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  • Radeon R9 380X im Test: Muss sich die GTX 960 fürchten?

    AMDs Radeon R9 380X ist endlich im Handel. Über ein Jahr hat es seit der Veröffentlichung der R9 285 (Tonga Pro) gedauert, bis man die Tonga-XT-GPU im Desktop-Markt zu Gesicht bekam. Gepaart werden die 2.048 Shadereinheiten mit 4 GiByte Grafikspeicher. Kostenpunkt: rund 260 Euro. PC Games Hardware klärt im Test, ob sich das lange Warten gelohnt hat.

    Am 02. September 2014 um 14:00 Uhr deutscher Zeit hat AMD offiziell die Radeon R9 285 als Nachfolger der R9 280 veröffentlicht. Tonga Pro hat damals Tahiti Pro abgelöst, mit 1.792 Shadereinheiten die gleiche Anzahl an ALUs in die Waagschale geworfen, dafür ein aufgemöbeltes Front-End spendiert und wiederum zwei 64-Bit-Speichercontroller beschnitten bekommen. Während Radeon R9 285 also mit einem aktualisierten Funktions-Set (GCN 1.2 vs GCN 1.0) inklusive Freesync- und voller VSR-Unterstützung bis Ultra-HD daherkommt, hat die Hardware-Welt sehnsüchtig auf den Tonga-XT-Vollausbau gewartet, um zu sehen, was der Chip tatsächlich leisten kann, wenn man ihn lässt. Nachdem Tonga XT aber nur Kunden von Apples iMac 5K sowie bestimmten Alienware-Systemen zu Gesicht bekommen haben, gab es für den Retail-Desktop-Markt bislang nur Tonga Pro als R9 380 aufgewärmt.

    Radeon R9 380X im Test: Spezifikationen

          

    Jetzt, ein Jahr, zwei Monate, 17 Tage und eine Stunde später, ist es endlich soweit: AMD lüftet den Vorhang zur Radeon R9 380X alias Tonga XT. Dank umfassender Gerüchte und den Analogien zu Tahiti bergen die Spezifikationen keine Überraschungen mehr. 32 Compute Units fassen 2.048 Shader-ALUs und werden mit einem 256 Bit breiten Speicherinterface gepaart. Theoretisch sollten auch 384 Bit möglich sein, AMD könnte sich gegen einen "echten" Vollausbau aber zugunsten der PCB-Kompatibilität der R9 380 entschieden haben. Mit der aktuellen Vorgehensweise können die Boardpartner ihre 380er-Designs für die 380X übernehmen und müssen keine neuen entwickeln. Die Taktraten der Radeon R9 380X entsprechen denen der R9 380: Die GPU rechnet mit maximal 970 MHz, die 4 AMD Radeon R9 380X: Auswahl an Custom-Designs. Ein Referenzmodell wird es im Retail-Markt nicht gebenAMD Radeon R9 380X: Auswahl an Custom-Designs. Ein Referenzmodell wird es im Retail-Markt nicht gebenQuelle: AMDGiByte GDDR5-Speicher mit 2.850 MHz. Folglich steht der 380X nur die 14 Prozent höhere Kernleistung gegenüber der 380 zur Verfügung, beim Speicherdurchsatz herrscht Stillstand und somit ein Flaschenhals vor.

    Bei der Preisempfehlung unterscheidet AMD zwischen OC- und Non-OC-Varianten, die 269 beziehungsweise 259 Euro kosten sollen, wobei es ausschließlich Custom-Designs der Partner geben wird. Zwei davon haben wir im Testlabor: Asus' Radeon R9 380X Strix sowie Sapphires Radeon R9 380X Nitro. Einen kompletten Test dieser beiden Modelle finden Sie in der kommenden PCGH 01/2016.

