Nvidia Shield: Die tragbare Konsole im Hands-On-Test - Nette Spielerei oder ernstzunehmender Handheld? [Special der Woche]

49
Special Philipp Reuther Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Nvidia Shield: Die tragbare Konsole im Hands-On-Test - Nette Spielerei oder ernstzunehmender Handheld? (1)
Quelle: PC Games Hardware

Über die Weiten des Atlantik erreichte uns vor kurzem Nvidias High-Tech-Handheld Shield. Mit einem kräftigen Tegra-4-SoC, edlem Design und sehr gut gelungener Ergonomie kann die kleine Konsole sofort überzeugen. Der Sinn hinter Nvidias Shield ist trotz großem Funktionsumfangs und potenter Hardware allerdings schwieriger zu erschließen. Wir machen einen Hands-On-Test.

Anmerkung: Dieser Artikel hatte die meisten Seitenaufrufe diese Woche. Aus diesem Grund veröffentlichen wir ihn heute erneut.
Nvidia Shield: Die tragbare Konsole im Hands-On-Test - Nette Spielerei oder ernstzunehmender Handheld? (8) Quelle: Nvidia Nvidia Shield: Die tragbare Konsole im Hands-On-Test - Nette Spielerei oder ernstzunehmender Handheld? (8) Der Podiumsplatz der stärksten Handheld-Konsole gebührt nun wohl Nvidias Shield. Das High-Tech-Spielzeug kann Sonys Playstation Vita ohne größere Anstrengungen die Krone entreißen. Zudem ist sie außerordentlich gut designt, alle Materialien sind edel, die Bedienung geht gut von der Hand und das Fünf-Zoll-Display bietet eine hohe Pixeldichte mit sehr schönen Kontrasten. Die Positionierung von Shield ist aber schwierig: Ist es ein Handheld für Android-Spiele, die man auch auf dem Smartphone oder Tablet spielen könnte? Diese bieten aber einen größeren Funktionsumfang und für viele alltägliche Anwendungen besser zugeschnitten. Außerdem sind sie auf Tour in den meisten Fällen wohl sowieso mit dabei. Nvidias Shield kann aber auch PC-Spiele auf das hübsche Display streamen, sogar in sehr hohen Auflösungen und mit vollen Details. Dies setzt aber einen potenten PC voraus und limitiert die Entfernung zu diesem auf einen kleinen Radius um den WLAN-Router. Wir schauen uns dieses seltsame Gerät einmal genauer an.

Nvidia Shield - Design, Verarbeitung und Ergonomie

Nvidia liefert die Shield-Konsole in einem hübschen Karton aus, der auch durchaus zum nochmaligen Transport genutzt werden könnte. Zwischen kleinen Gumminoppen gebettet, ruht das Handheld im Karton. Beim Herausheben machen weitere Fächer auf sich aufmerksam, darin ist ein Mini-USB-Kabel, ein Adapter zum Anschluss an die (US-Amerikanische) Steckdose und ein Umschlag mit Kurzanleitung und Garantie-Heftchen verstaut. Hält man Shield in der Hand, bemerkt man zuerst und vor allen Dingen das eindrucksvolle und leicht beunruhigende Gewicht. Knapp 580 Gramm wiegt Nvidias Handheld, das ist deutlich mehr als doppelt so schwer wie eine PS Vita. Doch während bei uns schon leichte Assoziationen zu Dirty Harrys .44er Magnum aufkeimen, bemerken wir, wie gut Shield in den Händen liegt und wie perfekt das Gewicht ausbalanciert wurde, Kompliment!

Auch beim Ausklappen des Fünf-Zoll-Displays bleibt der Schwerpunkt exakt in der Mitte unserer Handflächen. Die Befürchtung, dass Shield durch das Display stark kopflastig wird, bestätigt sich nicht. Wie gegossen liegt das Handheld zudem in unserer völlig natürlichen und instinktiven Handhaltung, das kann kaum ein mobiles Gerät oder Kontroller besser. Die Finger legen sich wie von selbst um das Shield, D-Pad, Knöpfe und Schultertasten passen perfekt. Sowohl Buttons als auch Schultertasten wackeln etwas in ihren Sitzen, wenn man die Finger darüberstreicht, bieten aber gutes Feedback und rasten satt ein. Die analogen Schultertasten lassen sich zudem sehr fein dosieren. Hier gibt es wenig zu kritisieren, einzig die beiden Analog-Sticks könnten ein wenig weiter außen und zudem etwas versetzt platziert sein. Doch auch so ist die Anordnung gelungen, es ist nicht schwer sich stundenlange Spiele-Sessions mit Shield auszumalen. Das kommt sicher nicht von ungefähr: Pate für das Button-Layout, Färbung der Knöpfe bis hin zu den Noppen auf den Analog-Stick erinnern frappierend an das Xbox-360-Pad. Das hat neben der Affinität von Nvidias Handheld zu PC-Spielen sicher auch den einfachen Grund, dass Microsofts Gamepad kaum bestreitbar zu den besten Produkten dieser Kategorie gehört.

