Originaler Klemmbaustein von 1947 kehrt zurück: Lego-Rivale zeigt erste Testgüsse
Lego-Konkurrent Kiddicraft möchte an den Erfinder des ursprünglichen Klemmbausteins erinnern. Nun zeigt man Testgüsse der Neuauflage des 1947er Steins mit seinen markanten Kerben. Vorstellbar sei auch ein Retroset.
Nie zuvor hatten Klemmbausteinfans so viel Auswahl wie heute. Lego gilt zwar noch immer als Marktführer, doch die Konkurrenz ist zahlreich und mächtig. Bluebrixx konnte nicht einmal ein Rechtsstreit mit den Dänen zu Fall bringen. Dabei hatte man einen Großteil seines Sortiments abverkaufen und anschließend neu auflegen müssen.
Der Rechtsstreit, der dem vorausgegangen war, verbietet Bluebrixx die Nutzung bestimmter Teile, nicht den Klemmbaustein als solchen. Der genießt nämlich schon lange keinen Patenschutz mehr. Einzelne Teile können jedoch einem ab der Anmeldung 20 Jahre gültigen Designschutz unterliegen
Bluebrixx war nicht der erste und wird vermutlich nicht der letzte Anbieter sein, mit dem sich die Dänen gerichtlich auseinandersetzen. Auch deshalb wird Lego häufig als Erfinder des Klemmbausteins wahrgenommen. Dabei war es der Brite Hilary Page, der den ursprünglichen Stein 1947 als "Self-Locking Building Bricks" auf den Markt brachte.
Pages Unternehmen Kiddicraft existiert schon lange nicht mehr. 2022 erwarb der Unternehmer und Klemmbaustein-Influencer Throsten Klahold die Namensrechte. Seither erscheinen wieder Kiddicraft-Sets, jedoch mit den heute üblichen Steinen.
Zum 80. Geburtstag des ursprünglichen Klemmbausteins möchte Klahold das Original wieder aufleben lassen. Darüber hatten wir Ende Mai schon berichtet. Nun hat der Unternehmer auf seinem Youtube-Kanal "Johnny's World" die ersten Testgüsse der Neuauflage vorgestellt. Außerdem hat er Ideen für Retrosets.
Das Original von 1947 im neuen Gewand
Gezeigt hatte Klahold die Steine bereits am Dienstag in einem Youtube-Short. Gestern Abend folgte ein Video mit einer ausführlicheren Vorstellung. Klahold zeigt dort 2x2 und 2x4 große Testgüsse in schwarzer Farbe. Wie bei den Originalsteinen gibt es keine Tubes im Innern. Dafür rücken die bei den 2x4-Steinen längeren Außenseiten unten ein klein wenig näher zusammen, während die kürzeren Außenseiten eine Rille aufweisen. Dadurch erhalten die längeren Außenseiten die notwendige Flexibilität für die Klemmwirkung.
Quelle: Thorsten Klahold @Johnny's World
Auch die Nachbauten verfügen über die markanten Kerben.
Da keine Tubes vorkommen, kann man die Steine versetzt bauen und nicht nur so, dass die Noppen senkrecht übereinanderliegen. Ein weiterer Vorteil: Wegen der Rillen und des Fehlens der Tubes passen Kabel für LEDs hindurch. Manche dürften zudem den Mauerwerks-Look schätzen, der durch die abgerundeten Ecken entsteht. Bei vielen Sets wäre er aber auch unpassend.
Bedingt durch die modernen Spritzgussmaschinen sind die Noppen hohl, die Innenseite des Retrosteins dadurch nicht mehr eben. Der Hersteller muss die Inprints daher anders platzieren. Je 2x2- und 2x4-Stein trägt drei solcher Inprints. Hinterlegt sind dort etwa die Schriftzüge "SELF LOCKING BUILDING BRICKS" und "HILARY PAGE DESIGN".
Alles in allem sind die Steine keine 1:1-Reinkarnation des Originals, sondern eine Annäherung. Ähnlich, aber nicht identisch fallen beispielsweise die kleinen Beulen auf den Noppen aus. Unterschiede finden sich auch beim Material. Damals kam kein ABS-Kunststoff, sondern Celluloseacetat zum Einsatz.
Im Video auf dem Kanal Johnny's World geht es zunächst um neue Bibel-Sets wie einen Adventskalender, der die Geburt Jesu nacherzählt. Ab etwa Minute 10:39 behandelt Klahold die Prototypen des neu aufgelegten Originalklemmbausteins.
Komplettes Set mit den neuen alten Klemmbausteinen möglich
Jeweils einer der neu aufgelegten Steine soll den kommenden Kiddicraft-Sets als Dreingabe beiliegen, um zum 80-jährigen Jubiläum des Klemmbausteins an den ursprünglichen Erfinder zu erinnern. Über Steingröße, Inprint und Farbe entscheidet Gevatter Zufall. Die eigentlichen Sets setzen weiterhin auf die heute üblichen Noppensteine.
Darüber hinaus denkt Kiddicraft laut Video über ein Jubiläumsset aus Retrosteinen nach. Eine Möglichkeit sei eine Neuauflage des ersten Kiddicraft-Sets, die aber entsprechend Geld koste. Alternativ könne sich Klahold eine abgespeckte Version mit ähnlicher Optik des Originals vorstellen, bei der man ein paar alte Bauanleitungen und eine Hilary-Page-Minifigur beilegt. Diese wäre auf 1947 Exemplare limitiert. Feedback unter dem Video sei ausdrücklich erwünscht.
Lego und die "Patente"
Quelle: JohnnysWorld unter CC0
Der heutige Lego-Stein und das Original von Kiddicraft.
Hilary Page besaß seinerzeit nur Patente beziehungsweise Patentanmeldungen für Großbritannien, Frankreich und die Schweiz. So konnten die Dänen ab 1949 ähnliche Modelle ohne Lizenzkosten produzieren. Nach dem Tod von Hillary Page im Jahr 1957 dauerte es nicht lange, bis auch die Patente in Großbritannien ausliefen. Im Laufe der Jahre entwickelte Lego den Noppenstein zu den Versionen weiter, die man heute in praktisch jedem Kinderzimmer findet.
Ein Patent hat Lego schon lange nicht mehr auf den Noppenstein. Zwischenzeitlich hatte man versucht, ihn wie die Mini-Figuren markenrechtlich schützen zu lassen. Dem schob der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits vor Jahren einen Riegel vor.
Seither ist das Designrecht bei den Dänen immer wieder Thema. Bluebrixx hatte man, wie eingangs schon geschrieben, im vergangenen Jahr vor dem Düsseldorfer Landgericht zur Verantwortung gezogen.
Anfang des Jahres entschied der EuG, dass sich nicht jedes neue Design 20 Jahre lang entsprechend schützen lässt. Exemplarisch entschieden hatte man dies am Beispiel der "1x2-Plate mit Clip", im Prinzip einer Verlängerung der nicht mehr geschützten "1x1"-Plate mit Clip". Das Gericht erkannte hier eine Neuerung, aber keine Eigenart. Entscheidend sei, dass beim informierten Nutzer ein neuer Gesamteindruck entsteht. Das tut er nach Ansicht der Richter nicht. Weil diese Interpretation auch auf andere Steine zutrifft, ließ Lego zuletzt mehrere Designs fallen.
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Quelle: Youtube
