Recht haben und Recht bekommen ist manchmal nicht das Gleiche. Das muss derzeit die Musikindustrie bei dem Versuch feststellen, ihr Copyright in Irland durchzusetzen. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Dass die Musikindustrie bei der Verteidigung ihrer Interessen schnell Anklage erhebt, ist nichts Neues. Doch diesmal haben EMI, Sony, Universal, Warner und WEA ein besonders großes Hühnchen zu rupfen: Der gesamte Staat Irland findet sich auf der Anklagebank wieder, weil die Regierung bislang nur unzureichende Möglichkeiten zum Vorgehen gegen Raubkopierer geschaffen hat - obwohl EU-Bestimmungen dies fordern.
Konkret geht es um die Möglichkeit, Internetzugänge zu sperren und Filesharing-Seiten zu blocken, wenn diese für Copyright-Verstöße genutzt werden. Die Musikindustrie hatte kürzlich versucht, den Internetprovider UPC mittels Klage zu derartigen Eingriffen zu zwingen. Doch die Klage wurde vom High Court zurückgewiesen - mit der Begründung, dass Internetsperren nach geltendem irischem Recht gar nicht erlaubt seien. Regelungen, die ein anderer Provider bereits in Zusammenarbeit mit der Musikindustrie anwendet, sind laut irischem Datenschutzbüro ebenfalls rechtswidrig.
Die irische Regierung unterdessen hat neue Verordnungen zum Copyright für Ende dieses Monats versprochen - offensichtlich glauben die Plattenfirmen aber nicht so ganz an eine Umsetzung in ihrem Interesse und versuchen über die nun eingereichte Klage, zusätzlichen Druck aufzubauen.
Quelle:
Heise.de
News, Tests und Wissen zu Multimedia-Themen finden Sie auf der
Multimedia-Übersichtsseite von PC Games Hardware Online.
Moderator
15.01.2012 01:49
Irland hat sich dazu verpflichtet, EU-Verordnungen einzuhalten. Europarecht steht über nationalem. Wenn sich die Regierung dem verweigern will, kann sie das ggf. - aber bislang bekennt sie sich zu ihren Verpflichtungen und in diesem Rahmen kann also geklagt werden.
Ob man erfolgreich klagt, ist ja nochmal eine ganz andere Frage. Aber eben genau um Fragen zu klären, sind Gerichte ja da.
Ich bin nicht in der Musikindustrie, beschäftige mich offensichtlich gerade damit und bin anderer Meinung. Wenn du statt Allgemeinplätzen auch Argumente hast, her damit - aber mit Pauschalaussagen kommen wir nicht weiter. Ich stelle jedenfalls fest, dass eine Einschränkung des Medienzuganges von Straftätern nicht unüblich ist (und um die geht es hier formell nunmal, auch wenn dass wiederum eine weitere Streitfrage wäre, in der du vermutlich anderer Meinung bist). Der Entzug von Mitteln für weitere Straftaten sowieso.
Schau mal ...
Lies ...
Ich wiederhole meine Aufforderung: Wenn du diskutieren willst, dann argumentiere. Ungenaue Aufforderungen und Ausflüchte bringen niemanden weiter.
Wenn du nicht diskutieren willst - was machst du dann in einem Diskussionsforum?
Beobachtung. Gestützt von Studien und Marktanalysen. Und ja: Eine Aussage über die Mehrheit hat nichts mit einer grundsätzlichen Sache zu tun. Will sie auch gar nicht. Das gilt genauso für deine Aussage über die Mehrheit bzw. sogar die Gesamtheit der Konentindustrie, auf die ich hier eingegangen bin.
- Informationszugang ist Menschenrecht
- freie Meinungsäußerung ist Menschenrecht
In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht nichts einschränkendes zu speziellen Kommunikationwegen Punkt Und wenn Du tausendmal Dieter Bohlen nicht magst - es hat nichts, aber auch gar nicht, mit dem Thema zu tun.
Thema dieses Threads
"Musikindustrie verklagt Irland"
Es gibt angrenzende Themen, die man gerne mit abhandeln kann - aber ich denke nicht, dass du im Alleingang und nach deinem Geschmack entscheidest, welche das sind. Das Beispiel "Dieter Bohlen" ist jedenfalls wesentlich näher an "Musikindustrie" dran, als "Menschenrechte".