    ModellR9 390R9 380XR9 280XR9 380R7 370GTX 960
    Preisempfehlung (Euro)330,-260,-200,- (Restposten)ab 180,-135,-185,-
    Codename (original)Hawaii ProTonga XTTahiti XTTonga ProPitcairn ProGM206-300-A1
    Fertigungstechnik/Chipgröße28 nm/438 mm²28 nm/359 mm²28 nm/365 mm²28 nm/359 mm²28 nm/212 mm²28 nm/228 mm²
    Transistoren Grafikchip (Mio.)6.2005.0004.3135.0002.8002.940
    Shader-/SIMD-/Textureinheiten2.560/40/1602.048/32/1282.048/32/1281.792/28/1121.024/16/641.024/8/64
    Raster-Endstufen (ROPs)643232323232
    Rechenleistung SP/DP (GFLOPS)5.120/6403.973/2494.096/1.0243.476/2181.943/1212.306/96
    Boost-Takt Grafikchip (Megahertz)1.0009701.0009709751.178
    Takt Grafikspeicher (Megahertz)3.0002.8503.0002.750/2.850 (2/4G)2.8003.506
    Speicheranbindung (parallele Bit)512256384256256128
    Speicherübertragungsrate (GByte/s)384182,4288176,0/182,4 (2/4G)179,2112,2
    Übliche Speichermenge (MiByte)8.1924.0963.0722.048/4.0962.048/4.0962.048/4.096
    TDP (Watt)275190250190110120
    PCI-Express-Stromanschlüsse1× 6- & 8-pol.2× 6-polig1× 6- & 8-pol.2× 6-polig1× 6-polig1× 6-polig
    Freesyncunterstütztunterstütztstark eingeschränktunterstütztstark eingeschränktnicht unterstützt

    Radeon R9 380X: Kühldesigns und Leistungsaufnahme

          

    Da uns kein Referenzdesign vorliegt, verzichten wir an dieser Stelle auf die Messung der Lautheit. Die beiden anwesenden, werkseitig übertakteten Karten haben jedoch bereits alle Messungen der Leistungsaufnahme hinter sich. Zur Orientierung: Die Sapphire R9 380X Nitro arbeitet relativ hoch getaktet, sie hält ihren Boost in allen Spieletests auf 1.040 MHz (+7 % OC) bei einem Speichertakt von 3.000 MHz (+5 % OC). Die Asus R9 380X Strix rechnet etwas gemächlicher, hier sind stets 1.030 MHz Kern- (+6 % OC) und 2.850 MHz Speichertakt (0 % OC) Programm. In den Benchmarks legen die beiden OC-Modelle dank dieser Übertaktung zwischen drei und fünf Prozent gegenüber Referenzkarten zu, wobei die Nitro stets schneller ist als die Strix. Letzteres erkauft sich die Karte jedoch durch eine höhere Leistungsaufnahme und Lautheit.

     Sapphire R9 380X NitroAsus R9 380X StrixSapphire R9 380 NitroEVGA GTX 960/4G SSCMSI GTX 960 Gaming 4G
    Leerlauf (Windows-Desktop)15 Watt15 Watt14 Watt10 Watt12 Watt
    Dual-Monitoring (Desktop)47 Watt42 Watt43 Watt12 Watt13 Watt
    Crysis 3 (1.920 × 1.080)210 Watt174 Watt171 Watt134 Watt134 Watt
    Anno 2070 (3.840 × 2.160)239 Watt199 Watt193 Watt133 Watt136 Watt

    Radeon R9 380X im Test: Benchmarks

          

    Wir haben die Radeon R9 380X mit zahlreichen weiteren Kepler-, Maxwell- und GCN-Grafikkarten aus der (gehobenen) Mittelklasse getestet. Zum Vergleich darf eine R9 280X als direkter Vorgänger natürlich nicht fehlen, zudem finden Sie die R9 380 und GTX 960 jeweils in der 2- sowie 4-GiByte-Version vor. Getestet haben wir in den Aufösungen 1.920 × 1.080 (Full-HD) und 2.560 × 1.440 (WQHD) - für letztere Auflösung bewirbt AMD die Radeon R9 380X, in Ultra-HD braucht es ohnehin stärkere Kaliber. Als Testsystem kommt wie gewohnt ein Core i7-6700K mit einer Übertaktung auf 4,5 GHz gepaart mit 16 GiByte DDR4-2800-Speicher zum Einsatz. Treiberseitig nutzen wir den aktuellen Geforce 358.91 WHQL und Catalyst 15.11.1 Beta. Als Betriebssystem dient Windows 10 (64 Bit).

