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  • DRM-Zwang? Razer-Mäuse und -Tastaturen benötigen Internetzugang

    Die Webseite theorigin.de berichtet unter Verweis auf verschiedene Foren-Beiträge und Kundenbewertungen über Razer-Produkte, die ohne eine Internetverbindung und Account-Erstellung nicht ihren vollen Funktionsumfang entfalten. Grund hierfür sei die Software "Synapse", die als Cloud-Dienst fungiert. Eine DRM-Maßnahme wird von Razer dementiert.

    Die Account-Bindung von PC-Spielen ist seit Jahren gängiger Standard. Die Online-Plattformen Steam und Origin bieten über ihre Cloud-Dienste den Käufern die Möglichkeit jederzeit auf ihre Spiele zuzugreifen, wenngleich hierfür oftmals eine bestehende Internetverbindung notwendig ist. Blizzard wurde die Account-Bindung und der Onlinezwang sogar auf juristischer Ebene zum Verhängnis. Der Bundesverband Verbraucherzentrale mahnte Blizzard erst zuletzt ab, wegen fehlender bzw. unzureichender Kennzeichnungen auf Spiele-Verpackungen, die auf einen bestehenden Internetzugang hinweisen. Nunmehr scheint sich der Ärger rund um permanenten Internetzugang und Account-Bindung zu verschärfen.

    Der Peripherie-Hersteller Razer nutzt für seine Tastaturen und Gaming-Mäuse die eigens entwickelte Cloud-Software Synapse. Jene Software erfüllt im Grunde typische Cloud-Funktionen, wie die ständige Verfügbarkeit von persönlichen Einstellungen von jedem PC, der gerade genutzt wird. Allerdings scheint die Software stärker in die Funktionsbereiche einer Tastatur bzw. Maus einzugreifen, als angenommen. Ein Nutzer aus dem Forum von Overclock.net äußert sich wie folgt über seine neu erworbene Razer Naga 2012:

    "Ich habe mir gerade eine neue Naga 2012 Maus gekauft, die Software installiert und wurde direkt danach von einem Login-Bildschirm überrascht. Es gibt keine Möglichkeit, daran vorbeizukommen, um mit der Software die Maus zu konfigurieren, Optionen einzustellen, die Sensitivität zu verändern, Makros, etc.. Also erstelle ich einen Account und versuche, mich einzuloggen. Nichts. Mehrere Versuche, immer noch nichts. Ich mache neue Accounts mit verschiedenen Email-Adressen und es funktioniert immer noch nicht.

    Schlussendlich rufe ich Razer an, welche mir erzählen, dass der Server offline ist und ich kann die Maus nicht nutzen, bis dieser wieder verfügbar ist. Somit kann ich nur eine Standard Plug & Play-Maus bis dahin nutzen. Ich frage nach einer anderen Möglichkeit, die Maus offline zu nutzen und man sagt mir, dass es keine gibt. Die Maus soll offenbar auch offline funktionieren, wenn sie einmal aktiviert wurde, aber sie muss dafür vorher mein Profil hochladen und meinen Account aktivieren - ohne verfügbaren Server nicht möglich. Ich frage also einen Vorgesetzten, ob dies stimmt und frage erneut, ob es eine Möglichkeit gibt, die Maus offline zu nutzen. Er entschuldigte sich, dass es keine Möglichkeit gibt und sagt mir, dass das Call Center schließt, nur um dann aufzulegen. Ich bin schockiert darüber, dass Razer glaubt, dies seinen Kunden antun zu können. Nirgendwo auf der Verpackung steht, dass man eine Internetverbindung benötigt, um eine Maus zu "aktivieren". Wenn die Server in Zukunft offline gehen, dann steht jeder im Regen."


    Besteht keine Internetverbindung oder wurde zuvor kein Offline-Modus über eine Registrierung eingerichtet, kann der Käufer keine der erweiterten Funktionen nutzen. Gleiches gilt, wenn beispielsweise eine Firewall die Kommunikation zwischen Synapse und den Servern verhindert. Auch dann lassen Maus bzw. Tastatur nur als Plug & Play-Gerät nutzen. Darüber hinaus scheint Synapse noch unter Kinderkrankheiten zu leiden. Kundenbewertungen werfen kein gutes Licht auf Bedienung und Installationsroutine:

    "Die Razer Synapse-Software lässt sich leicht herunterladen, aber frustrierend nutzen. Das Konzept ist toll: Lade Synapse herunter und erstelle kostenlos einen Razer-Account, dann stelle deine Peripherie ein und die Server von Razer speichern dies automatisch, sodass du quasi deine Hardware mitnehmen kannst und einfach nur noch Synapse runterladen musst, um deine eigenen Einstellungen überall zu nutzen. In der Praxis ist Synapse aber langsam und hat eine schlechte Bedienung.

