Core i9-7900X im Test-Update - Intel, Skylake-X und die Brechstange gegen Ryzen Threadripper
Test-Update: Heute, am 19. Juni, fällt der offizielle Startschuss für Intels Basin-Falls-Plattform, welche aus X299-PCH, dem Sockel 2066 sowie Kaby Lake-X mit vier und Skylake-X mit bis zu 18 CPU-Kernen besteht. Den Anfang machen der Core i7-7740X (4c/8t) und der Core i9-7900X (10c/20t), die ab kommendem Montag ausgeliefert werden sollen. Hier ein Überblick und ein paar erste Performance-Werte.
Inhaltsverzeichnis
Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und das merkt man gerade vor allem bei Intel, der sich durch AMDs Ryzen 7 und Ryzen Threadripper im High-End-Bereich offenbar gehörig unter Druck gesetzt fühlt. Selten gab es so viele kurzfristige Umentscheidungen, was Veröffentlichungstermin, Namensgebung und Spezifikationen angeht. Als offenes Geheimnis gilt, dass Intel die Veröffentlichung des Sockels 2066 samt Skylake-X und Kaby Lake-X vom August auf den jetzigen Juni vorverlegt hat (siehe dazu auch den separaten Artikel zu Skylake-X-Mainboards auf PCGH.de). Das trifft allerdings nur für die beiden Kaby-Lake-X-Vierkerner Core i5-7640X und i7-7740X sowie die drei Skylake-X-CPUs Core i7-7800X, i7-7820X und i9-7900X zu, die ab kommender Woche ausgeliefert werden sollen - nette Anekdote: CPU-Z liest die Modelle noch als Core i7 mit K-Suffix aus, wie Intel sie auch ausgeliefert hat - angeblich, um das "Core i9"-Branding möglichst lange geheim zu halten. Möglicherweise aber auch, weil ihnen Core i9 erst auf den letzten Drücker eingefallen ist? Die großen Schwestern mit 12 bis 18 Kernen sollte es ursprünglich gar nicht geben.
Die Sockel-2066-Plattform hat noch Kinderkrankheiten und offizielle Testmuster fehlen
Die fehlenden zwei Monate merkt man der gesamten Plattform deutlich an. Das Bild erinnert allzu sehr an AMDs Veröffentlichung von Ryzen 7 und dem AM4-Unterbau. Kurz vor dem NDA-Fall senden uns die Mainboard-Hersteller noch neue BIOS-Versionen zu, welche die Performance teils deutlich verbessern. Zuvor sind die Ergebnisse alles andere als konsistent, was sich unter anderem in einer schlechteren Spiele-Performance des Core i9-7900X verglichen mit dem Vorgänger Core i7-6950X zeigt.
Weil Intel die Testmuster für die deutsche Fachpresse aus den USA über Großbritannien schickt, hat PC Games Hardware (neben anderen Publikationen) übrigens noch keine von Intel freigegebenen CPUs erhalten. Stattdessen müssen wir vorerst auf Engineering Samples aus dritter Quelle zurückgreifen, die vom Chiphersteller nicht validiert wurden. Die Spezifikationen entsprechen jenen eines Core i7-7740X (Kaby Lake-X) und Core i9-7900X (Skylake-X), Fehler wie falsche AVX-Multiplikatoren können wir jedoch nicht ausschließen. Wir sagen an dieser Stelle ausdrücklich, dass es sich nur um eine Testvorschau handelt, und verzichten auf detaillierte Messungen - Beta-Hardware kombiniert mit Beta-Software kann schlichtweg kein abschließendes Bild liefern.
Sockel 2066 vereint Mittel- und Oberklasse
Weil Kaby Lake-X physisch Kaby Lake-S entspricht, wirkt der Siliziumchip auf dem Package geradezu winzig
Quelle: PC Games Hardware
Intel sieht für den Sockel 2066 sowohl Kaby Lake-X als auch Skylake-X vor. Kaby Lake-X entspricht physisch eins zu eins Kaby Lake-S mit vier Kernen (Core i5-7400 bis i7-7700K), soll sich dank einer höheren TDP von 112 Watt aber besser übertakten lassen. Die X299-Mainboards sollen eine bessere Stromversorgung garantieren - Intel befürchtet, dass günstige H110-Mainboards etwa nicht mit den höheren Anforderungen klar kämen. Das Quad-Channel-Interface oder die zusätzlichen Anschlüsse von X299-Mainboards können der Core i5-7640X und i7-7740X nicht nutzen, sodass Interessenten vor dem Kauf genau nachsehen müssen, welche Funktionen verfügbar sind und welche nicht. Nominell takten die beiden Kaby-Lake-X-CPUs nur 100 MHz höher als der Core i5-7600K und i7-7700K, sodass das erwartete Performance-Plus im Bereich von 1 bis 3 Prozent liegt. Wir verzichten aufgrund des Zeitmangels vorerst auf Benchmarks. Für ein Bild der Übertaktbarkeit wird ohnehin nur ein Querschnitt von Retail-CPUs interessant.
