Interview mit AMD: "Ryzen ist die erste Wahl für euer nächstes Upgrade"
Mit Ryzen hat AMD seit Langem wieder eine konkurrenzfähige High-End-CPU in der Pipeline, deren Verkaufsstart allen Anzeichen nach nur noch wenige Wochen entfernt ist. Wir sprachen auf der CES 2017 in Las Vegas mit AMDs Technical Marketing Manager Robert Hallock über den neuen Chip - und was hinter dem Hype darum steckt.
Der Ryzen-Hype erreicht in diesen Tagen ungeahnte Höhen. Scheinbar sind nicht nur PC-Bauer, sondern auch Hersteller von Mainboards und anderen Komponenten froh darüber, dass AMD endlich wieder eine echte Alternative zu Intels Tick, Tock und Tock darstellt. Das bestätigte uns auch Robert Hallock, mit dem wir uns im Rahmen der CES zu einem Gespräch zusammensetzen konnten. AMDs langjähriger Technical Marketing Manager wechselte 2016 vom Grafik- ins CPU-Fachgebiet.
➤ Das Sprichwort stimmt: Konkurrenz belebt das Geschäft!
Robert Hallock: Gerade dann, wenn sich eine andere, neue CPU-Generation mit dem schnelleren Kodieren von Videos hervortut ... Meiner Meinung nach gibt es eine Menge Leute, die noch mit CPUs wie Ivy Bridge, Sandy Bridge, FX und Phenom 2 unterwegs sind - und denen möchte ich sagen: Ryzen ist die erste Wahl für euer nächstes Upgrade. Weil neben Preis und Leistung auch die Features stimmen - wir unterstützen USB 3.1 Gen 2, NVMe und M.2. Für Übertakter wichtig: Jede Ryzen-CPU ist unlocked, ihr müsst also kein teures Spitzenmodell kaufen. Und selbst die kleinste Version fährt bereits 3,4 GHz - dazu kommt dann noch der Boost-Modus.Ryzen ist die erste Wahl für euer nächstes Upgrade.
➤ Diese Infos sind ja schon seit dem AMD-Event in Sonoma kein Geheimnis mehr, gibt es ein paar offizielle Neuigkeiten?
Robert Hallock: Da wäre zum einen unser X370-Chipsatz, der neben den schon erwähnten Features auch den Einsatz mehrerer Grafikkarten per CrossFire und SLI unterstützt. Ebenfalls neu ist der X300-Chipsatz, der kleiner als mein Fingernagel ist - und der für den Einsatz in Systemen mit kleinem Formfaktor prädestiniert ist. Wer vergeblich nach einer ITX-Lösung mit FX-CPU gesucht hat, muss sich diese Sorgen bei Ryzen nicht mehr machen. Zum Ryzen-Start wird es über 50 Mainboards unserer Hardware-Partner geben.
➤ Ryzen hat 24 PCIe-Lanes - wie viele stecken im Chipsatz?
Robert Hallock: Zwischen vier und acht, die Mainboard-Hersteller je nach ihrem Dafürhalten für SATA, PCIe und NVMe nutzen können. Dazu kommen wie schon erwähnt USB-Anschlussmöglichkeiten. Um den Fall auszuschließen, dass ein Anwender eine High-End-CPU in einem Low-End-Board übertaktet, die dem Chip dann nicht genug Saft zur Verfügung stellt, ist das Overclocking auf X370, B350 und X300 begrenzt.
Quelle: PC Games Hardware
Ryzen überall auf der CES
➤ Mit Precision Boost und Extended Frequency Range kann Ryzen den Takt in 25-MHz-Stufen variieren und je nach Kühlung die Frequenzobergrenze anheben. Das passiert automatisch - wie kann man aktiv übertakten?