    Das Frustrierendste von allem ist aber, dass Synapse Schwierigkeiten hat, Razer-Peripherie zu erkennen. Als ich "DeathStalker Ultimate" getestet habe, musste ich Synapse dreimal an verschiedenen PCs installieren und hatte jedes Mal Probleme damit, die Software zu überzeugen, dass ich unser Review-Keyboard angeschlossen hatte. Ich konnte das Problem jedees Mal lösen, indem, ich entweder den PC neu gestartet habe oder aber die Software neu installierte, aber es bereitete mir Kopfschmerzen. Lustig. All dieser Ärger für eine "nahtlose Erfahrung"."


    Per Facebook äußerte sich Min-Liang von Razer zu den angesprochenen Problemen:

    "Wir haben unseren Onboard-Speicher für Gamingmäuse vor vielen Jahren erfunden und nannten ihn Synapse, um Spielern ihre Profile überall mitzugeben. Wie auch immer, wir haben realisiert, dass wir immer mehr Speicher einbauen mussten, um mehr Platz zu bieten - und das resultierte in höhere Preise für Spieler. Dann entwickelten wir Synapse 2.0, wo wir fast unendlich viel Platz für Profile, Makros, etc. in der Cloud anbieten konnten und nicht von physischem Speicher zurückgehalten wurden.

    Wir wollten es vermeiden, die Preise für Spieler für mehr Speicher zu erhöhen (Denkt darüber, als hättet ihr die Wahl, größere und größere Festplatten kaufen zu müssen, oder aber die Dinge in der Cloud zu speichern) und können so auch einen besseren Service für unsere User bieten. Synapse 2.0 ist kein DRM. Unsere Produkte funktionieren perfekt ohne Synapse 2.0. Synapse 2.0 bietet ZUSÄTZLICHE Funktionen [...] was der Entfernung von Funktionen widerspricht (was DRM darstellt).

    Wir wissen, dass Spieler ihre Hardware ohne Online-Zwang nutzen wollen und darum hat Synapse 2.0 einen OFFLINE-Modus. Man muss sich Registrieren, einen Account erstellen, die Anfangseinstellungen speichern und wenn man möchte, kann man dann die ganze Zeit im Offline-Modus bleiben, ohne Online gehen zu müssen. Ich weiß, dass wir Probleme mit dem Aktivierungsserver hatten und wir gehen sicher, dass das nicht wieder vorkommt."


    Weiterhin fraglich bleiben auch die unterbliebenen Hinweise auf der Verkaufsverpackung bezüglich Internetverbindung und der zwingenden Einrichtung eines Accounts. Es bleibt abzuwarten, ob auch hier noch juristische Auseinandersetzungen folgen. Es handelt sich augenscheinlich um den ersten Fall einer Kopplung von Hardware mit Online-Accounts. Den vollständigen Bericht finden Sie auf der Webseite von theorigin.

    Quellen: Übersetzung theorigin.de, techdirt.com

  • Es gibt 105 Kommentare zum Artikel
    Von Deimos
    Das sehe ich gleich.
    Von Research
    Was nicht heißen soll nicht bis zum letzten Mann dagegen zu kämpfen.
    Von Deimos
    Wenn du nicht einzelne Sätze aus dem Kontext reissen würdest, würdest du vielleicht auch verstehen was ich schreibe…
    Von matty2580
    Du hast es recht gut zusammengefasst.Als Synapse auf CB vorgestellt wurde, hat dass dort niemanden interessiert.Test:…
    Von Veriquitas
    Es ist auch so das die Hardware dir gehört Spiele gehören aber dem Entwickler oder meistens Publisher.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Research
        Was nicht heißen soll nicht bis zum letzten Mann dagegen zu kämpfen.
        Das sehe ich gleich.
      • Von Research Lötkolbengott/-göttin
        Was nicht heißen soll nicht bis zum letzten Mann dagegen zu kämpfen.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Veriquitas
        Ganz normal für MMORPGS der Größe wurde schon in den 90gern gezahlt. Erzähl kein Mist. Es ist ein unterschied ob ich Spiele anbiete oder Hardware.
        Wenn du nicht einzelne Sätze aus dem Kontext reissen würdest, würdest du vielleicht auch verstehen was ich schreibe und dass es mir nicht explizit um MMORPGs geht.

