Quo vadis, PC: Mit Vollgas ins Verderben? Die PCGH-Redaktionskolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Zum Abschluss dieser Woche spricht Thilo Bayer darüber, wie es mit PC-Spielen weitergeht - oder auch nicht.
(PCGH, 13.11.2011)
Quo vadis, PC: Mit Vollgas ins Verderben? Die PCGH-Redaktionskolumne [Quelle: siehe Bildergalerie]
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Zum Abschluss dieser Woche spricht Thilo Bayer darüber, wie es mit PC-Spielen weitergeht - oder auch nicht.
Ich gebe zu, die Überschrift bietet ein gerüttelt Maß an Effekthascherei. Immerhin wird dem PC als Spiele-Plattform regelmäßig nachgesagt, er habe nicht mehr viele seiner Leben zu verlieren (gesetzt den Fall, der PC hat wie Katzen mehrere davon, was ich fest glaube). Doch in den letzten Wochen und Monaten sind einige bemerkenswerte Vorfälle zu verzeichnen, die zumindest für mich das alte Thema wieder hochspülen.
Wir erinnern uns vielleicht alle an letztes Jahr oder gar bis zum März 2011. "Konsolenports" wurde zum geflügelten Unwort, die auf der Gamescom 2010 geschürten Hoffnungen, PC-Spiele (also solche, die entweder exklusive PC-Technik-Features haben oder gar exklusiv für PC erscheinen) erleben einen zweiten (dritten, vierten?) Frühling, wurden jäh zerstört. Die ersten DirectX-11-Spiele entpuppten sich als Gurken (Dragon Age 2 anybody?, Shogun 2 kam der DX11-Pfad erst hinterher), und die große Hoffnung Crysis 2 war nur eine - Hoffnung. Alles, aber auch wirklich alles war hier auf Konsole getrimmt, auch der DX11-Patch und die angeblichen "High-Res"-Texturen konnten den angerichteten Scherbenhaufen nicht wieder rückgängig machen. Es sah fast so aus, als ob auch 2011 wieder nur Enttäuschungen für PC-Spieler bieten würde. Doch dann war klar, dass Battlefield 3 kommt. Ein episches Spiel mit dem PC als Lead Plattform, dachte man. Wäre da nur nicht Origin und der ganze Rattenschwanz dahinter gewesen. Das Spiel hätte richtig (!) einschlagen können, auf dem PC. Hat es durchaus auch getan, aber während die PC-Verkäufe nach einem sensationellen Start runter gingen, legten die Konsolen ordentlich zu. Am Ende des Tages werden EA/Dice feststellen, dass die Konsolenversionen wesentlich mehr Spieler gefunden haben und entsprechend den Fokus bei Battlefield 4 ausrichten. Alles andere wäre wirtschaftlich gesehen Unsinn. Dass EA diese Entwicklung durch Origin wesentlich beeinflusst hat, das wird im Nachgang keine Rolle mehr spielen.
Doch Origin und seine Kumpanen allein sind nicht das Problem. Selbst die Spiele, die noch exklusiv für PC erscheinen, sind in der "Krise" - besser gesagt ihre Entwickler. Schmale Budgets, fordernde Publisher, schlechtes Projektmanagement - das sind vermutlich nur einige der vielen Gründe, warum es aktuell immer wieder vorkommt, dass PC-Spiele zum Start bestenfalls eine Frechheit sind. Spontan fallen mir da Elemental (ein legitimer Nachfolger für Master of Magic), Stronghold 3 und Sword of the Stars 2 ein. Alles Spiele, die bei Release nahe der Unspielbarkeit waren und erst durch Patches halbwegs spielbar wurden (oder werden). Es ist einfach unglaublich, wenn Käufer von PC-Spielen 40 oder 50 Euro abdrücken und die Publisher dann Spiele rausstellen (möglichst ohne der Presse die Chance zu geben, die Spiele vorher zu prüfen), die bei jedem ernsthaften Bug-Testing komplett durchfallen würden. Das kann und darf einfach nicht das Konzept für eine ernsthafte PC-Spiele-Veröffentlichungskultur sein. Wenn, dann sollten es die Entwickler wenigstens wie Blind Mind Studios bei Star Ruler handhaben. Da wurde klipp und klar gesagt, dass das Spiel nicht fertig sei, es aber veröffentlicht werden müsse, damit die Entwickler wieder Geld reinbekommen, um das Spiel fertigzustellen zu können. Da hätte vermutlich jeder Spieler Verständnis dafür und würde sich nicht veräppelt vorkommen.
