AMDs Antal Tungler und Scott Wasson im CES-Interview über Grafikkarten und Treiber: "Top-Leistung am Release-Tag"
Wir sprachen auf der CES 2018 mit Antal Tungler und Scott Wasson von AMDs Radeon Technologies Group über den Support für Spielentwickler, neue Vega-GPUs, die Zukunft von FreeSync - und ob sich ihre Abteilung nach dem Weggang von Entwicklungschef Raja Koduri neu aufstellen muss.
Mit der Vega-Architektur wollte AMD im letzten Jahr zum Marktführer Nvidia aufschließen. Ist das dem Chiphersteller gelungen? Was steht für die nächste GPU-Generation auf dem Programm? Und wie unterstützt AMD Spielentwickler bei ihrer Arbeit? Zu diesen und noch einigen weiteren Fragen standen uns auf der CES 2018 in Las Vegas Antal Tungler, Senior Manager Global Technology Marketing, und Scott Wasson, Senior Manager Product Marketing, Rede und Antwort.
➤ PC Games Hardware: Wie heißt euer Werbeslogan so schön? "AMD is everywhere"? Wie sieht es denn mit den Radeon-GPUs aus?
Antal Tungler: Die werden von den wohl bekanntesten Marken verbaut: Schaut euch die aktuellen Spielkonsolen von Microsoft sowie Sony und zahlreiche von Apples Mac-Computern an. Unsere Vega-Architektur ist 2017 erfolgreich gestartet. Immer mehr Programmierer setzen auf APIs wie Vulkan und DirectX 12. Und Vega skaliert prächtig - vom kleinsten PC bis zu Rechenzentren. Auf der letzten Siggraph stellten wir den P47 mit mehr als einem PetaFLOPS vor. Außerdem wird FreeSync von deutlich mehr Display-Herstellern unterstützt als das Produkt unseres Mitbewerbers.
➤ PC Games Hardware: Der erwähnte Mitbewerber rühmt sich gerne damit, Spielentwickler mit gezielt für sie abgestellten Ingenieuren und Programmierern zu unterstützen, um so das Beste aus seiner GPU herauszuholen. Es sah lange Zeit so aus, als ob AMD hier etwas Nachholbedarf hätte.
Antal Tungler: Eine unserer Radeon-Abteilungen ist genau dafür zuständig - für die Zusammenarbeit mit den Entwicklern. Denn nur so erreichen wir das, was die Gamer am lautstärksten fordern: Top-Leistung am Release-Tag. Das geht über simple Treiberoptimierungen hinaus: Unsere Entwickler sind eng mit den Programmierern des Studios verzahnt, um sicherzustellen, dass der Programmcode des Spiels optimal auf Radeon-Chips läuft. Und das merkt man selbst bei einigen Titeln des letzten Jahres, die marketingtechnisch von unserem Konkurrenten unterstützt wurden. Wenn es um die reine Performance geht, laufen etwa Star Wars: Battlefront 2 oder Destiny 2 auf unseren Grafikkarten eindeutig schneller.
Quelle: PC Games Hardware
Scott Wasson und Antal Tungler (rechts) sind bei AMD für das Produkt- beziehungsweise das weltweite Technologiemarketing der Radeon Technologies Group verantwortlich.
➤ PC Games Hardware: Konkreter gefragt: Wie viele Ingenieure stehen bei AMD bereit, um den Spielentwicklern zu helfen? Und reisen die auch mal zum Studio, um vor Ort mitzuarbeiten?
Antal Tungler: Konkrete Zahlen geben wir nicht heraus ...
Scott Wasson: ... aber wir hatten beispielsweise einen AMD-Mann bei Bluehole in Korea und einen anderen bei Ubisoft Montreal stationiert, um bei Playerunknown's Battlegrounds (PUBG) beziehungsweise Far Cry 5 mitzuhelfen. Die Zahl unserer internen Mitarbeiter ist seit der Gründung der Radeon Technologies Group stetig gestiegen. Auch die Tools, die wir selbst nutzen und mit den Entwicklern teilen, sind deutlich besser geworden. Etwa der Radeon GPU Profiler ...
Antal Tungler: ... oder der GPU Analyzer, den ein Programmierer mir gegenüber als ein "Geschenk Gottes" bezeichnete, weil er die Entwicklungszeiten signifikant verringert.
Scott Wasson: Dann gibt es die AMD GPU Services, die wir auf GPU Open veröffentlichen. Das letzte Update enthält beispielsweise brandneue Tone-Mapping-Features. Damit kann eine Spiel-Engine das Tone-Mapping für ein FreeSync-2-Display übernehmen, was die Darstellungslatenz verringert.
➤ PC Games Hardware: Ihr habt gerade PUBG erwähnt, das derzeit alle Rekorde bricht ...
