Killer AX1650 Wi-Fi-6-Modul im Test: Zeit, das Kabel zu kappen?
Wenn Gamer ihren Ping niedrig halten wollen, setzen sie in erster Linie auf eine Kabelverbindung. Aber selbst da, kommt es oft zu ungewollten Verzögerungen, weil die eigene Leitung belastet wird. Rivet Networks will das mit dem neusten WLAN-Standard 802.11ax ändern und verpackt ein Intel-Modul in Killer-Zusatzfunktionen. Wir haben uns das Modul mit der neuesten WLAN-Generation Wi-Fi 6 mal genauer angeschaut.
Schon im letzten Jahr haben Rivet Networks und Intel an einem WLAN-Modul zusammengearbeitet, dem Killer-WLAN AC1550, bei dem ein Intel-Chip über die Killer-typischen Zusatzfunktionen erweitert wurde und so Wi-Fi 1 bis 5 unterstützt werden konnte. Seit diesem Jahr ist die nächste Generation der Funkschnittstelle Wi-Fi zu haben und die Kollaboration zwischen Intel und Rivet Networks geht in die nächste Runde: Das Killer-WLAN-Modul AX1650, welches auf dem AX200-Chip von Intel beruht. So verwundert es auch nicht, dass beide Module die gleichen Features unterstützen: Bis zu 2,4 Gb/s theoretischer Durchsatz, 2×2 MU-MIMO, 160-MHz-Kanal-Unterstützung und ein Dual-Band für 2,4-GHz- und 5-GHz-Netzwerke. Da es sich hier um eine aufgemotzte Version des Intel-Chips AX200 handelt, dürfen natürlich nicht die gamer-typischen Zusatzfunktionen von Rivet Networks fehlen, sprich ein ordentliches Quality-of-Service-Feature. Mit dem neuen Killer Control Center 2.0 lassen sich dann Datenströme besser analysieren, sodass gaming- oder streaming-relevanter Content priorisiert wird.
Killer wer?
Rivet Networks wurde im Jahr 2014 von zwei ehemaligen Qualcomms-Mitarbeitern gegründet und verbaute die eigenen QoS-Features immer in den Chips unterschiedlicher Hardware-Partner, wie beispielsweise zuletzt mit Intel. Zwar setzt Rivet auf die Treiber, die Intel bereitstellt, die Partnerschaft erlaubt aber zusätzliche Tweaks durch Rivet Networks, die Intel dann implementiert. Erst dadurch können die Datenströme der unterschiedlichen Anwendungen unterschiedlich priorisiert und der Ping geringgehalten werden. Dadurch, dass die Algorithmen, die für den Priorisierungsprozess verantwortlich sind, hardware-seitig diese Aufgabe übernehmen und Datenströme checken, kann Last von der CPU genommen werden - vergleicht man das Ergebnis mit software-seitigen Lösungen. Im Umkehrschluss heißt das also auch, dass es nur zu einer gaming-optimierten Erfahrung kommen kann, wenn die Software von Rivet Networks installiert ist.
Durchsatzanalyse
Weil der neue Wi-Fi-6-Standard noch so frisch ist und es kaum Empfangsgeräte gibt, gibt es entsprechend wenige Router. Einige wenige Router-Hersteller, wie beispielsweise TP-Link, Asus und Netgear, haben aber schon entsprechende Produkte auf den Markt gebracht. Für den Test mit dem Killer-WLAN-Modul haben wir deshalb den Netgear Nighthawk RAX200 herangezogen, sodass die Wi-Fi-6-typische Bandbreite auch zur Verfügung steht. Nachdem die Kanalbreite auf 160 MHz gestellt wurde, inklusive MU-MIMO (Multiple User Multiple Input Multiple Output) und OFDMA (Orthogonales Frequenzmultiplexverfahren), kann der Router von Netgear theoretisch 4,8 Gb/s durchschleifen - doppelt so viel wie das WLAN-Modul von Killer, da hier doppelt so viele Antennen zum Einsatz kommen. An einem kabelgebundenen Desktop-Rechner und einem genauso angeschlossenen Nicht-Killer-Laptop setzen wir zwei Server auf, die wir beide gleichzeitig mit dem XMG Pro 17 Laptop als Client verbinden und eine Iperf-Messung für den Datendurchsatz starten. Der XMG Pro 17 hat neben dem Killer-WLAN-Modul AX1650 noch einen Intel Core i9-9980HK und eine RTX 2070 S mit 8 GB Speicher verbaut.
Quelle: PC Games Hardware
Killer Wi-Fi 6 AX 1650 Modul im Test: Zeit das Kabel zu kappen? Datendurchsatzanalyse mit dem AX1650 und einem Wi-Fi 6 und Wi-Fi 5 Router.
