Mythos Flugmodus: In Flugzeugen wirklich nötig?

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Mythos Flugmodus: In Flugzeugen wirklich nötig?
Quelle: Foto von 周 康

Ist der Flugmodus in Flugzeugen wirklich technisch nötig? Der Mythos hält sich tapfer, ist aber falsch. Den Fluggästen das Telefonieren zu untersagen, hat viele gute andere Gründe.

Jedes Smartphone hat einen Flugmodus, doch ist der in den namensgebenden Flugzeugen wirklich nötig? Dieser Mythos hält sich hartnäckig, aber realistisch gesehen ist es in Flugzeugen seit rund 20 Jahren nicht mehr nötig, seine Endgeräte in den Flugmodus zu verfrachten. Doch warum bitten Fluggesellschaften dann insbesondere bei Start und Landungen darum, das Handy auszuschalten? Auch dafür gibt es Antworten - andere, als man vermutet.

Seit 2022 sind in Europa generell Anrufe und Datentransfers über das Smartphone erlaubt, sofern man denn Netz hat. Dafür muss das Flugzeug ausgestattet sein, aber das ist eine andere Baustelle. Warum Fluggesellschaften darauf bestehen, dass Smartphones bei Starts und Landungen auszuschalten sind, ist, um die Leute von ihrem häufig wichtigsten Begleiter wegzulotsen. Ein zweiter Grund, generell auf den Flugmodus zu bestehen, ist der Pegel. Sie sitzen exemplarisch in einem Airbus A350-900 auf einem Langstreckenflug mit rund 300 anderen Fluggästen und jeder schlägt die Zeit mit Telefonaten tot. Dagegen ist das aufgebrachte Kind in der drittletzten Reihe nur eine Unannehmlichkeit. Klar gibt es heute ANC-Kopfhörer, aber manch einer dürfte das Telefonieren in Flugzeugen mit Rauchen vergleichen.

Damit soll "Air Rage" verhindert werden - die gewalttätige Wut auf Flugbegleiter und Passagiere, die durch den Stress des Fliegens verursacht wird, ist ein großes Problem in den Vereinigten Staaten, und es wird immer schlimmer. Deswegen ist die FAA auch nicht so weit wie die Europäer und man muss hier auch die Unterschiede sehen: Inlandsflüge sind in den USA sehr viel wichtiger im Verkehr als in Europa, wo man eher auf Züge und Autos ausweichen kann. Deswegen möchte man den Frieden am Himmel wahren. Die FAA meldete mehr als 10.000 widerspenstige Passagiere zwischen 2021 und 2023, was einem Anstieg von etwa 300 % gegenüber 2018 bis 2020 entspricht.

Und die Technik? Laut Untersuchungen der FAA spielt die Beeinflussungen von Flugzeugen durch Smartphones heute gar keine Rolle mehr und es gibt auch Zweifel daran, dass es jemals eine große Rolle gespielt haben könnte. Technisch gesehen gibt es keine Hinweise darauf, dass aktive Smartphones die Elektronik stören und zu Schlimmeren führten könnten. Damit bleibt der Flugmodus vor allem eine Erziehungsmaßnahme.

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MechUnit Software-Overclocker(in)
        Zitat von Sidewinder
        Dieser Artikel ist so lapidar geschrieben, dass sich jedem Avionik Ingenieur die Zähnägel hochrollen.
        Es ist kein Mythos sondern technisch absolut begündet.

        Dafür muss ich in diesem komplexen Umfeld etwas weiter ausholen.

        Jedes Passagierflugzeug und seine Komponenten werden nach bestimmten technischen Regularien entworfen und gebaut. Das sind im wesentlichen die DO-160 und CS-25. Je nach System kommen hunderte von zusätzlichen Bestimmungen hinzu.
        Um die Sicherheit des Flugzeuges und seiner Insassen zu gewährleisten, werden die Konsequenzen eines Ausfalls oder Störung jedes einzelnen Systems bewertet und eingestuft (von Minor bis Catastrophic, wobei letztes für den Totalverlust des Fluggeräts steht) - für jede dieser Klassifizierungen existieren genaue Vorgaben wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit sein darf (bei Catastrophic z.B. 10^-9).
        Kann ein Einzelsystem diese Vorgabe nicht einhalten wird mit Redundanzen gearbeitet, deshalb ist der Flight Management Computer z.B. 3x vorhanden.

