss der Chipriese alle Register ziehen, um Kopf an Kopf mit dem Thunderbird zu gehen. Das bedeutet Intel820-Chipsatz und RAMBUS-Speicher (aber bitte nur einen Riegel, sonst bricht die Leistung um 20 Prozent ein). In der Zusammenarbeit mit billigem PC133-Speicher und VIA-Chipsatz gibt es dagegen für den Intel-Chip nicht viel zu lachen, das ist eindeutig ein Heimspiel für den Donnervogel aus Dresden.
Hier muss der neue Intel "Solano"-Chipsatz zur Rettung eilen. Die neue Attraktion in der Prozessor-Manege verlangt grundsätzlich eine ausgezeichnete Kühlung. Man sollte also auf jeden Fall in einen hochwertigen Kühler investieren, um das gute Stück nicht einzuschmelzen. Echte Stars verlangen nun einmal eine Sonderbehandlung. Alles in allem: Verdienter Applaus für den Thunderbird.
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Lötkolbengott
07.06.2011 03:13
Danke für die Erklärung.
Volt-Modder
06.06.2011 02:06
Wie beschrieben: bei mehr als einem Riegel brach der Durchsatz ein.
Der 820er-Bug gehört zu den bekannteren Bugs von Intel. Damals haben sich alle höhnisch die Mäuler darüber zerrissen.
Der Grund war der, dass der 820er-Chipsatz den sehr beliebten und performanten BX-Chipsatz (für SDRAM) ablösen sollte.
Die Enttäuschung war natürlich immens, als Intel einen Nachfolger für RDRAM vorstellte.
Was der Szene natürlich nicht so gefiel, erstens wegen des Geldes, weil RDRAM im Vergleich schweineteuer war und zweitens wegen des Versuchs, den Usern RDRAM praktisch aufzuzwingen und drittens war es zweifelhaft, dass RDRAM (was schon wirklich schnell war) überhaupt Sinn beim Pentium III machen würde, der seinen maximalen Speicherdurchsatz auch mit "normalem" RAM erreichen konnte und von RDRAM keinen Vorteil hatte.
Und wenn man den vollbestückte, gab es den Fehler.
Außerdem gab es eine Version mit einem Umsetzer (Memory Translator Hub) für normalen Speicher und da kam es auch zu Ärger - Speicherfehler, Abstürze und ähnliche Leckereien.
Als sich herausstellte, das der superteure, angeblich superschnelle RDRAM beim Einsatz von mehr als einem Riegel (spätestens bei drei Riegeln) überhaupt nicht mehr aus dem Quark kam, gab es ein großes Hallo und ziemlich viel Aufriss zu dem Thema. Damals hat man Intel noch viel lieber gebashed als heute.
Und als der Fehler mit den MTH-Boards dazu kam, war praktisch alles aus.
Zitat von heise.de
Intel ist also ein alter Hase bei Chipsatz-Desastern, nicht erst seit Sandy Bridge.
Lötkolbengott
06.06.2011 01:39
Und was passierte da genau?