Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

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Das Internet in Deutschland steht vor einem Umbruch, ausgelöst von einer neuen Tarifstruktur der Deutschen Telekom. Das Thema ist in der Breite binnen wenigen Stunden an jeder Stelle angekommen und wird entsprechend ausgiebig verarbeitet. Eine Gängelung des Kunden lässt sich der Telekom vorwerfen, aber scheinbar sind die wahren Gründe für den Plan der Telekom ganz woanders zu suchen und bedrohen sogar die Neutralität des Netzes.

Der Vorstoß der Deutschen Telekom, die Festnetzinternettarife mit einem Volumen zu versehen und bei Überschreitung mit einer Drosselung auf 384 KBit/s zu drohen, erhitzt zahlreiche Gemüter und sorgt für Diskussionsstoff, wie man ihn sonst nur von nationalen Grundsatzdebatten erwarten würde. Medial wird das Thema jetzt von allen Seiten beleuchtet und Blogger, Kolumnisten, Politiker und Netzexperten teilen ihre Meinungen über den Vorstoß des Bonner Telekommunikationsriesen. Scharf diskutiert wird auch bei den Kunden und in Foren und überall ist eines gleich: Lob streicht die Telekom keines ein.

So läuft mittlerweile eine Petition, die die Deutsche Telekom davon überzeugen soll, dass die womöglich ab 2016 umzusetzenden Pläne wieder rückgängig machen sollen. Fast 10.000 Unterschriften sind zum aktuellen Zeitpunkt schon erreicht. Auch im politischen Berlin ist das Thema binnen kürzester Zeit angekommen. Die Opposition fordert einen "gesetzgeberischen Handlungsbedarf zur Sicherung der Netzneutralität" und die Politiker überziehen dabei vielleicht nicht einmal, wenn man versucht, die Gründe der Telekom zu finden. Sogar von Branchenorganisationen wie dem FTTH Council Europe weht den Bonnern der Wind ins Gesicht. Mit der Drosselung auf 384 KBit/s würde die Telekom den Internetzugang quasi stilllegen und dem Kunden nur noch Zugang zu den eigenen Diensten gewähren.

Die neuen Internettarife der Telekom: Endkundengängelung als Nebenprodukt

Die Kernfrage ist also: Warum tut sich die Telekom einen solchen Imageschaden an? Dass solche Entscheidungen bei den Kunden unpopulär sind, ist ja schließlich absehbar - selbst wenn die niemals das kritische Volumen erreichen werden und die Telekom vielleicht auch niemals mit der Drosselung zuschlägt. Das wird die Telekom gewiss den einen oder anderen Kunden kosten. Netzspezialisten sehen das Problem in der Aufstellung und Ausrichtung der Telekom, die nun erstmals nach außen sichtbar wird. "Managed Services" soll das Zauberwort sein, um das sich alles dreht. Viele erinnern sich an den immer noch schwelenden Streit zwischen Internet Service Providern und Googles Videoplattform Youtube. Die wird für teils über 50 Prozent des entstehenden Internet-Traffics verantwortlich gemacht und so forderte man Geld für die ungedrosselte Durchleitung der Daten. Die Telefonica-Tochter Orange etwa hat eine Einigung mit Youtube erreicht.

Mit Managed Services lässt sich offenbar das große Geld verdienen. Die Deutsche Telekom bietet solche Dienste selbst an, etwa Entertain oder VoIP-Telefonie, aber ein Großkunde kann sich auch bei der Telekom einkaufen. Spotify etwa hat das getan und zahlt an die Bonner. Im Gegenzug wird im Mobilnetz der auflaufende Traffic ungedrosselt durchgeleitet und dem Kunden nicht auf sein Volumen angerechnet. Einen ähnlichen Deal wird man sicher auch mit Youtube anstreben wollen - Geld gegen unbegrenzten Datendurchfluss. Mit solchen Abschlüssen - im Grunde B2B - lässt sich mehr Geld verdienen als mit ein paar verlorenen Kunden. Und mit Kunden, die monatlich ihren Tarif wieder für hypothetische 5 Euro aufstocken, auch. Hochrechnungen auf nicht ganz aktuellen Kundenstammzahlen kommen schnell auf enorme Summen pro Monat. So rechnet die Zeit vor, dass bei 3 Prozent Heavy-Usern unter 12,28 Millionen Breitbandkunden bei 9,99 Euro monatlich einen Umsatz von knapp 45 Millionen Euro auflaufen. Kein schlechter Wert, bei der Telekom aber Peanuts.

