Titan, Fall! - Digitale Distributionsplattformen sind die Seuche - Die PCGH-Meinung der Woche
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Andreas über den Digitale Distributionsplattformen am Beispiel von Titanfall.
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Heute äußert sich Andreas über Digitale Distributionsplattformen am Beispiel von Titanfall.
Digitale Distributionsplattformen sind die Seuche. Mit der Aussage mache ich mich jetzt vielleicht bei dem einen oder anderen unbeliebt, aber ich stehe zu meiner Pauschalbehauptung, die alle über einen Kamm schert – Steam, Origin, Uplay oder wer auch immer. Im konkreten Beispiel geht es um Titanfall, das bei Origin heruntergeladen werden kann und 50 (In Worten: Fünfzig) Gigabyte groß ist, die man allesamt durch seine Leitung schleusen muss. Wichtig: Es geht aber eigentlich gar nicht nur um Titanfall, Respawn Entertainment, Electronic Arts und Origin, sondern um alle – um jeden Entwickler, Publisher und Betreiber einer digitalen Distributionsplattform. Insbesondere Valve als Wegbereiter dieser Form der Versorgungskette.
Ohne Frage ist es sehr lobenswert, dass Titanfall nicht komprimiertes Audio verwendet. Das zeugt vom Qualitätsanspruch der Entwickler. Die Serverfarm von Electronic Arts ist zudem auch ohne Frage zügig unterwegs was Bandbreite angeht. Alles super! Aber irgendein Dussel muss den Klump halt trotzdem herunterladen. Mit einer 16k-Leitung liege ich wohl mindestens im oberen Mittelfeld, was Versorgungsbandbreite angeht, und die langen mir eigentlich auch vollkommen, wenn da nicht die spätrömische Dekadenz der Spieleindustrie wäre. 50 Gigabyte Download bedeuten bei 16 Mbit/s 6 Stunden, 56 Minuten und 40 Sekunden unter Idealvoraussetzungen. Wer das "Glück" hat, in einer weniger gut erschlossenen Gegend zu wohnen, kann sich auf 24 Stunden Download einstellen. Hallo?
Es ist mir ein Rätsel, wie sich die Spieleindustrie hinstellen kann und digitale Distribution zur Zukunft erklärt. Da könnte sich auch die Schweiz (Hoi mitenand!) hinstellen und den Handel über Seehäfen zum nationalen Wachstumsziel erklären. Super Plan, ohne Zugang zum Meer. Weil die Schweizer clevere Kerlchen sind, machen sie ihre Geschäfte mit Finanzprodukten – da braucht man keinen Seehafen. Zugegeben, der Vergleich mag etwas überzogen sein, aber Sie ahnen schon, worauf es hinauslaufen soll und ein Schmunzeln habe ich auch in Ihrem Gesicht entdeckt.
Aber zurück zum Punkt: In Deutschland ist die Breitbandversorgung einigermaßen gut, je nachdem, welchen Referenzpunkt man wählt. Wir liegen jedenfalls über EU-Schnitt und weit vor Nachbarn wie Polen oder internationalen Ländern, wenn sie nicht gerade Südkorea heißen. Wie wollen die Publisher da irgendetwas verkaufen, wenn selbst ich keine Lust habe, 50 Gigabyte herunterzuladen?
So schnell wird man jedenfalls zum Heavy User des Internets (wenn man denn kann) und muss nach neuesten Plänen der Telekommunikationsanbieter auch noch draufzahlen, weil man die vereinbarte Bandbreite gesprengt hat. "Ich hätt' gern den 2,10 Meter breiten Hummer H1. Liefern sie auch nach Hause? Die Zufahrtsstraße ist aber nur 1,70 Meter." Klar kann man jetzt auf den Versorgern rumhacken, sie sollen doch gefälligst den Ausbau vorantreiben, damit mein Hummer... - errr, halt - aber das wird das Problem nicht lösen – versprochen. So rasant wie die Daten steigen, kann man in Deutschland keine Kabel verbuddeln. Zumal das Infrastrukturgeschäft üblicherweise so läuft, dass sich der Nutzer den Gegebenheiten anpasst. Die Bahn muss auch ICEs mit 1.435 Millimeter Spurweite bestellen und Siemens sie so bauen, weil die Gleisbreite irgendwann so festgelegt wurde. "Puungdt!" An effektiven Kompressionsalgorithmen scheint irgendwie keiner mehr Interesse zu haben – seit der Abschaffung von ISDN mit 64 Kbit/s.
Zeitbedingt spiele ich halt auch nicht mehr annährend so viel wie früher und in solchen Fällen entstehen dann Situationen, wo die Download-Zeit für ein Spiel der Zeit entspricht, die ich letztlich zocken werden. Da stimmt dann einfach das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr. Was mache ich jetzt also? Wahrscheinlich werde ich mal in der Asservatenkammer von PC Games Hardware die Installationsmedien für Titanfall mitnehmen. 50 Gigabyte installieren sich von dort etwas schneller – auch wenn's trotzdem noch rund 40 Minuten bei ca. 22 MB/s (20x) Übertragungsrate dauert. "Hail to the Retail-Versionen, baby!" In diesem Sinne: Schönes Wochenende. =)
Redaktions-Kolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

eine etwas naive einstellung, find ich... was ist, wenn der hersteller meint, es wird mal zeit, das neue spiel zu kaufen, und deshalb anfängt, erstmal die onlineserver abzuschalten... "weil das alte dingen spielt doch keiner mehr..."?
oder ganz dumm: was ist, wenn valve sich mal verzettelt und einfach pleite geht?
darum will ich ein spiel OHNE den drecks onlinezwang auf einem DATENTRÄGER... und nicht auf irgendeinem käsigen server.
warum darf ich nicht auf bei mir zuhause vorhandener hardware im vorhandenen lan mit ein paar kumpels gegeneinander ballern? super ping-zeiten, gemeinschaftserlebnis hoch 10 und super stimmung. nee, es muss alles mit gewalt durchs netz gequetscht werden...
die großen downloads sind eine sache.
kopierschutz? langsam aber sicher sollten sich die publisher diese mühen sparen.
cloud-dienste zum sichern der speicherstände? optional, bitte. danke.
der häufig damit verbundene "online-zwang" nervt einfach nur. knapp 5 leute in meinem umfeld wollen diablo 3 spielen, können es aber nicht, weil sie kein internet haben.
dann kommt noch der datenschutz an sich ins spiel. lange agb's bei den clients erlauben das, ich nenn' es mal "mitschneiden" der spiele-sessions. man sammelt und sammelt und sammelt und hat dann tolle spieler-profile für die pr-abteilung, JUHU!
diese nutzen diese daten über uns "sklaven" für tolle releases, wie ... ääääh
Genauso sieht es aus. Es kommt mir nichts auf die HD, was irgendeinen Online Account als Zwangsvoraussetzung hat. Ob das nun Steam, Uplay oder sonstwie heißt. Mittlerweile fängt das ja auch schon bei den günstigen Games an, die es für ein paar Taler auf der Pyramide gibt. Nun gut...werden die halt jetzt auch liegen gelassen. Hab auch so ne riesige Menge, die man wann und wo man will jederzeit installieren kann, ohne das man sofort gegängelt wird.
Durch die Monopolstellung der Telekom, wird jeglicher Wettbewerb verhindert. Auch die Planungen was LTE und den Netzausbau mit Glasfaserkabeln betrifft sind miserabel für ein Exportweltmeister. Schaut auf Österreich, dort läufts doch auch!