    Radeon R9 380X Test

    Launch-Review

    • Bioshock Infinite
    • Crysis 3
    • Crysis Warhead
    • Dragon Age Inquisition
    • Far Cry 4
    • Grand Theft Auto 5
    • Risen 3 EE
    • Skyrim
    • The Witcher 3
    • Wolfenstein TOB
    Info Icon
    Game/Version Bioshock Infinite (Steam), PCGH-Benchsave 'New Eden'
    Details Max. detail incl. advanced DX11-DoF
    Software/Drivers Geforce 358.91 WHQL, Catalyst 15.11.1 Beta, Windows 10 x64
    • Benchmarks (1 von 2)

    • Produkte ein-/ausblenden

    47.8
    43
    1.000/3.000 MHz
    47.0
    42
    947/2.500 MHz
    43.6
    39
    902/3.004 MHz
    39.2
    34
    970/2.850 MHz
    37.1
    35
    1.000/3.000 MHz
    36.6
    32
    970/2.850 MHz
    34.6
    30
    1.084/3.506 MHz
    34.3
    31
    1.178/3.506 MHz
    33.1
    29
    970/2.750 MHz
    32.5
    25
    1.178/3.506 MHz
    32.5
    29
    0
    5
    10
    15
    20
    25
    30
    35
    40
    45
    50
    Name
    1.920 × 1.080, Ingame-AA/AF (Average Fps)
    Minimum Fps

    System

    Intel Core i7-6700K @ 4,5 GHz (45 × 100), Asus Maximus Hero VIII, 2 × 8 GiByte DDR4-2800

    Resultate nicht unbedingt vergleichbar mit früheren Reviews/Results not necessarily comparable with earlier reviews

    Fast durch die Bank weg fällt auf, dass sich die Radeon R9 380X nicht von der R9 280X absetzen kann. Oft liegt sie 5 bis 10 Prozent dahinter, bestenfalls liegen beide Grafikkarten auf einem Niveau. Einzig in Witcher 3 vermag sich die R9 380X unter 1080p gute 10 Prozent von dem Vorgänger abzusetzen. Dort kann sie dank der Nutzung von Tessellation ihr stärkeres Front-End ausspielen. Auffällig: Risen 3 EE und Wolfenstein: The Old Blood schmecken Tonga überhaupt nicht, in Letzterem rechnet die R9 280X mal eben doppelt so schnell. Eine fundierte Erklärung dafür haben wir nicht, wir haben zumindest bei Wolfenstein TOB aber die niedrigere Brutto-Speichertransferrate im Verdacht, die sowohl bei der (hier sehr schnellen) Geforce GTX 780 als auch bei der Radeon R9 280X deutlich üppiger ausfällt. Möglicherweise versagt die Speicherkompression in dieser Applikation,PCGH-Index-Werte:
    Radeon R9 390/8G - 69,0
    Radeon R9 290/4G - 62,0
    Radeon R9 280X/3G - 49,6
    Radeon R9 380X/4G - 45,6
    Radeon R9 380/4G - 43,4
    Geforce GTX 960/4G - 40,8
    doch das ist nur eine Vermutung.

