Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

Ist Augmented Reality das nächste große Ding nach VR, AI und faltbaren Telefonen? Das Startup Magic Leap entwickelt seit 2010 eine AR-Brille, die das Smartphone ersetzen soll. Wir konnten die Entwickler-Version der neuen Datenbrille testen und sagen Ihnen, ob Magic Leap One den magischen Sprung für eine digital erweiterte Realität geschaffen hat.

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Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?
Quelle: PC Games Hardware

Von dem Startup Magic Leap hatte auch vier Jahre nach der Gründung noch kaum einer etwas von gehört, bis ein Bukett an Investoren, darunter auch Branchengrößen wie Google oder Qualcomm, über eine halbe Milliarde US-Dollar in das Projekt steckten. Das Unternehmen aus der Kleinstadt Plantation in Florida arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren an einer Brille, welche die Realität um digitale Inhalte erweitern soll: Die sogenannte Augmented Reality.

Nach weiteren drei Jahren warf das Unternehmen den Mantel des Schweigens ab und stellte Ende 2017 die Magic Leap One vor, eine Datenbrille ähnlich wie die Vorgänger Hololens und Google Glass, aber mit dem hochgesteckten Ziel, das Smartphone ersetzen zu wollen. Heutzutage hat das Unternehmen mehr als tausend Mitarbeiter, verfügt über ein Risikokapital von zwei Milliarden US-Dollar und wurde im Mai 2017 auf einen Unternehmenswert von circa acht Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit ist es nicht nur eines der best-finanzierten Startups weltweit, sondern hat auch das Potenzial, eine hochwertige Mixed-Reality-Erfahrung zu schaffen.

Magic Leap One im Hands-On-Test: Design und Hardware

Die 2.300 US-Dollar teure und nur in ausgewählten amerikanischen Städten kaufbare Entwicklerversion der Datenbrille sieht nicht zwangsläufig wie eine normale Sehhilfe aus, sondern ungewohnt anders - mit einem Hauch von Steampunk. Das liegt sicherlich an der doch recht klobigen Struktur, der seltsamen Art und Weise, wie man die Brille trägt (Spoiler: Nicht wie eine normale Brille), und an den acht Frontsensoren. Davon sind jeweils drei an jedem Auge an der Schläfe positioniert, die unter anderem für das Inside-Out-Tracking und das Mapping der Umgebung verantwortlich sind. In der Mitte der AR-Brille, direkt über dem Nasenhöcker, ist ein Infrarot-Projektor verbaut, der durch Abtasten der Umgebung Tiefe wahrnehmen kann. Ähnliche Systeme gibt es beispielsweise im iPhone X oder bei der Kinect von Microsoft.

Genau wie bei den Windows Mixed-Reality-Brillen - die eigentlich ganz normale VR-Brillen sind - und der Playstation VR kommt für die Befestigung am Kopf auch bei der Magic Leap One das Crown-Design zum Einsatz. Am dorsalen Ende der AR-Brille kann man die Krone ohne Kraftaufwendung leicht auseinander ziehen und sie so an die eigene Kopfform anpassen. Dadurch wird ein versteckter Plastikgurt sichtbar, der leider nicht wie bei der PSVR mit einem Drehrad fixiert werden kann, sodass es bei schnellen Bewegungen durchaus zu einem Verrutschen der Sehhilfe kommt. Die Brillenpolster am Nasensteg lassen sich dank fünf unterschiedlich großen Nasenpads an den eigenen Riechkolben anpassen. Bei den Kopfpolstern lässt sich dagegen nur die Stirnfront gegen eine dicker gepolsterte Auflage austauschen - die drei dorsalen Kopfpolster sind dagegen fest installiert.
Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (1) Quelle: PC Games Hardware Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (1) Die Brille ist über zwei 1,20 Meter lange Kabel, die am Rücken zu einem zusammenlaufen, mit der sogenannten Lightwear verbunden. Die Lightwear ist das Gehirn der Brille, wiegt knapp 350 Gramm und lässt sich problemlos an Gürtel, Hose oder Tasche befestigen. Intern werkelt ein Nvidia Tegra X2 (Parker) SoC mit zwei Denver-2.0-64-bit Cores und vier ARM Cortex A57-64-bit Cores und einer integrierten GPU auf Pascal-Basis, die 256 Cuda-Cores nutzt und über 8 GiB LPDDR4 RAM verfügt sowie aktiv gekühlt wird. Bisher kam diese SoC in Infotainment-Anlagen und autonomen Fahrzeugen zum Einsatz. Neben 128 GB Speicher verfügt die AR-Brille natürlich noch über die gängigen Kommunikationskanäle und Anschlüsse wie Bluetooth 4.2, Wi-Fi 802.11 ac/b/g/n, USB-C und einem 3,5 mm Klinkenstecker. Ein Kopfhörer ist aber gar nicht notwendig, da zwei Lautsprecher auf Höhe der Schläfe für recht guten 3D-Sound sorgen.

