Turtle Beach KB7 im Test: Tastatur mit Hall-Effekt, 8.000 Hz und Touchscreen statt Mittelblock
Die Turtle Beach KB7 kostet 210 Euro und besetzt eine kleine Nische: Hall-Effekt, Rapid Trigger und 8.000 Hz zielen klar auf Spieler, der Touchscreen im Mittelblock auf Streamer und Kreative. Dazu kommt optional ein modulares Numpad-Element. Cleverer Luxus oder teurer Sonderweg?
Inhaltsverzeichnis
Die Turtle Beach Command Series KB7 besetzt eine kleine, aber wachsende Nische: Tastaturen, die nicht nur für Gamer konzipiert sind, sondern auch Touchscreen, Makros, Medienkontrolle und Streaming-Funktionen direkt ins Keyboard integrieren. Technisch klassifiziert sie sich klar als Gaming-Hardware: Hall-Effekt-Schalter, Rapid Trigger, Reac Tap SOCD und 8.000 Hz erfüllen die Pflicht für schnelle Eingaben. Der Blickfang sitzt im Mittelblock: Ein 4,3-Zoll-Touchscreen ersetzt fast den klassischen Tastenblock, übrig bleiben lediglich die Cursortasten.
Diese Mischung ist auf jeden Fall ungewöhnlich. Corsairs Galleon 100 SD geht mit Stream Deck, 12 LCD-Tasten, zwei Multifunktionsdrehreglern, Info-Display, Elgato-Anbindung und 8.000 Hz stärker in Richtung Streaming-Zentrale, kostet aber deutlich mehr und verzichtet auf Hall-Effekt-Schalter. Razer Blackwidow V4 Pro 75 % und Corsair Vanguard 96 Pro bieten ebenfalls Zusatzanzeigen für Statusinformationen oder Bedienfunktionen, setzen aber nur auf Mini-Displays statt auf einen Touchscreen im Mittelblock.
In der Sparte der Hall-Effekt-Tastaturen wirkt der Preis von 210 Euro schon selbstbewusst. Von uns getestete Hall-Effekt-Tastaturen wie die Hator Skyfall 80 Mag Ultima 8K oder Gamakay TK75HE V2, die beide dazu noch kabellos sind, zeigen, dass schnelle Magnetschalter kein Luxusmerkmal mehr sind und bereits für günstige 90 Euro bis 100 Euro erhältlich sind. Was diesen beiden 100-Euro-Modellen allerdings fehlt, ist der große Touchscreen im Mittelblock. Günstigere Display-Exoten gibt es ebenfalls, jedoch nicht mit derselben Mischung aus Hall-Effekt, 8.000 Hz, TKL-Layout und optionalem KP7-Nummernblock.
Damit ist die Turtle Beach Command Series KB7 kein Preis-Leistungs-Angriff auf E-Sports-Tastaturen, sondern ein Ausstattungsmodell zwischen Hall-Effekt-Tastatur, Mini-Stream-Deck und Arbeitsplatz-Controller. Der Test muss klären, ob der Touchscreen-Kniff im Alltag hilft - oder ob Turtle Beach für die Sonderausstattung zu viel verlangt.
Testtabelle als Bewertungsgrundlage
| Produktname | Command Series KB7 |
|---|---|
| Hersteller (Webseite) | Turtle Beach |
| Preis | Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. 210 Euro | Note: 4 |
| PCGH-Preisvergleich | PCGH.de/preis/3798591 |
| Bauart | Anschluss | Kabeltastatur/USB 2.0 |
| Ausstattung (20 %) | 1,05 |
| Kabellänge | Ca. 180 cm (1× USB-C 3.0) oder ca. 20 cm (2× USB-A 2.0 via Adapterkabel), abnehmbar |
| Handballenablage | Ja (abnehmbar, beleuchtet) |
| Beleuchtung (Feature- und Effektumfang) | RGB-Beleuchtung mit 8 Effekten und Einstellungen für Helligkeit und Geschwindigkeit sowie ein Custom-Modus |
| Effekte per Taste abrufbar | Ja, alle 8 Effekte, die Helligkeit, Geschwindigkeit und Farbe der Hintergrundbeleuchtung können per frei belegbarer Fn-Tastenkombi geändert werden |
| Tastenanzahl | 66 Tasten + Drehregler + 6 Extratasten (Aktionsleiste) |
| Zusätzliche USB-Ports | Soundanschlüsse | Ja, 1× USB-A | keine |
| Extras | Modulares Design (optionaler Ziffernblock KP7 mit Schienenssystem links/rechts anbringbar), Gehäuse mit Alu-Deckplatte, 4,3 Zoll Touchscreen-Display, Aktionsleiste mit Drehregler, Multimediatasten und 4 Schnellzugriffstasten (frei belegbar), Magnetschalter Hall-Effekt-Sensor (Auslöseweg 0,1 bis 3,2 mm, Reac Tap SOCD, Schnelltrigger, Multi-Input, Gamepad), Dual-Core-32-Bit-ARM-Cortex-M3 und 32-Bit-ARM-Cortex-M4 | Beleuchtungseinstellungen (Effekte, Helligkeit, Geschwindigkeit, Farbe Hintergrundbeleuchtung), 9 Mittelblocktasten, Copilot auf Fn-Belegungsebene | Makrofunktion, 32 MB Speicher (5 Profile), PBT-Double-Shot-Keycaps, 4 zusätzliche Keycaps für WASD |
