Ryzen 3 1300X und 1200 im Test: Die Wachablösung für Dualcores? [Update]
Mit den beiden Ryzen-3-Modellen R3-1300X und R3-1200 komplettiert AMD sein AM4-Portfolio vorerst und bringt (echte) Vierkern-Prozessoren in den Preisbereich unter 150 Euro: 115 Euro soll das kleinere Modell 1200 kosten, 135 Euro der 1300X. Ist Ryzen 3 das Todesurteil für Dualcore-Prozessoren ab 100 Euro?
Nachdem AMD mit der Ryzen-Architektur als ernstzunehmender Konkurrent im Performance-Segment bis 500 Euro zurück ist und speziell aus Preis-Leistungssicht den allergrößten Teil des Intel-Aufgebots alt aussehen lässt, schickt sich die texanische CPU-Schmiede mit dem Ryzen 3 an, Dualcore-Prozessoren den Todesstoß zu versetzen.
Update 28.07.2017: Wir haben noch einige zusätzliche Benchmarks in den Artikel integriert - darunter das Abschneiden in Dragon Age: Inquisition mit und ohne OC sowie die Punktzahlen im 3DMark Physics-Test. Zudem wollen wir, wie von einigen Lesern gewünscht, noch ein paar Worte zur Leistungsaufnahme verlieren. Die TDP von 65 Watt wird im Normalbetrieb nie erreicht und dient lediglich als Sicherheitsmantel für die Kühlerhersteller. Im Leerlauf krankt Ryzen 3 etwas unter dem im Vergleich zu Sockel-1151-Boards hohen Basis-Verbrauch der AM4-Plattform, sodass abzüglich Grafikkarte noch 29 Watt auf der Uhr stehen.
Im Durchschnitt benötigt der mit einer übertakteten GTX 980 Ti ausgestattete PC beim Spielen 231 Watt für den R3-1300X und 218 Watt beim R3-1200 - letzterer Wert steigt durch das OC auf 4 GHz bei 1,3875 Volt auf 245 Watt nur mäßig an. In Crysis 3 als Beispiel sind es 246 und 230 Watt respektive 267 Watt mit OC. In Anwendungen begnügen sich die mit dem R3-1300X und -1200 ausgestatteten PCs mit durchschnittlich 132 beziehungsweise 117 Watt. Zum Vergleich: Ein FX-8300 als vergleichsweise sparsamer Vertreter der Vorgängergeneration kommt hier auf Werte von 270 (Spieleschnitt), 295 (Crysis 3) und 180 Watt (Anwendungsschnitt) - der Stromfresser FX 9590 auf 383/441/309 Watt! Wie im weiteren Text bereits beschrieben, arbeiten moderne Intel-Systeme noch immer sparsamer. Der i3-6100 etwa liegt bei 208/221/94 Watt, ein i5-7400 bei 216/232 und ebenfalls 94 Watt. [Ende des Updates]
Mit ihrem Preis von 115 respektive 135 Euro konkurrieren AMDs Quadcore-CPUs mit Intels Core-i3-Reihe, die mit zwei Kernen plus SMT antreten, während AMD den umgekehrten Weg wählt und das SMT des Summit-Ridge-Chips deaktiviert, dafür aber vier Kerne aktiviert lässt. Ansonsten basieren beide Ryzen-3-Modelle auf demselben Chip wie ihre größeren Verwandten, sprich auf zwei Compute-Complexen (CCX), die mit jeweils zwei Kernen und 4 MiByte L3-Cache zur Hälfte aktiv sind. Dabei handelt es sich um die schlechtere der möglichen Konfigurationen, denn frühere, aber nach wie vor gültige PCGH-Tests haben gezeigt, dass die Kommunikation zwischen den beiden CCX ein Flaschenhals darstellt und eine 4+0- gegenüber einer 2+2-Aktivierung auf höhere Fps-Raten in Spielen kommt.
