Nvidia sammelt seit Mai Telemetriedaten mit Geforce-Treiber
Quelle: Nvidia
Im vergangenen Frühling hat Nvidia begonnen, über den Treiber Telemetriedaten der Nutzer zu ermitteln, nachdem das vorher ausschließlich bei der Geforce-Experience-Software der Fall war. Dabei geht es um Basisinformationen zur verbauten Hardware. Das ist letztendlich nicht ungewöhnlich, eine offene Kommunikation wäre aber wünschenswert gewesen.
Momentan braut sich für Nvidia Ungemach in den Weiten des World Wide Webs zusammen. Thema ist die Sammlung von Telemetriedaten. Basisinformationen werden inzwischen nämlich auch über den normalen Treiber und nicht mehr nur über Geforce Experience gesammelt. Das ist bereits seit dem Geforce 368.25 vom vergangenen Mai der Fall, war bislang aber noch nicht aufgefallen. Die Änderung ist nur sichtbar, wenn man ein Programm einsetzt, das einzelne Prozesse im Autostart ausliest und nicht nur die übergeordneten Programme. Ein solches ist Microsofts Autoruns, das manuell heruntergeladen und installiert werden muss.
Früher wurden die drei Prozesse "NvTmMon", "NvTmRep" und "NvTmRepOnLogon" erst durch die Installation von Geforce Experience ausgeführt, jetzt eben auch während der Treiberinstallation exklusive GFE. An Nvidia werden so die PCI-ID und grundlegende Daten zur eingesetzten Hardware übermittelt, darunter das Grafikkartenmodell (GTX 1080, GTX 960, usw.), Monitorgröße und -auflösung, die eingesetzte CPU und der PCH auf dem Mainboard. AMD lässt während der Crimson-Treiberinstallation übrigens auch solche Daten auslesen.
Das Ganze hat einigen Webseiten nun den Anlass gegeben auszulesen, was Geforce Expierence an Daten sammelt. Dazu wird das Tool Wireshark eingesetzt, das die Netzwerkpakete analysiert. Die Basisinformationen von der Treiberinstallation werden deutlich detaillierter ausgeführt: Statt dem Grafikkartenmodell werden damit auch der Hersteller, die Spezifikationen und die anliegenden Taktraten übermittelt. Darüber hinaus liest Nvidia die genauen CPU-Spezifikationen, den eingesetzten Arbeitsspeicher, das genaue Mainboard-Modell mitsamt BIOS aus. In Bezug auf Spiele werden sowohl spezifische Treiber- als auch die Ingame-Grafikeinstellungen übermittelt, wobei die Nutzungszeiten und Frameverläufe mitprotokolliert werden. Zu guter Letzt werden die installierten Spiele und Clients (Steam, Origin, etc.) und die angeschlossenen USB-Geräte, wie Tastatur und Maus, ausgelesen.
In Foren und auf anderen sozialen Medien werden die erhobenen Daten nun mit Nvidias Datenschutzrichtlinie und EULA der Webseite in Verbindung gebracht. Dort heißt es, dass Nvidia nutzerbezogene Daten erhebt und diese unter anderem für personalisierte Werbung mit Business-Partnern teilt. Allerdings gelten diese Bestimmungen nur für die Webseite und nicht für Geforce Experience. Ein solches Vorgehen ist inzwischen ganz normaler Standard. In einer offiziellen Stellungnahme schreibt Nvidia dagegen:
"GeForce Experience collects data to improve the application experience; this includes crash and bug reports as well as system information needed to deliver the correct drivers and optimal settings. Nvidia does not share any personally identifiable information collected by Geforce Experience outside the company. Nvidia may share aggregate-level data with select partners, but does not share user-level data. The nature of the information collected has remained consistent since the introduction of Geforce Experience 1.0. The change with Geforce Experience 3.0 is that this error reporting and data collection is now being done in real-time."
Geforce Experience sammle genau diese Daten also schon seit seiner ursprünglichen Einführung mit Version 1.0 und nicht erst seit dem Update auf 3.0 im vergangenen September. Zudem sollen diese ausschließlich Nvidia-intern verarbeitet und nicht an andere Unternehmen übermittelt werden. Neu sei lediglich die Übermittlung in Echtzeit. Nvidia verspricht, dass keine personenbezogenen, sondern ausschließlich "aggregate-level", also gesammelte Daten mit Partnern geteilt würden. Ein fiktives Beispiel wäre: "20 Prozent der Nutzer haben eine Grafikkarte des Typs Geforce GTX 960 oder stärker". Solche Daten können für Entwicklerstudios wichtig sein. Naturgemäß lässt sich nicht überprüfen, ob Nvidia die Daten nicht doch verkauft oder teilt - wer da Angst hat, darf aber auch kein Steam, Origin oder andere Programme nutzen oder ohne Noscript plus VPN im Internet surfen.
Letztendlich ist bei Nvidia also nur die Erhebung von grundlegenden Telemetriedaten während der Treiberinstallation und die
Übermittlung in Echtzeit über Geforce Experience hinzugekommen. Auch wenn das nicht die Welt ist, wäre eine offene Kommunikation der Änderung wünschenswert gewesen, zumal solche Praktiken sowieso irgendwann publik werden. Die Prozesse für die Übertragung der Daten mit Geforce Experience lässt sich abstellen, womit das Tool aber weitgehend nutzlos wird.
