Online-Abo
Games World
  • [Update mit Asus-Stellungnahme] Haswell-E, Intels Sockel 2011-v3 und der Asus O.C.-Sockel "2084": Garantie- und Gewährleistungsfragen

    Mit der heutigen offiziellen Vorstellung von Intels aktueller Sockel-2011-Plattform auf Basis des Haswell-E betritt auch ein - nein zwei neue Sockel die Bühne. Zum einen ist dies der Sockel-2011-v3, der, von Intel entwickelt und für die Boardpartner freigegeben, die neuen Prozessoren unterstützt. Zum anderen ist das ein erweiterter Sockel 2011, welcher auf den aktuellen Haswell-E-Boards von Asus zum Einsatz kommt - doch wie sieht es mit der gesetzlichen Händler-Gewährleistung und der freiwilligen Herstellergarantie seitens Intel aus? Ein Statement von Asus klärt auf.


    Update vom 02.09.2014:
    Bereits gestern Abend erreichte uns folgendes Update von Asus, welche die unten im Originalartikel erwähnten Aussagen noch einmal konkretisierten. Wir geben diese unveränderten Wortlaut hier wieder.

    Die Stellungnahme von Intel weist ausschließlich darauf hin, dass sie den OC-Socket nicht validieren, da es sich um ein Eigendesign von ASUS handelt. Hierbei handelt es sind um keine Stellungnahme zur Garantie, sondern eine Aussage zum Validierungsprozess rund um Intels eigenes Referenzdesign und deren Spezifikationen.

    • Intel validiert keine Mainboards - nur den Referenz-Sockel selber. Dieser Umstand könnte auch zu folgender Situation führen: Ein eigenentwickeltes und unzureichend validiertes VRM-Design mit Referenz-Sockel beschädigt einen Prozessor. Durch die umfassende Qualitätskontrolle und Validierungsprozesse durch ASUS ist ein solches Szenario aber nicht möglich.
    • Intel validiert keinerlei Optimierungen von ASUS (oder anderen Mainboard-Herstellern) - wie z. B. eigene VRM-Designs, BIOS/UEFI-Optimierungen, Platinen-Layouts oder Speicher-Topologie-Designs.

    Die Garantie von Intel bleibt hierdurch unverändert.


    ++++++++
    Originalartikel vom 29.08.2014: Die Heimstatt der Haswell-E-Prozessoren auf den vier neuen Asus-Mainboard wurde vom Hersteller in der Vorabpräsentation auf einem technischen Seminar in London noch mit X-Socket II bezeichnet, an anderer Stelle während der Präsentation auch als O.C.-Socket. In einer der gezeigten Präsentationsfolien steht ausdrücklich, dass der O.C. Socket "Intel LGA 2011-v3 compatible" (kompatibel) sei - nicht aber, dass es sich dabei um einen Sockel 2011-v3 handele.

    Denn das ist auch nicht korrekt. Die neuen Haswell-E-Prozessoren Core i7-5960X, -5930K und -5820K passen problemlos in den Sockel, der auch vom Befestigungsmechanismus und der Kühlermontage her dem Intelschen Pendant gleicht. Während unserer Tests liefen sie auch samt starker Übertaktung völlig unauffällig, doch es gibt eine Besonderheit. Im Gegensatz zu ihren Sockel-2011-Vorgängern aus der Sandy- und Ivy-Bridge-Generation verfügen die Haswell-E-Prozessoren über 73 weitere Kontaktflächen an der Unterseite, die bei der von Intel spefizierten und validierten Version des Sockel 2011-v3 einfach brach liegen. Der O.C. Socket von Asus hingegen verfügt über zusätzliche Beinchen, welche die ansonsten ungenutzten Kontaktflächen berühren. Laut Asus wird so die Spannungsversorgung für die CPU-Kerne und die DDR4-Speichercontroller stabilisiert, sodass sich die Asus-Boards laut Hersteller besser für starke Übertaktungen insbesondere bei hohen Spannungen eignen sollen. Auch sei es möglich, bei Vollbestückung aller Speicherbänke und hohem DDR4-Takt niedrigere Spannungen zu fahren als beim Standard-Sockel-2011-v3.