Robert Hallock: Wie bisher auch: Ihr legt den Bus-Takt, die Multiplikatoren und die Spannung fest - den Rest übernimmt die CPU. Extended Frequency Range kann meiner Meinung nach für die Anwender interessant sein, die keine langen Overclocking-Experimente mehr durchführen wollen. Die Chiptemperatur ist eine Größe, die ihr direkt kontrollieren könnt - und die ist proportional zur Spannung und damit dem CPU-Takt. Bei guter Kühlung übertaktet Ryzen sich also gewissermaßen von selbst. Das sind jetzt keine noch nie dagewesenen Frequenzen, aber Anwender, die ein gut gekühltes System aufgebaut haben, bekommen ohne Mehraufwand mehr Geschwindigkeit.
➤ Mini-ITX-Support, Overclocking von Low-End-CPUs, Mainboards mit modernen I/O-Möglichkeiten ...
Robert Hallock: ... viele meiner Kollegen und ich bauen selbst eigene PCs. Wir lesen, was ihr in den Foren, auf Facebook, Twitter, Reddit und per E-Mail schreibt und euch wünscht. Wir haben verstanden. Und wir gehen diese Liste Posten für Posten durch und versuchen, die damit verbundenen Probleme zu lösen. Und das ist uns meiner Meinung nach bei Ryzen gelungen. Natürlich wollen eure Leser von mir etwas über die Core Voltage, das Launch-Datum oder den Preis hören, aber darüber kann ich heute noch nichts sagen. Wohl aber, dass uns neben Mainboard-Herstellern auch die von Kühlern, Gehäusen und Fertig-PCs unterstützen.Wir wollen so transparent und ehrlich wie nur möglich darüber sein, was unsere Chips leisten können.
➤ Wer also am Launch-Tag nicht nur eine Ryzen-CPU kaufen, sondern sich damit einen PC bauen will ...
Robert Hallock: ... wird das machen können, keine Frage. Um noch einmal auf die Extended Frequency Range zurückzukommen: Wir haben die Umgebungstemperatur für Base und Boost Clock auf 32 Grad Celsius oder rund 90 Grad Fahrenheit festgelegt. Daheim habe ich 70 und in meinem PC 78 Grad Fahrenheit - damit habe ich schon von Anfang an thermischen Spielraum. Wer sein System mit einer Wasserkühlung betreibt, entsprechend mehr. Und wir werden euch konkret sagen, was das in Sachen Frequenz bedeutet - anders als Intel, die bei Turbo Boost 3.0 die Leute darüber im Dunkeln gelassen haben. Wir wollen so transparent und ehrlich wie nur möglich darüber sein, was unsere Chips leisten können. Und wir halten nichts davon, einen Messausreißer oder ein sorgfältig aufgebautes Testszenario als Standard zu verkaufen. Unsere Kunden sollen eine realistische Sicht der Dinge bekommen - und ich hoffe, dass sich diese Fairness auszahlen wird.
➤ Und, kriegen wir am ersten Tag dann zehn Overclocking-Weltrekorde zu sehen?
Robert Hallock: (grinst) Die Leute lieben das, ganz klar. Aber wie lange laufen dieses Systeme stabil? Zehn Minuten?
➤ Du hast von 50 Mainboard-Designs gesprochen. Tauchen die Hersteller damit gewissermaßen den großen Zeh ins Wasser und warten dann ab, ob und wie Ryzen sich verkauft? Oder haben sie sich voll und ganz der AM4-Plattform verschrieben?
Robert Hallock: Ich arbeite jetzt seit sieben Jahren bei AMD und kann euch ganz ehrlich sagen: Einen so großen Enthusiasmus wie jetzt habe ich von unseren Partnern schon sehr lange nicht mehr gesehen. Ihr habt in unserer Suite die System-Builder-Gehäuse aus aller Welt gesehen - die Hersteller drucken von sich aus das Ryzen-Logo darauf, das sind keine Modder-Cases. Ich habe noch keine Core-i7-Logos auf PC-Gehäusen gesehen. Kühlerhersteller Noctua bietet allen Käufern ihrer CPU-Kühler kostenlose AM4-Halterungen, wenn ihr ihnen den Kaufbeleg zeigt.Einen so großen Enthusiasmus wie jetzt habe ich von unseren Partnern schon sehr lange nicht mehr gesehen.