Skylake-X umfasst sieben Prozessoren, von denen Intel vorerst die drei Modelle Core i7-7800X, i7-7820X und i9-7900X veröffentlicht - das Kürzel i9 soll eine neue Performance-Klasse darstellen und kommt ab zehn Kernen zum Einsatz. Muss sich der neue Sechskerner mit einem Plus von 100 MHz gegenüber dem i7-6800K begnügen, dürfen die größeren Modelle mit einem Plus von 300 bis 400 MHz rund zehn Prozent schneller takten als ihre Vorgänger. Schlechte Nachrichten gibt es für Multi-GPU-Nutzer, da erst der i9-7900X für voraussichtlich über 1.000 Euro (UVP: 999 US-Dollar) die vollen 44 PCI-Express-3.0-Lanes mit sich bringt. Darunter gibt es nur 28 Bahnen, sodass zwei Grafikkarten nur mit je acht versorgt werden können - auch wenn wir grundsätzlich von Crossfire beziehungsweise SLI abraten, ist das für eine High-End-Plattform durchaus von Bedeutung.
Der Core i9-7920X mit 12 Kernen soll derweil im August, eventuell zur Gamescom (22. - 26. August), erscheinen, alle Modelle darüber im Oktober. Spezifikationen nennt Intel auch zum heutigen offiziellen Launch nicht.
Die neuen Modelle im Überblick:
| Modell | Codename | Kerne/Threads | Basistakt (Ghz) | Turbo 2.0 (Ghz) | Turbo 3.0 (Ghz) | L3-Cache (MiB) | TDP (Watt) | PCI-E-Lanes | Preis (USD) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Core i9-7980XE | Skylake-X | 18/36 | ? | ? | ? | 24,75 | ? | ? | 1.999 |
| Core i9-7960X | Skylake-X | 16/32 | ? | ? | ? | 22,0 | ? | ? | 1.699 |
| Core i9-7940X | Skylake-X | 14/28 | ? | ? | ? | 19,25 | ? | ? | 1.399 |
| Core i9-7920X | Skylake-X | 12/24 | ? | ? | ? | 16,5 | ? | ? | 1.199 |
| Core i9-7900X | Skylake-X | 10/20 | 3,3 | 4,3 | 4,5 | 13,75 | 140 | 44 | 999 |
| Core i7-7820X | Skylake-X | 8/16 | 3,6 | 4,3 | 4,5 | 11,0 | 140 | 28 | 599 |
| Core i7-7800X | Skylake-X | 6/12 | 3,5 | 4,0 | - | 8,25 | 140 | 28 | 389 |
| Core i7-7740X | Kaby Lake-X | 4/8 | 4,3 | 4,5 | - | 8,0 | 112 | 16 | 339 |
| Core i5-7640X | Kaby Lake-X | 4/4 | 4 | 4,2 | - | 6,0 | 112 | 16 | 242 |
Skylake-X mit neuem Cache-Design, verbessertem Turbo 3.0 und ohne Ringbus
Skylake X - Broadwell E - Kaby Lake X
Quelle: PC Games Hardware
Intel fährt künftig zweigleisig, was Server und Mittelklasse-Desktop angeht. Weil die High-End-CPUs vom Server abstammen, gelten die Änderungen auch für diese. Gegenüber den Sockel-1151-Vier- und -Zweikernern Skylake-S wartet Skylake-X deshalb mit einigen Änderungen auf. Am ehesten macht sich das beim Cache-Design bemerkbar, denn der L3 schrumpft pro Kern von 2,5 auf 1,375 MiByte und ist jetzt exklusiv statt inklusiv ausgelegt. Die Daten des L2 müssen damit nicht mehr im L3 gespiegelt werden. Das wiederum erlaubt eine Vervierfachung des L2-Caches von 256 KiByte auf 1 MiByte pro Kern. Die Latenzen sollen trotzdem nur minimal steigen. Im Server-Bereich sollen dadurch AVX-Instruktionen besser laufen. Bei der Spiele-Performance erhofft sich Intel minimale IPC-Verbesserungen.