Was man auch nicht verschweigen, sondern anprangern sollte: Heroes 6 sollte angeblich ohne Onlinezwang kommen. Ubisoft hat das aber so geschickt (mehr oder weniger) umgesetzt, dass man Offline-Only echte Nachteile gegenüber Online-Spielern hat, auch in der Kampagne. Und: Vermeintliche Koop-Perlen sind dann doch nur halbgar, weil man den Koop-Modus nicht an einem PC benutzen kann - MEINE FRESSE, das konnte jedes C64-Spiel! (Entschuldigen Sie bitte die Entgleisung an dieser Stelle!)
Es gibt natürlich auch PC-Spieleumsetzungen, die "sauber" an den Start gehen. Die sollen an dieser Stelle keinesfalls verschwiegen werden. Ich spiele zum Beispiel sehr viel und sehr gerne Might & Magic Clash of Heroes, das Ding ist noch nie abgestürzt, hat ein Krümelgrafik, kostet 15 Euronen und bietet 50 Stunden Fun, Fun, Fun. Aber bitte, liebe Entwickler und vor allem Publisher: Hört auf mit diesem Wahnsinn. Das wird sonst noch böse enden.
Redaktions-Kolumne In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben und zwar jeden Sonntag um 13:15 Uhr.
AW: Quo vadis, PC: Mit Vollgas ins Verderben? Die PCGH-Redaktionskolumne
@ Painkiller
Ich muss da immer an Shenmue denken... ein tolles Spiel, revolutionär für die damalige Zeit, jedoch hätte jeder Dreamcast-Besitzer zwei kaufen müssen damit Sega die Kosten hätte decken können.
Es ist nunmal so das der Publisher das Geld meist vorschießt und natürlich ein großes Risiko hat und es schon öfters Spiele gab die toll waren und ein großes Budget hatten aber dennoch nicht in entsprechender Anzahl gekauft wurden...
Ist zwar sehr traurig das Publisher so über Kunden denken aber in jeder Branche wird der Kunde als der "dümmste gemeinsame Nenner" behandelt weil man um sich abzusichern immer vom schlimmsten ausgehen muss und beim Kunden gibts bei Dummheit keine Grenzen
AW: Quo vadis, PC: Mit Vollgas ins Verderben? Die PCGH-Redaktionskolumne
Noch gibt es diese Spielkonzepte. Zum Glück. Siehe auch die erwähnten PC-Spiele, wo die Entwickler leider offenbar auf Publisherdruck das Spiel rausstellen mussten. Aber diese Art von Spielen sollte auch halbwegs bugfrei auf den Markt kommen.
Die Konzepte gibt es schon, nur hakt es scheinbar bei den Publishern und nicht bei den Entwicklern. Bestes Beispiel: The Crossing Das Spiel wird nicht vielen was sagen. Es wollte Singleplayer und Multiplayer mischen. Sah auch ganz gut aus, für die damalige Zeit. Hier mal ein Video. Leider wurde das Projekt eingestampft.
Wenn ich sowas lese, dann weiß ich wo ich die Schuldigen suchen muss. Nicht bei den Entwicklern... Sondern bei den Publishern. Die halten und PC-Spieler also quasi für dumm?! Ich frag mich ob sie wissen was wir Gamer von ihnen halten. Auf jeden Fall zeigt dieser Kommentar deutlich, wohin es die Spiele verschlagen wird. Hoffen wir das wenigstens ein paar Studios gegen den Strom schwimmen werden!
Die Konzepte und Ideen sind da. Nur lassen die wenigsten Publisher die Umsetzung zu. Gerade bei den kleinen Studios ist sowas schwierig. Denn die sind auf das Geld der Publisher angewiesen.
Zum Thema "Grafik":
Grafik kann (muss aber nicht) ein Blender sein. Das Spiele auch ohne High-End-Grafik Spaß machen können wurde dieses Jahr schon bewiesen.
- Deus Ex: Human Revolution - Dead Island - Duke Nukem Forever
Nur um mal ein paar zu nennen. Auf das Gesamtkonzept kommt es an! (Zumindest bei mir!)
AW: Quo vadis, PC: Mit Vollgas ins Verderben? Die PCGH-Redaktionskolumne
Vielen Dank für die Kolumne, trifft das Thema eigentlich sehr gut!
Als PC-Spieler kann man halt nur hoffen das bald die neuen Konsolen veröffentlicht werden damit sich zumindestens grafisch etwas tut. Den Inhalt/das Handling von den meisten Spielen hat man ja schon irgendwo mal gesehen/erlebt, deswegen wird es mit der Zeit immer schwerer (man wird ja auch nicht jünger...) sich dasselbe ausgelutschte Gameplay nochmal anzutun nur weil es hübscher präsentiert wird und die Neuerungen immer schön in kleinen Schüben auf den Markt kommen (man will ja im nächsten Jahr auch noch was als "neu&toll" verkaufen).