| Höhenverstellung | Ja, zweistufig |
| Eigenschaften (20 %) | 1,60 |
| Tastaturlayout | Übersichtlichkeit | 85 Prozent, TKL (nur Cursortasten, sonst 4,3 Zoll Touchscreen), modularer Nummernblock Turtle Beach KP7 Gaming Keypad für 110 Euro | befriedigend |
| Tastenhöhe (Haupttasten) | Flache Low-Profile-Keycaps |
| Ergonomie | Rutschfestigkeit | Sehr gut | sehr gut |
| Windowstaste | Ja, mit Extrataste (Game Mode) |
| Abmessungen (L × B × H) | Gewicht | 399,0 × 256,0 × 31,0 mm | ca. 1.120 g |
| Leistung (60 %) | 1,45 |
| Anschlag | Druckpunkt | Sehr gut | sehr gut |
| Tastenschalter | Turtle Beach Low Profile Hall-Effekt: linear, magnetisch, 46 gf (inoffiziell), Auslösepunkt von 0,1–3,2 mm einstellbar (0,1-mm-Schritte), Schnelltrigger-Funktion von 0,1–1,0 mm einstellbar (0,1-mm-Schritte), Reac Tap SOCD, Multi-Input, analoges Gamepad, geschmiert |
| Key Rollover | NKRO (USB-Anschluss) |
| Software: Anwenderfreundlichkeit | Umfang | Gut bis sehr gut/umfangreich (Multi-Input- und Gamepad-Features noch nicht integriert) |
| Software: Beleuchtungsprogrammierung | freie Belegung Fn-Ebene möglich? | Einfache Auswahl der Effekte und Programmierung des Custom-Modus per Swarm-2-Software oder Fn-Tastenkombination | ja, jeder Taste außer Fn kann auf der Fn-/Game-Mode-/Easy-Shift-Ebene eine neue Funktion zugeordnet werden |
| Programmierbare Macros | Ja, zeitverzögert |
| Office- | Spiele-Tauglichkeit | Sehr gut/sehr gut |
| Gesamtnote: | 1,40 |
Ausstattung
Bei der Ausstattung spielt die Turtle Beach Command Series KB7 weit oben mit, hakt für 210 Euro aber nicht alles ab. Die Note von 1,05 passt zur üppigen Funktionsliste, zwei Punkte fallen trotzdem auf: Hot-Swap gibt es nicht, kabellos arbeitet die Tastatur ebenfalls nicht. Ersteres dürfte an den eigenen Titan-Low-Profile-Hall-Effekt-Schaltern liegen, letzteres ist mit Blick auf 8.000 Hz und den 4,3-Zoll-Touchscreen erklärbar. Im Funkbetrieb würde die Laufzeit sonst schnell zum nächsten Kritikpunkt.
Die Ausstattung teilt sich klar in Gaming-Technik und Zusatzbedienung. Für Spieler zählen die magnetischen Schalter mit Auslösepunkt von 0,1 bis 3,2 mm, Rapid Trigger und Reac Tap. Dazu kommen 8.000 Hz, Easy-Shift [+] als zweite Belegungsebene und die RGB-Einzeltastenbeleuchtung. Die ist nicht nur Show, weil die Turtle Beach KB7 am Kabel keine Akkulaufzeit sparen muss. Wer abends spielt oder arbeitet, profitiert von den aufgrund der transluzenten PBT-Double-Shot-Keycaps gut erkennbaren Tasten. Einziger Kritikpunkt: Die Sekundärfunktion wird nicht mit ausgeleuchtet. Auch die von der Vulcan 2 Max bekannte Handballenauflage erfüllt ihren Hauptzweck sehr gut: Sie stützt die Handballen angenehm und verbessert die Ergonomie spürbar. Ihre auffällige Beleuchtung ist zwar primär ein optisches Extra, kann bei wenig Umgebungslicht aber auch bei der Orientierung helfen.
Der zweite Ausstattungsschwerpunkt sitzt oberhalb des Tastenfelds und im Mittelblock. Die haptisch abgesetzte Bedienleiste bietet einen per Swarm 2 frei belegbaren Drehregler mit Taster und feiner Rasterung, zwei Medientasten sowie vier Schnellzugriffstasten, denen Sie ebenfalls Ihre persönlich bevorzugte Funktion zuordnen können. Das ist im Spiel praktisch, wird aber vor allem dann interessant, wenn Sie Medien, OBS, Discord oder Büro-Shortcuts ohne Umweg über eine Fn-Ebene steuern wollen. Weniger fein fällt der Druckpunkt der sechs Sondertasten aus: Die Mikroschalter funktionieren sauber, drücken sich aber recht hart.