        Zusätzlich wird im Rahmen des Safety Assessments für jedes System eine Common Cause Analys durchgeführt, um auszuschließen dass einzelne Ereignisse alle der Redundanten Systeme gleichzeitig außer Kraft setzen können. (Wenn z.B. alle redundanten Geräte direkt nebeneinander wären, könnte ein Feuer an diesem Ort alle auf einmal ausschalten - die Konsequenz wäre die Geräte über das gesamte Flugzeug zu verteilen)

        Das gesamte Flugzeug mit seinen tausenden Systemen ist also nur ein fliegender Haufen aus Metall und Kompositmaterialien, der durch eine unendlich scheinende Zahl aus Wahrscheinlichkeiten in der Luft gehalten wird. (Manchmal auch "Magic" genannt

        Soweit verstanden? Gut!

        Als sich im vergangenen Jahrtausend Mobiltelefone verbreitet haben, war dies der Alptraum aller Flugzeugingenieure und Zulassungsbehörden.
        Ein kleiner Sender mit starker Sendeleistung, dass in das Innere eines der komplexesten Gerätschaften die die Menschheit entwickelt hat eingebracht wird. Ganz dicht an die vielen Sicherheitsrelevanten elektrischen Kisten, die auf ihren Prozessoren und Bus-Leitungen auch ähnliche Frequenzen haben!
        Die Redundanzen sind gefährdet, da ein Sender das Potential hat alle Geräte gleichermaßen zu stören.

        Zusätzlich besteht die Gefahr, dass eines dieser fiesen Minisender durch einen Defekt auf ganz anderern Frequenzen als vom Hersteller vorgesehen sendet (sogenannte out-of-band transmissions).

        Die Gefahr wurde erkannt und die Flugsicherheitsbehörden wie FAA oder der FAR (Vorläufer der EASA) haben die Benutzung sofort für den gesamten Flug untersagt.
        Als dann die ersten Störungen auf dem VHF Funkverkehr, verursacht durch nicht abgeschaltete Mobiltelefone, aufgetreten sind, musste reagiert werden.

        Es wurde damit begonnen die tausenden Systeme auf mögliche Störungen zu überprüfen und für den Betrieb im Bereich von Mobilfunksendern zu zertifizieren. Das Stichwort lautet HIRF Tolerant (High Intensity Radiated Fields).
        Die Behörden und Gremien haben neue Anforderungen definiert.
        D.h. die Hersteller mussten nun ihre Geräte mit geänderten Anforderungen nachtesten.

        Viele Hersteller haben diesen zeitaufwändigen und teuren Prozess nur für neue Produkte eingeführt, auch Flugzeughersteller haben ältere Flugzeugmuster ersteinmal außen vor gelassen.
        So hat es mehrere Jahrzehnte gedauert, bis die ein großteil der Flugzeugmuster HIRF Zertifiziert gewesen ist und auch jetzt fliegen noch etlich non-HIRF Flieger.

        Diese Parallelen haben dazu geführt, dass verschiedene Airlines unterschiedliche Bestimmungen zm Betrieb von PED (personal electronic devices) haben, je nachdem wie ihre Flotte zerfiziert ist.

        TLDR;

        Aus technischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit einer Störung der Flugrelevaten Systemen bei HIRF zertifizierten Fliegern ausreichend gering (im Sinne der EASA/FAA vorgaben CAT s.h. oben), um den den Betrieb von PED inkl. Mobilfunk zuzulassen.

        Einziges Problem: out-of-band Transmissions können den Funkverkehr stören.
        Bei bis zu 400 potentiellen Sendern im hohen MHz Bereich in der Kabine, die nicht nach technischen Vorgaben für Luftfahrzeuge konstruiert wurden, ist die Wahscheinlichkeit einer ungewollten Transmission = 1 anzusehen.