        Zitat von usopia
        @Deimos: klar gibt es einige Gemeinsamkeiten, trotzdem sind Hard- und Software halt grundverschieden. Für ein DRM bei Hardware gibt es mMn absolut keine Rechtfertigung seitens der Hersteller, bei Software ist das wie gesagt wenigstens der Kopierschutz.
        Ich behaupte nicht, dass Hardware und Software nicht verschieden sind, sondern dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis bei beiden eine Onlineverbindung akzeptiert wird.
        Eine wirkliche Legitimation sehe ich auch bei Software nicht zwingend, zumal es andere technische Lösung gäbe.

        Zitat von usopia

        Ich glaube auch nicht, daß sich das durchsetzen wird bzw. daß die User das auf Dauer akzeptieren werden.
        Aber man wird sehen, von mir jedenfalls werden solche Peripherie-Geräte konsequent boykottiert.
        Und ich glaube, dass das jeder akzeptieren wird, früher oder später. Klar, nicht in einem Zeitraum von wenigen Monaten, aber in 5, 10, 15 Jahren? Locker.

        Ich meine, stört sich wer am DRM der Sandy Bridges? Oder daran, dass durch die Anti-Theft-Technologie der Prozessor heute schon technisch in der Lage ist, extern zu kommunizieren?

        Wer es für unvorstellbar hält, dass jüngere Generationen damit aufwachsen und Internetzwang bei Peripherie oder Hardware jeglicher Art als normal akzeptieren, denkt in meinen Augen nicht sehr weit. Zwang verliert das Zwanghafte, wenn es alltäglich ist .

        Dass es dann die "alte Garde" geben wird, die sich noch an CDs, USB-Sticks und sogar Disketten klammert, ist eh klar. Wir sind nunmal die Alten von morgen
      • Von matty2580 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Deimos
        Was meine These aber stützt Ist nur eine Frage der Zeit, bis das bereitwillig vom Grossteil der User akzeptiert wird.
        hättest du ohne Skepsis gesagt, dass du als Konsument einverstanden bist? In den meisten Beispielen war der Aufschrei zu Beginn gross, doch schon heute ist das täglicher Benutzeralltag, wo sich die wenigsten dran stören.
        Und so wirds auch bei Hardware sein, weil empirische Nutzerdaten einfach VIEL zu interessant sind, um ignoriert zu werden.
        In beiden Fällen ist die eingeschränkte Nutzbarkeit das Problem, nämlich ob ich meine Maus vollumfänglich verwenden kann, wenn ich nie online war oder ein Spiel nicht spielen kann, weil ich nie online war.
        Der Widerstand besteht nur so lange, wie keine Lösung implementiert wurde, die den Grossteil der User im Alltag nicht zu stark einschränkt oder der Onlinezwang sogar als mit Vorteilen behaftet verkauft werden kann.
        Du hast es recht gut zusammengefasst.
        Als Synapse auf CB vorgestellt wurde, hat dass dort niemanden interessiert.
        Test: Razer Naga 2012 und Logitech G600 (Seite 3) - ComputerBase
        Die Diskussion drehte sich dort nur um die Vor- und Nachteile der vorgestellten Mäuse, wie man in den Posts sehen kann.
        "Normale" User werden sich auch nicht sonderlich dafür interessieren, und machen den Quatsch einfach mit.
        Bestimmt wird es auch wieder einige User geben, die dass toll finden, und diese DRM verteidigen werden.
        Da gibt es Parallelen zum Softwarebereich. Und wenn andere Hersteller sehen, dass die Idee funktioniert, werden sie bestimmt ähnliche Software anbieten.
      • Von Veriquitas Volt-Modder(in)
        Es ist auch so das die Hardware dir gehört Spiele gehören aber dem Entwickler oder meistens Publisher.
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DRM-Zwang? Razer-Mäuse und -Tastaturen benötigen Internetzugang
Die Webseite theorigin.de berichtet unter Verweis auf verschiedene Foren-Beiträge und Kundenbewertungen über Razer-Produkte, die ohne eine Internetverbindung und Account-Erstellung nicht ihren vollen Funktionsumfang entfalten. Grund hierfür sei die Software "Synapse", die als Cloud-Dienst fungiert. Eine DRM-Maßnahme wird von Razer dementiert.
http://www.pcgameshardware.de/Eingabegeraet-Hardware-154122/News/DRM-Razer-Internetzugang-1035098/
11.11.2012
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