PCGH-Test: Saitek Flight Yoke System
Flugsimulatoren erleben derzeit ein kleines Comeback, selbst Google hat einen Mini-Simulator in das Kartografie-Projekt Google Earth eingebaut (siehe Links zum Thema).
Quelle: Bild: PCGH
Das Saitek Pro Flight Yoke System
Der Aufschwung liegt aber vor allem an Microsofts Flight Simulator X, der Anfang des Jahres erschien und eine deutlich verbesserte Grafik samt Direct-X-10-Unterstützung brachte - auch wenn letztere noch auf sich warten lässt und erst mit dem nächsten Patch nachgeliefert werden soll.
Neueinsteiger werden jedoch schnell feststellen, dass mit herkömmlicher Maussteuerung bei Flugsimulatoren kein Blumentopf zu gewinnen ist. Wer nicht ins nächste Dach fliegen will, braucht entweder einen Joystick oder ein hochwertiges Gamepad. Doch auch mit diesen Eingabegeräten ist die Steuerung auf Dauer alles andere als angenehm. In diese Lücke stößt nun Saitek: Das "Pro Flight Yoke System" ist einer echten Cockpiteinrichtung nachempfunden und besteht aus einem Steuerhorn und einem Schubregler. Mit einem Preis von annähernd 150 Euro richtet es sich an Simulator-Fans, von denen der ein oder andere schonmal mehrere hundert Euro für diverse Erweiterungen ausgibt.
Das Yoke System wird an den USB-Port angeschlossen und unter Windows XP sofort erkannt. Für den Flight Simulator X sind 8 der 14 Zusatztasten sinnvoll vorbelegt, so dass Hobbypiloten sofort nach dem Einstecken Abheben können - Plug'n'play wie es sein sollte. Saitek liefert zudem eine Konfigurations-Software mit, die aber nur dann nötig ist, wenn man alle drei Belegungs-Ebenen nutzen möchte. Insgesamt stehen somit bis zu 42 Tasten zur Verfügung, die aktuelle Belegung wird per Schiebeschalter an der Rückseite des Steuerhorns gewählt. Mit drei integrierten Schaltern, die bequem mit dem Daumen erreicht werden, können Anwender die Trimmung des Höhenruders anpassen, die Position der Klappen einstellen und das Fahrwerk ein- und ausfahren.
Auf der Startbahn zeigt das Yoke dann seine wahren Qualitäten: Der Schubregler gleitet sanft nach vorne, die Triebwerke heulen auf, der Stahlkoloss rollt an. Wer es gewohnt ist, einen virtuellen Jet mit dem Joystick zu fliegen, wird diesen spätestens nach dem ersten Start in die Ecke werfen - selten war der Schub besser und präziser zu dosieren, selten hat Gas geben so viel Spaß gemacht. Selbst an den Umkehrschub hat Saitek gedacht und diesen in den unteren Bereich des Reglers integriert. Bei Turboprop-Maschinen lässt sich einer der drei Hebel zum Beispiel für die Propellerneigung verwenden, der zweite Hebel kann für die Position der Klappen genutzt werden. Am meisten Spaß macht es aber, alle drei Hebel für die Beschleunigung zu nutzen.
In der Luft ist die Flugsteuerung anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der Widerstand des Steuerhorns ist vor allem beim Steig- und Sinkflug etwas zu groß bemessen. Nach ein paar Flügen kommt man aber gut mit dem Horn zurecht. Ob Cessna oder Airbus, alle Flugzeuge ließen sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase präzise starten, fliegen und landen. Im Test löste das Yoke System ab und zu ungewollt Befehle aus und fuhr zum Beispiel während der Landung unvermittelt das Fahrwerk ein. Der Fehler trat allerdings nur sehr selten auf und ließ sich nicht reproduzieren, möglicherweise lag das an unserem Muster.
Viele praktische Details runden den guten Eindruck ab. Ein Mini-Joystick ("Coolie-Hat") auf der linken Seite ersetzt den fehlenden Steuerknüppel und eignet sich für die dynamische Anpassung der Beobachterperspektive. Nettes Gimmick: In der Mitte des Steuerhorns befindet sich eine Stoppuhr, mit der Hobbypiloten zum Beispiel die Entfernung nach dem Überflug eines VORs messen können. Die Verarbeitung ist anständig und auch bei längeren Flügen bleiben die Hände schweißarm. Lediglich ein paar zusätzliche Tasten am Steuerhorn hätten das Fliegen unserer Meinung nach noch etwas komfortabler gemacht.
An das Yoke System lassen sich weiter Zubehörteile von Saitek anschließen, ein zweiter Schubregler etwa oder ein spezielles Instrumentenbrett, das aber noch nicht erhältlich ist. Wer sich für das Yoke System interessiert, braucht neben einer gut gefüllten Spardose auch viel Platz auf dem Schreibtisch. Das Steuerhorn ist in einer 25 mal 27 Zentimeter großen, wuchtigen Plastikschale verankert, die an einem Tisch oder Brett verschraubt werden muss.
Fazit: Wer nur ab und zu in die Luft steigt, kommt auch mit einem 20-Euro-Joystick über die Runden. Für Flugsimulator-Fans ist das Yoke System aber ein echter Gewinn an Realismus, der leider nicht ganz billig ist.