Ebenfalls eine Hardware-Neuerung stellt der Interconnect zwischen den CPU-Kernen, den Caches sowie dem I/O-Bereich dar, der nun durch ein Mesh (Geflecht) statt eines oder mehreren Ringbussen realisiert wird. Da die einzelnen Teile nicht mehr sprichwörtlich in Reihe geschaltet werden, soll die Kommunikation schneller ausfallen, die Latenz sinken und die Energieeffizienz steigen. Das dürfte vor allem bei den kommenden Topmodellen mit bis zu 18 Kernen interessant werden.
Rein Software-basiert ist der mit Broadwell-E eingeführte Turbo 3.0, den Intel mit Skylake-X von einem auf zwei Kerne ausweitet. Verfügbar ist der Taktmodus ab dem Core i7-7820X, der die zwei taktfreudigsten Kerne auf bis zu 4,5 GHz beschleunigen darf. Intel geht damit die Single-Thread-Schwäche der High-End-CPUs an, die erstmals ähnlich hohe Taktraten auf bis zu zwei Kernen erreichen wie die kleineren Vierkerner. Die nötigen Turbo-3.0-Treiber wurden inzwischen in Windows 10 integriert, die Unterstützung seitens der Mainboard-Hersteller soll wachsen. Im Test zeigte sich allerdings, dass diese 200MHz über den normalen Single-Core-Turbo hinaus eher Makulatur sind. Während im recht anspruchslosen Fritz Chessbench mit einem Thread noch des öfteren ein 45er-Multi anlag, war er ein solche im Cinebench Mangelware.
Hier die Intel-Präsentation zur Basin-Falls-Plattform:
Skylake-X im Vorabtest: Das Testsystem
Unser Engineering Sample entspricht wie gesagt einem Core i9-7900X mit zehn Kernen (20 Threads) und einem Basistakt von 3,3 GHz. Als Unterbau dient ein Asus ROG Strix X299-E Gaming, auf das wir das aktuelle BIOS 0401 geflasht haben. Erste Ergebnisse mit der älteren Version 0218 haben wir wieder verworfen - aufgrund der Zeitknappheit und Beta-Stadium liefern wir an dieser Stelle nur erste Benchmarks. Als Randnotiz: Wir befinden uns in der Abgabewoche für die PCGH-Ausgabe 08/2017. Im Heft finden Sie einen großen Test auf Basis von offiziellen Intel-Testmustern. Abschließende Betrachtungen und Benchmarks mit Sechs- und Achtkernern werden allerdings erst in den kommenden Wochen und Monaten möglich sein.
Intel Core i9-7900X mit Skylake-X-Kern im Benchmark-Test (Update)
Was lange währt... reift bekanntlich beim Kunden oder, wie in diesem Falle, beim Tester. Nach einer dem Ryzen-Launch vergleichbaren Irrfahrt, die noch durch die Abwesenheit offizieller Informationen wie zum Beispiel die korrekten AVX-Multiplikatoren verschlimmert wurde, haben wir nun den ersten Durchlauf des Benchmark-Parcours beisammen. Eine Auswahl der Werte mit je vier von acht Spielen und Anwendungen gibt's online, weitere Tests finden Sie in der PCGH-Printausgabe 08/2017, ab dem 5, Juli am Kiosk und ab 30. Juni 14:00 Uhr als digitaler Early Access. Dort gibt es auch umfangreiche OC-Tests und eine Plattform-Übersicht mit ersten X299-Mainboards.
Unsere Testumgebung für die Benchmarks des Core i9-7900X und des i7-7740X bestand aus folgenden Hauptkomponenten:
- 1× Intel Core i9-7900X (ES, von Intel für Testzwecke zur Verfügung gestellt und daher vorerst als repräsentativ anzusehen)
- 1× Intel Core i7-7740X (ES, von Intel für Testzwecke zur Verfügung gestellt und daher vorerst als repräsentativ anzusehen)
- Asus ROG Strix X299-E Gaming (UEFI: 0501 vom 21.06.2017)
- MSI X299 Gaming Pro Carbon AC (UEFI: E7A95IMS-113 vom 20.06.2017)
- 4× 8 GiByte Corsair Vengeange DDR4-RAM @2667 GT/s (Dual-Rank, Timinigs 15-14-14-34-1T)
- Geforce GTX 980 Ti OC (1,38 GHz/3,9 GT/s)
- Noctua NH-D15 Luftkühler (Lüfter aus dem Lieferumfang)
Die frischen UEFI-Versionen haben unsere anfänglichen Probleme behoben, es gab keine groben Stotterer mehr oder unerklärlich niedrige Performance in unseren Benchmarkszenen. Das bedeutet allerdings nicht, dass nun alles Friede-Freude-Eierkuchen im Skylake-X-Land wäre. In erster Linie durch den stark gesteigerten All-Core-Turbo-Takt erreicht der i9-7900X eine insgesamt knapp höhere Leistung als der i7-6950X (100 zu 97,1 im normierten und 60 [Spiele] zu 40 [Anwendungen] gewichteten PCGH-Leistungsindex). In unseren nach wie vor beibehaltenen Benchmark-Spielen ist der i9-7900X dem i7-6950X jedoch mit 93,4 zu 96,1 Indexpunkten unterlegen, kann sich aber in Anwendungen als neue 100-Prozent-Marke um elf Indexpunkte vor dem Broadwell-E-Zehnkerner platzieren.