Zu der außerordentlich gut gelungenen Ergonomie kommt eine beinahe ebenso gute Verarbeitung: Die Materialien sind allesamt hochwertig. Das stabile Plastik in Klavierlack-Optik wurde an oft berührten Stellen mit einer matten, sehr angenehmen Gummierung überzogen, die weich und schmeichelhaft auf der Haut liegt und dabei dennoch einen sehr festen, abriebfesten Eindruck macht. Angeschlossene Kabel sitzen fest und satt, das Gelenk des Displays gibt das richtige Maß an Feedback. Nur wer sich wirklich Mühe gibt, findet Kleinigkeiten für Kritik: So sind die Spaltmaße der einzelnen Bauteile nicht perfekt, das Display schließt nicht überall bündig und einige Kanten stehen minimal über. Wer sich für Amerikanische Autos interessiert, ist darüber wahrscheinlich nicht allzu sehr schockiert.

Nvidia Shield - Die Technik

Auch technisch kann Nvidias Handheld-Konsole überzeugen. Im inneren werkelt ein kräftiger Tegra-4 System-on-a-Chip. Seine vier Kerne rechnen mit bis zu 1,9 Gigahertz, ein fünfter dient zur Verlängerung der Batterielaufzeit im Power-Saving-Modus. Die GPU besitzt insgesamt 72 Kerne, 24 davon Vertex-Shader, die restlichen 48 sind Pixel-Shader. Zusätzlich sind zwei Gigabyte LPDDR3-1800 RAM (Low Power Double Data Ram) und 16 Gigabyte Langzeit-Speicher verbaut. Genug Power also, um das fünf Zoll große Multi-Touch-Display zu befeuern. Bei einer Auflösung von 1.280 x 720 ergibt eine Pixeldichte von 294 ppi. Das ist zwar weniger als bei einigen modernen Smartphones, aber für Spiele absolut ausreichend. Versorgt wird alles von einem Akku mit 28,8 Wattstunden Leistung, genügend um auch längere Zeit der Steckdose fern zu bleiben. Als Betriebssystem dient Android 4.2.1 mit dem Codenamen Jelly Bean. Der Ton wird von einem Realtek-Chip (AL5639) zu Stereo-Lautsprechern geliefert. Der Klang ist überraschend gut und liegt auf dem Level von ordentlichen Laptop-Lautsprechern. Ein Mikrofon ist ebenfalls integriert.

Nvidia Shield - Das Handheld im Praxiseinsatz

Über die gelungene Ergonomie haben wir uns schon zur Genüge ausgelassen. Die Bedienung geht auch größtenteils gut und auch für Android-Unerfahrene von der Hand. Etwas nervig: Eine Anmeldung bei Google ist Pflicht, viele Daten müssen vor dem ersten Start eingetragen werden, Zusätzlich möchte WLAN konfiguriert werden. Zum Glück funktioniert dies mit dem Touch-Screen sehr gut, ab und an irritiert das Gerät allerdings, weil es zwischen Touch- und Controller-Eingabe wechselt. Außerdem auffallend: Das an sich sehr gute Display mit schönen Kontrasten und sehr großzügigem Betrachtungswinkel spiegelt schon bei geringem Lichteinfall stark. Sobald etwas Sonnenlicht auf den Bildschirm fällt, wird es schwierig Einzelheiten zu erkennen. Außerdem ist die Oberfläche extrem anfällig für Fingerabdrücke. Warum ausgerechnet ein Touch-Screen diese Schwäche hat und ständig per Microfaser-Tuch gereinigt werden muss, ist uns immer wieder unverständlich. Einmal ins Hauptmenu gelangt und die verräterischen Spuren dieser Eingabe-Odyssee verwischt, sind die Ärgernisse aber schnell Vergessenheit: Die Bedienung klappt ausgezeichnet und ist sehr intuitiv.

