Patentstreit: Nokia erzwingt Verkaufsstopp von Lenovo-Geräten in Deutschland [Update]

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Patentstreit: Nokia erzwingt Verkaufsstopp von Lenovo-Geräten in Deutschland (1)
Quelle: Lenovo

Nokia hat im Patentstreit mit Lenovo einen Verkaufsstopp in Deutschland erwirkt. Es geht um Lizenzgebühren für den Videostandard H.264, die Lenovo als zu hoch empfindet.

Update 03.11.2020

Der Verkaufsstopp für Lenovo-Produkte, den Nokia in München erwirkte, ist vom Oberlandesgericht nun vorerst ausgesetzt. Solange die Berufung von läuft, kann Lenovo weiter Computer und Laptops verkaufen. Als interessant bewertet wurde dabei auch, wie schnell das Gericht hier handelte. Das OLG hob den Verkaufsstopp sehr schnell auf - schneller als viele erwartet hatten. Lenovo kann so erst einmal dem Alltag nachgehen, bis man sich im Streit um die Gebühren mit Nokia geeinigt hat.


Original-Artikel vom 22.10.2020

Im Patentstreit zwischen Nokia und Lenovo haben die Finnen nun da den Finger in die Wunde gelegt, wo es besonders weh tut: Die Anwälte haben per Eilverfahren in München einen Verkaufstopp für Deutschland erwirkt. Die Richter sahen die Argumentation der Nokia-Anwälte als schlüssig an und Lenovo muss nun die betroffenen Produkte aus dem deutschen Vertrieb nehmen - und das sind einige. Zubehör und Monitore gibt es weiter, aber darüber hinaus ist die Produktpalette nun stark ausgedünnt - Desktop-PCs und Laptops. All das darf in Deutschland erst einmal nicht mehr verkauft werden.

Gestritten wird um Patente beim von der MPEG entwickelten Videokompressionsstandard H.264, die u.a. bei Nokia liegen und für die Lenovo Lizenzen bezahlen soll. Die Gebühren treibt Nokia bei den Systemanbietern ein, nicht bei den Chipherstellern selbst, die die eigentliche Technik zum hardware-en- und -decodieren verbauen. Doch die Chinesen wollen nicht mitspielen und weigern sich, die geforderten Gebühren zu zahlen, da man sie als zu hoch empfindet. Der Streit gipfelt für den Moment in Vertriebsstopp von Lenovo-Geräten in Deutschland, die potenziell das Patent verletzen. Vergleichbare Verfahren wurden für die USA, Brasilien und Indien angestrengt - alles Märkte mit besonders großer Kundenzahl. Lenovo fordert derweil, dass Nokia sich an das FRAND-Modell (kurz für fair, reasonable and non-discriminatory) hält und eine aus ihrer Sicht akzeptable Lizenzgebühr nennt.

Ziel der jüngsten rechtlichen Blüte ist es nun, die Unternehmen wieder an den Tisch zurückzubringen, wo sie sich über eine angemessene Lizenzgebühr einig werden wollen. Der Ausgang ist bislang offen. An Zahlungen oder einem Verkaufsstopp scheint Lenovo aber nicht mehr vorbeizukommen. Die Hardware-Unterstützung für H.264 und H.265 bekommt man nicht eben aus den verbauten Chips und auch wenn die lizenzfreien Alternativen AV1 und NetVC existieren und von großen Spielern in der Branche genutzt werden, so sind die MPEG-Formate doch zu weit verbreitet, um sie einfach aussperren zu können. Die Erkenntnis ereilte wohl auch Apple, die Nokia ebenfalls u.a. wegen H.264 vor Gericht zerrte. Schon damals vertrat Nokia die Ansicht, dass das FRAND-Modell nicht zum Einsatz kommen kann. Am Ende bezahlte Apple 2 Milliarden US-Dollar in einer außergerichtlichen Einigung, nachdem man sich bereits gegenseitig mit Klagen überzog. Ein Lizenz-Deal wurde damals nicht unterzeichnet, sondern eine Technologie-Kooperation angekündigt.

Quelle: Bloomberg

Hinweis: Um ursprünglichen Artikel sprachen wir davon, dass auch Smartphones nicht verkauft werden dürfen. Die sind aber nach wie vor erhältlich. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DaStash Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von P4TriX206
        Unser Dell Ansprechpartner hat auch gemeint das die aktuelle Auftragslage viel zu viel ist und somit die Lieferzeiten sich deutlich erhöhen -.-
        Daran ist Dell aber auch selber Schuld, wenn sie nur auf Intel setzen.^^

        MfG
      • Von DaStash Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von P4TriX206
        Unser Dell Ansprechpartner hat auch gemeint das die aktuelle Auftragslage viel zu viel ist und somit die Lieferzeiten sich deutlich erhöhen -.-
        Daran ist Dell aber auch selber Schuld, wenn sie nur auf Intel setzen.^^

        MfG
      • Von cuthbert Software-Overclocker(in)
        Zitat von xkraid
        Du scheinst davon auszugehen, das alle Hersteller gleichhohe Lizenzgebühren zahlen müssen und das nicht individuell mit jedem Lizenznehmer ausgehandelt wird.
        Habe ich geschrieben, dass alle gleiche Gebühren bezahlen

        Ich finde es lediglich unverständlich, dass eine Firma weiß, dass sie eigentlich Gebühren zahlen müsste, auch wenn es ungerechtfertigt scheint, es aber nicht tut.
        Die haben doch Juristen für so was und müssten wissen, dass einfach ignorieren nicht sonderlich schlau ist.
      • Von DarkWing13 BIOS-Overclocker(in)
        "Die Lizenzierung für den HEVC-Vorläufer AVC alias H.264 ist vergleichsweise einfach. Mit der MPEG-LA gibt es nur ein Konsortium, das die Patente verwaltet. Für Lizenznehmer ist eine Jahreshöchstgebühr festgelegt. Für HEVC gibt es dagegen zusätzlich zur MPEG-LA das konkurrierende Konsortium HEVC Advance, die im vergangenen Jahr gegründete Velos-Media, deren Lizenzbestimmungen bisher nicht öffentlich sind, sowie weitere große Unternehmen mit möglichen Patenten an HEVC, die in keinem der Konsortien organisiert sind. Die Kosten für HEVC-Lizenzen sind damit schwer zu kalkulieren. Außerdem sind sie extrem hoch - vor allem im Vergleich zu AVC -, da sie meist auch nicht mehr gedeckelt sind."
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        Die Frage ist, was Lenovo wirklich abdrücken muss, die 20 US-Cent können es wohl nicht sein...
        Oder sind es doch spezielle "Trump-China-Gebühren"?
      • Von xkraid Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat von cuthbert
        Aber auch dass sich Firmen wie Lenovo scheinbar herausnehmen, sich nicht an etablierte Lizenzbedingungen zu halten.
        Du scheinst davon auszugehen, das alle Hersteller gleichhohe Lizenzgebühren zahlen müssen und das nicht individuell mit jedem Lizenznehmer ausgehandelt wird.
      • Von P4TriX206 PC-Selbstbauer(in)
        Ja wir haben Anfang der Woche ein offizielles schreiben von unserem Lenovo Ansprechpartner bekommen und können aktuell keine Notebooks oder PC von Lenovo beziehen. Alle Projekte liegen auf Eis und werden jetzt zu Dell, HP oder Fujitsu umgezogen. Unser Dell Ansprechpartner hat auch gemeint das die aktuelle Auftragslage viel zu viel ist und somit die Lieferzeiten sich deutlich erhöhen -.-
      Direkt zum Diskussionsende
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