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Games World
  • Die bekanntesten Spiele von Jowood: Der Publisher von Gothic 4 im Fokus

    Der Publisher Jowood, unter anderem verantwortlich für die Gothic-Reihe seit Gothic 2, ist insbesondere im deutschsprachigen Raum nicht ganz unumstritten - schließlich ist gerade Arcania mit einigem Stolpern auf den Markt gekommen und Jowood ein aktuelles Thema.

    Vorneweg möchten wir erläutern, warum PC Games Hardware als Technik-orientiertes Magazin einen Artikel über einen Spiele-Publisher veröffentlicht. Wir werten schließlich keine Spiele, Fließtext-"Tests" wie der zu Medal of Honor sind die Ausnahme. Da sich PC Games Hardware jedoch mit der Technik der Spiele auseinander setzt, ist es für uns unumgänglich, kommende und aktuelle Titel zu spielen, um auf Basis des Spielfortschritts für Sie Benchmarks und Tuning-Guides anzufertigen und sich einen Eindruck über die Technik zu machen. Hierfür stehen wir oft im Kontakt mit dem Entwickler oder zumindest Publisher eines Spiels, um uns (technische) Klarheit zu verschaffen und Probleme zu klären. So auch mit Jowoods aktuellem Titel Arcania -Gothic, welcher erst durch einen Patch ein befriedigendes Performance-Niveau erreicht hat.

    Cultures (2000) Cultures (2000) Aquanox 2: Revelation (2002) Aquanox 2: Revelation (2002) Quelle: PC Games Hardware Spellforce 2: Shadow Wars (2006) Spellforce 2: Shadow Wars (2006) Arx Fatalis (2002) Arx Fatalis (2002) Die Gilde 2 (2006) Die Gilde 2 (2006) Söldner - Secret Wars (2004) Söldner - Secret Wars (2004) Gothic 3 mit Community-Patch v1.74 (2006) Gothic 3 mit Community-Patch v1.74 (2006) Quelle: PC Games Hardware Arcania - Gothic 4 (2010) Arcania - Gothic 4 (2010) Quelle: PC Games Hardware Die Höhen und Tiefen von Jowood: Ein guter Start und erste Erfolge
    Aber der Reihe nach: Jowood gibt es seit rund 15 Jahren, diese sind von Höhen und Tiefen, vor allem aber von Kritik geprägt. 1995 als JoWooD Productions Software AG gegründet, konnte der Publisher durch das selbst programmierte Industriegigant im Jahr 1997 einen Erfolg verbuchen - der Titel verkauft sich über 800.000 Mal und stellte den ersten Meilenstein dar. 2001 erschien der erste Teil von Aquanox, damals noch unter dem Publisher Fishtank Interacitve. Jowood übernahm im Dezember 2000 die Entwickler von Massive Development und publishte ab 2002 den Titel selbst. Im November desselben Jahres erschien Aquanox 2: Revelation, das wie sein Vorgänger hohe Wertungen erhielt. Seit 2000 an der Börse notiert, konnte Jowood trotz beider Aquanox-Teile eine Insolvenz 2002 gerade noch abwenden. Für Massive Development aber war 2005 Schluss, der Entwickler musste dicht machen. Zusammen mit Aquanox 2 erschien Ende 2002 Gothic 2, Teil eins hatte Piranha Bytes über Shoebox vertrieben. Gothic 2 kam mit allerhand Bugs auf den Markt, Piranha Bytes musste mehrere Patches nachliefern, bis der Titel richtig rund lief - sehr hohe Wertungen gab es dennoch und die Community liebte das Spiel bis heute. 2003 lieferte Jowood mit Phenomics Spellforce: The Order of Dawn ebenfalls einen sehr guten Titel ab, es folgen zwei Add-ons. Im Herbst des gleichen Jahres erhielt auch Gothic 2 mit Die Nacht des Raben eine knüppelharte Erweiterung, die ebenfalls Bug-behaftet war und mit samtdem Hauptspiel mehrere Patches benötigte; selbst die Community half mit.

    Die Höhen und Tiefen von Jowood: Gilden-Probleme und Söldner-Desaster
    Auch die beiden Teil von Die Gilde, welche 2002 und 2006 veröffentlicht wurden (Entwickler: 4Head Studios), strotzten vor Programmfehlern - sei es der Multiplayer, Abstürze oder kaputte Spielstände. Erst die Gold-Versionen mit allen Patches machten die Titel Monate bis Jahre später wirklich wie vom Entwickler gedacht spielbar. Ebenfalls 2006 ging das grafisch sehr gelungene Spellforce 2: Shadow Wars an den Start; ein gutes Spiel und ohne große Bugs. Phenomic hatte sich mittlerweile von Jowood getrennt und seinen aktuellen Titel Battleforge unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts in die Läden gebracht. Arx Fatalis war anno 2002 ein überzeugendes Spiel, den Nachfolger Dark Messiah brachten die Arkane Studios jedoch mithilfe von Ubisoft an den Mann/Frau.