Antal Tungler: Genau, und wir arbeiten ebenfalls eng mit seinen Entwicklern in Korea zusammen, um unsere neuesten UE4-Optimierungen zu nutzen. Wenn ihr euch PUBG etwa auf einer RX580 anseht, stieg mit unseren Treiberupdates die Bildwiederholrate in Full HD zwischen Juni und Dezember 2017 von 41,7 auf 65,9 Bilder pro Sekunde. Und mit dem neuesten internen Update sind wir mit den GPUs unseres Konkurrenten gleichauf, was die nackte Bildwiederholrate angeht.
➤ PC Games Hardware: Ein enormer Zuwachs. Gab es also zum Launch des Spiels noch keine so enge Zusammenarbeit zwischen den AMD- und Bluehole-Programmierern, Stichwort "Top-Leistung am Release-Tag"?
Antal Tungler: Bluehole ist ein interessantes Studio, das meines Wissens mit 30 Leuten angefangen hat und in den letzten sechs Monaten immens gewachsen ist. Deswegen war es gewissermaßen eine Abenteuerreise, um zu den richtigen Ansprechpartnern zu kommen - mit denen wir aber jetzt im täglichen Optimierungs-Austausch stehen. So wie wir es bei etablierten Studios wie Electronic Arts, Activision oder Ubisoft bereits seit Langem handhaben. Und wo wir von Ubisoft sprechen: Far Cry 5 setzt auf einige der Vega-Features wie Rapid Packed Math und Shader Intrinsics. Außerdem wird es das erste Spiel sein, dass FreeSync 2 unterstützt, HDR inklusive.
➤ PC Games Hardware: Gutes Stichwort. Neben AMD hat ja auch die Konkurrenz eine Technik für variable Bildschirmwiederholraten (VRR) im Angebot. Warum sollte ein Gamer auf FreeSync setzen?
Antal Tungler: Zum Beispiel, weil es derzeit rund 300 Monitore gibt, die FreeSync unterstützen. Einige kommen erst in 2018, aber ihr könnt heute schon über 200 dieser Displays kaufen. Damit haben wir das weltweit größte Ökosystem für adaptive Bildwiederholraten - HDR- und 4K-Support inklusive. Außerdem werden wir per Treiber-Update auch die VRR-Technologie von HDMI 2.1 unterstützen. Wir schauen uns auch noch ein paar andere neue Features dieses Standards an, können dazu aber noch nichts sagen.
➤ PC Games Hardware: Nvidia, um die Konkurrenz mal beim Namen zu nennen, hat der VRR-Technologie von HDMI 2.1 eine Absage erteilt - weil es "keinen Markt dafür gibt". Was sagt AMD dazu?
Scott Wasson: Dafür gibt es einen Markt.Nvidia errichtet einen eingezäunten Garten, um darin die eigene Agenda zu verfolgen.
Antal Tungler: Wir alle hier wissen doch, was Nvidias Strategie in Sachen Technologie ist: Nvidia errichtet einen eingezäunten Garten, um darin die eigene Agenda zu verfolgen. Das ist eine mögliche Strategie. Doch wir glauben nicht, dass es die richtige ist, um den Markt zum Einsatz von variablen Bildwiederholraten zu bewegen.
Scott Wasson: Wer steckt hinter HDMI? Hersteller von Unterhaltungselektronik, deren TV-Standard nun mal HDMI ist, während auf der PC-Seite Display Port gebräuchlicher ist. Beide Standards überschneiden sich, und da ist es unsere Auffassung, beide zu unterstützen.
Antal Tungler: Es gibt übrigens mehr FreeSync-Monitore, die nur HDMI verwenden, als solche, die nur auf Display Port setzen - auch, wenn die meisten Displays beide Anschlüsse besitzen. Und die haben wir schon vor HDMI 2.1 mit variablen Bildwiederholraten unterstützt. Das macht das HDMI-Konsortium jetzt mit dem Update zu einem festen Bestandteil der Übertragungsnorm. FreeSync ist ja nicht nur für Gamer interessant, es kann auch beim Anschauen von Videos für eine sanftere Wiedergabe sorgen.
➤ PC Games Hardware: Zurück zu den Grafikchips: Neben der "reinen" Desktop-GPU verbaut AMD Ryzen und Vega jetzt zu einer APU und arbeitet mit Intel an einem Semi-Custom-Design für extrem dünne Laptops.
Antal Tungler: Genau. Außerdem haben wir auf der CES eine Mobilvariante des Vega-10-GPU angekündigt. Die ist nicht nur flächenmäßig kleiner, sondern auch flacher: gerade einmal 1,7 Millimeter hoch. [Anmerkung: Die reguläre Vega-GPU ist etwa vier Millimeter hoch.] Das ist besonders für Mobilsysteme wichtig, die dennoch die volle Grafikleistung liefern. Hier können wir den kleineren Formfaktor von HBM2-Speicher nutzen, mit GDDR5-RAM wäre das nicht möglich gewesen.
➤ PC Games Hardware: Und mit einer dünneren GPU bleibt mehr Platz für die Kühlung übrig ...