Doch dieser Sieg geht auf Kosten der Effizienz. Hier geht trotz des vergleichsweise sparsamen Boards und der Einhaltung der 140-Watt-TDP (s. unten) kein Blumentopf an den Skylake-X-Zehnkerner: In beiden Einzelwertungen liegt er hinter dem i7-6950X und erreicht nur 83,8 gegen 88,0 % Spiele-Effizienz sowie 89,6 zu 100 % Anwendungseffizienz in unserem Index. In letztgenannter Disziplin liegt er damit nur drei Prozentpunkte vor den Ryzen 7 1700X und 1700. In absoluten Werten haben wir für das Gesamtsystem inklusive Grafikkarte, jedoch ohne Display, eine maximale Leistungsaufnahme in Spielen von 396 Watt ermittelt, die wir im Crysis-3-Benchmark erreicht haben. Der PC mit dem i7-6950X brauchte hier 370, das i7-7740X-System 315 Watt. Der Ryzen 7 1800X kam mit 326 Watt aus. In Anwendungen war unser Watt-Spitzenreiter die aktuelle y-Cruncher-Version 0.7.2.9469, die umfassend von AVX2 Gebrauch macht. Hier stehen 180 Watt für den i7-7740X (samt System) auf dem Display, der i7-6950X-PC benötigte 223 Watt, der Ryzen 7 1800X 201 und der i9-7900X 269 Watt.
Über den Spiele-Teil unseres Benchmark-Parcours ist die neue Architektur pro MHz und mit gleicher Kernzahl darüber hinaus rund vier Prozent langsamer als der Vorgänger bei identischer Speicherkonfiguration. In der PCGH 08/2017 haben wir dies exemplarisch mit acht (aktiven) Kernen und 3,2 GHz (auch für den LLC!) durchexerziert, um auch den Ryzen 7 mitvergleichen zu können. Mit derart grebremstem Takt (eigentlich, um den Einfluss des RAMs zu verringern) ergibt sich auch beim Stromhunger ein etwas niedrigerer Wert im Vergleich zu Broadwell-E, doch die Leistung fällt entsprechend mit ab, sodass die Effizienzbewertung pro MHz, pro Kern und pro GB/s ebenfalls zu Ungunsten des Skylake-X ausfällt. Bei 3,2 GHz schiebt sich der Ryzen 7 zwischen die beiden Intel-CPUs und schlägt Skylake X in Form des (als Achtkernern betriebenen!) Core i9-7900X um zwei Index-Prozentpunkte.
Der Core i7-7740X ist im Vergleich zu seinem/unserem Sockel-1151-Pendant ein ziemlich gutes Exemplar und benötigt unter Volllast nur 1,19 Volt für seine 4,5 GHz. Auch mit AVX2-Code (AVX512F beherrscht KBL-X nicht) hielt er seinen All-Core-Turbo von 4,5 GHz und blieb dabei unterhalb seiner TDP von 112 Watt. Durch die niedrige Spannung arbeitete er sehr effizient: Die X299-Plattform "Basin Falls" braucht im Gegensatz zum X99 prinzipiell nicht mehr Strom als Z270-basierende Platinen. Die Kombination von 2 Prozent mehr Kern- und 12 Prozent höherem RAM-Takt lässt ihn im Spiele-Durchschnitt knapp 6 Prozent vor seinem So1151-Kollegen landen. Die X299-Plattform mit ihren Speichersockeln für vier RAM-Kanäle (von denen die Hälfte mit KBL-X unbenutzbar bleibt) und meist nicht vorhandenem Lane-Splitting für den PEG-x16-Port (was letztlich in einer mit 8 PCIe-3.0-Lanes angebundenen primären Grafikkarte resultiert) ist für den i7-7740X und in logischer Folge den i5-7640X deutlich überdimensioniert. Nicht einmal die Heatspreader sind verlötet, sodass dieser potenzielle Vorteil der neuen Plattform ebenfalls an Kaby Lake-X vorübergeht. So dient die Kombination aus Sockel 2066, X299-PCH und Kaby Lake-X wohl nur dem Kundenfang durch günstigere Einsteigspreise bei der CPU.