    Ein eigenes Kapitel ist dagegen Söldner - Secret Wars, welches Mai 2004 erschien; Entwickler Wings Simulations musste Anfang 2005 trotz fünfstelliger Verkaufszahlen die Segel streichen. Söldner war sehr ambitioniert, hatte gute Ideen und war grafisch damals eine Wucht (die Sichtweite!) - extrem viele Bugs aber verhinderten einen brauchbaren Spielfluss. Erst Patch v33628 aus dem Frühling 2005 ließ das Spiel zu dem werden, was es einmal werden sollte. Jowood lieferte im selben Jahr den Quellcode an Project Zero, welche Söldner weiter verbesserten - das aber ist ein anderes Kapitel. Wohl mit bedingt durch die Probleme mit Söldner meldete Jowood 2005 nach einer Kapitalerhöhung 2004 erneut Insolvenz an, konnte sich dank des US-Unternehmens Fluent aber retten, um 2005 wieder zu wackeln und 2006 festen Stand zu erlangen. Ende 2005 zerstritt sich der Publisher übrigens mit Perception Pty hinsichtlich Stargate SG-1, auch das hat Jowood vermutlich Geld gekostet.

    Die Höhen und Tiefen von Jowood: Die Akte Gothic 3
    Im Oktober 2006 kam Gothic 3 und damit der wohl populärste Titel, den Piranha Bytes und Jowood jemals veröffentlichten. Über den dritten Teil alleine könnten wir tagelang schreiben, daher die Zusammenfassung: Auch Gothic 3 erschien verbuggt (ub0r-Wildscheine!), voller sogenannter Plot-Stopper, durchsetzt mit Abstürzen ("Where is the guru?") und so weiter und so fort. Die an die Spiele-Presse ausgelieferte Goldmaster-Version war massiv fehlerbehaftet, PB-Gründer Mike Hoge gab dies auch zerknirscht zu. Jowood dagegen freute sich über das sich exzellent verkaufende Gothic 3 und ging via Drohanrufen und dem Versuch einer einstweiligen Verfügung gar gegen die PC Power Play aufgrund deren Test vor.

    Jowood spielte die Probleme herunter (Community-Manager Johann Ertl lud gar beim Entdecken eines gravierenden A-Bugs ins Schaukampflager ein, denn Gothic 3 wäre ein "herausragendes und stabiles Game"), die erste Goldmaster ging gar nicht erst ins Presswerk; die Wertung für Gothic 3 schwankten zwischen himmelhochjauchzend und sehr ernüchternd. Der letzte offizielle Patch v1.12 entfernt längst nicht alle Bugs, die Community musste also (mal wieder) einspringen. Mit dem fast 1 GiB schweren Community-Patch v1.74 läuft Gothic 3 rund und sieht bombastisch aus, wie unsere Screenshot belegen. Entwickler Piranha Bytes trennte sich indes von Jowood und lieferte mit Risen unter der Regie von Deep Silver ein fehlerarmes und sehr gutes Rollenspiel ab. Jowood spannte für das Gothic-3-Add-on Götterdämmerung das indische Entwicklerstudio Trine Games ein, viel mehr als ein verbuggtes Machwerk aber kam am Ende nicht bei rum - einzig die Quests und die Handlungen taugten.

    Die Höhen und Tiefen von Jowood: Arcania - Gothic 4
    Die Namensrechte für Gothic blieben nach einigen Streitigkeiten bei Jowood, Teil vier wurde angekündigt und in die Hände von Spellbound gegeben. Dieser vierte Abstecher des namenlosen Helden hieß erst "Gothic 4: Genesis", dann "Gothic 4: Arcania", zwischen drin mal "Arcania: A Gothic Tale" und gelangte vorgestern schließlich offiziell als "Arcania: Gothic 4" in den Handel. Aus technischer Perspektive zeigten wir, die PC Games Hardware, uns von Anfang an interessiert an Arcania und standen sowie stehen hinsichtlich der Engine mit Jowood in Kontakt. Im Juli überzeugte Arcania optisch und lief anständig, eigentlich ein gutes Zeichen. Damals kritisierten wir bereits das gelegentlich auftretende Flimmern des Bodens, auf der Gamescom im August erneut - die finale Version zeigt es immer noch.