    Insgesamt erreicht die Radeon R9 380X einen gemittelten PCGH-Index von 45,6 Prozentpunkten (GTX Titan X: 100 %) und liegt so hinter der R9 280X mit 49,6 Prozentpunkten (+9 %). Tahiti profitiert hier von dem etwas höheren GPU-Takt und vor allem durch das breitere Speicherinterface mit gleichzeitig höheren Frequenzen. Die R9 380 liegt nur fünf Punkte zurück, sofern sie 4 GiByte RAM hat; die 2-GiByte-Ausführung ist mit einem Index von 38,1 abgeschlagen. Die Geforce GTX 960 wird selbst in Form von stark übertakteten Custom-Designs mit 1,4+ GHz hinter sich gelassen.

    Radeon R9 380X im Test: Fazit

          

    Die Radeon R9 380X ist eine gelungene Mittelklasse-Grafikkarte, hat aber mit den klassischen Problemen vieler neuer Produkte zu kämpfen. Zum einen sind die Referenztaktraten niedrig angesetzt, was zwar der Effizienz zugutekommt, sie aber nicht stark von der R9 380 abheben lässt. Lediglich 14 Prozent mehr Rechenwerke bleiben dem Neuling gegenüber 4-GiByte-Modellen der R9 380, beim Speicherdurchsatz herrscht Stagnation. So kann sich die R9 380X durchschnittlich nur um etwa fünf Prozent von ihrer kleinen Schwester absetzen, erreicht damit einen Gleichstand zu ordentlich übertakteten 380/4G-Designs und die R9 280X bleibt im PCGH-Index sogar ungeschlagen. Nvidias Geforce GTX 960 ist für die R9 380X normalerweise kein würdiger Gegner. Hochgezüchtete Versionen der Nvidia-Karte mit 4 GiByte Speicher und mindestens 1,4 GHz Boost (u. a. EVGAs GTX 960 FTW) können es aber zu einem vergleichbaren Preis mit dem AMD-Produkt aufnehmen und verbrauchen dabei weniger Energie.

    Am Ende ist klar: AMD hätte Tonga XT als "Radeon R9 285X" schon vor einem Jahr bringen sollen. Inzwischen dürften Interessenten dieser GPU-Leistungsklasse durch Abverkäufe der R9 280(X)/290(X) und Geforce GTX 970/960 zu großen Teilen bedient worden sein. Die R9 380X dürfte daher nur für vergleichsweise wenige Käufer in Frage kommen - hauptsächlich Mittelklasse-Nutzer, die noch von Kepler, Fermi oder Pre-GCN kommen.

    Der Test der Radeon R9 380X zeigt darüber hinaus erneut, dass Käufer der Radeon HD 7970 alles richtig gemacht haben. Selten konnte man eine Grafikkarte auch fast vier Jahre später noch so gut nutzen wie AMDs ersten "Graphics Core Next". Dank Treiber-Updates wurde die Leistung seit der Veröffentlichung erhöht, die 3 GiByte Grafikspeicher haben sie für die Zukunft gerüstet. Wer nicht gerade aktuelle Features wie Freesync nutzen möchte, kann die Karte wohl auch noch bis zur kommenden Arctic-Islands-Generation nutzen.

    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    Radeon Catalyst Treiber Download: Crimson 16.5.3
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1178241
AMD Radeon
Radeon R9 380X im Test: Muss sich die GTX 960 fürchten?
AMDs Radeon R9 380X ist endlich im Handel. Über ein Jahr hat es seit der Veröffentlichung der R9 285 (Tonga Pro) gedauert, bis man die Tonga-XT-GPU im Desktop-Markt zu Gesicht bekam. Gepaart werden die 2.048 Shadereinheiten mit 4 GiByte Grafikspeicher. Kostenpunkt: rund 260 Euro. PC Games Hardware klärt im Test, ob sich das lange Warten gelohnt hat.
http://www.pcgameshardware.de/AMD-Radeon-Grafikkarte-255597/Tests/R9-380X-Test-Review-1178241/
20.11.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/11/Radeon_R9_380X_Custom-Designs-pcgh_b2teaser_169.png
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