Data Center first bei Intel: Desktop und Mobile geraten ins Hintertreffen
Intel stellt seine Strategie im Prozessorbereich um. Künftig heißt es "Data Center first": Die Profisparte bekommt mehr Gelder zugesichert und darf neue Fertigungsprozesse als erstes einsetzen. Los geht die Umstellung mit der dritten 10-nm-Fertigung (10++), gefolgt von der 7-nm-Generation. Desktop und Mobile müssen sich hinten anstellen.
In den letzten Jahren hat Intel seine neuen Fertigungsprozesse zuerst im mobilen Bereich für kleine, stromsparende Y- und U-Prozessoren eingesetzt. Zum einen konnte Intel dort in einer Zeit, in der es kaum Leistungssteigerungen gab, mit der verbesserten Effizienz werben und zum anderen bieten sich kleine Chips für neue Prozesse besonders gut an. Die Fehlerquote ist beim Anlauf noch hoch. Bei kleinen Flächen verteilen sich die Fehler auf mehr CPUs, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, funktionierende Prozessoren aus den Wafern zu gewinnen.
Auf seinem Investor Meeting 2017 hat Intel angekündigt, seine Strategie in Zukunft ändern zu wollen. PC Games Hardware berichtete bereits über einen Teaser der achten Core-Generation alias Coffee Lake. Den Kollegen von Golem sind die Aussagen zur Fertigungsstrategie aufgefallen. Das Motto lautet künftig "Data Center first". Die neuen Prozesstechnologien sollen also nicht mehr zuerst im Mobile- und Desktop-Bereich zuerst angewandt werden, sondern bei den großen Xeons. Darüber hinaus bekommt die Data-Center-Sparte mehr Gelder, etwa für die Entwicklung, zugesichert.
Solche Umstellungen müssen natürlich geplant werden. Intel geht davon aus, dass sie zum ersten Mal mit der dritten 10-nm-Generation alias 10++ zum Tragen kommen werden - bis dahin bleiben noch mehrere Jahre Zeit. Anschließend sollen 7 nm mit Xeon-CPUs debütieren. Laut eigenen Aussagen könne der Profibereich die höheren Produktionskosten besser tragen. Bei der Fertigung gebe es explizite Anpassungen, um den Debugging-Prozess bei großen Chips einfacher zu gestalten. Interessant wird, wie sich die Änderungen auf Intels High-End-CPUs mit sechs Kernen und mehr auswirken, die aktuell den kleinen Die der Xeons nutzen.
Ein Umdenken bei Intels Unternehmensausrichtung kann schon bald beobachtet werden: Cannon Lake als erste 10-nm-Generation soll hauptsächlich den Mobile-Markt bedienen und maximal als Zweikerner für Desktop erscheinen. Für mehr (Coffee Lake) müsse der 14-nm-Prozess als weiter optimierte Version (14++) herhalten. Die PDF-Präsentation zum Thema Data Center finden Sie hier, den Webcast als VOD hier (Registrierung notwendig, ca. 6:25 - 9:35 handelt von der Umstellung).
NVidias Tesla sind nur indirekt eine Bedrohung: Genau wie etwa Intels eigene Xeon Phi Beschleunigerkarten oder AMDs Profikarten verringern diese jedoch die Anzahl an Prozessoren drastisch, die benötigt werden um eine gewisse Rechenleistung zu erreichen. Während Intel damit keine Marktanteile verliert, gehen damit jedoch Einnahmen und damit Gewinn flöten
2017 kommen zudem noch andere Konkurrenten auf den Datacenter Markt: IBM startet dieses Jahr den POWER9, und in China wurde mit dem Sunway sogar der aktuell schnellste Supercomputer der Welt bestückt. Der Sunway ist eine Chinesische Eigenentwicklung mit 260 Prozessoren (4 64er Cluster + jeweils 1 Steuerprozessor auf einem Interposer). Gut möglich, dass China auf jenen Chip umstellen wird - und da sie einen riesigen Bedarf an Rechenleistung haben (sie führen momentan sogar die Top500 Liste an, nicht nur mit dem stärksten Supercomputer, sondern auch zahlenmäßig) könnte dies Inel eine Menge Kunden kosten.
Das dürfte auch der wahre Grund sein warum Intel nicht das Lizenzabkommen mit Nvidia verlängert hat. Man würde damit ja einen direkten Konkurrenten finanzieren und das will Intel mit Sicherheit vermeiden.
Stattdessen wird einem von Intel eine €1700,- teure 10-Kern-CPU, für viele Normalverdiener, ein Preis für einen komplett neuen PC, vor die Füße geworfen, à la: »Friss oder stirb!«