➤ Woher rührt ein solcher Enthusiasmus?
Robert Hallock: Schaut euch an, was Intel in den letzten CPU-Generationen an Leistungsverbesserungen abgeliefert hat. Selbst, wenn jemand noch einen Ivy-Bridge-Chip hat, ist der nicht besser oder schlechter als das, was Kaby Lake heute bietet. Die meisten übertakten den mit 4,5 GHz, haben eine prächtige Kühlung und fragen sich, warum sie auf Kaby Lake upgraden sollten. Viele dieser Leute arbeiten bei unseren Hardware-Partnern - und sehen, dass sie eine nun echte Wahl haben. Wir haben einige Jahre lang keine echte High-End-Desktop-CPU geliefert, aber jetzt sind wir wieder da. Und das freut uns alle auch ganz persönlich: Wir bauen daheim alle unsere eigenen PCs, um damit die neuesten Titel zu spielen - da fühlt es sich gut an, einen Chip "von uns" mit nach Hause zu bringen und einzubauen.
➤ Jetzt muss es AMD nur noch schaffen, wie die grüne Konkurrenz zu tönen und Projekte wie ein selbstfahrendes Auto anzukündigen. Damit sprecht ihr dann mehr Menschen als nur die eingeschworenen PC-Bauer an - und sorgt gleichzeitig dafür, dass diese AMD als vertrauenswürdig und zukunftsorientiert sehen.
Robert Hallock: Ich stimme dir hundertprozentig zu. Wobei es interessant ist, dass die Techies die lautstärksten Anwender sind. Und viele verstehen nicht, dass es für jeden von ihnen 50 andere gibt, die sich ein Komplettsystem im Elektronikmarkt kaufen. Denen müssen wir die Vorzüge von Ryzen auf andere Weise nahebringen.
➤ "Ryzen - von den Leuten, deren Chips im Innern eurer PS4, Xbox One und Wii U ticken." Robert, vielen Dank für das Gespräch.

CPUs sind mittlerweile verhältnismäßig langlebig. Man sollte daher nicht nur die derzeitigen Anforderungen, sondern auch die in 2-3 Jahren mit im Blick haben. Spätestens wenn Intel nächstes Jahr 6C CPUs in den Mainstream-Markt bringt, dürften einige Entwickler anfangen sich mehr Mühe bei der Verteilung der CPU-Last auch auf mehr als vier Kerne zu geben. Auch auf Hinblick auf die Konsolen wäre das durchaus sinnvoll. Für gewöhnlich wird zwar eher davon abgeraten mit zukünftigen Anforderungen zu planen, allerdings hat die erste 6C/8C-Generation durchaus das Zeug dazu so langlebig wie Sandy Bridge zu werden, denn durch Architektur-Optimierungen undTaktfrequenzsteigerungen ist in nächster Zukunft wenig zu erwarten.
Wobei ein Sandy Quad Core im Schnitt in Spielen auch "nur" 50-60% hinter einem 6950X ist. Nun gehen wir mal davon aus, dass Ryzen da nicht ganz heran kommt und man wird evtl. real 30-40% Vorsprung im Schnitt bieten. Ob Kunden dafür bereit sind eine CPU zu kaufen die sicherlich 50% teurer sein wird als ihre aktuelle war, ist imho fraglich. Aber gut vielleicht überrascht uns AMD ja mit 8c/16T für 400 Euro.
Und bloß weil das Forum hier "Extrem" im Namen hat, tauschen nicht alle Mitglieder nach 2 Jahren ihre Hardware. Selbst hier gibt es noch genug Leute die (zu Recht) mit ihrem Sandy Bridge System zufrieden sind. AMD scheint für diejenigen einen Grund liefern zu wollen aufzurüsten. Das machen sie mMn mit mehr als 4 Kernen genau richtig.
Warten wir mal bis zum 28.2. Dann können wir uns viel fundierter die Köppe aneinander hauen.
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