Software-Overclocker
15.01.2012 01:13
In dem Fall bin ich aber mal auf den Erfolg gespannt. Denn zumindest dass, was die Industrie scheinbar fordert, geht auch über deutsche Regelungen hinaus (die afaik nicht gegen EU-Gesetze verstoßen). Entweder bringen sie hier gleich ein paar zusätzliche Forderungen mit in die Diskussion ein, oder aber die irischen Regelungen verstoßen nur gegen EU-Richtlinien, nicht Verordnungen. Und letztere müssen z.T. gar nicht umgesetzt werden, wenn sie gegen die Verfassung des Mitsgliedslandes verstoßen
Wie Du schon sagst, auch die Legislative muß sich an Gesetz halten. Irland hat aber Gesetze nicht geschaffen, weil verfassungsrechtliche Bedenken bestehen. Wer will sich also hier als Gesetzgeber aufspielen?
Nein. Wird von allen so gesehen, die sich damit beschäftigen, nicht in der MI beschäftigt sind und nicht Mitglied eines Parlamentes sind. Recht auf freie Meinungsäußerung, freier Zugang zu Medien etc.pp.
Quatsch. Schau Dir aktuelle Gerichtsurteile an.
Kapitalismus ist ein Begriff, der von Marx und Engels geprägt wurde. Den Kapitalismus im Sinne der kommunistischen Dogmatik hat es nie gegeben. Schau mal in Wikipedia nach sozialer Martkwirtschaft.
Auch vor 2000 Jahren hat es schon eine Art von Urheberrecht gegeben. Es galt z.B. schon im römischen Reich als verwerflich, Werke anderer als seine auszugeben. Vor 200 Jahren kannte man sehr wohl schon etwas wie Urheberrecht. Ansonsten weiß ich nicht, was Du mit Deiner Weisheit über PC-Benutzer sagen willst.
Wenn Du es sagst...
Sehr unreflektiert. Ersteinmal ist Sinn und Zweck der Menschenrechte, dem Individuum eine Basis an unabdingbaren Rechten zuzusprechen - gegenüber einem übermächtigen Staat. Wenn Du das mit dem Menschenbild der Antike bis hin zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen vergleichst, wirst Du einen grundsätzlichen Wandel im Bild des Menschen erkennen. Selbstverständlich hat das Individuum auch ein Recht auf Besitz, in das der Staat nicht ohne wichtigen Grund eingreifen darf.
Im Gegensatz dazu steht das Urheber- und Patentrecht. Sinn dieser Rechte ist dem Schöpfer eines Werkes oder auch dem Erfinder einer technischen Lösung oder eines neuen Medikamentes für eine begrenzte (!) Zeit Einkünfte aus seiner Schöpfung zu ermöglichen ohne den kulturellen oder technischen Fortschritt zu be- oder verhindern.
Lies "Courtney does the math" und Du wirst verstehen.
Primitives Bashing. Warum verallgemeinerst Du das? Hat nichts mit der grundsätzlichen Sache zu tun. Vermutung und Projektion.
Sehr schöner Allgemeinplatz. Nichtssagend. Am besten jetzt noch ein weises Zitat eines Indianerhäuptlings.
Bitte zurück zum Thema:
- Informationszugang ist Menschenrecht
- freie Meinungsäußerung ist Menschenrecht
In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht nichts einschränkendes zu speziellen Kommunikationwegen Punkt Und wenn Du tausendmal Dieter Bohlen nicht magst - es hat nichts, aber auch gar nicht, mit dem Thema zu tun.
Moderator
15.01.2012 00:28
Natürlich kann man, auch als Konzern, eine Regierung verklagen, die gegen Gesetze verstößt. (Gerade in Deutschland ein beliebter Sport, unsere Regierung versucht ja auch möglichst oft Anlass zu bieten...) Und innerhalb der mehr-oder-minder demokratischen Union kann das auch auf Grundlage von EU-Recht erfolgen. Da wurden schon mehrfach nationale Regelungen gekippt, weil sie Grundrechte verletzten.