Hier die technischen Daten von AMDs Ryzen-Portfolio im Überblick:
| Reihe | Modell | Ca.-Preis | Kerne (phys./log.) | L3-Cache | Taktraten Basis/Allcore/1-2c/XFR | TDP | RAM |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| R7 | 1800X | 445 EUR | 8/16 (CCX: 4+4) | 2×8 MiByte | 3,6 GHz/+100/+300/+100 MHz | 95 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R7 | 1700X | 340 EUR | 8/16 (CCX: 4+4) | 2×8 MiByte | 3,4 GHz/+100/+300/+100 MHz | 95 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R7 | 1700 | 305 EUR | 8/16 (CCX: 4+4) | 2×8 MiByte | 3,0 GHz/+200/+500/+50 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R5 | 1600X | 245 EUR | 6/12 (CCX: 3+3) | 2×8 MiByte | 3,6 GHz/+100/+300/+100 MHz | 95 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R5 | 1600 | 205 EUR | 6/12 (CCX: 3+3) | 2×8 MiByte | 3,2 GHz/+200/+200/+100 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R5 | 1500X | 180 EUR | 4/8 (CCX: 2+2) | 2×8 MiByte | 3,5 GHz/+100/+100/+200 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R5 | 1400 | 155 EUR | 4/8 (CCX: 2+2) | 2×4 MiByte | 3,2 GHz/+0/+200/+50 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R3 | 1300X | 135 EUR | 4/4 (CCX: 2+2) | 2×4 MiByte | 3,4 GHz/+200/+100/+200 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
| R3 | 1200 | 115 EUR | 4/4 (CCX: 2+2) | 2×4 MiByte | 3,1 GHz/+0/+300/+50 MHz | 65 Watt | 2× DDR4-2400 Dual-Rank/-2667 Single-Rank |
AMD Ryzen 3: Wichtige Infos zum Test
Wie schon im Test des Ryzen 5 schauen wir in diesem Artikel primär auf die Leistung der beiden Ryzen-3-Modelle 1300X und 1200. Andere Aspekte, speziell solche, die wir bereits im Ryzen-7-Launch-Review behandelt haben, fallen daher hier unter den Teppich wie etwa Betrachtungen zur Architektur oder zur Pro-MHz-Leistung. Hierfür stehen die relevanten Informationen in unserem Launch-Review für Sie bereit.
Auch in Sachen Kühlerkompatibilität sowie zur neuen AM4-Plattform verweisen wir für ausführliche Details auf den Launch-Test der AMD Ryzen-CPUs. Prinzipiell sollten die meisten Kühler mit Standard-Retention-Modul nutzender Klammerbefestigung auch für AM4 taugen. Modelle mit eigener Backplate benötigen in der Regel ein neues Befestigungsset, welches viele Hersteller kostenfrei nachliefern. Wir testen mit der in der Praxis schnelleren der beiden offiziellen Speicher-Varianten: DDR4-2400 kann sich dank Dual-Rank-Aufbau gegen den nominell schnelleren, weil mit höherem Takt ausgestatteten DDR4-2667 in Single-Rank-Bauweise durchsetzen (s. Abschnitt unten!). Der Vergleichbarkeit halber finden die Tests auf dem X370-Board Asus Crosshair VI Hero statt, sodass auch die Leistungsaufnahme, welche in unsere Testnoten mit einfließt, für alle Probanden fair bleibt.
Wir haben für den Test der Ryzen-3-Modelle das UEFI auf die AGESA-1.0.0.6-basierende, offiziell verfügbare Version 1403 aktualisiert. Diese erhöht die Kompatibilität beim Speicher-OC, bringt aber bei Default-Taktraten in unseren Tests keine zusätzliche Performance - im AIDA64-Cache-Benchmark steigt auch die Speicherlatenz gegenüber AGESA 1.0.0.4 wieder etwas an, Auswirkungen hat dies in unseren Tests jedoch ebenfalls nicht.
In einem separat durchgeführten Test bewegten sich die Unterschiede zwischen X370 und B350-Board im Bereich von Messschwankungen, sodass AMD hieraus selbstverständlich kein Nachteil entsteht. Das B350-Board arbeitet jedoch ein paar Watt sparsamer als die opulenten X370-Modelle - aufseiten der Intel-CPUs wie auch der älteren AMD-CPUs verwenden wir allerdings ähnlich gelagerte Top-Boards, sodass auch hier keine Benachteiligung stattfindet - im Gegenteil, die Nutzung eines B350-Boards wäre hier eine AMD-Bevorzugung.
AMD Ryzen 3 1300X und 1200 im Benchmark
Gehen wir nun in medias res und kommen zu den Leistungswerten in unserem Standard-Parcours plus einige neuere Anwendungs-Versionen. Den Anfang macht eine Auswahl aus unserem Spiele-Parcours mit fünf von acht Titeln, gefolgt von einer ähnlichen Auswahl an Anwendungen. Abschließend kommt noch eine Benchmarkauswahl neuerer Anwendungsversionen, die im Falle von y-Cruncher bereits Ryzen-spezifische Optimierungen erhalten haben. Overclocking-Ergebnisse gibt es separat im nächsten Abschnitt.
Gaming
AMD Ryzen 3 1300X & Ryzen 3 1200
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AMD Ryzen 3 1300X & Ryzen 3 1200
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Oft wird die Frage aufgeworfen, warum wir teilweise ältere Spiele testen - und keine neuen Titel, welche die Charts anführen. Der Grund liegt in der Vergleichbarkeit und der Eignung als CPU-Tests. Zum einen sind moderne Titel je nach Patch-Level sehr volatil und ändern ihr Verhalten häufig, zum anderen tendieren sie manchmal ein wenig zur "Schönwetterperformance", wie etwa F1 2016, bei dem die fordernden Partikelsysteme des Vorgängers wegfallen, sodass unser Test-Spiel F1 2015 sogar besser auf die CPU-Leistung speziell mit mehreren Kernen oder Threads reagiert, als der Nachfolger, wie wir bereits zuvor dargelegt haben.
[PLUS] Detail-Skalierung in 10 Spielen: Grafische Prozessorlast in der Praxis
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