Spoiler: Neue Sicherheitslücke in Intel-CPUs entdeckt [Update]
Forscher des Worcester Polytechnic Institute und der Universität Lübeck haben eine weitere Sicherheitslücke in Intel-Prozessoren entdeckt. Sie hänge nicht direkt mit Spectre beziehungsweise Meltdown zusammen, nutze aber ebenfalls Funktionsweisen des Speichersystems aus. Spoiler lasse sich in sämtlichen Core-Modellen ausnutzen. AMD und ARM-basierte CPUs scheinen nicht betroffen zu sein.
Update vom 18.03.19:
AMD und Intel haben sich seit dem Bekanntwerden zur Sicherheitslücke Spoiler geäußert. AMD untermauert die Aussagen der Forscher, dass die hauseigenen Prozessoren bis hin zu den Ryzen-Modellen nicht betroffen seien. Intel, dessen Stellungnahme forbes.com vorliegt, erwartet, dass die Kombination aus Software-Patches und Schutzmechanismen der DRAM-Hersteller gegen Rowhammer-Angriffe vor Spoiler schützen würden.
Originalartikel vom 07.03.19:
Nach dem Bekanntwerden der Sicherheitslücken Spectre und Meltdown muss sich Intel nun mit einem dritten Namen abfinden: Spoiler. Den Namen haben Sicherheitsforscher des Worcester Polytechnic Institute und der Universität Lübeck für eine Lücke gewählt, die Intels Speicher-Sub-System innerhalb der Prozessoren betrifft.
Dritte große Sicherheitslücke in Intel-CPUs entdeckt
Spoiler nutze die Vorhersage von Speicheradressen in den Registern von Intels Prozessoren aus. Es geht konkret um die Zuordnung von physischen und virtuellen Adressen. Diese lasse sich durch gezielte Angriffe manipulieren, wodurch die CPUs Ausweichprozesse starteten, um keine Berechnungen auf Basis der falschen Adressen durchzuführen. An dieser Stelle könnten Angreifer durch das Auslesen von Zeiten verschiedener Lade- und Speicherzeiten im User Space an sensible Informationen gelangen. Das alleine sei noch kein allzu großer Grund zur Besorgnis. Problematisch sei die Sicherheitslücke jedoch, weil damit zum Beispiel Rowhammer-Attacken um ein Vielfaches beschleunigt würden. Demnach genüge bereits bösartiger Javascript-Code auf einer Webseite, um beispielsweise Passwörter auszulesen. Selbst in virtuellen Maschinen seien Nutzer nicht geschützt.
Betroffen seien sämtliche Prozessoren auf Basis der Core-Architektur, die bis zu den Core-2-Duo-Modellen zurückreicht - dementsprechend auch Coffee Lake-S und Skylake-X. Der Angriff nutze integrale Funktionsweisen von Intels Speicher-Sub-System aus, weshalb eine Software- oder Microcode-Lösung erheblich Leistung kosten würde, wenn sich eine solche überhaupt umsetzen ließe, so die Forscher. Der Chiphersteller sei am 01. Dezember informiert worden. Das Paper erschien nach der gängigen Schonfrist von 90 Tagen. Eine CVE-Nummerierung als offizielle Anerkennung der Sicherheitslücke gibt es noch nicht. AMD und ARM-basierte Prozessoren sollen durch abweichende Funktionsweisen nicht betroffen sein.

Du scheinst das gar nicht zu kapieren. Warum sollte man per JavaScript auf deiner Festplatte dein PayPal-Passwort auslesen können???
Der Angriff funktioniert ganz anders: Wenn dein Browser auf einer Seite ist, auf der über ein Werbebanner böser Code ausgeführt wird (von dem die Seite selbst vielleicht nichts weiß), greift der Prozess, der diesem JavaScript zugewiesen ist, durch trickreiche Funktionsaufrufe, immer wieder auf die gleiche Speicheradresse zu.
Und durch diese Penetration kann ein Bit im Arbeitsspeicher! des PayPal-Prozesses oder Browser-Prozesses, oder wie auch immer, umkippen. Der Prozess, der eigentlich isoliert sein soll, ist somit aus seinem Gefängnis ausgebrochen und kann auf das System Einfluss nehmen.