        Um diese Gefahr zu mitigieren, hilft man sich mit einem Kniff.

        Im Safetey Assessment (nach SAE ARP4761) wird die Klassifizierung der Konsequenzen für jede einzelne Fluphase bewertet.
        Im Falle der VHF Kommunikation ist eine Störung nur den Phasen Start und Landung mindestens als "Hazardous" anzusehen (man Stelle sich vor die Fluglotsen wollen eine Crew vor einer unmittelbaren Kollision warnen), hier kommt es evtl. auf Sekunden an.

        Um den hohen Sicherheitsstandard eines Flugzeugs zu gewährleisten, ist es daher nicht nur eine "erzieherische Maßnahme", dass die Passagiere bei Start und Landung ihre Mobilfunkgeräte abschalten, sondern zwingend erforderlich.

        Resumee

        "Ja aber....die Wahrscheinlichkeit, dass die Ereignisse gleichzeitig eintreten ist doch so gering...." - mag der ein oder andere unbelehrbare Passagier denken.

        Nach mathematischer Betrachtung aber nicht gering genug!
        Nur aufgrund dieser strengen Regeln ist ein Flugzeug so sicher, wie es heutzutage ist.

        Mit diesem Thema haben sich Heerschaaren an Ingenieren sehr lange beschäftigt und teilweise ihr gesamtes Berufsleben gewidmet. Die meisten vermutlich klüger als wir.
        Wir wollen nicht anfangen die Sicherheit zu minimieren, indem wir Ebenen aus dem Schweizer-Käse-Modell entfernen die mit Bedacht eingeführt wurden.

        Es existieren viele Dokumente zum diesem Thema. FAA, EASA, EUROCAE, IATA, IEEE, SAE, ICAO...alle haben sich Gedanken dazu gemacht und entsprechende Dokumente veröffentlicht.

        Als Einstieg für den geneigten Leser empfehle ich das AMC 20-158A, das als Grundlage zur Zulassung für HIRF tolerante Systeme dient.

        "Es geht immer solange gut, bis es einmal schief geht" - in diesem Sinne

        900 MHz ist immer noch eine gängige Frequenz, die von den meisten Mobiltelefonen Weltweit unterstützt wird.
        Das ist aber nicht relevant für die Bestimmungen der Fluglinien. s.o.
        Danke für die Erlärungen und Aufklärung.

        Der PCGH-Artikel liest sich sowieso wie wo aufgeschnappt und nicht mal selbst formuliert, sondern eher wie maschinell übersetzt (Wortwahl, Grammatik). Mit Sicherheit liest er sich aber nicht wie vom Redakteur frei verfasst und schon gar nicht wie selbst recherchiert.
      • Von MechUnit Software-Overclocker(in)
        Zitat von Sidewinder
        Dieser Artikel ist so lapidar geschrieben, dass sich jedem Avionik Ingenieur die Zähnägel hochrollen.
        Es ist kein Mythos sondern technisch absolut begündet.

        Dafür muss ich in diesem komplexen Umfeld etwas weiter ausholen.

        Jedes Passagierflugzeug und seine Komponenten werden nach bestimmten technischen Regularien entworfen und gebaut. Das sind im wesentlichen die DO-160 und CS-25. Je nach System kommen hunderte von zusätzlichen Bestimmungen hinzu.
        Um die Sicherheit des Flugzeuges und seiner Insassen zu gewährleisten, werden die Konsequenzen eines Ausfalls oder Störung jedes einzelnen Systems bewertet und eingestuft (von Minor bis Catastrophic, wobei letztes für den Totalverlust des Fluggeräts steht) - für jede dieser Klassifizierungen existieren genaue Vorgaben wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit sein darf (bei Catastrophic z.B. 10^-9).
        Kann ein Einzelsystem diese Vorgabe nicht einhalten wird mit Redundanzen gearbeitet, deshalb ist der Flight Management Computer z.B. 3x vorhanden.