Der Killer AX1650 schafft in unmittelbarer Umgebung zum Router tatsächlich 1.418 Mb/s, also knapp 60 Prozent der theoretischen Bandbreite des WLAN-Moduls, dank der doppelten Kanalbreite von 160 MHz. Selbst mit einem Wi-Fi-5-Gerät als Router werden noch 646 Mb/s an das Killer-Modul gesendet. Ab einer Distanz von ungefähr fünf Metern, inklusive mehrerer Wände, fällt der Datendurchsatz bei Wi-Fi 6 um 49 Prozent ab, bei Wi-Fi 5 waren es 32 Prozent. Nach zehn Metern und weiteren Sendehindernissen in einer Wohnung (Wände), kamen noch 595 Mb/s mit dem Nighthawk RAX200 (Wi-Fi 6) zustande, mit dem Razer Sila (Wi-Fi 5) waren noch 380 Mb/s. Vor allem, wenn der Router im gleichen Raum ist, sind Datendurchsätze von über einem Gigabit pro Sekunde keine Seltenheit, sondern die Regel. Dennoch sobald Wände im Spiel sind, sinkt die Transferleistung rapide ab.
Quality of Service: Was ist das genau?
Wenn Ihr Rechner eine Verbindung im Internet aufbaut, schickt Ihr Computer Datenpakete an ein DSL-Modem, das diese dann an den favorisierten Server weiterleitet. Damit sich beide Geräte unterhalten können, geht der Datenstrom natürlich in beide Richtungen. Wollen Sie beispielsweise ein Bild per E-Mail verschicken, wird dieses zunächst in unzählige Datenschnipsel zerlegt und mit einem Adresskleber, dem sogenannten Header, versehen: Erst dann kann ein Datenpaket geschnürt werden. Die zusätzliche Information im Header ist für den Versand essenziell, da sonst nicht klar wäre, wer Empfänger und wer Absender des Pakets ist. Neben der Empfangsinformation enthält der Adresskleber aber noch zusätzliche Informationen, die beispielsweise Aufschluss über die Länge des Datenschnipsel (und damit die eigentliche Information), die endgültige Position in der gesendeten Datei oder über die Sende-Priorität im Netzwerk Aufschluss geben.
Sofern Sie über genügend Bandbreite verfügen, werden alle Datenpakete gleichmäßig nach dem Best-Effort-Prinzip behandelt - es gibt also keine Priorisierung von bestimmten Daten. Lediglich die Distanz, die das Paket zurücklegt, bestimmt die Ankunftszeit - wer also zuerst kommt, wird zuerst verschickt. Das ist bei statischen Informationen, wie dem Anzeigen einer Webseite oder dem Versenden einer E-Mail vollkommen in Ordnung, da diese Daten nicht zeitkritisch sind und keinen "Echtzeit-Charakter" haben. Sobald aber Anwendungen wie beispielsweise VoIP, Video- und Musikstreams oder eben ein Online-Multiplayer-Spiel übertragen werden, gerät das Best-Effort-Prinzip an seine Grenzen und wird zum Hindernis für Gamer, Streamer und Skype-Konferenzanrufe: Datenpakete werden in einer Warteschlange geparkt und entsprechend der Ankunft nach und nach abgearbeitet und weitergeleitet. Dadurch kommt es bei Videostreams zu Artefakten und Stotterern, VoIP-Gespräche hören sich verzerrt an oder sind asynchron und Spieler, tja die erleben den Lag ihres Lebens. Für Datenpakete in Echtzeitanwendungen ist Warten ein Ding der Unmöglichkeit, da man hier ja per Definition alles sofort gesendet haben möchte.
Jetzt kommen Quality-of-Service-Funktionen der Gaming-Router und WLAN-Module ins Spiel, denn diese können dynamische Datenströme wie Videospiele, Streams oder VoIP im Netzwerk priorisieren. Dadurch werden diese Datenpakete bevorzugt abgearbeitet, sodass Lags und Verzerrungen passé sein sollten. Die Priorisierungsstufe für statische Daten wird herabgesetzt, sodass diese Datenströme in der Warteschlange weiter nach hinten rutschen. Alles was nicht zeitkritisch ist, muss zurückstecken und warten. Darüber hinaus reservieren viele QoS-Applikationen und -Lösungen Bandbreite für wichtige Datenströme und limitieren gleichzeitig Download- und Uploadvolumina von Programmen mit niedriger Priorität. Generell gilt: Jeder Router oder jedes WLAN-Modul ist prinzipiell zu so einem Datenstrom-Management fähig, bedarf dann aber meist einer händischen Konfiguration.