Nvidia Shield - Die Spiele

Wir brauchen etwas Action, wo sind die Spiele? Die können schnell und einfach mit wenigen Tastendrücken oder Touch-Eingaben installiert werden. Doch genau hier, dem Einsatzbereich wofür Nvidia Shield entwickelt hat, schwächelt das System. Die Android-Spiele sind durchaus ganz nett, vor allem einige Klassiker wie Max Payne oder GTA Vice City bieten durchaus Kurzweil. Auch einige anderen Titel sind recht ordentlich gelungen. Aber angestaubte Klassiker oder leicht an das Handheld angepasste Android-Titel sind vielleicht nett, aber rechtfertigen sie eine Investition von 300 US-Dollar? Das größte Problem stellen nicht vorhandene, aufwendige Exklusiv-Titel für Shield dar, die das System auch wirklich ausreizen. Doch Entwickler scheuen hochwertige AAA-Titel für die mobile Sparte, da sie kaum weniger aufwendig und kostenintensiv als für die "großen" Plattformen - also PC und Konsolen - herzustellen sind und weit weniger Einnahmen generieren. Mit diesem kritischen Punkt hat auch Sonys Playstation Vita schwer zu kämpfen.

Für PC-Spieler ist das Streaming-Feature von Shield sicher interessant: Von einem PC berechnet, kann ein Spiel direkt auf das Handheld übertragen werden. Dabei können Details und Auflösung weit in die Höhe geschraubt werden, ein potenter PC vorausgesetzt. Dies funktioniert auch mit Auflösungen weit jenseits der 720p, theoretisch ist auch UHD/4K kein Problem. Auf dem kleinen Display fallen so extrem hohe Auflösungen allerdings weit weniger stark auf, als auf dem Monitor. Dennoch: Das Bild sieht klasse aus! Beim Spielen ist eine leichte Verzögerung zu bemerken, sehr ähnlich wie bei den Konsolen mit einem kabellosen Controller. Leider gibt es einige Probleme: Sie benötigen mindestens eine Geforce Grafikkarte der 600er-Reihe, sonst verweigert das Streaming den Dienst. Die Entfernung zum Router darf kaum 20 Meter überschreiten, sonst bricht das Signal sofort zusammen. Außerdem ist das Streaming anfällig für Störungen von außen. In unserer Redaktion war längeres Spielen unmöglich, unsere offenen Test-Systeme leiteten zu viele Interferenzen ein. Das ist sicher kein größeres Problem in einer normalen Wohnung, doch auch ein anderes, nicht technisch bedingter Kritikpunkt tut sich auf: Wenn man das Spiel auf dem PC laufen lässt, warum sollte man dann auf dem kleinen Display des Handhelds spielen, wenn man auch auf dem großen Bildschirm oder gar am Fernseher spielen kann. Einen kabellosen Xbox-Controller kann man schließlich auch dort anschließen. Dieses Problem wird durch die Tatsache verstärkt, dass man sich kaum außer Sichtweite des Rechners bewegen kann, bevor das Signal abreißt oder der Input-Lag zu störend wird.

Nvidia Shield - Ein Fazit

Nvidias Handheld ist schön gemacht, keine Frage. Die Ausgeklügelte und fast perfekte Ergonomie zeugt von intensiver Beschäftigung mit dem Thema, bei der Verarbeitung ist kaum ein Kritikpunkt zu finden. Doch der Nutzen des Geräts ist nur schwerlich ersichtlich: Android-Spiele kann man auch auf dem Smartphone oder Tablet spielen, auch wenn der Controller Vorzüge bietet. Das Handy hat man aber in den meisten Fällen sowieso dabei, zum Spielen der gleichen Spiele ein recht groß geratenes Handheld mit herum zu schleppen, ist einfach unpraktisch. Will man mit Shield surfen oder lesen, passt die Ergonomie nicht mehr, hier hat das Smartphone oder Tablet einen klaren Vorteil. Das Streamen von PC-Titeln ist nett, das Display ist kontrastreich und die Bildschärfe beeindruckend. Aber es ist klein. Da man sich außerdem kaum von seinem PC entfernen kann, stellt sich die Frage, warum man dann nicht direkt am Monitor spielt. Gäbe es einige extra für Nvidias Shield entwickelte Spiele, könnte das Power-Handheld wohl Punkte machen. So aber ist es mehr ein schönes High-Tech-Spielzeug für all diejenigen, die immer noch ein kleines Extra gebrauchen können.