        Zusätzlich wird im Rahmen des Safety Assessments für jedes System eine Common Cause Analys durchgeführt, um auszuschließen dass einzelne Ereignisse alle der Redundanten Systeme gleichzeitig außer Kraft setzen können. (Wenn z.B. alle redundanten Geräte direkt nebeneinander wären, könnte ein Feuer an diesem Ort alle auf einmal ausschalten - die Konsequenz wäre die Geräte über das gesamte Flugzeug zu verteilen)

        Das gesamte Flugzeug mit seinen tausenden Systemen ist also nur ein fliegender Haufen aus Metall und Kompositmaterialien, der durch eine unendlich scheinende Zahl aus Wahrscheinlichkeiten in der Luft gehalten wird. (Manchmal auch "Magic" genannt

        Soweit verstanden? Gut!

        Als sich im vergangenen Jahrtausend Mobiltelefone verbreitet haben, war dies der Alptraum aller Flugzeugingenieure und Zulassungsbehörden.
        Ein kleiner Sender mit starker Sendeleistung, dass in das Innere eines der komplexesten Gerätschaften die die Menschheit entwickelt hat eingebracht wird. Ganz dicht an die vielen Sicherheitsrelevanten elektrischen Kisten, die auf ihren Prozessoren und Bus-Leitungen auch ähnliche Frequenzen haben!
        Die Redundanzen sind gefährdet, da ein Sender das Potential hat alle Geräte gleichermaßen zu stören.

        Zusätzlich besteht die Gefahr, dass eines dieser fiesen Minisender durch einen Defekt auf ganz anderern Frequenzen als vom Hersteller vorgesehen sendet (sogenannte out-of-band transmissions).

        Die Gefahr wurde erkannt und die Flugsicherheitsbehörden wie FAA oder der FAR (Vorläufer der EASA) haben die Benutzung sofort für den gesamten Flug untersagt.
        Als dann die ersten Störungen auf dem VHF Funkverkehr, verursacht durch nicht abgeschaltete Mobiltelefone, aufgetreten sind, musste reagiert werden.

        Es wurde damit begonnen die tausenden Systeme auf mögliche Störungen zu überprüfen und für den Betrieb im Bereich von Mobilfunksendern zu zertifizieren. Das Stichwort lautet HIRF Tolerant (High Intensity Radiated Fields).
        Die Behörden und Gremien haben neue Anforderungen definiert.
        D.h. die Hersteller mussten nun ihre Geräte mit geänderten Anforderungen nachtesten.

        Viele Hersteller haben diesen zeitaufwändigen und teuren Prozess nur für neue Produkte eingeführt, auch Flugzeughersteller haben ältere Flugzeugmuster ersteinmal außen vor gelassen.
        So hat es mehrere Jahrzehnte gedauert, bis die ein großteil der Flugzeugmuster HIRF Zertifiziert gewesen ist und auch jetzt fliegen noch etlich non-HIRF Flieger.

        Diese Parallelen haben dazu geführt, dass verschiedene Airlines unterschiedliche Bestimmungen zm Betrieb von PED (personal electronic devices) haben, je nachdem wie ihre Flotte zerfiziert ist.

        TLDR;

        Aus technischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit einer Störung der Flugrelevaten Systemen bei HIRF zertifizierten Fliegern ausreichend gering (im Sinne der EASA/FAA vorgaben CAT s.h. oben), um den den Betrieb von PED inkl. Mobilfunk zuzulassen.

        Einziges Problem: out-of-band Transmissions können den Funkverkehr stören.
        Bei bis zu 400 potentiellen Sendern im hohen MHz Bereich in der Kabine, die nicht nach technischen Vorgaben für Luftfahrzeuge konstruiert wurden, ist die Wahscheinlichkeit einer ungewollten Transmission = 1 anzusehen.

        Um diese Gefahr zu mitigieren, hilft man sich mit einem Kniff.