Beim Core i9-7900X ist die Sache wesentlich komplizierter wie im ersten Update des Artikels bereits angedeutet. Das MSI-Mainboard lässt mit dem genannten UEFI 0501 dem Zehnkern-Prozessor bei der Leistungsaufnahme freie Bahn und zieht auch den All-Core-Turbo auf 4,0 GHz knallhart und unter allen Umständen durch. Das gilt auch für Lasten, welche die eigentliche TDP des Core i9-7900X sprengen, denn im Gegensatz zu vielen - wenn auch nicht allen - früheren Intel-Core-Modellen sind deutliche Überschreitungen der 140-Watt-TDP hier nicht die Ausnahme. Im Test mit Linpack haben wir mit dem Tool HWInfo64 über 200 Watt allein für die CPU ausgelesen - ein Blick auf das parallel laufende Wattmeter stützte diesen Wert. Auch in manch einem Spiel und Anwendungen fiel die 140-Watt-Marke. Unsere Luftkühlung gerät hier selbst im offenen Aufbau mit 26 °C Luftansaugtemperatur mit 85-90 °C an ihre Grenzen. Die Ergebnisse des "i9-7900X unlocked" entsprechend also dem, was ein leichtes OC zusammen mit de facto unbegrenzter Leistungsaufnahme ermöglichen.
Das Asus ROG Strix X299-E Gaming hingegen geht den anderen, spezifikationskonformeren Weg. Nach dem obligatorischen "Load optimized defaults" wird das TDP-Limit von 140 Watt durchgesetzt - notfalls auch auf Kosten der Taktraten, die entsprechend auch unter 4,0 GHz fallen. Kleine TDP-Abweichungen von 5 bis 10 Watt nach oben werden nach weniger als einer Sekunde wieder abgefangen - AMD macht es mit dem Ryzen ähnlich und erlaubt kurzzeitig bis zu 128 Watt. Auch frühere Intel-CPUs durften ihre TDP kurzzeitig überschreiten, um zugunsten der Leistung die thermale Trägheit des Kühlsystems auszunutzen. Der Core i9-7900X hingegen ist Intels erste Desktop-CPU seit langem, die auch ohne OC und ohne quasi-synthetische AVX2-Last, also etwa im Cinebench R15, ihre TDP-Grenze sprengt. Wir haben anhand des Asus-Boards und mithilfe von HWInfo64 folgende Werte ermittelt:
- Fritz Chessbench (nutzt max. 16 der 20 Threads): Multi 40 (4,0 GHz)
- Cinebench R15 (nutzt alle Threads): Multi 40-38 (4,0 bis 3,8 GHz)
- Cinebench R15 (beschränkt auf 8 Kerne/16 Threads): Multi 40 (4,0 GHz)
- Linpack 2017.01.01 (>9 Threads): Multi 32 (3,2 GHz)
- Linpack 2017.01.01 (9 Threads): Multi 36-35 (3,6-3,5 GHz)
- Linpack 2017.01.01 (8 Threads): Multi 36 (3,6 GHz, 140 Watt)
- Linpack 2017.01.01 (5 Threads): Multi 37 (3,7 GHz, 140 Watt)
- Linpack 2017.01.01 (3 Threads): Multi 37 (3,7 GHz, 98 Watt)
- Linpack 2017.01.01 (1 Thread): Multi 38 (3,8 GHz, 40 Watt)
Den Linpack-Verbrauch haben wir mit HWInfo64 ausgelesen - der Wert gilt rein für die CPU. Spannend dabei: Es gibt offenbar nicht nur eine Verbrauchsabriegelung, sondern auch eine Mulitplikator-Senkung mit den "optimized defaults". Diese bremst den Takt entweder bei AVX2-Last auf mehr als einem Kern oder aber beim Überschreiten des Power-Limits (40W?) für einzelne Kerne.