Scott Wasson: ... oder für größere Batterien. Wir arbeiten daran, den Vega-Fertigungsprozess von 14 auf sieben Nanometer umzustellen
Antal Tungler: Es geht aber noch kleiner: Wir arbeiten derzeit daran, den Vega-Fertigungsprozess von 14 auf sieben Nanometer umzustellen. Den nutzt anschließend dann auch der Vega-Nachfolger Navi. Im dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts folgt dann unsere Next-Gen-Technologie, gefertigt im "7nm+"-Prozess.
➤ PC Games Hardware: Nach den ersten Vega-Tests stand fest: Die Architektur kann was, verbraucht aber deutlich mehr Energie als die Konkurrenz, um zu dieser aufzuschließen. Dürfen wir mit der nächsten Vega-Generation auf etwas stromsparendere Chips hoffen? Oder müssen wir auf Navi warten?
Scott Wasson: Wir haben Vega in mehreren TDP-Konfigurationen ausgeliefert. Und wenn man dem Chip etwas den Saft abdreht, verliert man dabei nicht sehr viel Leistung - die Effizienz steigt hingegen. Das Prinzip gilt auch für Ryzen und Vega Mobile. Da sieht die Spannungs-Frequenz-Kurve anders aus, was native Effizienzverbesserungen der Architektur erlauben wird.
➤ PC Games Hardware: Desktop-PCs scheren sich allerdings nur selten um die TDP.
Scott Wasson: Unsere Desktop-Produkte sind derzeit auf dem Markt, weitere haben wir noch nicht angekündigt. Unsere Partner können möglicherweise ein paar interessante Dinge verkünden, aber ich will denen nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Was man auch nicht vergessen darf: Die Tests von Vega 56 und 64, die zum Hardware-Launch erschienen sind, entstanden mit den damaligen Treibern. Wie vorhin gesagt, ist die Leistung und damit die Effizienz in zahlreichen Fällen heute deutlich besser. Und das wird auch in Zukunft so weitergehen.
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➤ PC Games Hardware: Apropos Zukunft - bei Firmen wie Microsoft und Apple gab es nach dem Ausstieg von Bill Gates beziehungsweise Steve Jobs eine Umbruchphase nicht immer zum Besseren, die teilweise noch heute andauert. Müssen wir uns nach dem Weggang von Entwicklungschef Raja Koduri Sorgen um die Radeon Technologies Group und ihre Produkte machen? Oder können wir beruhigt in die Zukunft schauen?
Scott Wasson: Letzteres. Und ich sage euch auch, warum: AMDs CEO Lisa Su übernimmt bei der Betreuung der Radeon Technologies Group jetzt eine deutlich aktivere Rolle. Das sehe ich sehr positiv, und wir haben darüber hinaus bei AMD nach wie vor ein sehr gutes Management. Und denkt nur mal an die CPU-Abteilung unserer Firma: Da gab es im letzten Jahr einen großen Wendepunkt, an dem Lisa großen Anteil hatte. Deshalb schaue ich beruhigt in die Zukunft.
➤ PC Games Hardware: Antal, Scott - herzlichen Dank für das Gespräch.
NV konnte es sich leisten an 2 Versionen zu arbeiten und kann es sich leisten das auch so zu lassen,weil man die Manpower und das Geld dafür hat. Im Endeffekt ist NV nicht cleverer als AMD, man hat nur viel mehr Ressourcen und Geld. Was AMD mit dem kleinen Team und praktisch ohne Geld leistet ist aber immer noch grandios und man ist vollumfänglich konkurrenzfähig.
AMD hat hier das Problem, dass man anders als NVIDIA keine langfristige Strategie hat und nun einfach die Kunden fehlen, die eine Karte vom Schlage eines GP100 oder GV100 kaufen würden. Vega10 ist dazu im Vergleich ein ziemlicher Witz, selbst im Hauptumfeld Gaming, von HPC reden wir noch nicht mal. Ob Vega20 hier einen großen Vorteil bringt? Ich wage es leider zu bezweifeln.
NV konnte es sich leisten an 2 Versionen zu arbeiten und kann es sich leisten das auch so zu lassen,weil man die Manpower und das Geld dafür hat. Im Endeffekt ist NV nicht cleverer als AMD, man hat nur viel mehr Ressourcen und Geld. Was AMD mit dem kleinen Team und praktisch ohne Geld leistet ist aber immer noch grandios und man ist vollumfänglich konkurrenzfähig.
Danke Rollora, daß du noch die Muße dazu hast.....
Konkurrenz ist Vega so oder so nicht , weil zu teuer , und nicht verfügbar
Im gegensatz zu AMD kann ich meinen Job in meinem Metije
Das es viel besser geht zeigt Nvidia mit GDDR 5 Speicher deren Karten bis zu 100 Watt !!! weniger brauchen und schneller sind
Vieleicht sollte mal jemand von Nvidia zu AMD gehen