Bedient wird der ganze Spaß entweder über eine von acht Handgesten oder einem Controller mit magnetischen Tracking. Das Eingabegerät erinnert dabei an das Nunchaku der Nintendo Wii, hat einen Home-Button, mit dem man stets die Augmented Reality ins Sichtfeld verschieben kann, einen Trigger zum Auslösen und noch einen Bumper. Bewegt werden Cursor oder andere Elemente in der erweiterten Realität über ein rundes Trackpad.
Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (19) Quelle: Magic Leap Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (19)

Magic Leap One im Hands-On-Test: Software, Handhabung und Probleme

Auf der Magic Leap One läuft ein Linux-Abkömmling, das Lumin OS, welches vom Lumis OS Core kontrolliert wird und über eine Schnittstelle mit Android verfügt. Das bisherige Softwareangebot auf der AR-Brille ist logischerweise im Moment etwas mager, schließlich handelt es sich um eine Entwicklerversion. Beim Einrichten der Software ist zunächst eine Internetverbindung notwendig und man wird direkt auf zwei Mankos der Magic Leap One hingewiesen: Die Brille kann an bestimmten Stellen extrem heiß werden, sodass Hautkontakt an diesen Stellen vermieden werden muss, und dass das Sichtfeld extrem eingeschränkt ist. Dieses ist zwar größer als bei der Hololens, umfasst aber nur eine Sichtweite von 40° horizontal und 30° vertikal.
Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (15) Quelle: PC Games Hardware Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (15) Magic Leap verwendet in der Brille ein Lichtleiterdisplay mit mehreren Fokusebenen. Durch Eye-Tracking im Inneren der Brille kann ermittelt werden, ob nahe oder ferne Objekte betrachtet werden. So ein Lichtleiterdisplay ist ein durchsichtiger Bildschirm, der von der Seite unsichtbar bestrahlt wird. Über den Lichtleiter, beispielsweise Glas oder ein anderer transparenter Stoff, wird das Bild vergrößert und auf das Auge gerichtet. Mit den beiden Fokalebenen simuliert Magic Leap One die Funktionsweise des Sehapparats: Je nach Fokus werden unterschiedliche Dinge scharf angezeigt oder nicht. Insgesamt betrachtet man die wirkliche Welt durch sechs Schichten Display, da jede Brennebene jeweils eine Schicht für die Grundfarben rot, blau und gelb besitzt - damit erklärt sich auch die gedimmte Außenwelt. Im Büro wurde das Deckenlicht im Display mehrfach in unterschiedlichen Farben gespiegelt und oft haben Texte oder Animationen Ghosting.

Die klobige Brille und die kleinen Bullaugen schränken massiv das periphere Sehen ein und die Gläser lassen selbst helle Räume äußerst dunkel erscheinen. Innerhalb der runden Gucklöcher sieht man dann auf einem rechteckigen "durchsichtigem Display" das Menü, kann Videos an eine echte Wand kleben und anschauen oder interagiert mit animierten Figuren. Die digitale Welt, verschmilzt auf diesem geringen Sichtfeld tatsächlich mit der - sehr gedimmten - Welt im Hintergrund. Es ist dann möglich, einen psychodelischen Trip zu Musik der isländischen Band Sigur Ró zu erleben, bei der man mit den Handgesten organischen Kugeln durch den Raum bewegt oder zum Leuchten bringt. Die dargestellten Figuren wirken dabei sehr plastisch und sind nicht durchsichtig, wie man vielleicht glauben mag. Wirklich immersiv wird es aber, wenn Wirklichkeit und Augmented Reality dank Mapping des Raums verschmelzen: Hindernisse in der Realität gelten dann genauso für die digitalen Besucher. Diese bewegen sich dann im gesamten gescannten Umfeld, können aber nur auf eine Distanz von bis zu circa 35 cm gesehen werden - wenn man die Figuren genauer betrachten möchte, verschwinden sie.
Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (7) Quelle: PC Games Hardware Magic Leap One: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit? (7)

Magic Leap One im Hands-On-Test: Fazit

Das hochgestochene Ziel, das Smartphone durch eine Augmented-Reality-Brille zu ersetzten, muss noch einige Zeit auf sich warten lassen. Die Brille von Magic Leap, die den magischen Sprung digitaler Inhalte in die Wirklichkeit ermöglichen soll, scheitert bisweilen noch an der Technik. Die dargestellten Animationen wirken durchaus plastisch und glaubhaft dargestellt und mit der Umwelt verschmolzen - Mixed Reality par excellence -, aber das geringe Sichtfeld des Displays und das eingeschränkte Sehen in der Realität stehen der Immersion aktuell nicht nur im Wege, sie machen die Brille zu unhandlich für den Gebrauch zu Hause oder auf der Arbeit.

