Upgrade auf Windows 10: Microsoft sucht noch richtige Bedrohungs-Balance, warnt vor Windows 7
In einem Interview mit Windows Weekly warnt der Marketing-Leiter von Microsoft vor dem ewigen Festhalten an Windows 7. Das mache der Anwender auf eigene Gefahr, weshalb man den anschubsen muss, um ihn zum Upgrade auf Windows 10 zu überreden. Dabei sucht man die richtige "Bedrohungs-Balance".
Auch wenn kostenlose Upgrades auf Windows 10 angeboten werden, ist Windows 7 nach wie vor das beliebteste Betriebssystem. Menschen halten eben an ihren Gewohnheiten fest und das merkt man hier deutlich. Allerdings warnt Microsoft davor, weiter auf Windows 7 zu setzen. Marketing-Leiter Chris Capossela sagt in einem Interview, dass es Risiken mit sich bringe, weiter auf Windows 7 zu setzen. Anwender halten "auf eigene Gefahr" am alternden Betriebssystem fest.
Dabei gehe es nicht nur um die Sicherheit, wie es zunächst den Anschein haben mag, sondern auch um die Kompatibilität. Laut Capossela macht man sich bei Microsoft Sorgen darüber, dass sich Anwender neue Hardware wie einen Drucker kaufen und dieser dann auf einem alten Betriebssystem nicht mehr funktioniert. Das ist tatsächlich schon vorgekommen. Wer sich beispielsweise 1996 einen Canon BJC-6200 gekauft hat, musste mit ansehen, wie Canon den Treiber-Support einstellte. Unter Windows 7 und später gibt es offiziell nur noch den im Funktionsumfang deutlich eingeschränkten Windows-Standard-Treiber.
Auch bei Spielen sieht Microsoft Probleme auf die Anwender zukommen. "[...] Fallout 4 [...] funktioniert nicht mehr auf einer ganzen Reihe alter Rechner." Als Marketing-Leiter weiß er natürlich auch zu betonen, dass der Spieler unter Windows 10 eine ganze Reihe neuer Funktionen hat, die den alten Kram schlecht aussehen lassen würden. Von Sicherheitsproblemen wolle er erst gar nicht anfangen.
Das große Ziel von Microsoft ist es, die Fragmentierung unter den Windows-Betriebssystemen so weit wie möglich einzudämmen. Android-Nutzer wissen, was damit gemeint ist, während Apple-Nutzer sich zu Recht die Hände reiben. Der Software-Support ist dort weitestgehend vorbildlich. Microsofts Kernanliegen sei aber die Sicherheit der Anwender.
Für die Aussagen weht Capossela erwartungsgemäß ein eisiger Wind ins Gesicht. In manchen Punkten haben die Kritiker auch ein Stück weit Recht. Die Fragmentierung ist natürlich auch für Microsoft ungemütlich, da eine Vielzahl an Betriebssystemen gepflegt werden muss. Wären alle Anwender auf einem Stand, würde das weniger Ressourcen verschlingen.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass das Interview mit dem Marketing-Leiter geführt wurde. Angesichts dessen sind Aussagen wie die, dass man manchen Nutzern einen Stoß geben müsse, um sie zu Windows 10 zu bringen, anders zu werten. Schließlich würde niemand einen Marketing-Leiter beschäftigen, der nicht alles dafür tut, das neueste Produkt zu bewerben. Jedenfalls fühlt sich Microsoft dafür verantwortlich, die Anwender an einen besseren Ort zu führen - namentlich Windows 10. Dabei könne es vorkommen, dass man manche Nutzer etwas verärgere. Das passiere, sei aber keine Absicht. In Redmond sucht man die richtige "Bedrohungs-Balance" für den Schubser. Wenn es gar nicht klappt, kann Microsoft aber auch entspannt sein: Zum Support-Ende von Windows 7 in rund vier Jahren hat der Spuk dann von alleine ein Ende.
Quelle: Forbes, Windows Weekly

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Gruss w
Dass ein Softwarehersteller praktisch unendlichen Support für ein Produkt bietet, ist schönes Wunschdenken, aber nicht machbar. Sonst würde jeder Hersteller über kurz oder lang pleite gehen. Es ist ein Grundprinzip des Kapitalismus, dass wir immer neue Dinge konsumieren müssen. Dem kann sich auch die Softwareindustrie mit ihren speziellen Eigenheiten nicht entziehen, selbst wenn sie es wollte. Deshalb muss jeder Support irgendwann mal enden, nur die Dauer unterscheidet sich. Dass dieser Umstieg bzw. die Einstellung des Supports als Marketing für das neue Produkt genutzt wird, lässt sich zwar als zynisch interpretieren, ist aber letztlich nur eine natürliche Folge des Marktmechanismus. Also business as usual.
Wofür brauchst du eigentlich einen Retrorechner mit Win98???
Ich finde es aber sehr irritierend, wenn diese Feststellung als Marketing-Argument für den Wechsel von einem Microsoft-Produkt auf ein anderers genutzt wird. Schließlich ist Microsoft auch für den Windows-7-Support verantwortlich. Wenn Microsofts Support(-mangel) ein Sicherheitsrisiko darstellt, dann ist das wohl ein denkbar schlechtes Argument für den Wechsel auf Windows 10.
Was mich dabei am meisten stört ist übrigens die Grundhaltung. Sicherheitslücken "treten" nicht "auf". Sicherheitslücken sind ein elementarer Programmfehler, der bislang nur übersehen wurde. Updates für ein Betriebssystem sind eine Nachbesserung des Herstellers am fehlerhaften Produkt. In anderen Branchen ist es selbstverständlich, dass dieser Service solange angeboten wird, bis keine Fehler und somit kein Bedarf mehr verbleiben. Da Microsoft regelmäßig alte Funktionen aus neuen Betriebssystemen streicht, gibt es zu dem Szenarien in denen auf alte Versionen nicht verzichtet werden kann.
Mal als etwas "extremes" Beispiel: Beschwert sich jemand, dass die Oculus, welche demnächst auf den Markt kommt,. nicht mehr mit Win98 kompatibel ist? Was soll denn das? Wenn ich Win98 benutzen möchte, dann muss da auch alles laufen was aktuell rauskommt...das BS war ja vor der Hardware da. Da hätten die das schon optimieren können für die 0,000000001% der Rechner die noch Win98 benutzen.
Vielleicht verstehen jetzt ein paar was ich sagen will...irgendwie bezweifle ich es aber.
P.S.: Ich störe mich übrigens seit Radeon X800 und Geforce 7 daran, dass AMD/ATI und Nvidia den Treibersupport für Windows 98 eingestellt haben und seit Windows XP daran, dass Microsoft Abwärtskompatibilität und DOS-Support gestrichen hat. So zwingt mich die Bequemlichkeit der Hersteller dazu, einen eigenen Retro-Rechner am laufen zu halten, obwohl meine aktuelle Hardware die Befehle alter Software problemlos ausführen könnte.
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