In dem Fall bin ich aber mal auf den Erfolg gespannt. Denn zumindest dass, was die Industrie scheinbar fordert, geht auch über deutsche Regelungen hinaus (die afaik nicht gegen EU-Gesetze verstoßen). Entweder bringen sie hier gleich ein paar zusätzliche Forderungen mit in die Diskussion ein, oder aber die irischen Regelungen verstoßen nur gegen EU-Richtlinien, nicht Verordnungen. Und letztere müssen z.T. gar nicht umgesetzt werden, wenn sie gegen die Verfassung des Mitsgliedslandes verstoßen.
Das ist eine sehr weite Auslegung letzterer...
Wenn man fair an die Sache rangeht, muss man ganz klar sagen: In den letzten anderthalb Jahrzehnten wurden ganze Abofallenbranchen durch neue Gesetze vernichtet. Aber Raubkopieren ist beliebter denn je.
Willkommen im Kapitalismus, in dem der Staat nicht versucht, Unternehmen zum Wohle der Menschheit und deren Grundversorgung zu lenken, sondern in dem Unternehmen das machen, was am profitabelsten erscheint.
Es gibt wenig Dinge, die sich in den letzten 2000 Jahren so stark gewandelt haben, wie das Urheberrecht. Da könnte man selbst die Nukleartechnik als älter bezeichnen, denn die Menschheit hat sich schon vor >2000 Jahren Gedanken über kleinste Teilchen gemacht, kannte aber vor 200 Jahren noch nicht einmal so etwas wie "Urheberrecht". Wozu auch? Vor dem großindustriellen Verlagswesen hatte nicht der Autor, sondern der Kopierer die Hauptarbeit bei der Erzeugung eines neuen Exemplares. Das jeder sich mal eben einen hochwertigen Abzug machen kann (gar von Musik. Oder sogar Film), ist noch keine 20 Jahre her - auch wenn viele PC-Nutzer irgendwie nicht mehr in der Lage, Prozesse zu erfassen, die sich nicht alle 12 Monate einmal komplett runderneuern.
In Karl Marx' Vorstellung sollten die sich spätestens im 21. Jhd. verabschieden. Der Gegenbeweis wurde anschaulich geführt und alle weiteren theoretischen Überlegungen zum Potential der Menschheit, wie sie sich heute darstellt, erübrigt sich damit wohl.
Das Konzept des Besitzes ist ein verdammt fundamentaler Bestandteil unseres heutigen Wirtschafts-Gesellschaftsmodell und die wenigsten Leute sind noch in der Lage, außerhalb dieses Modells zu denken. Auch in unserem Grundgesetz steht das Recht auf Besitz auffallend nahe an Menschenrechten&Co und das Urheberrecht ist eben dessen Gegenstück für intellektuelle Güter - die eine immer größere Bedeutung im Warenverkehr haben.
Verbietet es Apple den Künstlern, eine "spielt Musik von XYZ"-App rauszubringen? Afaik nicht.
Traurigerweise muss man aber klar sagen: Die Mehrheit will keine Künstler. Die Mehrheit will produzierte Musik. Deswegen sind nicht diverse alternative Kreative erfolgreich, sondern Bohlens Retortenbabys. Die Musikindustrie ist, in Form von Werbung und Vermarktung, weiterhin unverzichtbar für den großen Erfolg. Das ist traurig - aber es ist keine Schuld der Musikindustrie. Sondern in Teilen der (Nicht-)Künstler, vor allem aber der Konsumenten. Dass die auf die Folgen ihres eigenen Verhaltens damit reagieren, dass sie sich die Produkte dieser Industrie unentgeltlich aneignen, anstatt wenigstens nach der Erkennung der Nachteile nach freier und echter Kunst zu gucken, hat dann auch wenig mit Gerechtigkeit und viel mit Egozentrismus zu tun.
Ein Vergleich von Musik und Natur erscheint passend: Beides sollte eigentlich frei sein und alle sollten sich daran erfreuen. Stattdessen behandeln es alle als ihren persönlichen Besitz, bedienen sich, wann wo und wie sie wollen, ohne auf Folgen zu achten und wehe dem, der ihnen dabei in den Weg tritt.