        Im Safetey Assessment (nach SAE ARP4761) wird die Klassifizierung der Konsequenzen für jede einzelne Fluphase bewertet.
        Im Falle der VHF Kommunikation ist eine Störung nur den Phasen Start und Landung mindestens als "Hazardous" anzusehen (man Stelle sich vor die Fluglotsen wollen eine Crew vor einer unmittelbaren Kollision warnen), hier kommt es evtl. auf Sekunden an.

        Um den hohen Sicherheitsstandard eines Flugzeugs zu gewährleisten, ist es daher nicht nur eine "erzieherische Maßnahme", dass die Passagiere bei Start und Landung ihre Mobilfunkgeräte abschalten, sondern zwingend erforderlich.

        Resumee

        "Ja aber....die Wahrscheinlichkeit, dass die Ereignisse gleichzeitig eintreten ist doch so gering...." - mag der ein oder andere unbelehrbare Passagier denken.

        Nach mathematischer Betrachtung aber nicht gering genug!
        Nur aufgrund dieser strengen Regeln ist ein Flugzeug so sicher, wie es heutzutage ist.

        Mit diesem Thema haben sich Heerschaaren an Ingenieren sehr lange beschäftigt und teilweise ihr gesamtes Berufsleben gewidmet. Die meisten vermutlich klüger als wir.
        Wir wollen nicht anfangen die Sicherheit zu minimieren, indem wir Ebenen aus dem Schweizer-Käse-Modell entfernen die mit Bedacht eingeführt wurden.

        Es existieren viele Dokumente zum diesem Thema. FAA, EASA, EUROCAE, IATA, IEEE, SAE, ICAO...alle haben sich Gedanken dazu gemacht und entsprechende Dokumente veröffentlicht.

        Als Einstieg für den geneigten Leser empfehle ich das AMC 20-158A, das als Grundlage zur Zulassung für HIRF tolerante Systeme dient.

        "Es geht immer solange gut, bis es einmal schief geht" - in diesem Sinne

        900 MHz ist immer noch eine gängige Frequenz, die von den meisten Mobiltelefonen Weltweit unterstützt wird.
        Das ist aber nicht relevant für die Bestimmungen der Fluglinien. s.o.
        Danke für die Erlärungen und Aufklärung.

        Der PCGH-Artikel liest sich sowieso wie wo aufgeschnappt und nicht mal selbst formuliert, sondern eher wie maschinell übersetzt (Wortwahl, Grammatik). Mit Sicherheit liest er sich aber nicht wie vom Redakteur frei verfasst und schon gar nicht wie selbst recherchiert.
      • Von Sidewinder Software-Overclocker(in)
        Dieser Artikel ist so lapidar geschrieben, dass sich jedem Avionik Ingenieur die Zehnägel hochrollen.
        Es ist kein Mythos sondern technisch absolut begündet.

        Dafür muss ich in diesem komplexen Umfeld etwas weiter ausholen.

        Jedes Passagierflugzeug und seine Komponenten werden nach bestimmten technischen Regularien entworfen und gebaut. Das sind im wesentlichen die DO-160 und CS-25. Je nach System kommen hunderte von zusätzlichen Bestimmungen hinzu.
        Um die Sicherheit des Flugzeuges und seiner Insassen zu gewährleisten, werden die Konsequenzen eines Ausfalls oder Störung jedes einzelnen Systems bewertet und eingestuft (von Minor bis Catastrophic, wobei letztes für den Totalverlust des Fluggeräts steht) - für jede dieser Klassifizierungen existieren genaue Vorgaben wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit sein darf (bei Catastrophic z.B. 10^-9).
        Kann ein Einzelsystem diese Vorgabe nicht einhalten wird mit Redundanzen gearbeitet, deshalb ist der Flight Management Computer z.B. 3x vorhanden.

        Zusätzlich wird im Rahmen des Safety Assessments für jedes System eine Common Cause Analyse durchgeführt, um auszuschließen, dass einzelne Ereignisse alle der Redundanten Systeme gleichzeitig außer Kraft setzen können. (Wenn z.B. alle redundanten Geräte direkt nebeneinander wären, könnte ein Feuer an diesem Ort alle auf einmal ausschalten - die Konsequenz wäre die Geräte über das gesamte Flugzeug zu verteilen)

        Das gesamte Flugzeug mit seinen tausenden Systemen ist also nur ein fliegender Haufen aus Metall und Kompositmaterialien, der durch eine unendlich scheinende Zahl aus Wahrscheinlichkeiten in der Luft gehalten wird. (Manchmal auch "Magic" genannt

        Soweit verstanden? Gut!