Quelle: PCGH
Die Bedienleiste kombiniert Drehregler, Medientasten und vier frei belegbare Schnellzugriffstasten. Praktisch für Medien, OBS, Discord oder Shortcuts; der Druckpunkt der Sondertasten fällt aber recht hart aus.
Der Blickfang der Turtle Beach Command Series KB7 bleibt der Touchscreen. Er ersetzt fast die klassische Tasteninsel, nur die Cursortasten bleiben erhalten. Seine Stärken liegen bei Makros, Medienkontrolle, App-Steuerung und Streaming. Turtle Beach denkt aber auch an Spieler: Unter "Browse Templates" findet man in Swarm 2 Vorlagen wie "Gaming generic", "CS" oder "LOL". Dazu lassen sich Auslösepunkte ändern, Makros aufnehmen, Helligkeit regeln, Reac Tap ein- und ausschalten, Tasten neu belegen und Rapid-Trigger-Werte anpassen. Der Bildschirm ersetzt die Software nicht komplett, viele Grundeinstellungen liegen aber näher zur Hand.
Quelle: PCGH
Der Touchscreen ist mehr als ein edler Ersatz für die neun fehlenden Mittelblocktasten. Sie wählen damit auch Profile, erstellen oder lösen Makros aus, überwachen Systemstatistiken und steuern Audio oder Apps wie Discord, OBS oder Streamlabs.
Dedizierte Makrotasten fehlen jedoch. Als Ausweg lassen sich nicht doppelt belegte Tasten wie F1 bis F3 nutzen oder aber die Zahl der mit Swarm 2 frei belegbaren Zusatztasten durch den Zukauf des Turtle Beach Command Series KP7 erhöhen. Dafür verfügt die Turtle Beach KB7 über einen USB-A-Hub auf der Rückseite. Der ist nützlich, denn dort kann man etwa den 2,4-GHz-Empfänger einer Gaming-Maus oder Headsets anschließen oder Daten von einem USB-Speichermedium wie einem USB-Stick lesen.
KP7-Ziffernblock: 110 Euro für den Full-Size-Kniff
Beim Format bleibt die Turtle Beach Command Series KB7 zunächst eine TKL-nahe 85-Prozent-Tastatur. Das passt gut zum Gaming, aber auch zu Vielschreibern und Office-Nutzern, weil die Cursortasten mit tastbarem Abstand zum Haupttastenfeld erhalten bleiben. Fehlgriffe im Mittelblock sind zudem kaum ein Thema, denn die sonst üblichen Navigationstasten ersetzt Turtle Beach fast komplett durch den flachen Touchscreen.
Anders als bei vielen Konkurrenten ist die KB7 aber nicht auf dieses Format festgelegt. An beiden Gehäuseseiten sitzen Schienen, über die sich das separat erhältliche Command Series KP7 andocken lässt. Für 110 Euro wird aus der KB7 damit auf Wunsch eine Full-Size-Tastatur - und zwar wahlweise mit Nummernblock rechts oder links. Letzteres ist nicht nur für Linkshänder interessant, sondern auch für Nutzer, die Maus und Zahlenblock gleichzeitig ergonomischer platzieren möchten. Gleichzeitig zeigt der Mechanismus, dass Turtle Beach die KB7 nicht als starres Einzelprodukt, sondern als modulares System denkt. Ob später weitere Module folgen, bleibt offen, technisch wäre der Ansatz dafür vorhanden.
Das KP7 ist allerdings mehr als ein reiner Zahlenblock für Tabellen, Werteingaben oder ASCII- oder Alt-Codes. Turtle Beach verbaut auch hier Hall-Effekt-Schalter, PBT-Tastenkappen, RGB-Beleuchtung und eine passende beleuchtete Handballenauflage, die bei der Bedienung ergonomisch hilft. Dazu kommen 8.000 Hz Polling-Rate, drei frei belegbare F-Tasten von F13 bis F15, vier zusätzliche Makrotasten und eine Profilwahltaste. Der eigentliche Mehrwert sitzt aber am unteren Ende: Eine ausziehbare Daumenleiste samt Scrollrad erweitert die Bedienmöglichkeiten spürbar. Das ist nicht nur für Makros oder App-Shortcuts spannend, sondern auch für Büroarbeit, Mediensteuerung und kreative Anwendungen.
Turtle Beach KB7: modulare Montage Nummernblockmodul KP7
Trotzdem bleibt das KP7 kein Pflichtkauf. Wer die Turtle Beach Command Series KB7 primär zum Spielen nutzt, bekommt mit Touchscreen, Easy-Shift [+], Schnellzugriffstasten und Swarm-2-Belegung bereits ab Werk viele Kontrollmöglichkeiten. Wer dagegen regelmäßig Zahlen eingibt, den Nummernblock als Shortcut-Fläche nutzt oder die KB7 bewusst als Arbeits- und Gaming-Zentrale ausbauen will, findet im KP7 das passende, aber nicht günstige, dank USB-C-Kabel sogar einzeln und mit anderen Tastaturen nutzbare Zusatzmodul.

Wobei ich gerade sehe das die Asus, Corsair und be quiet alternative auch nicht günstiger sind