    Während wir hinter den Kulissen mit einer Preview-Version hohe Performance-Gewinne durch Multicore-CPUs messen konnten, schickte Jowood die Demo von Arcania ins Rennen. Die Stimmung nach der Demo war gut, Jowood ließ die Aktivierungsserver gar schon am letzten Samstag anlaufen. Ein Fehler? Der Release-Patch erschien erst am Dienstag gegen 21 Uhr, bis dahin mussten sich die Frühkäufer mit einem ruckelnden Fps-Desaster abgeben - der Patch hievte die Performance drastisch nach oben. Uns war bekannt, dass die Multicore-Optimierungen erst mit dem Software-Flicken Einzug halten werden; Jowood aber wollte das Spiel den Käufern bereits zugänglich machen - prinzipiell die richtige Idee. Dennoch dürften viele Zocker sehr enttäuscht gewesen sein, nicht alle erwarteten gigantische Leistungssprünge mit einem Release-Patch; folglich schäumen die Foren über vor Ärger über den Publisher.

    Zwar präsentiert sich Arcania abseits der anfänglichen Performance-Probleme als fast Bug-freies Spiel, dafür ist die oft gezeigte Stadt Setarrif beispielsweise nicht betretbar und das Spiel ist kein Open-World-Titel im eigentlich Sinne mehr. Entschlackt und vereinfacht trifft es am ehesten, die Arcania-Wertungen reichen von knappen 80ern (u.a. PC Games) bis zu knallharten 46 (Gamona) oder gar 40 Prozent (4Players).

    Die Höhen und Tiefen von Jowood: Ein (vorläufiges) Resümee
    Unter Jowoods Fittichen sind viele gute Spiele erschienen, auf der anderen Seite aber wurde durch frühe Veröffentlichungen, daraus resultierende Bugs und mögliche Fehlentscheidungen so manche Serien bis ins Grabe (oder Wertungstiefen) getragen - oder ihre Entwickler. Jowood selbst steckt indes erneut in finanziellen Schwierigkeiten und ist (mit) auf den Erfolg von Arcania angewiesen. 200.000 Einheiten wurden in Europa ausgeliefert (USA folgt noch), 28.000 PC-Aktivierungen wurden laut CEO Franz Rossler alleine am Dienstag registriert - die Entwicklung kostete einen "hohen einstelligen Millionenbetrag" und erste Add-ons kommen. Jowood wird also vermutlich weiterhin Höhen und Tiefen erleben.

    Abgesehen von den im Fließtext aufgezählten Titeln publishte Jowood weiter Spiele und Serien: Beispielsweise Chaser, Cultures, Die Völker, Panzer Elite Action, Rally Trophy, Silent Storm, Wildlife Park sowie die Giganten-Serie. Letztere umfasst Hotelgigant, Industriegigant, Industriegigant 2, Transportgigant samt Add-on und Verkehrsgigant.

  • Es gibt 21 Kommentare zum Artikel
    Von US_Raph14
    ihr solltet King of the Road auch noch dazu nehmen ist auch ziemlich berühmt denk ich...
    Von Black Goblin
    Ich fand Jowood hat mit Gothic2 (+ DNDR) und Aquanox2 die besten Titel heraus gebracht. Aber in den letzten Jahren…
    Von JASH
    Die Höhe von JoWood: Gothic 2 + die Nacht des Raben. Das letzte Gothic das noch eins war und immernoch genial ist...…
    Von CrimsoN 2.0
    Habe es es auf merhren Systemen Gespielt...ich weiß ja nicht wo es bei dir Bugs gab. S64/A64 3200+ @ 2.5GHz/(S64)3100+…
    Von Creep1972
    Das war total geil!! Ich hab das nächtelang gespielt auf meinem damaligen Athlon XP 2700 und ne´GeForce 4 - 4800SE.…
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Von damals bis heute
Der Publisher Jowood, unter anderem verantwortlich für die Gothic-Reihe seit Gothic 2, ist insbesondere im deutschsprachigen Raum nicht ganz unumstritten - schließlich ist gerade Arcania mit einigem Stolpern auf den Markt gekommen und Jowood ein aktuelles Thema.
http://www.pcgameshardware.de/Spiele-Thema-239104/Specials/Von-damals-bis-heute-794054/
14.10.2010
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2001/11/5135aqua1.jpg
gothic 4 arcania,gothic 3
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