Die neuen Internettarife der Telekom: Mit Managed Services neue Geldquellen angezapft

Deswegen geht man davon aus, dass sich die Telekom mit den neuen Tarifen positioniert. Schließlich sind die Bonner kein reiner ISP mehr, sondern bieten eine breite Unterhaltungs- und Servicepalette. Derzeit allem voran Entertain mit seinen angeschlossenen Produkten. Die sind Managed Service und haben den Vorteil, dass sie nicht ins Volumen zählen. So bekommt etwa Videoload einen Vorteil vor der Konkurrenz wie Maxdome. Ein anderes Beispiel ist Cloudspeicherung: Wer bei der Telekom Platz in der Wolke bucht, hat keine Volumenprobleme. Das lässt sich beliebig fortsetzen: Telekom-VoIP oder Skype? Spotify oder Soundhound? Indes hat man die bei anderen, teils ja kostenlosen Anbietern, unter Umständen schon Probleme, denn diese werden sich bei der Telekom nicht um die Aufnahme in die Managed Sevices bemühen.

Apple hat das zum Beispiel gemacht mit iTunes. Der Shop zählt zu den Managed Services, wer also einen Film kauft, bekommt den am Handy oder Tablet nicht auf das Volumen angerechnet. Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Genau hier sieht man nun die Netzneutralität wanken, da die Telekom in der Position ist, eigene Services in den Vordergrund zu stellen und Einfluss auf den Datenverkehr in ihrem Netz zu nehmen. Da man bei der Telekom selbst immer darauf verweist, dass die Kapazitäten knapper werden und man reagieren muss, tut man das nun und schafft das zweiklassige Netz. Wer zahlt, der darf mit seiner Vignette auf die Datenautobahn, der Rest schlängelt sich über Bundesstraße zum Ziel. Da die Telekom nun auch keine "kleine Butze" ist, wie man umgangssprachlich sagen würde, hat sie eine gewisse Marktmacht mit ihrem Kundenstamm, der nicht nur in Deutschland sitzt, und kann so Druck aufbauen.

Weiterhin ist noch zu bedenken, dass das mehr oder weniger anonyme Surfen mit Managed Services beendet ist. Die Bonner müssen ja wissen, welcher Kunde was darf und in seinem Tarif stehen hat, um das Angebot zu realisieren. Jetzt kann man die Telekom für all diese Schritte verteufeln oder loben, da man nun versucht, nicht nur den Endkunden zu Kasse zu bitten, sondern auch die Datenverursacher. Wie die Zukunft aussieht, ist schwer abzuschätzen. Es hängt unter anderem auch davon ab, wie die Konkurrenz der Telekom agieren wird und ob man sich dem Konzept anschließt.

Da die Telekom in der Vergangenheit beim gewiss teuren Netzausbau Schwierigkeiten mit der Finanzierung deutlich machte und bis zu 80 Milliarden Euro vorrechnete, ist es nun wohl die Flucht nach vorne, um weitere Einnahmequellen zu erschließen. Über Endkunden und Mietgebühren für Netze lässt sich diese Summe offenbar nicht finanzieren. Endkundenpreise werden vom Markt diktiert und Mietgebühren von der Netzagentur. Die Zukunft des Internets wird auf jeden Fall spannend.

Verwendete Quellen: change.org, spdfraktion.de, zeit.de, c-netz-de,

• Aktuelle Meldungen zur DSL-Drosselung der Telekom finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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    • Kommentare (89)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von TRIPLE2012 Komplett-PC-Käufer(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        @Gordon-1979

        wie ich schon sagte, die Verträge laufen aus!

        Zitat
        ... dass dies automatisch um Zuge der Umstellung auf die IP-Technik bei Telefonie geschehen wird. Ist der Kunde umgestellt, wird der Altvertrag gekündigt und ein neuer angeboten ...
        Zitat
        Die Argumentation bei Bestandskunden, die die Telekom noch vor einigen Tagen anführte, ist damit hinfällig. Lediglich ein zeitlicher Aufschub von maximal zwei Jahren wird gewährt, da nicht allerorts gleichzeitig die Technik umgerüstet wird.
      • Von TRIPLE2012 Komplett-PC-Käufer(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        @Gordon-1979

        wie ich schon sagte, die Verträge laufen aus!