Nachtrag: Übrigens: Als für Übertakter und für Gamer ausgelegtes Board lassen sich auch beim Rog Strix X299-E Gaming die Drosseln entfernen: Power-Limit-Überschreitung und die entsprechende Anzahl in Sekunden sind im AI Tweaker Menü unter Internal CPU Power Management zu finden und hören auf die Namen "Long Duration Package Power Limit" und "Package Power Time Window". Setzen wir lediglich diese beiden Werte etwa auf 200 Watt und 60 Sekunden, genehmigt sich das i9-7900X bis zu 160 Watt, bleibt aber unter AVX(2)-Last im Gegensatz zu etwa Cinebench bei seinen gesenkten Multiplikatoren - die müssen im AI Tweaker-Menü bei Bedarf separat angehoben werden. Tipp: Ein Rücksetzen der Power-Limits auf "Auto" hatte im Test keine Wirkung, erst nach einem erneuten "Load optimized defaults" wurde das 140-Watt-Limit wieder durchgesetzt.
Trotz der Tatsache, dass Intel beim SkylakeX lediglich Wärmeleitpaste zwischen Die und Heatspreader verwendet, bleibt die Temperatur im Rahmen der 140 Watt TDP auch im Linpack noch im grünen Bereich - könnte aber natürlich besser ausfallen, wäre der Heatspreader verlötet was speziell angesichts der Preise der SKL-X-CPUs mindestens wünschenswert wäre. Im offenen Testaufbau erreichen wir bei Höchstlast (Linpack, AVX2, 10+ Threads) mit dem Noctua NH-D15 eine maximale Kerntemperatur von 67 °C ohne dass die Lüfter unangenehm laut werden. Anders sieht es bei "freier Entfaltung" der CPU, also mit ungedrosselter Leistungsaufnahme aus: Hier ist - wie weiter oben beschrieben - selbst die High-End-Luftkühlung an ihrer Grenze.
Wir haben die gewerteten Testergebnisse mit dem Asus-Board und entsprechender Einhaltung der TDP ermittelt. Als Quasi-OC-Ergebnis und weil es das Standard-Verhalten des MSI-Boards mit vorliegendem UEFI ist, haben wir die Werte mit freier Leistungsaufnahme ebenfalls mit in den Diagrammen untergebracht - wenn Sie sich daran stören sollten, können Sie sie natürlich auch ausblenden.
Gaming
Intel Skylake X/Kaby Lake X: Core i9-7900X & i7-7740X
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Applications
Intel Skylake X/Kaby Lake X: Core i9-7900X & i7-7740X
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Wir haben uns zusätzlich noch die Skalierung mit Hyperthreading angesehen - treue Leser erinnern sich vielleicht an unsere Empfehlung zum Ryzen-Launch, in vielen Spielen SMT, bei Intel als Hyperthreading vermarktet, besser zu deaktivieren. Bei Intel gilt das nur eingeschränkt, hier krankt lediglich unser klassisches SMT-Problemspiel Far Cry 4 nach wie vor deutlich bei zu vielen (virtuellen) Kernen: Bis zu 27 Prozent mehr Performance winken hier Hyperthreading-Abschaltern. In Witcher 3, AC: Syndicate, Crysis 3 und F1 2015 hingegen bringt SMT einen (sehr) kleinen Performance-Vorteil. Das ist aber auch ein wenig der Fluch der vielen Kerne, als ein grundlegendes Skylake-X-Problem, welches möglicherweise durch die überarbeitete Architektur verursacht wird. Ein Gegentest mit nur vier aktiven Kernen beim SKL-X mit und ohne HTT zeigt, dass im Schnitt noch 25 Prozent Leistung im Vergleich 4c/4t zu 4c/8t gewonnen werden - am stärksten profitieren Crysis 3 (+45 %) und F1 2015 (+57 %), aber auch Witcher 3 (+25 %) und AC: Syndicate (+39 %) gewinnen ansehnlich hinzu.