    Weiter Informationen speziell zum Sockel 2011 in der Asus-Variante finden Sie in einem gesonderten Artikel.

    Sockel 2011 im Vergleich

    before
    after

    Betrieb außerhalb der Spezifikationen - selbst bei Standard-Takt?

          

    Wir stehen seit letzter Woche in regem Kontakt mit Asus und Intel, weil sich bei vom Asus modifizierten Sockel die Frage stellt, ob dieser unter die Intel-Prozessorgarantie und auch die Händlergewährleistung fällt oder ob sich im Falle eine Defekts die Vertragspartner damit herausreden könnten, dass der Betrieb in einem Mainboard mit "O.C. Socket" nicht mehr unter die normalen Spezifikationen fällt. Die beiden Pressevertreter konnten uns diese Frage auf Anhieb nicht beantworten und schalteten deshalb die jeweiligen Hauptquartiere ein - und auch nun, gut eine Woche später, gibt es keine konkreten Aussagen beider Hersteller zu speziell dieser Thematik. Intel äußert sich allgemein und verweist auf seine Garantiebedingungen und Asus versprach uns für den heutigen Freitag ein offizielles Statement, welches bislang aber noch nicht eingetroffen ist.

    In der Regel kommt das Argument "Betrieb außerhalb der Spezifikation" zum Tragen, wenn ein Prozessor übertaktet wird. Einen hardwareseitig modifzierten Sockel vonseiten eines Mainboard-Hersteller hat es unseres Wissens in diesem Jahrtausend noch nicht gegeben. Erfüllt ein solcher auch die Ausschlußbedingung von Garantie und Gewährleistung?

    Sockel 2011: CPU-Pads im Vergleich

    before
    after


    Sockelspuren: Bei IVB-E nach einem Jahr bereits deutlich zu sehen, bei HSW-E nach knapp zwei Wochen Nutzung eher zu erahnen. Vergleichen Sie unsere Hervorhebungen mit den Pads direkt rechts davon, die in einem Standard-Sockel-2011-v3 keinen Kontakt zu den Sockelfederchen haben. Sockelspuren: Bei IVB-E nach einem Jahr bereits deutlich zu sehen, bei HSW-E nach knapp zwei Wochen Nutzung eher zu erahnen. Vergleichen Sie unsere Hervorhebungen mit den Pads direkt rechts davon, die in einem Standard-Sockel-2011-v3 keinen Kontakt zu den Sockelfederchen haben. Quelle: PC Games Hardware Eine juristisch wasserdichte Antwort auf die Gewährsfrage können wir zurzeit nicht geben, sondern Sie allenfalls für die allgemeine Relevanz dieses Themas sensibilisieren. Denn zumindest für ältere Sockel-2011-Prozessoren steht fest: Man kann mit bloßem Auge sehen, welche Pads tatsächlich Kontakt mit einem Sockelbeinchen hatten. Die Sockel-2011-v3-CPUs sind noch zu kurz im Einsatz, um hier schon entsprechende Aussagen treffen zu können, wir meinen jedoch, ebenfalls entsprechende Spuren erkennen zu können.

