Praxisbericht: Übertakten mit der RD600-Platine von DFI
490 MHz FSB Prim95-stabil. CPU und Speicher haben wir nicht weiter übertaktet.
Schon vor der Veröffentlichung stand für DFI-Fans fest: Das Lanparty UT ICFX3200-T2R/G mit RD600-Chip wird das beste Overclocking-Board für Core-2-Prozessoren. Tatsächlich ist es jedoch relativ schwer gute FSB-Werte mit dem Lanparty-Board zu erreichen (BIOS: 22.12.2006). Während es bei den beiden P965-Platinen Commando von Asus und Gigabytes 965P-DS3P reicht, die Northbridge-Spannung um rund 15 Prozent anzuheben, müssen Sie beim DFI-BIOS wesentlich mehr Änderungen vornehmen. Daher haben wir uns dazu entschieden, neben dem eigentlichen Test in der aktuellen Ausgabe 04/2007 (ab dem 07.03. im Handel) unsere OC-Erfahrungen zusammenzufassen und online zu stellen.
Bei unserem ersten Versuch setzen wir unter "Genie BIOS-Setting" die FSB-Spannung auf 1,31 Volt (Einstellung: "CPU VTT") und die Northbridge-Spannung auf 1,42 Volt (Einstellung: "NB Core"). Das sind bereits 17 Prozent über dem Standardwert. Da wir ausschließlich den maximalen FSB-Takt ermitteln wollten, haben wir den CPU-Multiplikator auf sechs gesenkt und den Speichertakt auf 400 MHz festgelegt - anders als bei den Intel-Chips kann der RD600 den FSB-Takt unabhängig vom RAM-Takt anheben. Damit waren maximal 380 MHz FSB möglich. Das reicht für weniger anspruchsvolle Übertakter aus - ein E6600 oder der günstige E4300 (Multiplikator: 9) lassen sich so theoretisch mit 3.420 MHz betreiben.
Mit den guten Ergebnissen der beiden Intel-Platinen im Hinterkopf wollten wir es dabei aber natürlich nicht belassen. Da der RD600-Chip allerdings schon sehr heiß wurde (mehr als 60 Grad laut Smart Guardian) haben wir uns für einen besseren Chipsatzkühler entschieden. Dafür braucht man ein Modell, dass sich an den Klammern der DFI-Platine befestigen lässt - Bohrungen für die sonst üblichen Plastikstifte gibt es nicht. Unsere Wahl fiel auf den Blue Ice II RT-UCL-L4U1 von Cooler Master mit zwei Heatpipes und 40-Millimeter-Lüfter (zwischen den Lamellen). Zudem befreiten wir den Chip von der viel zu dick aufgetragenen Standardpaste und verwenden die ZM-STG1 von Zalman. Anschließend erhöhten wir die Spannung auf 1,59 Volt (1,56 Volt real). Trotzdem wollte die Platine nicht mal mit 400 MHz FSB starten - sehr enttäuschend.
Nach zahlreichen Versuchen und etwas Foren-Recherge haben wir mit folgenden Spannungen das beste Ergebnis erreicht:
CPU VTT: 1,41 Volt
NB Core: 1,88 Volt
NB PLL 1,8V: 2,03 Volt
NB PLL 1,2V: 1,46 Volt
NB PCI-E: 1,34 Volt
NB Core: 2,06 Volt
Wichtig: Alle Änderungen geschehen auf eigene Gefahr!
Die CPU- und die Speicherspannung müssen Sie natürlich je nach den verwendeten Komponenten anpassen. Außerdem bringt es einen Vorteil das "NB FSB Strapping" auf "300" zu setzen und die Einstellung "Software Reset Clockgen" zu aktivieren. Im Menü "FSB IO Strength" sollten Sie zudem jeweils 10h auswählen. Die optimalen BIOS-Einstellungen haben wir auch in unserer Galerie abgebildet (siehe Bilder unten).
Anschließend erreichten wir 490 MHz - ein gutes, aber etwas unbefriedigendes Ergebnis. Rechnet man Aufwand und Erfolg gegeneinander auf, sind die P965-Platinen Asus Commando und 965P-DS3P die bessere Wahl. Womöglich sind mit noch mehr Spannung und weiteren BIOS-Optimierungen 500 MHz oder mehr möglich, allerdings liegt die Chipsatzspannung bereits um 58 Prozent über dem Standardwert - jede weitere Erhöhung könnte die Hardware dauerhaft beschädigen. Zudem wurde der RD600-Chip trotz guter Kühlung im Stabilitätstest mit Prime95 bereits mehr als 70 Grad heiß. Wer noch mehr Spannung ausprobieren will, sollte eine Wasserkühlung für die Northbridge verwenden.
Fazit: Lohnt sich die RD600-Platine für Übertakter? Ja, allerdings nur wenn Sie Profi und risikofreudig sind. Anfänger oder weniger ambitionierte Übertakter verwenden lieber ein P965-Board.