        Als sich im vergangenen Jahrtausend Mobiltelefone verbreitet haben, war dies der Alptraum aller Flugzeugingenieure und Zulassungsbehörden.
        Ein kleiner Sender mit starker Sendeleistung, der in das Innere eines der komplexesten Gerätschaften die die Menschheit entwickelt hat eingebracht wird. Ganz dicht an die vielen Sicherheitsrelevanten elektrischen Kisten, die auf ihren Prozessoren und Bus-Leitungen auch ähnliche Frequenzen nutzen!
        Die Redundanzen sind gefährdet, da ein Sender das Potential hat alle Geräte gleichzeitig zu stören.

        Zusätzlich besteht die Gefahr, dass eines dieser fiesen Minisender durch einen Defekt auf ganz anderen Frequenzen als vom Hersteller vorgesehen sendet (sogenannte out-of-band transmissions).

        Die Gefahr wurde erkannt und die Flugsicherheitsbehörden wie FAA oder der JAA (Vorläufer der EASA) haben die Benutzung sofort für den gesamten Flug untersagt.
        Als dann die ersten Störungen auf dem VHF Funkverkehr, verursacht durch nicht abgeschaltete Mobiltelefone, aufgetreten sind, musste reagiert werden.

        Es wurde damit begonnen die tausende Systeme auf mögliche Störungen zu überprüfen und für den Betrieb im Bereich von Mobilfunksendern zu zertifizieren. Das Stichwort lautet HIRF Tolerant (High Intensity Radiated Fields).
        Die Behörden und Gremien haben neue Anforderungen definiert.
        D.h. die Hersteller mussten nun ihre Geräte mit geänderten Anforderungen nachtesten.

        Viele Hersteller haben diesen zeitaufwändigen und teuren Prozess nur für neue Produkte eingeführt, auch Flugzeughersteller haben ältere Flugzeugmuster ersteinmal außen vor gelassen.
        So hat es mehrere Jahrzehnte gedauert, bis ein großteil der Flugzeugmuster HIRF Zertifiziert gewesen ist und auch jetzt fliegen noch etlich non-HIRF Flieger.

        Diese Parallelen haben dazu geführt, dass verschiedene Airlines unterschiedliche Bestimmungen zm Betrieb von PED (personal electronic devices) haben, je nachdem wie ihre Flotte zerfiziert ist.

        TLDR;

        Aus technischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit einer Störung der Flugrelevaten Systemen bei HIRF zertifizierten Fliegern ausreichend gering (im Sinne der EASA/FAA vorgaben CAT s.h. oben), um den den Betrieb von PED inkl. Mobilfunk zuzulassen.

        Einziges Problem: out-of-band Transmissions können den Funkverkehr stören.
        Bei bis zu 400 potentiellen Sendern im hohen MHz Bereich in der Kabine, die nicht nach technischen Vorgaben für Luftfahrzeuge konstruiert wurden, ist die Wahscheinlichkeit einer ungewollten Transmission = 1 anzusehen.

        Um diese Gefahr zu mitigieren, hilft man sich mit einem Kniff.

        Im Safetey Assessment (nach SAE ARP4761) wird die Klassifizierung der Konsequenzen für jede einzelne Fluphase getrennt bewertet.
        Im Falle der VHF Kommunikation ist eine Störung nur in den Phasen Start und Landung mindestens als "Hazardous" anzusehen (man Stelle sich vor die Fluglotsen wollen eine Crew vor einer unmittelbaren Kollision warnen), hier kommt es evtl. auf Sekunden an.

        Um den hohen Sicherheitsstandard eines Flugzeugs zu gewährleisten, ist es daher nicht nur eine "erzieherische Maßnahme", dass die Passagiere bei Start und Landung ihre Mobilfunkgeräte abschalten, sondern zwingend erforderlich.

