Radeon RX 480 und die PCI-E-Spezifikationen: PCI-SIG testet keine Leistungsaufnahmen
Die Radeon RX 480 hat im ursprünglichen Veröffentlichungszustand mit einer zu hohen Leistungsaufnahme über den PEG-(PCI-E-x16-)Steckplatz zu kämpfen, obwohl sie die sogenannten Compliance Tests der PCI-SIG bestanden hatte. Wie mittlerweile klar geworden ist, wird dort gar nicht nachgeprüft, welche Ströme fließen.
Ende Juni hatte AMD mit der Radeon RX 480 seine erste Polaris-basierte Grafikkarte veröffentlicht. Nach eher vollmundigen Versprechungen im Vorfeld fiel vor allem die Effizienz ernüchternd aus. Trotz deutlich geringerer Performance zieht die RX 480 ähnlich viel Strom aus der Steckdose wie eine Geforce GTX 1070. Beim Referenzdesign konnten wir bis zu 160 Watt nachmessen. Das hat zur Folge, dass die PCI-Express-Spezifikationen überschritten werden mussten, denn über den 6-poligen Stromstecker und den PEG-Slot dürfen jeweils nur maximal 75 Watt laufen. Beim Steckplatz ist zu beachten, dass es über die reine 12-Volt-Leitung nur 65 Watt sind, 10 zusätzliche über 3,3 Volt. Die Radeon RX 480 im Referenzdesign lag allerdings schon im 80-Watt-Bereich über 12 Volt.
Als erste Reaktion hatte AMD angegeben, die Tests der PCI Special Interest Group, kurz PCI-SIG, erfüllt zu haben. Wie ein Blick in die Prüfmethoden des "PCIe 3.0 Compliance Tests" zeigt, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Dort werden verschiedene elektrische, das PCI-Express-Protokoll betreffende und aufs BIOS bezogene Tests spezifiziert. Beispielsweise müssen gewisse Signalstärken und Bandbreitenvorgaben eingehalten werden. Die PCI-SIG testet jedoch keine Leistungsaufnahmen - weder über den PEG-Steckplatz, noch über die zusätzlichen Stromstecker.
Auf dem IDF haben die Kollegen von heise.de mit dem PCI-SIG-Präsidenten Al Yanes gesprochen, der offen zugegeben hat, dass keine Ströme nachgemessen werden. Normalerweise seien die Hersteller selbst darum bemüht, die Spezifikationen bei der Leistungsaufnahme einzuhalten, so Yanes. Da die meisten der 700 Mitglieder der PCI-SIG nur Low-Power-Lösungen anböten, sehe man entsprechende Tests als unnötig an - AMD und Nvidia seien mit ihren Grafikkarten die Ausnahme. Aus diesem Grund habe man auch keine Pläne, die Konformitätstests in absehbarer Zukunft anzupassen. Als Konsequenz wird die Radeon RX 480 jedoch nicht in die Integrators-Liste aufgenommen, darf das PCI-Express-Logo also nicht tragen.
Letztendlich ist es wahrscheinlich, dass AMD die Radeon RX 480 ursprünglich nicht auf so hohe Taktraten und damit so hohe Leistungsaufnahmen ausgelegt hat. So konnte AMD auf dem Polaris-Techday Ende Mai noch keine Taktraten nennen, weil diese noch nicht festgelegt worden waren. Die Architekturverbesserungen schlugen vermutlich nicht stark genug durch, um die ursprünglichen Designziele zu erreichen. Am Ende musste also der Takt hochgezogen werden, um fürs Marketing die Geforce GTX 970 schlagen und als "VR-ready" Lösung dienen zu können. Die relativ schlechte Übertaktbarkeit und eine schlechtere Effizienz als zuvor beworben zeugen davon, dass die Polaris-GPUs deutlich oberhalb des Takt-Leistungsaufnahme-Sweet-Spots laufen. Mit einem Treiber-Update wurde die Lastverteilung der VRM-Phasen so umgelegt, dass die Belastung des PEG-Slots innerhalb der Spezifikationen liegt. Dem 6-Pin-Stecker macht die Überbelastung nichts aus.



Und dabin ich klar auf der Seite der Physik
PS: Da war ich schon zuZeiten von P4 und 'Thermi'