    Da die Prozessorgarantie eine freiwillige Leistung seitens Intel ist, kann der Hersteller hier nach Belieben Ausschlusskriterien festlegen (siehe nächster Absatz und unseren gesonderten Kommentar), doch ob und inwieweit sich der Handel diese Argumentation zu eigen machen wird, wenn es um die gesetzliche Gewährleistung geht, können wir zurzeit nur vermuten. In der Regel wird auch hier eine "bestimmungsgemäße" Verwendung vorausgesetzt - auf der sicheren Seite dürften Sie also allerspätestens sein, wenn Sie beispielsweise ein explizites Bundle aus CPU und Mainboard bei ein- und demselben Händler erwerben. Alternativ können Sie versuchen, mit dem entsprechenden Händler vor dem Kauf in Kontakt zu treten und explizit zu vereinbaren, dass die Zusammenarbeit von Mainboard und CPU und etwaige Sachmängel daraus von der Gewährleistung übernommen werden. Spätestens so, nämlich durch eine vereinbarte Beschaffenheit, sollte nämlich der Betrieb der von Ihnen gekauften Kombination durch die Händlergewährleistung abgedeckt werden.

    Intels Standpunkt

          

    Intels Aussage zu diesem Thema fällt auch in diesem Falle wie üblich aus und wurde vom PR-Manager Thomas Kaminski auch für unseren Fall noch einmal bekräftigt:

    Nur von Intel validierte Hardware und innerhalb der Intel Spezifikationen kann eine Intel Hardware-Garantie ihre Gültigkeit behalten.

    Speziell zum Sockel 2011-v3 liegt uns folgende Aussage von Intel vor, die über das Hauptquartier eingeholt wurde:

    Intel tested and validated its NEW Core i7 Extreme desktop processors with the Intel socket 2011-v3 only to bring the best performance and experience possible to the end user. Support for other socket designs is beyond the scope of Intel's validation effort on the HSW-E platform.

    [Intel hat seine neuen Core i7 Extreme-Prozessoren nur mit dem Intel Sockel 2011-v3 validiiert und getestet, um dem Endnutzer die beste Leistung und die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Unterstützung für andere Sockel-Designs wird nicht von Intels Validierungsprozess für die HSW-E-Plattform abgedeckt.]

    Das klingt zunächst einmal nicht allzu positiv, zumal bei einem eventuellen Gewährleistungsfall oder einer Garantieleistung der zuständige Prüfer bei einem Produkt für 350 bis 1.000 Euro sicherlich genauer hinsehen wird als wenn es sich um einen Prozessor im zweistelligen Eurobereich handelt. Doch die in letzter Minute eingetroffenen Aussagen von Asus nehmen dem Thema etwas die Brisanz.

    Die Position von Asus

          

    Asus Technical Seminar RVE Overview Asus Technical Seminar RVE Overview Quelle: PC Games Hardware Der Mainboard-Hersteller reagierte zunächst recht entspannt auf unsere Anfrage und sah keine echten Probleme. Das änderte sich jedoch, nachdem wir Asus mit dem oben genannten Statement von Intel konfrontierten. Auch hier wurde schnell das Hauptquartier eingeschaltet. Denn ursprünglich hatte sich Asus wohl auf die Prozessor- und Chip(satz)-Logos verlassen, welche Intel normalerweise für entsprechende Mainboards freigeben muss. Da diese Logos auf den Asus-Verpackungen prangen sollten, war man sich im Marketing und der PR sicher, die Intelsche Freigabe erhalten zu haben.

    In letzter Minute erreichte uns die vorerst nur in englisch vorliegende Stellungnahme von Asus - auf eine eigene Übersetzung verzichten wir bewusst, da diese eventuell rechtliche Relevanz besitzt. Wir reichen sie schnellstmöglich nach, sobald Asus Deutschland die Freigabe dafür erteilt.

    1. Is OC-Socket co-develop with/validated by Intel?
    No, this is ASUS feature, just like our power design or the rest of ASUS features. We are dedicated to provide the best to our users as always. This feature went through very comprehensive testing and validate in ASUS lab and we have no doubt because we know and guarantee it's fully compatible with all Intel LGA2011-3 CPUs

    2. Will ASUS cover if there is the compatibility issue with CPU or if this design damage the CPU?
    Our warranty policy principle will be the same, if any issue happen DURING NORMAL AND PROPER USE, we will take care of it. However, we are fully confident about the compatibility and this feature won't damage the CPU during normal and proper use.