Denkbar ist nicht nur, irgendwelche PayPal-Passwörter auszulesen, sondern das ganze Gerät zu übernehmen!
Wenn in einem Haus ein kleiner Spalt ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hineinkommt, gegenüber einem großen Loch, deutlich. Aber wenn derjenige klug ist, und eine Maus so trainiert hat, dass sie ihm den Schlüssel durch das kleine Loch holt, ist er auch drin. Er braucht kein großes Loch.
Die Rowhammer-Attacke wird durch die SPOILER-Lücke massiv verstärkt. Bisher konnten nur normale Consumer-Rechner (ohne ECC) angegriffen werden. Wobei kürzlich gezeigt wurde, dass mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit ein Angriff auf ECC-Systeme praktisch auch möglich ist. (Wobei das tendenziell so selten funktioniert, dass es eher unwirtschaftlich wäre.)
Laut den Forschern können sie aber durch SPOILER mit bis zu 100% Wahscheinlichkeit Bits fremder Adressbereiche manipulieren:
Im Prinzip kann ich froh sein, dass ich ein AMD Ryzen-System mit ECC mein Eigen nennen kann - zwar ist es natürlich traurig, dass ECC insgesamt keinen 100%igen Schutz bietet, aber immerhin ist ein Angriff auf mein System durch Ausnutzen von Rowhammer fast komplett ausgeschlossen, da die entsprechenden Umstände nicht auf meine CPU zutreffen.
Edit: Das Schlimme an einem beherrschbaren Rowhammer-Angriff ist übrigens, dass man schreiben kann - das Lesen wird da sogar nebensächlich...
Lieber Pu224: Hast ja recht mit Deiner Aussage. Aber darum geht es ja nicht alleine. Sondern das das Schliessen dieser ganzen Lücken Leistung kosten kann und wird. Gerade dafür haben aber Viele den Intelaufschlag bezahlt, um die schnellere CPU ihr Eigen nennen zu können. Dieser Vorteil erfährt jetzt seinen Meltdown (konnte ich mir nicht verkneifen
Gruß T.
Es pfrägt sich ein! Jedes mal wenn ich dieses Titel-Thema lese denke ich im ersten Moment wieder an eine neue Sicherheitslücke bei Intel. Ob wohl es immer der selbe Thread ist.^^
Toll... warum hat mein AMD keine neu erkannten Sicherheitslücken.. unfair wird Zeit das mal dieses da steht:
"AMD Sicherheitslücke endeckt: Joe F. aus dem Legoland endeckt auf der Suche nach dem Pharaonenschatz schwerwiegende Lücke in AMD CPUs"
Hinzu kommen 8 Spectre-NG Lücken, von denen 2 bisher erst public gemacht wurden.
Zusätzlich noch
ret2spec, SpectreRSB, NetSpectre (was durch den Spectre v1 fix abgemindert wird) und SGXSpectre.
Nicht vergessen sollte man auch die ganzen Sicherheitslücken in der Management Engine (ME) von Intel die jährlich gefixt werden (müssen).
.... und darfs noch etwas UEFI sein? Intels NUCs: Viele Mini-PCs mit fehlerhaftem BIOS-Schutz | heise online
Jetzt darf ich mir den Mist, von Leuten, die von der praktischen Bedeutung eher wenig Ahnung haben, noch länger anhören, ganz toll!
Lustigerweise laufen sie teilweise mit Sicherheitslücken herum, die größer sind als jedes Scheunentor, aber Hauptsache man kann sich über irgendwelche Sicherheitslücken echauffieren, die für Normalos theoretische Bedeutung haben.
Dass man Speicher ohne Fehlerkorrektur angreifen kann wird schon seit Jahrzehnten vermutet. Mit Rowhammer wurde 2015 dann ein Angriffsweg gefunden und jetzt kann man den Rowhammer noch zielführender einsetzen.
Rowhammer – Wikipedia
Wer hiervor angst hat, der sollte dann konsequenterweise auf das Übertakten oder Undervolten des Speichers und der CPU verzichten, beides macht anfälligr für Rowhammer.
Leute, die sich über soetwas sorgen machen müssen, haben eigentlich alle ECC (wobei auch das kein vollständiger Schutz ist).