Ich kann schon verstehen warum Leute MW3 spielen, es ist ja kein schlechtes Spiel an sich nur halt die alljährlichen Addons zum Vollpreis... Jedoch habe ich solche Spiele schon vor 10 Jahren gespielt und da auch nicht jedes Jahr € 50,- dafür bezahlt und habe mitlerweile andere Interessen und so liegt mir BF z.B. viel mehr...
Hm The Witcher 1 hat mich leider nicht überzeugt so hab ich den zweiten Teil nie gespielt, aber dafür gehts jetzt weiter mit Skyrim
PC-Selbstbauer
14.11.2011 14:10
@ Painkiller
Ich muss da immer an Shenmue denken... ein tolles Spiel, revolutionär für die damalige Zeit, jedoch hätte jeder
Dreamcast-Besitzer zwei kaufen müssen damit Sega die Kosten hätte decken können.
Es ist nunmal so das der Publisher das Geld meist vorschießt und natürlich ein großes Risiko hat und es schon öfters Spiele gab die toll
waren und ein großes Budget hatten aber dennoch nicht in entsprechender Anzahl gekauft wurden...
Ist zwar sehr traurig das Publisher so über Kunden denken aber in jeder Branche wird der Kunde als der "dümmste gemeinsame Nenner"
behandelt weil man um sich abzusichern immer vom schlimmsten ausgehen muss und beim Kunden gibts bei Dummheit keine Grenzen
Cya Yakup
Moderator
14.11.2011 13:45
Die Konzepte gibt es schon, nur hakt es scheinbar bei den Publishern und nicht bei den Entwicklern. Bestes Beispiel: The Crossing
Das Spiel wird nicht vielen was sagen. Es wollte Singleplayer und Multiplayer mischen. Sah auch ganz gut aus, für die damalige Zeit. Hier mal ein Video. Leider wurde das Projekt eingestampft.
[YTHD]QhroZHTjNFw[/YTHD]
Nun kommt ein neues Spiel dieses Entwicklers:
extreme.pcgameshardware.d...
Hört sich auch ganz gut an, vom Inhalt her. Und plötzlich liest man sowas hier:
Dishonored - »Die Publisher dachten, ihr seid nicht schlau genug dafür« - News bei GameStar.de
Wenn ich sowas lese, dann weiß ich wo ich die Schuldigen suchen muss. Nicht bei den Entwicklern... Sondern bei den Publishern.
Die halten und PC-Spieler also quasi für dumm?! Ich frag mich ob sie wissen was wir Gamer von ihnen halten.
Die Konzepte und Ideen sind da. Nur lassen die wenigsten Publisher die Umsetzung zu. Gerade bei den kleinen Studios ist sowas schwierig. Denn die sind auf das Geld der Publisher angewiesen.
Zum Thema "Grafik":
Grafik kann (muss aber nicht) ein Blender sein. Das Spiele auch ohne High-End-Grafik Spaß machen können wurde dieses Jahr schon bewiesen.
- Deus Ex: Human Revolution
- Dead Island
- Duke Nukem Forever
Nur um mal ein paar zu nennen. Auf das Gesamtkonzept kommt es an! (Zumindest bei mir!)
PC-Selbstbauer
14.11.2011 13:01
Vielen Dank für die Kolumne, trifft das Thema eigentlich sehr gut!
Als PC-Spieler kann man halt nur hoffen das bald die neuen Konsolen veröffentlicht werden damit sich zumindestens
grafisch etwas tut. Den Inhalt/das Handling von den meisten Spielen hat man ja schon irgendwo mal gesehen/erlebt,
deswegen wird es mit der Zeit immer schwerer (man wird ja auch nicht jünger...) sich dasselbe ausgelutschte Gameplay
nochmal anzutun nur weil es hübscher präsentiert wird und die Neuerungen immer schön in kleinen Schüben
auf den Markt kommen (man will ja im nächsten Jahr auch noch was als "neu&toll" verkaufen).
Ich kann schon verstehen warum Leute MW3 spielen, es ist ja kein schlechtes Spiel an sich nur halt
die alljährlichen Addons zum Vollpreis... Jedoch habe ich solche Spiele schon vor 10 Jahren gespielt und da auch nicht jedes Jahr
€ 50,- dafür bezahlt und habe mitlerweile andere Interessen und so liegt mir BF z.B. viel mehr...
Hm The Witcher 1 hat mich leider nicht überzeugt so hab ich den zweiten Teil nie gespielt, aber dafür gehts jetzt weiter mit Skyrim
Cya Yakup