    Betroffen von dem Problemfall sind alle neu vorgestellten Asus-Boards mit "Sockel 2011-v3" die jeweils über den O.C.-Sockel verfügen, namentlich das

    • Asus X99 Rampage V Extreme
    • Asus X99-Deluxe
    • Asus X99-Pro
    • Asus X99-E WS
    • Asus X99-A

    Fazit: Garantiefragen zu, Asus X99-O.C-Socket

          

    Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Garantie für das Asus-Mainboard ist von der Intelschen unberührt, ebenso die ohnehin verfallende Garantie und Gewährleistung beim Overclocking. Es geht rein darum, ob bereits der Betrieb einer Haswell-E-CPU auf einem der genannten Asus-Mainboards die Herstellergarantie, welche Intel auf Boxed-Prozessoren gibt sowie gegebenenfalls die Händlergewährleistung beeinflusst. Nach aktuellem Stand der Dinge müssen wir davon ausgehen, dass dies der Fall sein wird.

    Doch das englische Asus-Statement stimmt uns optimistisch, dass kein Endkunde auf einer defekten CPU sitzenbleiben wird, die aufgrund der ordnungsgemäßen Verwendung in einem Asus-Mainboard beschädigt wurde.

    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    Mainboard-Kaufberatung 2016: Gaming-Boards für Sockel 1151, 2011-v3 und mehr [Juli]
  • Stellenmarkt

    Es gibt 17 Kommentare zum Artikel
    Von Grestorn
    Dann liefert Caseking die gesetzliche Gewährleistung, die sie sowieso leisten müssen. Die erweiterte, freiwillige…
    Von schon-alles-vergeben
    was ist denn wenn man sich ein set kauft?so wie bei casekingCaseking.de » Mainboards » Asus » King Mod OC Aufrüst…
    Von lg36
    Wenn ich dann mal irgendwann im Frühling oder so aufrüste, würde ich mir trotzdem ein Asus Board kaufen wenn bis dahin…
    Von Manfred_89
    Das macht echt Sinn, da es für 6 bzw. 8 kernige Vaiate nur eine native Variante gibt.
    Von Olstyle
    Wenn es heute morgen irgendwo auch nur semioffiziell gestanden hat dann gäbe es da bis jetzt schon hunderte News dazu.
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games Hardware 08/2016 PC Games 08/2016 PC Games MMore 08/2016 play³ 08/2016 Games Aktuell 08/2016 buffed 08/2016 XBG Games 03/2016
    PCGH Magazin 08/2016 PC Games 08/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1134111
Mainboard
[Update mit Asus-Stellungnahme] Haswell-E, Intels Sockel 2011-v3 und der Asus O.C.-Sockel "2084": Garantie- und Gewährleistungsfragen
Mit der heutigen offiziellen Vorstellung von Intels aktueller Sockel-2011-Plattform auf Basis des Haswell-E betritt auch ein - nein zwei neue Sockel die Bühne. Zum einen ist dies der Sockel-2011-v3, der, von Intel entwickelt und für die Boardpartner freigegeben, die neuen Prozessoren unterstützt. Zum anderen ist das ein erweiterter Sockel 2011, welcher auf den aktuellen Haswell-E-Boards von Asus zum Einsatz kommt - doch wie sieht es mit der gesetzlichen Händler-Gewährleistung und der freiwilligen Herstellergarantie seitens Intel aus? Ein Statement von Asus klärt auf.
http://www.pcgameshardware.de/Mainboard-Hardware-154107/News/Haswell-E-Intels-Sockel-2011-v3-und-der-Asus-OC-Sockel-2084-Garantie-und-Gewaehrleistungsfragen-1134111/
02.09.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/08/CPU-Pad-Differenz-pcgh_b2teaser_169.jpg
news