        Resumee

        "Ja aber....die Wahrscheinlichkeit, dass die Ereignisse gleichzeitig eintreten ist doch so gering...." - mag der ein oder andere unbelehrbare Passagier denken.

        Nach mathematischer Betrachtung aber nicht gering genug!
        Nur aufgrund dieser strengen Regeln ist ein Flugzeug so sicher, wie es heutzutage ist.

        Mit diesem Thema haben sich Heerscharen an Ingenieuren sehr lange beschäftigt und teilweise ihr gesamtes Berufsleben gewidmet. Die meisten vermutlich klüger als wir.
        Wir wollen nicht anfangen die Sicherheit zu minimieren, indem wir Ebenen aus dem Schweizer-Käse-Modell entfernen die mit Bedacht eingeführt wurden.

        Es existieren viele Dokumente zum diesem Thema. FAA, EASA, EUROCAE, IATA, IEEE, SAE, ICAO...alle haben sich Gedanken dazu gemacht und entsprechende Dokumente veröffentlicht.

        Als Einstieg für den geneigten Leser empfehle ich das AMC 20-158A, das als Grundlage zur Zulassung für HIRF tolerante Systeme dient.

        "Es geht immer solange gut, bis es einmal schief geht" - in diesem Sinne

        Zitat von Lexx
        Die Zeiten von D-Netz und GSM sind vorbei.
        (Die konnten durchaus Funk und Elektronik stören.)

        Heutzutage dient der Flugmodus eher der Nervenschhonung
        Mitfliegender...
        900 MHz ist immer noch eine gängige Frequenz, die von den meisten Mobiltelefonen Weltweit unterstützt wird.
        Das ist aber nicht relevant für die Bestimmungen der Fluglinien. s.o.
      • Von chill_eule Kokü-Junkie (m/w)
        Darf ich dann jetzt auch wieder auf der Tankstelle rauchen?

        PS: Ich saß seit gut 20 Jahren in keinem Flugzeug mehr ^^
        Was für [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] einen Knochen ich damals hatte, who knows

        Zitat von hoppel_die_pop
        Man redet/telefoniert automatisch unglaublich laut ohne es zu merken.
        "Warum schreist du so?"
        "Ich spreche mit Übersee!"
        "Warum nimmst du nicht das Telefon?!"
      • Von hoppel_die_pop
        Zitat von empy
        Naja, wenn es zum Telefonieren reicht, reicht es ja vermutlich auch zum Surfen oder Musikhören mit Kopfhörern (sollte eigentlich ja selbstverständlich sein, aber naja...) Wäre schade, wenn man das nicht machen könnte, weil sich ein paar nicht genieren, über jegliche Themen lang und breit laut in der Öffentlichkeit rumzuquaken. Ich bin jetzt noch nicht so viel geflogen, kenne das aber aus Zügen leider zur Genüge. Aber vielleicht werden eh nur die ermahnt, die genau das machen?
        Ich bin schon viel geflogen und viel Zug gefahren. Den Flugmodus, bzw Zug-modus sollten die mal bei der Bahn einführen. Telefonieren nur in quasi ausgewiesenen Bereichen der Gänge. Nicht auf den Sitzplätzen. Finde doe Leute echt nervig beim Telefonieren. Man redet/telefoniert automatisch unglaublich laut ohne es zu merken.
      • Von empy Lötkolbengott/-göttin
        Naja, wenn es zum Telefonieren reicht, reicht es ja vermutlich auch zum Surfen oder Musikhören mit Kopfhörern (sollte eigentlich ja selbstverständlich sein, aber naja...) Wäre schade, wenn man das nicht machen könnte, weil sich ein paar nicht genieren, über jegliche Themen lang und breit laut in der Öffentlichkeit rumzuquaken. Ich bin jetzt noch nicht so viel geflogen, kenne das aber aus Zügen leider zur Genüge. Aber vielleicht werden eh nur die ermahnt, die genau das machen?
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