Komplexe Weltraum-Simulation Faster than Light: Offenbarung für Hobby-Kapitäne?
Faster than Light war eines der ersten erfolgreichen Kickstarter-Projekte und hat sich zu einem extrem beliebten Indie-Spiel gemausert. Doch was verbirgt sich hinter der altbacken aussehenden Weltraum-Simulation wirklich? PCGH macht den Test und berichtet von seinen über 40 Spielstunden mit FTL, die schnell erreicht sind.
Wir befinden uns in einem Kampf mit einem Rebellen-Kreuzer. Unser Schiff ist schwer lädiert: Im Raum der Lebenserhaltungssysteme und in der Waffenkammer brennt es lichterloh. Wenn wir die Feuer nicht löschen können, steht unser Kestrel-Kreuzer bald ohne Schilde und Sauerstoff da. Wir entscheiden uns dazu, die Schleusen zu öffnen und die Luft aus dem hinteren Teil des Schiffes abzulassen, in der Hoffnung, dass das Feuer dadurch erstickt wird. Der Plan scheint aufzugehen: Nach kurzer Zeit gehen die Feuer aus, die Systeme bleiben intakt. Zwar ist der Bereich des Raumschiffes nun luftleer, nach dem Schließen der Schleusen wird sich der Luftdruck schnell normalisieren. Doch das Glück ist uns nicht hold: Eine Rakete trifft den Raum mit den Lebenserhaltungssystemen und schaltet letztere aus. Dieser liegt tief im luftleeren Bereich des Raumschiffes, sodass er für eine Reparatur durch die Mannschaft unerreichbar ist. Das gesamte Schiff verliert nun kontinuierlich den noch verbleibenden Sauerstoff an Bord. Da wir keinen Reparatur-Roboter an Bord haben, gibt es keinen Ausweg: Wenige Minuten später ist die gesamte Mannschaft unseres Raumschiffes erstickt.
Das ist eine Situation, wie sie in Faster Than Light ständig vorkommt. Dass Sie kein Happy End aufweist, liegt daran, dass sie auch im Spiel oft genug kein gutes Ende gibt. Faster than Light ist nämlich küppelhart im Schwierigkeitsgrad. Es verzeiht kaum Fehler und der Anteil des Glücks im Spiel ist hoch. Im Einleitungstext des Spieles lassen sich die Zeilen des Entwicklers mit dem Inhalt "Verlieren gehört zum Spaß am Spiel. Und das meine ich so." lesen. Doch wobei handelt es sich bei diesem Spiel?
Faster than Light: Einleitung
Quelle: PCGH
Faster than Light: Offenbarung für Hobby-Kapitäne? (4)
Faster than Light spielt in einer Galaxie, die gerade von bösartigen Rebellen überrannt wird. Diesen gegenüber steht die Föderation, zu denen auch wir gehören. Unser Schiff flüchtet mit kriegsentscheidenden Informationen über mehrere Sektoren, um die Informationen dem Hauptkommando überbringen. Dabei haben wir ständig die Rebellen im Nacken: Lange Erkundungstrips in einem Sektor sind also tabu, da uns ansonsten die Feindflotte einholen. Diese lässt sich zwar bekämpfen und besiegen, da ihre Schiffe jedoch gut ausgerüstet sind und keine Ausrüstung und "Scrap" (engl. für Schrott, die Währung im Spiel) abwerfen, ist der Kampf bestenfalls ein Nullsummenspiel. Es gilt also, die hinterhereilende Rebellen-Welle zu meiden.
Das Spiel beginnt in einem Sektor, in dem zufallsbasiert verschiedene Markierungen verteilt sind. Diese lassen sich anspringen und beherbergen jeweils einen zufallsgenerierten Event, meistens ein Schiff, das bekämpft werden muss. Im Siegesfall gibt es diverse Ressourcen oder Ausrüstungsteile, mit denen sich das Schiff aufrüsten lässt. Oder auch nur simplen Treibstoff (Ja, es kann auch passieren, dass Sie das Spiel verlieren, weil Ihnen der Treibstoff ausgeht!). Raumkreuzer wird so immer stärker, sodass er (hoffentlich) auch in späteren Sektoren bestehen kann. Sie müssen also so lange wie möglich im Sektor zu bleiben, um möglichst viel Ausrüstung und Scrap anzusammeln, aber den Sektor rechtzeitig verlassen, um nicht von den Rebellen überrannt zu werden. Einen neuen Sektor erreichen Sie, indem Sie in der Sektor-Karte den mit "Exit" gekennzeichnete Markierung anfliegen. Von dort aus bringt Sie ein Klick auf "Next Sector" zur Karte, aus der Sie über mehrere Abzweigungen Ihr nächstes Ziel auswählen, um am Ende des Spieles hoffentlich das Flaggschiff der Rebellen zu zerstören.