| Default | AC Syndicate | Crysis 3 | F1 2015 | Far Cry 4 | Witcher 3 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Intel Core i9-7900X (10c/20t) | Min.-Fps | 120 | 171 | 113 | 65 | 128 |
| Avg.-Fps | 129,8 | 197,5 | 136,1 | 83,4 | 133,1 | |
| Intel Core i9-7900X (10c/10t) | Min.-Fps | 119 | 170 | 106 | 81 | 125 |
| Avg.-Fps | 129,0 | 193,4 | 131,4 | 105,7 | 130,8 | |
| % | Min.-Fps | +0,8 % | +0,6 % | +6,6 % | -19,8 % | +2,4 % |
| % | Avg.-Fps | +0,6 % | +2,1 % | +3,6 % | -21,1 % | +1,8 % |
| Quadcore-SIM (Turbo-Takt höher!) | ||||||
| Intel Core i9-7900X (4c/8t) | Min.-Fps | 120 | 116 | 74 | 80 | 105 |
| Avg.-Fps | 127,1 | 134,3 | 95,4 | 104,4 | 109,7 | |
| Intel Core i9-7900X (4c/4t) | Min.-Fps | 83 | 84 | 48 | 86 | 82 |
| Avg.-Fps | 91,7 | 97,5 | 60,7 | 108,2 | 87,9 | |
| Min.-Fps | +44,6 % | +38,1 % | +54,2 % | -7,0 % | +28,1 % | |
| Avg.-Fps | +38,6 % | +37,7 % | +57,2 % | -3,5 % | +24,8 % |
Quasi als Abfall-Produkt gewinnen wir die Erkenntnis der Kernskalierung von vier Kernen ohne auf 10 Kerne mit HTT: Ohne die bekanntermaßen nicht mit HT oder vielen Kernen skalierenden Far Cry 4 und Starcraft 2 sind es stattliche 64 % Prozent (ansonsten +44 %) Performancezuwachs vom 4- auf den 10-Kerner - in Crysis 3 sogar +103, in F1 2015 +124 % Fps. Damit skaliert unser Parcours recht brauchbar mit zusätzlichen Kernen... In Anwendungen besteht diesbezüglich ja sowieso kein Problem.
Skylake-X im Vorabtest: Benchmarks
Skylake X Vorserienmuster in Asus ROG Strix X299-E Gaming
Quelle: PC Games Hardware
Wie bereits beschrieben, ist der Launch der Basin-Falls-Plattform offenbar mit reichlich heißer Nadel gestrickt worden und vielleicht ist es auch kein Zufall, dass es in Deutschland und Europa auf offiziellem Wege kaum möglich ist, an Testmuster zu kommen.
Einigermaßen zuversichtlich sind wir bei unseren Vorab-Ergebnissen mit dem Asus-UEFI 0401 in Sachen Anwendungen, während in Spielen noch einiges im Argen liegt. Nicht nur, dass die Fps in allen drei von uns ausprobierten Titeln deutlich hinter denen des Core i7-6950X liegen, auch trüben grobe Stocker das eigentlich flüssige Spielerlebnis. Hier warten wir mit der Veröffentlichung von Benchmarkergebnissen auf eine bereits angekündigte neue UEFI-Version, die uns in naher Zukunft erreichen soll.
Daher einstweilen die Anwendungs-Benchmarks - angefangen mit aktualisierten Versionen einiger Programme, wie sie auch schon bei den Ryzen-Reviews zum Einsatz kamen.
Applications [New Versions]
Intel Skylake X/Kaby Lake X: Core i9-7900X & i7-7740X
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(Für die ganze Eiligen: Die fehlenden Ryzen-7-Ergebnissen tragen wir sogleich nach). Erledigt.
Kleines Update: Für unsere bisher veröffentlichten Benchmarks haben wir die Werte mit den UEFI-Updates der letzten Woche (20./21. Juni für MSI respektive Asus) eingpflegt.
Das MSI-Board lässt mit dem UEFI 133 dem Core i9-7900X freie Bahn in Sachen Leistungsaufnahme - trotz abgeschaltetem "Enhanced Turbo". Die Folge: Selbst unter Volllast auf allen Kernen liegt hier mindestens der Allcore-Turbo von 4,0 GHz an und die CPU schluckt bis zu 220 Watt im y-Cruncher-Test (ausgelesen mit HWInfo64, die gleichzeitige Ablesung am Steckdosen-Messgeräte stützt diese Tendenz). Die Temperaturen bewegen sich auch im auf 26 °C klimatisierten Freiluftaufbau selbst mit einem Notcua NH-D15 mit knapp unter 90 Grad an der Grenze des Vertretbaren. Im Inneren eines geschlossenen Gehäuses dürfte in diesem Betriebsmodus mindestens eine Kompaktwasserkühlung nötig werden, um eine Drosselung zu vermeiden.