Die restliche Technik wie Gestenkontrolle oder Tracking funktionierten dagegen in der Regel gut, obwohl der Controller manchmal etwas träge war. Das Mapping durch die Außenstehenden Sensoren war beeindruckend, auch wenn reflektierende Flächen manchmal ein Hindernis darstellten und der Raum-Scan oft doch sehr grob war. In der nächsten Generation der AR-Brille muss das Sichtfeld deshalb nicht nur deutlich vergrößert werden, sondern die Umwelt darf auch nicht mehr so stark abgedimmt werden. Wirklich einen bisherigen Ersatz für die täglichen digitalen Aufgaben wird die Magic Leap One deshalb in Zukunft nicht werden. Dennoch bietet die Brille Möglichkeiten für Entwickler, neue Wege zu beschreiten, wie wir in der Zukunft mit Games und Software in der erweiterten Realität umgehen.

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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Katharsas Kabelverknoter(in)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Ja, so wirklich gute Infos über die genauen Funktionsweisen bekommt man bisher noch zu keinem AR-Produkt wie es scheint, leider.
      • Von Katharsas Kabelverknoter(in)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Ja, so wirklich gute Infos über die genauen Funktionsweisen bekommt man bisher noch zu keinem AR-Produkt wie es scheint, leider.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Wie gesagt: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als gäbe es überhaupt optische Tiefenebenen. Ich habe nur ein Bild gesehen. Teile des Bildes waren scharf und Teile waren unscharf, welche es jeweils waren schien nichts mit der Tiefenfokussierung meiner Augen zu tun zu haben, sondern den Vorgaben des Eye-Tracking zu folgen. Ob das nur mein subjektiver Eindruck oder tatsächlich Stand der Technik ist, kann ich nicht sagen – "light field" ist mittlerweile ein sehr beliebtes Buzzword, aber über die Funktionsweisen der damit betitelten Hardware schweigen sich Entwickler regelmäßig aus. Die 1:1 Wiedergabe eines kompletten Lichtfeldes kenne ich jedenfalls nur von echten Hologrammen und derart fein auflösende Display-Techniken sind noch in einem sehr frühen Versuchsstadium.
      • Von Katharsas Kabelverknoter(in)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Ok danke für die Infos.
        Das klingt so, als ob beide Ebenen in der Lage sind, für einen beliebigen Fokus ein scharfes Bild darzustellen, aber jede Ebene jeweils nur eine Entfernung gleichzeitig (wenn ich das richtig verstanden habe). Wenn die unscharfen Inhalte dann aber auf der zweiten Ebene angezeigt werden, dann müssten ja besonders entfernte und besonders nahe Inhalte gleichzeitig auf dieser Ebene angezeigt werden, wenn man "mittelweit" schaut. Welche Entfernung diese Ebene wohl simuliert? Klingt nicht so, als ob sich das vollkommen natürlich anfühlen würde. Aber wahrscheinlich schwierig zu testen, weil man sich ja normalerweise nicht auf die unfokusierten Darstellung konzentriert.

        Es bräuchte einen ordentlichen Test-Parkours, mit dem die Qualität der Fokus-Simulation (bzw. der Fokus-Ebenen bei Light-Field-Displays) getestet und verglichen werden kann. Wenn ich alles richtig verstanden habe, sollten da prinzipbedingt einige Probleme zu Tage treten. Wäre auch interessant zu wissen, ab welchem Minimalwinkel die Magic Leap Probleme bekommt den Augenwinkel korrekt zu bestimmten und damit auch den Fokus. Für mich hört es sich so an als ob Light-Field-Displays aktuell noch ein besseres Kozept sind, wenn man optimale Fokus-Qualität haben will und dafür andere Dinge bereit ist zu opfern, aber ich hab keine praktische Erfahrung.
        Könnte mir aber vorstellen, dass Eye-Tracking langfristig so gut wird, dass es keine Rolle spielt.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Zitat von Katharsas
        Es scheint als ob die Magic Leap One auch keine allzu gute Lösung für Fokus-Simulation gefunden hat.

        Das ist sehr ungenau beschrieben.

        - Heißt das, dass es lediglich 2 Fokusebenen gibt?
        - Springen dargestellte Objekte zwischen diesen Ebenen hin und her oder ist der Übergang über die Tiefe und den Fokus hinweg fließend?
        - Wenn ein virtuelles Objekt neben einem echten Objekt in etwa gleicher Entfernung angezeigt wird, wird dann der Fokus so korrekt simuliert dass man beide gleichzeitig scharf sehen kann?
        - Für welche Entfernungen gilt das? Wie weit ist die minimale und maximale Fokusdarstellung korrekt?
        - Ist es möglich, die Fokus-Smulation mit AR-Projekten wie Avegant Light Field zu verleichen?