QoS: Wie schlägt sich das Killer-Modul AX1650?
Im Grunde haben wir mit dem AX1650 nichts anderes als ein Intel AX200-WLAN-Modul vor uns liegen, das eben über die QoS-Features von Rivet Networks erweitert wurde. Um herauszufinden, wie sich das Modul mit den tollen neuen QoS-Features schlägt und unzählige Datenströme aus Gamersicht entsprechend der Wichtigkeit priorisiert, haben wir auf dem XMG Pro 17 gleichzeitig mehrere Applikationen mit starker Bandbreitenbelastung gestartet. An Spielen kann man unter solchen Bedingungen eigentlich nicht mehr denken, auf der anderen Seite wird es wohl kaum jemanden geben, der sich über den Ping beschwert, wenn gleichzeitig Bittorrent und ein UHD-Youtube-Video laufen. Um dennoch das Jucken zu befriedigen, das manch einer verspürt, wenn er alle Medien gleichzeitig konsumieren will, gibt es für das AX1650-Modul das Killer Control Center in der Versionsnummer 2.0. Dies ist etwas unübersichtlicher gestaltet, als einst noch beim Test des AC1550 vor gut einem Jahr; es hat aber alle notwendigen Einstellungsmöglichkeiten und erlaubt auch eine genaue Analyse der Datenpakete. Das ist wichtig, damit der Datenstrom entsprechend bearbeitet werden kann, aber laut Hersteller Rivet Networks hört es da noch nicht auf. Mit der Killer Intelligence Engine schlägt Ihnen das Modul Anpassungen für Netzwerk und PC vor, sodass Probleme frühzeitig erkannt werden sollen. Das ist ja alles schön und gut, nervt aber gewaltig, wenn die Software einem immerzu die gleichen Tipps ausgibt. So wies die Applikation mehr als einmal darauf hin, doch mit dem Netgear WLAN eine Verbindung aufzubauen, obwohl schon lange eine Verbindung zu diesem Netzwerk bestand. Daneben gibt es noch eine Möglichkeit über ein Tool Speicher freizuschaufeln und unnötige Windows-Prozesse zu beenden.
Damit der moderne Gaming Router von Netgear uns mit seinem hauseigenen QoS-Angebot nicht dazwischenfunkt, wurde dieses Feature selbstverständlich abgeschaltet - das Modul ist nun ganz auf sich gestellt. Für den ultimativen Stresstest wurde also der Bittorrent-Client mit acht zu downloadenden Linux-Distributionen vollgestopft (circa 10 GB Downloadvolumen), sodass die Bandbreite vollends ausgenutzt wird. Weiter wurde ein UHD-Video auf Youtube abgespielt und Tim Sweeneys Lieblingsspiel Fortnite gestartet, da sich hier der Ping und die verlorenen Pakete anzeigen lassen - genau das, was dieser Test sehen will. Kurz nachdem Start mit weiteren 99 Mitspielern, liegt natürlich ein extrem geringer Ping von 7 ms vor, sobald wir aber das UHD-Youtube-Video anschalten, schnellt der Ping hoch. Kurz darauf beruhigt sich der Ping wieder und bleibt dann bei 12 ms. Sobald zusätzlich der Download initiiert wird, sehen wir ein ähnliches Verhalten im Ping, sodass schlussendlich 18 ms angezeigt werden. Dabei lief das UHD-Video durchgängig ohne Buffer-Kreis, sodass die Filmsession durchs Gaming nicht beeinträchtigt wurde. Das ganze Prozedere wurde natürlich auch ohne Killer-Features wiederholt, mit desaströsem Ergebnis: Ein Ping von 1.100 ms inklusive stockendem Video.
Bildergalerie
Fazit: Wer's braucht
Im Grunde bekommt man für die knapp 35 Euro ein WLAN-Modul, mit dem man die gesamte Bandbreite der neuen Features des Wi-Fi-6-Standards genießen kann, vorausgesetzt man hat einen Wi-Fi-6-fähigen Router zuhause. Durch die implementierten Zusatzfunktionen von Rivet Networks kann dieser simple Intel AX200-Chip durchaus für den Gamer wichtige Aufgaben und hardware-seitig die Priorisierung der Datenströme übernehmen. Das QoS-Management funktioniert auch ganz gut und lässt in der Hinsicht wirklich keine Wünsche offen: Ein geringer Ping ist bei mehreren Datenströmen Standard. Der Datendurchsatz zeigt sogar, dass Wireless-Gaming heutzutage nicht mehr argwöhnisch betrachtet werden muss.