        Zitat
        ... dass dies automatisch um Zuge der Umstellung auf die IP-Technik bei Telefonie geschehen wird. Ist der Kunde umgestellt, wird der Altvertrag gekündigt und ein neuer angeboten ...
        Zitat
        Die Argumentation bei Bestandskunden, die die Telekom noch vor einigen Tagen anführte, ist damit hinfällig. Lediglich ein zeitlicher Aufschub von maximal zwei Jahren wird gewährt, da nicht allerorts gleichzeitig die Technik umgerüstet wird.
      • Von Rizoma Volt-Modder(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        Zitat von Gordon-1979
        Meine Freundin hat bei Alice im Call-Center gearbeitet und Unternehmen die die Telekom Leitung benutzen, müssen sich auch mit den Telekom Support herumschlagen und deren Leitung hat dadurch auch nur 3. Wahl genau wie der Support.
        Kabelnetz ist eine alternative aber sonst gibt es keine.
        Und ich habe eine Vertrag mit einer 16K Leitung und ANNEX-J 18 Mbit/s up und 3 Mbit down Ping 21ms.
        Vertrag ist selbst verlängert und Leistungsbeschränkung sind in den AGBs ausgeschlossen.
        Ich werde keine Änderung zustimmen.
        Na und Meine Freundin Arbeitet bei der TK und die dürfen sich mit unfähigen Providern rum ärgern die den Bockmist den sie angestellt haben der TK in die Schuhe schieben wollen. Ist ja auch einfach der TK die Schuld zu geben die ist ja immer schuldig .

        Ich wollte eigentlich Ursprünglich nur sagen das es so gut weil kein Anschlussgebiet gibt wo nur die TK Inet bietet und daher die ausrede bei uns gibt es nix anderes wir sind gezwungen den neuen TK-Tarif zu nehmen Blödsinn ist

        Zitat von Decrypter
        Mußt du ja auch nicht und Widerspruch gegen AGB Änderungen sind dein gutes Recht.
        Das bedeutet dann aber keinesfalls, das dein Vertrag in unveränderter Form einfach weiterlaufen wird. Dein Vertragspartner (wohl die Te..äh Drosselkom) wird dann den Vertrag kündigen, wenn sie nicht gewillt sind, den Vertrag aufgrund deines Widerspruches zu unveränderten Bedingungen weiterzuführen. Das ist dann auch ihr gutes Recht, genauso wie sie den Vertrag ohne Angabe von Gründen zum Ablauf der MVLZ bzw. der normalen Laufzeit wie auch du kündigen können. Von daher sind Aussagen wie bestehende Verträge bleiben unverändert bestehen, im Grunde nichts wert.
        das wird die TK aber nicht machen weil ein Kunde zu haben der unter den alten Tarifen weiter zahlt ist besser wie keinen Kunden zu haben
      • Von Decrypter Software-Overclocker(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        Zitat
        Vertrag ist selbst verlängert und Leistungsbeschränkung sind in den AGBs ausgeschlossen.
        Ich werde keine Änderung zustimmen.
        Mußt du ja auch nicht und Widerspruch gegen AGB Änderungen sind dein gutes Recht.
        Das bedeutet dann aber keinesfalls, das dein Vertrag in unveränderter Form einfach weiterlaufen wird. Dein Vertragspartner (wohl die Te..äh Drosselkom) wird dann den Vertrag kündigen, wenn sie nicht gewillt sind, den Vertrag aufgrund deines Widerspruches zu unveränderten Bedingungen weiterzuführen. Das ist dann auch ihr gutes Recht, genauso wie sie den Vertrag ohne Angabe von Gründen zum Ablauf der MVLZ bzw. der normalen Laufzeit wie auch du kündigen können. Von daher sind Aussagen wie bestehende Verträge bleiben unverändert bestehen, im Grunde nichts wert.
      • Von Gordon-1979 Volt-Modder(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        Meine Freundin hat bei Alice im Call-Center gearbeitet und Unternehmen die die Telekom Leitung benutzen, müssen sich auch mit den Telekom Support herumschlagen und deren Leitung hat dadurch auch nur 3. Wahl genau wie der Support.
        Kabelnetz ist eine alternative aber sonst gibt es keine.
        Und ich habe eine Vertrag mit einer 16K Leitung und ANNEX-J 18 Mbit/s up und 3 Mbit down Ping 21ms.
        Vertrag ist selbst verlängert und Leistungsbeschränkung sind in den AGBs ausgeschlossen.
        Ich werde keine Änderung zustimmen.
      • Von Rizoma Volt-Modder(in)
        AW: Die neuen Internettarife der Telekom: Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit des Webs

        was haben die Inettarife damit zu tun das o2 Leitungen der Telekom benutzt ? Und ehrlich bevor ich mir nen Vertrag mit eine Drossel zu lege nehme ich lieber einen der evtl. etwas langsamer ist aber keine
        Drossel hat
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