        Das Avegant-Projekt zeigt dem Benutzer GLEICHZEITIG sämtliche fokalen Ebenen (ich glaube es waren 6 unterschiedliche), sodass das Auge natürlich fokussieren kann, ohne dass Eye-Tracking notwendig ist. Dafür muss man auch 6 mal rendern und hat nur ein 6tel der Auflösung zur Verfügung. Ein Vergleich wäre hier also sehr interessant.
        Ich habe probehalber eine horizontale Linie in die Luft gemalt und daran entlang geguckt. Obwohl vorderes und hinteres Ende in mein zentrales Blickfeld passten, was es mir unmöglich vom vorderen zum hinteren Ende zu fokussieren; es war immer nur ein Bereich scharf. Sobald ich aber Augen respektive Kopf ein winziges Stück bewegt habe, war es ein anderer Bereich – wiederum unabhängig davon, auf welche Tiefe mein Auge fokussiert war. Das passt überhaupt nicht zu den versprochenen optischen Tiefenebenen und natürlichem Sehen – und mir ist bis heute auch nicht klar, wie so etwas ohne holographische Auflösungen überhaupt funktionieren soll. Aber es passt wie die Faust aufs Auge zu einem kollimierten Display (unendliche Tiefenschärfe), dass aber ein teilweise verblurrtes Bild darstellt. Solange zwischen unterschiedlich weit entfernten Objekten ausreichende Abstände liegen klappt das. Aber wenn das Eye-Tracking nicht mehr exakt zuordnen kann, ob man nah oder fern guckt, wird die simulierte Bild(un)schärfe gegebenenfalls falsch gesetzt.
      • Von SchwarzerQuader Software-Overclocker(in)
        AW: Magic Leap One im Hands-On-Test: Ist Augmented Reality bereit für die Wirklichkeit?

        Zitat von WhoRainZone
        Stimmt, das macht Sinn
        Aber mal angenommen irgendwann sind BioMods sowas normales wie Smartphones heute, dann würde so ein VR-Gerät, im Kopf eingebaut bestimmt auch "vollkommene" VR liefern können.
        Vll ist man dann soweit, dass man Menschen bewusst in Schlafparalyse versetzen kann, ihnen aber per VR Bewegung vorgaukeln (wie in SAO).

        Selbst, wenn nicht, und es eine simple AR Implementierung wäre, dann könnte man zB. Verträge, die der User unterschreibt anders aussehen lassen (ohne sein Wissen, dass das AR angeschaltet ist), Geld anders aussehen lassen etc.

        Nur mit Manipulation kann man schon viel erreichen.

        Oder hab ich da jetzt falsch gedacht?
        Nun, die Idee der Augmented Reality ist ja gerade die Erweiterung/Verbesserung der Realität, nicht das Ersetzen; steckt ja schon im Namen. Gerade das macht es ja eben interessant, da es sich z.B. im Gegensatz zu VR in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt und diese erweitern kann. Stets Patientendaten im Blick, stets eine Warnanzeige vor Augen, Hervorhebung gefährlicher Objekte auf der Fahrbahn, Einblendung von Informationen zu unbekannten Objekten, Navigation, Erweiterung der Sicht auf UV- oder IR-Spektren... Die Optionen sind vielfältig und zielen nicht unbedingt auf eine Ersetzung ab.

        Deine Idee mit dem Vertrag ist dabei natürlich durchaus realistisch. Sehr weit gedacht wäre es möglich, in Zukunft z.B. Schriftstücke unterschiedlich aussehen zu lassen, auch so, dass es nicht erkennbar ist. Vielleicht gäbe es dafür spezielle Schriftstücke, etwa eine Art QR-Code neben einem Kunstwerk, das via AR ersetzt wird durch eine Beschreibung in der Muttersprache des Anwenders. Vielleicht gibt es dann auch spezielle Schriftstücke, die eine Ersetzung stark erschweren, damit das mit dem Vertrag nicht möglich wird. Man kann da viel fantasieren.

        Zum Bewusstsein sei allerdings angemerkt, dass das Gehirn als Schnittstelle wohl nicht reicht. Die Embodiment-Forschung zeigt zunehmend, dass das Körpergefühl auch im restlichen Körper entsteht und etwa die Motorik für das Wahrnehmen der Umwelt entscheidend ist. Wenn man nur am Gehirn ansetzt, müsste man wohl zumindest nicht nur die Umwelt, sondern einen vollständigen Körper mit simulieren.
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