Faster Than Light: Zusammen sind wir stark
Quelle: PCGH
Faster than Light: Offenbarung für Hobby-Kapitäne? (3)
Stärker wird dabei nicht nur Ihr Schiff, sondern auch die Mannschaft. Für jedes Ausführen einer Aktion wird das entsprechende Attribut des Mannschaftsmitgliedes gesteigert. So verbessern sich die Auf-/Nachladeraten der Schilde und der Waffen, wenn sie von einem entsprechend geübten Kamerad bedient werden. Beim Antrieb steigert sich mit der Fähigkeit des Besatzungsmitglieds die Ausweichrate und es verkürzt sich die Aufladezeit, ab welcher der FTL-Antrieb nach einem Sprung wieder zur Verfügung steht. Da die Attributsaufstufungen relativ selten stattfinden, ist es Pflicht, die Mannschaftsmitglieder zu spezialisieren.
Weitere Diversifizierung gibt es bei den Rassen. Jedes Volk hat Vor- und Nachteile: Die Menschen sind gute Allrounder, die Rockmen gute Kämpfer (150 HP) und aufgrund Ihrer Immunität gegen Flammen die ideale Feuerwehr. Die Engi sind gute Ingenieure und reparieren deswegen besonders schnell. In den Kämpfen haben sie wegen ihrer schwächlichen Statur meist das Nachsehen. Noch kampfschwächer sind nur die Zoltan, die mit 75 statt den üblichen 100 HP auskommen müssen. Jedoch wird jedes System, in dessen Nähe sie sich befinden, mit einem kostenlosen Energiepunkt versorgt. Die ameisenartigen Mantis stellen die ideale Kaper-Crew dar, da Sie doppelt so viel Schaden wie alle anderen Rassen verursachen. Die letzte "Standard"-Rasse sind die schneckenartigen Slugs, die mit ihren PSI-Fähigkeiten feindliche Besatzungsmitglieder auch ohne (oder gestörten) Sensoren verorten können.
Zuletzt gibt es noch die Crystal, die laut dem Spiele-Plot die antiken Vorfahren der Rockmen darstellen. Den Crystal begegnen Sie aber nur, indem Sie den Crystal Cruiser spielen, sowie auch in der Quest, die der Freischaltung des Crystal Cruisers dient.
Die meisten Schiffstypen starten mit drei oder vier Mannschaftsmitgliedern. Weitere Arbeitskraft kann während der Kampagne auf Planeten aufgelesen, von Sklavenhändlern gekauft oder von anderen Schiffen oder Stationen geborgen werden. Gegen Entgelt lassen Sie sich auch in sporadisch auftauchenden Stores anheuern. Das ist auch bitter nötig, da nicht selten ein oder mehrere Besatzungsmitglieder umkommen.
Komplexes Schiffsmanagement
Quelle: PCGH
Faster than Light: Offenbarung für Hobby-Kapitäne? (1)
Nicht nur das Verwalten der Mannschaft ist anspruchsvoll, auch das Management des Schiffes ist spannend. Über die Räumlichkeiten des Schiffes verteilt befinden sich diverse Subsysteme wie Lebenserhaltung (Luft), Waffen, Schilde und Antrieb. Diese können einzeln angegriffen und ausgeschaltet werden, sowohl vom Gegner als auch von Ihnen. Der Beschädigungsgrad beeinflusst die Kampfkraft Ihres Schiffes. Nach mehreren Treffern in der Waffenkammer kann es durchaus passieren, dass Sie für längere Zeit keinen Schuss mehr abfeuern können, solange bis die Waffensysteme wieder ausreichend repariert wurden. Bei Schäden am Schild lässt die Maximalstärke des Schildes nach, sodass dieser weniger Treffer als üblich verkraftet. Ein Schiff, dessen Antriebssysteme ramponiert sind, kann schlechter ausweichen und stellt so ein leichteres Ziel dar.
