Nvidias neues Namenschaos
Kennen Sie sich noch aus in den Bezeichnungen von Nvidias Geforce-8-Reihe - wissen Sie was ein D9M ist und in welcher Karte ein G90 steckt? Falls ja: Glückwunsch, aber Sie gehören zu einer verschwindend kleinen Minderheit. Seit der kalifornische GPU-Designer die GF8800 GT am 29. Oktober vorgestellt hat, sind die Bezeichnungen und deren Verständlichkeit etwas aus dem Ruder gelaufen - die kommende, runderneuerte GF8800 GTS trägt ihren Teil dazu bei.
Neue Codes im Namen: Tradition
Dazu kommt die verwirrende Berichterstattung, in der größtenteils die Codenamen der Chips verwendet werden. Bereits 2005 hat sich Nvidia mit der G70 vom bekannten Namensschema "NVxx" abgewandt, in welchem eine "0" für den High-End-Chip einer jeweiligen Generation stand und die "5" für dessen Refresh (bsw. NV30, NV35) stand. Bei den G-Chips der 7er-Reihe stand die "1" für den Refresh - hier sogar in neuem Herstellungsprozess - und die kleineren Ableger folgten.
Neue Codes im Namen: Code-Suppe G8x/G9x
Quelle: (Bild: hardwarecanucks.com)
Da es einen G81 nicht gab, müsste eigentlich der G90 der nächste High-End-Chip sein - doch von dem fehlt bislang jede Spur. Stattdessen wurde auch gleich der Performance-Chip der G80-Reihe ausgelassen und dessen Codename der 9er-Serie zugeschlagen: G92.
Das zugehörige Produkt, die 8800 GT, kommt in Sachen Performance oft beinahe an eine 8800 GTX heran und überholt die - dem Namen nach schnellere - GF8800 GTS. Das gilt zumindest für deren ursprüngliche Version. Doch es gibt mindestens zwei weitere Kandidaten, die 8800 GTS heißen sollen - eine aufgepeppte auf G80-Basis und eine, in der ein komplett aktivierter G92 arbeiten soll (in der GT ist mindestens ein TCP, also eine 16er-Shader-Gruppe samt vier Textureinheiten) abgeschaltet.
| GF8800 Ultra | GF8800 GTX | GF8800 GTS/512 | GF8800 GTS SSC | GF8800 GT | GF8800 GTS | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Codename | G80 | G80 | G92 | G80 | G92 | G80 |
| Shader-ALUs (Anzahl) | 128 | 128 | 128 | 112 | 112 | 96 |
| Shader-Takt (MHz) | 1.512 | 1.350 | 1.512 | 1.350 | 1.512 | 1.188 |
| Rechenleistung (GFLOP/s.) | 387,1 | 345,6 | 387,1 | 302,4 | 338,7 | 228,1 |
| Texture-Adressing (pro Takt) | 32 | 32 | 64 | 28 | 56 | 24 |
| Texture-Filtering (pro Takt) | 64 | 64 | 64 | 56 | 56 | 48 |
| Speicherausstattung (MiByte) | 768 | 768 | 512/1.024 | 640 | 256/512 | 640/320 |
| Speicherinterface (Bit) | 384 | 384 | 256 | 320 | 256 | 320 |
| Speichertakt (MHz) | 1.080 | 900 | 1.000 | 900 | 900 | 800 |
| Speicherbandbr. (GByte/s.) | 103,7 | 86,4 | 64 | 72 | 57,6 | 64 |
D8P, D9E und D9M: WTF?
Quelle: expreview.com
Als wäre das alles nicht genug, schwirren seit einiger Zeit nun auch noch Bezeichnungen wie "D8P", "D9E" oder "M8P" durch die Newsportale des Internet. Mit diesem Schema will Nvidia angeblich alle (Un-) Klarheiten beseitigen, was die interne Nomenklatur der Chips angeht.
Hält man sich daran, ist das neue Schema auch recht logisch aufgebaut.
Der erste Buchstabe steht für den Einsatzbereich: D beispielsweise für Desktop, während M für Mobile und W für Workstation stehen könnte. Die Zahl dazwischen bezeichnet die Generation und sollte eigentlich fortlaufend sein. Der letzte Buchstabe steht wiederum für die Zielgruppe: Mainstream, Performance und Enthusiast.
Demnach müsste laut alter Benennung der G92-Chip der GF8800 GT eigentlich ein D9P sein - Nvidia scheint in aber in der neuen Nomenklatur noch der 8er-Reihe zuzuschlagen und so ist der G92 nur ein D8P. Der kommende, geschrumpfte G86-Prozessor in 65-Nanometer-Fertigung sollte demnach trotz G98-Code in alter Bezeichnung der neue D8M werden.
Die wahre neunte Generation ist G9x also wohl nicht.