Dennoch muss man sich fragen, inwieweit solch ein Modul in einem Laptop sinnvoll ist. Immerhin können nur die Datenströme des Laptops entsprechend priorisiert werden, andere Nutzer im WLAN können immer noch Router-seitige die Warteschlange mit unzähligen Datenpaketen torpedieren, sodass das eigentliche Flaschenhals nur verschoben wird. Wer das vermeiden möchte, der stellt sich einen Router mit Killer-Genen (oder ähnlichen QoS-Eigenschaften) ins Haus, sodass dann auch die Schwiegermutter uneingeschränkt UHD-Videos auf Netflix schauen kann, die Playstation im Hintergrund das nächste 50-Gigabyte-Spiel lädt, während man selber im Online-Multiplayer mit unbeeindrucktem Ping spielt. Alleine macht das Modul vor allem bei der Multitasking-Nutzung eines Rechners mit webbasierten Anwendungen Sinn, die Bandbreite verschlingen. Auch wenn das bedeutet, dass man beim Gaming ein UHD-Video schauen muss. Dank der hardware-seitigen Tweaks für den Priorisierungsprozess kann man dann ein paar Prozent CPU-Leistung einsparen, die in anderen Programmen gut und gerne genutzt werden können. Sollte man mehrere Bandbreiten-abhängige Prozesse während des Gamings nutzen, sind die Zusatzfunktionen von Rivet Networks den geringen Aufpreis zum Intel-Chip durchaus wert.

Ich mache jetzt mit WLAN seit 1995 rum und habe noch keine Deformationen oder einen Hirntumor. Bin ich also eine Ausnahme oder all meine Kollegen? Oder ist die Regel, dass Wireless-LAN Techniker mit 45 sterben oder Körperdeformationen bilden?
So multitaskingfähig war ich selbst zu jungen Jahren nicht, als ich zur Not noch Innenwände von Mietwohnungen angebohrt habe, um ganz trivial Lankabel zu verlegen.
Heute läuft über diese (oder vergleichbare) Leitungen halt 10 GBit Lan, wenn es schneller sein soll. Mal sehen, ob Wi-Fi 10 mit 5mm Abstand zwischen den Antennen das dann in 10 Jahren auch schaffen wird.
Allgemein könnte der Test etwas umfangreicher ausfallen: mehrere Spiele (WoW, CS, Quake usw) Tests bei langsameren Inet. Video schauen ist fein aber wie siehts mit den Streamer Kiddies aus? Wie ist die Usability? Wie siehts direkt im Vergleich zum Ethernetkabel aus? Was gibts für Alternativen? Wie schneidet das Router QoS im Vergleich ab?
Interessanter wäre da schon ein Testaufbau, wo sagen wir mal, andere Geräte im Haushalt/ WG den Netzwerkdurchsatz belasten z.B. mit Netflix/ T-Entertain und man trotzdem die Spiele-Pakete priorisieren will, wozu dann eine Abstimmung der Priorisierung zwiischen Router und Empfänger nötig wäre. Fände ich cool, wenn PCGH mal sowas ausprobieren würde und geeignete Geräte vorstellt. Der Killer-Chip müsste ja dann, im Vergleich zu handelsüblichen Wlan-Modulen, immernoch den Vorteil haben dass die Analyse des Datenstroms weniger CPU-Last erzeugt als reine Treiberlösungen.
Schon mal etwas Elektrosensibilität gehört? Nein? Dann halte doch bitte deine Finger still.
btt
Grundsätzlich lehne ich jegliche WLan Techniken ab, da sich die Forschung oftmals nur mit den technischen Möglichkeiten begnügt und gesundheitliche Aspekte komplett vernachlässigt werden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist 5G, dessen Frequenzbereiche bei weitem nicht ausreichend auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen erforscht sind. Zu behaupten das irgendwelche Grenzbereiche eingehalten werden kilngt schon fast wie blanker Hohn. Die Wahrheit ist das man überhaupt noch nicht weiß mit welchen Auswirkungen man zu rechnen hat. Umgesetzt wird es denoch, den die wirtschaftlichen Motive gehen immer vor.
Was überhaupt nicht geht, und da werde ich auch weiterhin bei meiner sehr deutlichen Sprachwahl bleiben sind a) Behauptungen die faktisch falsch sind (‚unsere Gesellschaft wird immer kranker‘ - das Gegenteil ist der Fall), b) bodenstandslose und beleidigende Abgrenzung angeblich homogener Gruppen (‚die stumpfe Masse‘) und c) eine Sprachwahl die schon was ans 3. Reich erinnert (‚degenerative Gesellschaft‘)!
Dass Du generell ‚gegen WLAN‘ bist ist Deine Meinung und die steht Dir zu, Du hast aber überhaupt keinen Anspruch dass andere diese per se so anerkennen.