Praxis: Boxed-Kühler ist nicht gleich Boxed-Kühler
Lüfterfamilie
Boxed-Kühler haben einen schlechten Ruf. Besonders die Intel-Modelle gelten als nervtötende Krachmacher. Doch das muss nicht immer der Fall sein wie ein Blick ins PCGH-Testlabor beweist.
So liegen in unserem Regal allein vier verschiedene Modelle des Boxed-Lüfters für die Vierpunkt-Spreizstiftbefestigung an Sockel-775-Mainboards. Allen gemein ist der Aufbau, bei dem ein etwa 80 Millimeter durchmessender Lüfter auf einen von Aluminiumrippen umgebenen Kupferkern pustet.
Ansonsten gibt es aber gravierende Unterschiede. Neben unterschiedlicher Konstruktion der Propeller (drei unserer Modelle werden von Sanyo-Denki und eines von Nidec ausgestattet) mit sieben bis neun Luftschaufeln unterscheiden sich die Boxed-Kühler auch in der Bauhöhe und Leistung des Motors. Von 30 bis 41 Millimeter Höhe sowie von 0,12 bis 0,31 Ampere (1,44 bis 3,72 Watt) reichen die Unterschiede.
Entsprechend stellt sich auch der Geräuschpegel durchaus unterschiedlich dar. Während das 0,12-Ampere-Modell auf unserem offenen Testaufbau mit Core 2 Duo E4300 die Hälfte der Zeit stillsteht und die andere Hälfte der Zeit - unter voller CPU-Last - unhörbar vor sich hinsäuselt, bringt es das stärkste Modell auf nervtötende Geräuschpegel, die unter anderem für den schlechten Ruf der Boxed-Lüfter verantwortlich sind; allerdings auch erst, wenn wir einen C2D X6800 oder einen hochtaktenden Pentium-4-Prescott- oder Pentium-D-Prozessor einsetzen. Diese werden mit dem Boxed-Kühler auch in der 0,28-Ampere-Ausführung allerdings ziemlich warm: Ein X6800 erreicht unter Volllast per "Thermal Analysis Tool" Werte von 75 Grad Celsius im offenen Aufbau. Das schwächere 0,2-Ampere-Modell hält den E4300 bei angenehmen 53 Grad unter Last.
Das 0,31-Ampere-Modell hat darüber hinaus noch ein anderes Problem: Die kreisrunde Auflagefläche des Kupferkerns - ohnehin schon nicht optimal für einen rechteckigen Heat-Spreader geeignet - misst im Durchmesser gerade einmal 25 Millimeter. Das sind rund vier Millimeter weniger als die restlichen Modelle, deren Kern gerade so über den Deckel aktueller Intel-CPUs reicht und nur die Ecken unbedeckt und damit ungekühlt lässt.
Fazit:
Auch unten gibt's Unterschiede
Liebäugeln Sie mit der Anschaffung oder besitzen Sie bereits einen Boxed-Lüfter, so lohnt ein Blick auf das verwendete Modell durchaus. Normalerweise liefert Intel natürlich das zum Prozessor passende Modell mit - es kann allerdings sein, dass Sie bei einem Ebay- oder sonstigen Gebrauchtwarenkauf auch einmal ein für eine andere CPU gedachtes Modell abbekommen und entweder zu geringe Kühlleistung oder einen zu hohen Lärmpegel ertragen müssen.