Das Asus-Board hingegen wacht mit dem UEFI 0501 streng darüber, dass der i9-7900X seine 140-Watt-TDP einhält. Hier sind lediglich einzelne, weniger als eine Sekunde kurze Spitzen auf bis zu 150 Watt zu verzeichnen, bevor die CPU eingebremst wird. Im Gegenzug bedeutet das: Selbst bei normalen, sprich nicht-synthetischen Lasten wird der Allcore-Turbo von 4,0 GHz teils deutlich auf bis zu 3,6 GHz unterschritten. Mit starker AVX2-/AVX512-Belastung drosselt das 140-Watt-konforme Asus-UEFI den i9-7900X teils unter seinen Basistakt von 3,3 GHz (wir haben hier 3,1-3,2 GHz gesehen) - ähnliches kennt man von entsprechenden Xeon-E5-CPUs, die eigene Turbo- und sogar Basis-Takte für AVX-Last aufweisen (1, 2). Selbst mit abgeschaltetem SMT, ergo niedrigerer Last pro Kern, blieb der Multi des i9-7900X etwa in y-Cruncher 0.7.2.9469 bei 36. Es dürfte sich hier also um das korrekte Verhalten handeln, welches das Asus-Board an den Tag legt.
Intel konnte auf unsere Nachfragen bisher nicht die gewünschten Antworten liefern, ob für die Skylake-X-Modelle nun tatsächlich dieselben Basis- und Turbo-Takte auch für den Betrieb mit AVX(2)/512F-Last erlaubt sind oder ob die Taktsenkung analog zu den Xeon-Prozessoren das gewünschte Verhalten darstellt. Aufgrund der Indizienlage gehen wir von Letzterem aus.
Der i7-7740X (unser Exemplar brauchte für die 4,5 GHz Standardtakt ab Werk nur maximal 1,19 Volt) blieb stets unter seiner TDP von 112 Watt und ist von dieser Problematik daher nicht betroffen. [Update Ende]
Während unseres Tests hatte ein knapp bemessener, jedoch für 140 Watt freigegebener Third-Party-Luftkühler schon beim Standard-Takt seine liebe Müh und Not, die Temperaturen des Core i9-7900X im Zaum zu halten. Während des Cinebench R15-Durchlaufes etwa gönnte sich unsere Vorserienplattform insgesamt satte 276 Watt - das sind 95 Watt mehr als beim i7-6950X und 91 Watt mehr als beim Ryzen 7-1800X. Über alle Anwendungs-Tests hinweg erreichte der Core i9-7900X nur 84% der Energieeffizienz des weiterhin regierenden Anwendungs-Effizienz-Königs i7-6950X, konnte aber erwartungsgemäß die reine Leistungskrone übernehmen. Fun Fact: Alle drei Ryzen-7-Modelle erreichen eine bessere Energieeffizienz als unser Vorserienmuster des i9-7900X.
Hier zeigt sich unserer Ansicht abermals, dass Intel mit den vergleichsweise hohen Turbo-Takten nun nicht mehr so sehr in der Komfortzone operieren kann, wie es früher der Fall war. Bereits der i7-7700K zeigte durch seine hohen Taktraten eine schlechtere Energieeffizienz als sein (architekturgleicher) Vorgänger, der i7-6700K
Skylake-X im Vorabtest: Vorläufiges Fazit
Die Veröffentlichung der Sockel-2066-Plattform wirkt wie ein Schnellschuss, um AMDs Ryzen Threadripper zuvorzukommen. Die Situation erinnert allzu sehr an AMDs Debüt von Ryzen 7 zusammen mit der AM4-Plattform für Endkunden: Kunden müssen sich auf BIOS-Flashes nach dem Kauf und einem noch nicht ganz konsistenten Leistungsbild einstellen. Abseits dessen verdienen die Skylake-X-CPUs schon deswegen eine Empfehlung im High-End-Bereich, weil die Preise pro Kern gegenüber Broadwell-E deutlich sinken - ein Core i7-6950X kostete noch über 1.700 Euro, der Core i9-7900X dürfte sich bei rund 1.100 Euro einpendeln. Die UVP für acht Kerne sinkt von 1.089 USD (Core i7-6900K) auf 599 USD (Core i7-7820X). AMDs Ryzen 7 mit acht Kernen stellt nur eine Alternative dar, wenn die schlechter ausgestattete AM4-Plattform in Frage kommt - für mehr steht voraussichtlich ab August der Sockel SP3r2 mit Ryzen Threadripper bereit.
Übertakter sollten indes eine Wasserkühlung mit ordentlich Kühlfläche mitbringen oder ein sogenanntes Köpfen in Betracht ziehen. Ansonsten leidet Skylake-X wie schon Kaby Lake-S und dessen Vorgänger an der Wärmeleitpaste zwischen Siliziumchip und Heatspreader. Der gestiegene Energiebedarf von Skylake-X gegenüber Broadwell-E sorgt schnell für Temperaturen an die 100 °C. Intel selbst empfiehlt im Reviewer's Guide übrigens ausdrücklich den Einsatz einer stärkeren Kompakt-Wasserkühlung.
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