Weniger gravierend sind Treffer in der Krankenstation oder im Tür-Kontrollraum, der das ferngesteuerte Öffnen der Schiffstüren mit der Tür ermöglicht. Wenn der Tür-Kontrollmechanismus aber ausgeschaltet wird, während Sie die Türen zum Weltraum zum "Lüften" geöffnet haben, könnte es dennoch ein Problem darstellen, da Sie diese Türen dann nicht mehr schließen können. Der letzte wichtige Raum ist die Kammer für die Sauerstoffversorgung. Wird diese durch Schaden deaktiviert, beginnt das Sauerstofflevel im Schiff kontinuierlich zu sinken, bis entweder die Anlage repariert oder der Sauerstoff im Schiff aufgebraucht ist. Sehr gefährlich sind Feuer auf dem Schiff. Diese breiten sich immer weiter aus. Wenn es an verschiedenen Stellen gleichzeitig brennt, geraten Sie sehr schnell in Bedrängnis, da Feuer nicht ignoriert werden dürfen, und deshalb dringend an Schilden oder Waffen benötigte Manpower zum Löschen der Flammen eingesetzt werden muss.
Die angreifbaren Schiffssysteme ermöglichen viele verschiedene Taktiken, die das Ausschalten der gegnerischen Mannschaft zum Ziel haben. Dabei liegt es an Ihnen, ob Sie das Schiff mitsamt der Mannschaft zerstören, indem Sie die Hülle des Gegners auf Null bringen oder seinen Weltraumkahn verschonen und alleine dessen Besatzung ausschalten. Letztere Vorgehensweise bietet eine erhöhte Chance auf das Bergen von intakten Waffen oder anderer Ausrüstung.
Das Waffenrepertoire
Quelle: PCGH
Faster than Light: Offenbarung für Hobby-Kapitäne? (9)
Dem Gegner begegnet man mittels diverser Waffen. Laser- und Strahlwaffen werden von den Schilden abgeschwächt, kommen aber ohne Munition aus. Raketenwerfer durchdringen den Schild ungehindert, müssen aber mit Munition versorgt werden. Daneben gibt es noch EM-Waffen, die Systeme zeitweilig deaktivieren, ohne Schaden anzurichten. Die letzte große Waffengattung sind die Drohnen, deren Einsatz mit den "Drone Parts" ebenfalls eine Art Munition verbraucht. Die Drohnen und alle Waffen gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen. Sie finden die Waffen im Laufe der Kampagne zufällig, erobern Sie von anderen Schiffen oder kaufen Sie im Store. Da die Waffen mit Energie versorgt werden müssen, ist es notwendig, dass Sie ihre Systeme aufrüsten. Dabei besteht die Wahl zwischen mehreren schwachen oder wenigen starken Waffen. Wie Sie das Spiel spielen hängt, von Ihren Vorlieben, noch mehr aber von den Waffen ab, die Sie in der Kampagne finden. Sie werden sich nur höchst selten in der Position wiederfinden, ein "perfektes" Schiff zu besitzen. Meist müssen Sie sich mit deutlich weniger als dem Optimum arrangieren.
Fazit: Faster Than Light
Faster than Light zieht seine große Anziehungskraft vor allem aus dem knackigen Schwierigkeitsgrad in Kombination mit der kurzen Spielzeit. Das Spiel an sich ließe sich in etwa zwei Stunden durchspielen – sofern man so weit kommt. Durch die Vielzahl an Schiffen, Waffen und Rassen bleibt FTL immer spannend. Die technisch altbackene, aber zweckmäßige Grafik sowie der gute Soundtrack mit Anleihen aus der 8-Bit-Ära sorgen dafür, dass das Spiel meist unterschätzt wird. Unter der Haube bietet das Spiel ist das Spiel aber eine sehr komplexe Weltraumsimulation, die seine zehn Euro auf Steam auf jeden Fall wert ist. Tipp: Das Spiel ist regelmäßig Teil von Rabatt-Aktionen. Kürzlich gab es FTL auf gog.com für den Preis von 1,96 Euro. Spätestens hier ist das Preis-Leistungsverhältnis kaum zu überbieten.
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