Bildergalerie

Was halten Sie von Nvidias kleiner Konsole? Interessantes High-Tech Gerät? Überflüssig, weil ein Smartphone die Android-Apps ähnlich gut verarbeitet, dabei außerdem weitaus mehr Funktionen bietet, zum Telefonieren dient und außerdem immer dabei ist oder können Sie sich vorstellen, etwa vor dem Schlafengehen noch ein Ründchen mit Ihrem Lieblings-PC-Spiel im Bett zu spielen und so der Streaming-Funktion etwas abzugewinnen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion.

49
    • Kommentare (49)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Trab Komplett-PC-Käufer(in)
        Es scheint vielen Leuten wahrscheinlich NOCH unnötig, weil es keine Wahnsinns spiele dafür gibt. Ich schreibe NOCH, denn ich bin mir sicher das dies noch kommt. GTA San Andreas wird dafür absolut genial sein, aber es ist nichts neues. Die meisten Android spiele sind eben noch arm. Aber es gibt schon ausnahmen. Wenn es gute spiele für Android gibt, dann werden sich auch die Android Konsolen, wie die Ouya oder Shield durchsetzten.
      • Von Trab Komplett-PC-Käufer(in)
        Es scheint vielen Leuten wahrscheinlich NOCH unnötig, weil es keine Wahnsinns spiele dafür gibt. Ich schreibe NOCH, denn ich bin mir sicher das dies noch kommt. GTA San Andreas wird dafür absolut genial sein, aber es ist nichts neues. Die meisten Android spiele sind eben noch arm. Aber es gibt schon ausnahmen. Wenn es gute spiele für Android gibt, dann werden sich auch die Android Konsolen, wie die Ouya oder Shield durchsetzten.
      • Von DaStash Trockeneisprofi (m/w)
        Ich stimme Dir zu das der klassische home PC mit Computerteil + Monitor in der Form verschwindet aber der PC ansich, auch in seiner Bedienung wird nicht verschwinden und der gedachte Ersatz für PC ist damit überflüssig genau so wie die mobile Android Spielkonsole. Warum sollte ich mir so etwas holen, wenn ich das doch auf highend Smartphones schon habe und zwar immer, ohne das es zusätzlichen Platz benötigt?

        MfG
      • Von Trab Komplett-PC-Käufer(in)
        Nvidia hat meiner Meinung nach das richtige gemacht. Viele Leute kaufen sich lieber ein Tablet Pc anstatt einen Desktop PC. Deswegen müssen sie jetzt schon im Voraus denken, ich kann mir sehr gut vorstellen das in ein paar Jahren der fast keiner mehr einen Desktop Pc hat. Wahrscheinlich wollten sie damit zeigen das man jetzt schon ziemlich coole Android Konsolen haben kann, die sogar einer sehr hohe Leistung haben. Ich finde das Gerät noch immer Klasse deswegen habe ich auch eins. Ich Nutzer eher weniger die Streaming Möglichkeit. Richtig Spaß machen die besseren Android spiele, wie Modern Combat 4, Nova3, und gta 3.
      • Von DaStash Trockeneisprofi (m/w)
        Shield ist einfach überflüssig und deshalb findet es auch keinen Anklang.

        MfG
      • Von Gast1655586602
        Zitat von DaStash
        Wird wohl auch der Grund sein warum es immer noch ein Nischendasein fristet.
        Würde ich so nicht sagen!

        Es liegt vielmehr an:

        1.) Der Marktfrische der Konsole
        2.) vielen Vorbehalte der User
        3.) Benötigte Hardwarevoraussetzungen
        4.) Preis von ~300€ erscheint manchen noch zu hoch
        5.) Shield ist ein Liebhaberprodukt mit Android-Affinität (Spiele + Emulatoren)

        Vom Handling her ist die Shield nicht schlecht! Wer ein Handy bedienen kann, sollte auch mit Shield klarkommen. Immerhin ist da mittlerweile Stock-Android 4.3 installiert. Rooten kann man den Handheld inzwischen auch, soweit ich weiß!
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 06/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk